Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wahlplakate verschiedener Parteien stehen in Bern, am Dienstag, 22. September 2015. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Für die Kleinparteien ist es nicht leicht, sich im Wahlkampf gegen die «Grossen» zu behaupten.
Bild: KEYSTONE

Parteien im Profil: EVP, Lega, AL, Piraten und Co. – diese «Kleinen» wollen nach Bern

Mehrere kleine Parteien hoffen, nach den Wahlen am 18. Oktober erneut oder erstmals ins Bundeshaus einziehen zu können. Die meisten tummeln sich am linken und rechten Rand.

02.10.15, 07:47


In den letzten Wochen hat watson sämtliche Parteien porträtiert, die in Fraktionsstärke im Bundeshaus vertreten sind. Zum Abschluss folgt ein Überblick über kleinere Gruppierungen, die bei den Wahlen am 18. Oktober nach Bern streben. Berücksichtigt wurden Parteien, die bereits im Parlament vertreten sind, gute Wahlchancen haben und/oder in mehr als drei Kantonen antreten:

EVP

Seit ihrer Gründung im Jahr 1919 war die Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP) mit Ausnahme einer Legislaturperiode (1939-1943) stets im Nationalrat vertreten. Zu einer eigenen Fraktion hat es ihr aber nie gereicht. Derzeit besteht die Berner Delegation aus Parteipräsidentin Marianne Streiff-Feller (BE) und Maja Ingold (ZH). Im Nationalrats-Rating der NZZ stehen sie am linken Rand der Mitte, vor allem aufgrund ihrer Positionen in der Ausländer- und Sozialpolitik.

Nationalraetin und EVP-Parteipraesidentin Marianne Streiff spricht an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der EVP vor den Eidgenoessichen Wahlen, am Samstag, 5. September 2015 in Oberburg BE. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Parteipräsidentin Marianne Streiff-Feller dürfte die Wiederwahl schaffen.
Bild: KEYSTONE

Die EVP mag eine ewige Kleinpartei sein, sie verfügt aber auch über eine treue Basis und ist beinahe unzerstörbar. Anders als der Landesring der Unabhängigen (LdU), mit dem sie einst eine Fraktion bildete, muss sie nicht mit der baldigen Auflösung rechnen. Die Wiederwahl von Streiff-Feller und Ingold steht so gut wie fest, und sogar ein dritter Sitz ist möglich, am ehesten im Aargau. Der Kanton erhält ein zusätzliches Mandat in der grossen Kammer, und mit Lilian Studer, der Tochter des 2007 abgewählten Heiner Studer, verfügt die EVP über ein starkes Zugpferd.

So wählst du richtig

Nationalrat

Ständerat

Der Verein Politools lässt dich deine politischen Einstellungen auf der Wahlplattform Smartvote mit denjenigen der kandidierenden Politiker vergleichen. Es empfiehlt sich, nicht Kandidaten mit der grössten Übereinstimmung zu wählen, sondern solche mit grosser Übereinstimmung und intakten Wahlchancen.

EDU

Während die EVP ihre Basis vorwiegend bei Mitgliedern der reformierten Landeskirche hat, stützt sich die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) ausschliesslich auf evangelikale Freikirchler ab. In ihrer Selbstbeschreibung definiert sie sich als Partei, die sich «zu den christlichen Werten aufgrund der Aussagen der Bibel» bekennt. Anders als die nach links tendierende EVP steht die EDU stramm rechts, in den meisten Fällen befindet sie sich auf der gleichen Linie wie die SVP.

Delegierte debattieren ueber Initiativen und Referenden waehrend der Delegiertenversammlung der Eidgenoessisch-Demokratischen Union (EDU) am Samstag, 22. August 2015 in Huttwil. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Nach vier Jahren «Zwangspause» hat die EDU gute Chancen auf eine Rückkehr in Bern.
Bild: KEYSTONE

Vor vier Jahren verlor die Partei ihren letzten verbliebenen Sitz im Nationalrat. Nun spricht vieles für ein Comeback. Das Prognosemodell von watson-Mitarbeiter Stefan Trachsel verheisst ihr gleich zwei Sitzgewinne, am ehesten in Bern und Zürich. Unter Umständen wäre eine gemeinsame Fraktion mit der EVP möglich, doch diese ist gemäss NZZ nicht sonderlich interessiert.

Lega

Ihre «Gründerväter» Giuliano Bignasca und Flavio Maspoli sind tot, die Lega dei Ticinesi aber ist quicklebendig. Bei den kantonalen Wahlen im April behaupteten sich die Tessiner Rechtspopulisten trotz leichter Verluste als stärkste Partei, ausserdem verteidigten sie ihre beiden Sitze in der Regierung. Die Lega profitiert vom Frust vieler Tessiner, die sich von den mehr als 60'000 Grenzgängern aus Italien bedroht und vom Rest der Schweiz im Stich gelassen fühlen.

Lega-Anhaenger feiern ihren Wahlsieg vor dem Stadthaus auf der Piazza della Riforma in Lugano am Sonntag, 10. April 2011. Zwischen der Tessiner CVP und der Lega dei Ticinesi zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, wer zweitstaerkste Fraktion im Grossen Rat wird.  (KEYSTONE/Karl Mathis)..

Die Lega dürfte ihre zwei Sitze im Nationalrat verteidigen.
Bild: KEYSTONE

Im Nationalrat verfügt die Lega mit Roberta Pantani und Lorenzo Quadri über zwei Mandate. Sie dürfte diese verteidigen, auch wenn eine neue Umfrage des «Giornale del Popolo» einen Sitzverlust nicht ausschliesst. Die Lega hat sich in Bern der SVP-Fraktion angeschlossen, mit der sie auch eine Listenverbindung eingegangen ist.

MCG

Das Mouvement Citoyens Genevois (MCG) ist eine Art Genfer Pendant zur Tessiner Lega. Hauptthema der Protestpartei sind die französischen Grenzgänger, gegen die sie eine teils aggressive Kampagne führt. Damit wurde sie bei den Kantonswahlen 2013 zur zweistärksten Partei hinter der FDP, ausserdem eroberte sie einen Sitz in der Kantonsregierung. Mit ihren tendenziell etatistischen Positionen entspricht das MCG den Befindlichkeiten in der Romandie eher als die neoliberale SVP.

Une personne passe vers les affiches electorales du Parti liberal-radical (PLR) et du Mouvement citoyens genevois (MCG) pour les elections aux chambres Federales 2015, ce lundi 28 septembre 2015 a Geneve. Les elections Federales pour le Conseil National et le Conseil aux Etats auront lieu le dimanche 18 octobre 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

«Verteidigt die Genfer Identität»: Wahlplakat des MCG.
Bild: KEYSTONE

In letzter Zeit lief es für die Partei nicht mehr rund. Ihr charismatischer und cholerischer Mitbegründer Eric Stauffer verlor seinen Sitz in der Exekutive der Gemeinde Onex. Die Expansion in andere Westschweizer Kantone scheiterte. Dennoch darf MCG-Nationalrat Roger Golay mit der Wiederwahl rechnen. In Bern gehört er zur SVP-Fraktion.

PdA/SolidaritéS

Die Romandie ist auch ein guter Boden für die radikale Linke. Während Jahrzehnten waren die Partei der Arbeit (PdA) und die 1992 in Genf gegründete Partei SolidaritéS im Nationalrat vertreten, mit abnehmendem Erfolg. Seit dem Rücktritt des Waadtländer Kommunisten und Bonvivants Josef Zisyadis 2011 war dies nicht mehr der Fall.

Le president de l’executif de la ville du Locle Denis de la Reussille, lors d’une conference de presse ou les deux executifs in corpore du Locle et de La Chaux-de-Fonds s’expriment suite aux decisions du Conseil d’Etat Neuchatelois concernant l’Hopital neuchatelois ce mercredi 28 janvier 2015 dans la salle du Conseil general de l’Hotel de Ville de La Chaux-de-Fonds. (KEYSTONE/Stefan Meyer)

Denis de la Reussille könnte in Neuenburg einen Sitz erobern.
Bild: KEYSTONE

Ein Grund für die Niederlage 2011 war die Zerstrittenheit der Linksaussen-Parteien. Jetzt marschieren sie wieder gemeinsam und haben reelle Chancen auf eine Rückkehr nach Bern. Sie könnten dabei von der anhaltenden Formschwäche der Grünen profitieren. In Neuenburg hat PdA-Kandidat Denis de la Reussille, Gemeindepräsident von Le Locle, gute Aussichten, den Sitz der abtretenden grünen Nationalrätin Francine John-Calame zu erben.

AL

Die Alternative Liste (AL) ist nur in den Kantonen Zürich und Schaffhausen aktiv. Sie zielt auf jene Wählerinnen und Wähler, denen SP und Grüne zu zahm sind. 2010 gründete sie mit den welschen Linksaussen-Parteien das Bündnis Alternative Linke, das bislang nur wenig Wirkung entfaltet hat. 

Markus Bischoff, Kantonsrat AL und Praesident des Zuercher Gewerkschaftsbundes, spricht beim traditionellen 1. Mai-Umzug am Freitag, 1. Mai 2015, dem Tag der Arbeit, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)....Workers and unionists march in the streets of Zurich during the labor day demonstration, Switzerland, Friday, May 1, 2015. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Markus Bischoff hat intakte Chancen im Kanton Zürich.
Bild: KEYSTONE

Hochburg der AL ist die Stadt Zürich, insbesondere die traditionell linken Kreise 4 und 5. Für Aufsehen sorgte 2013 die Wahl von Richard Wolff in den Stadtrat und seine Bestätigung ein Jahr später bei der Gesamterneuerungswahl. Wolff tritt auch zur Nationalratswahl an, allerdings nur als Aushängeschild. Dennoch hat die AL intakte Chancen auf einen Sitzgewinn. Ihr Spitzenkandidat Markus Bischoff geniesst selbst bei bürgerlichen Politikern Respekt.

LDP

Die Liberale Partei der Schweiz fusionierte 2009 mit der FDP. In einem (Halb-)Kanton aber hält sie sich unverdrossen als eigenständige Kraft: In Basel-Stadt, wo sie als Liberal-Demokratische Partei (LDP) traditionell die Interessen des Grossbürgertums, des so genannte «Daig», vertrat. Ihr profiliertester Kopf ist der national und kantonal bestens vernetzte Bildungsdirektor Christoph Eymann.

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON BASEL-STADT STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 23. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Christoph Eymann, Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungsdepartementes des Kantons Basel Stadt, spricht an einer Medienkonferenz betreffend Schulharmonisierung, in Basel am Donnerstag, 23. Dezember 2010. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Gelingt Christoph Eymann die Rückkehr nach Bern?
Bild: KEYSTONE

Er kandidiert für den Nationalrat, dem er bereits von 1991 bis 2001 angehörte. Beim ersten Anlauf 2011 scheiterte er klar, nun sind die Perspektiven für den 64-Jährigen deutlich besser. Die LDP ist mit der FDP eine Listenverbindung eingegangen, und Eymann wird zugetraut, den bisherigen FDP-Nationalrat Daniel Stolz zu verdrängen. 

Piratenpartei

Die 2009 gegründete Piratenpartei Schweiz (PPS) tritt in sechs Kantonen zu den National- und Ständeratswahlen an. Vor vier Jahren war es noch einer mehr. Ihr Programm lässt sich am ehesten auf die Formel «mehr Freiheit, weniger Verbote» eindampfen. Die Piraten wollen Cannabis legalisieren und unterstützen das Referendum gegen das Nachrichtendienstgesetz.

Ein Wahlplakat der Piratenpartei haengt in Bern, am Dienstag, 22. September 2015. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Trotz origineller Werbung sind die Piraten chancenlos.
Bild: KEYSTONE

Der Einzug ins Bundeshaus ist ausser Reichweite, dafür fehlen der Piratenpartei potente Partner. «Unsere Chancen sind klein, das muss man realistisch sehen», sagte ihr Zürcher Spitzenkandidat Marc Wäckerlin im watson-Interview.

SD

Die Rechtsaussen-Partei hält sich unverdrossen, obwohl sie in den letzten zwei Jahrzehnten den grössten Teil ihrer Wählerschaft an die SVP verloren hat. Vor vier Jahren erreichte sie noch einen Wähleranteil von 0,2 Prozent. Trotzdem versuchen es die Schweizer Demokraten erneut in fünf Kantonen, ohne echte Perspektive auf einen Sitzgewinn.

Bernhard Hess, Praesident der Schweizer Demokraten, spricht im Namen eines Schweizerischen Komitees fuer sichere Arbeitsplaetze und solide Sozialwerke, am Freitag, 8. Juli 2005 in Bern, gegen die Personenfreizuegigkeit. (KEYSTONE/Edi Engeler)

Der bislang letzte SD-Nationalrat Bernhard Hess wurde 2007 abgewählt.
Bild: KEYSTONE

Ihr letzter Nationalrat, der Berner Bernhard Hess, wurde 2007 abgewählt. Nach 40 Jahren war die Partei nicht mehr in Bern vertreten. Hauptthema der Schweizer Demokraten ist und bleibt die «Überfremdung». Im Gegensatz zur SVP machen sie sich auch für ökologische und soziale Anliegen stark.

Abonniere unseren Daily Newsletter

3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • arpa 03.10.2015 09:43
    Highlight Schade sind die Piraten in Graubünden (noch) nicht aktiv...
    2 1 Melden
  • sheimers 02.10.2015 08:06
    Highlight Ecopop habt ihr vergessen. Nicht, dass ich die wählen würde. Aber man sollte sie erwähnen, damit sie der grossen, rechtsextremen Partei ein paar Stimmen wegnehmen.
    5 3 Melden
    • Peter 02.10.2015 10:15
      Highlight Ecopop tritt nur in zwei Kantonen an (AG und ZH) an und hat keine reellen Chancen auf einen Sitzgewinn. Damit erfüllt sie meine (selbst definierten) Kriterien nicht. Es gibt noch einige derartige Grüppchen, die Liste würde ausufern.
      13 0 Melden

Die Schweiz hat noch 1114 Post-Filialen – die Post ist zufrieden, andere nicht

Die Post ist bei der angekündigten Verkleinerung des Poststellennetzes auf Kurs. Derzeit gibt es noch 1114 Filialen. Die Gewerkschaft Syndicom wirft der Post Augenwischerei vor.

Gemäss den 2016 bekannt gegebenen Plänen der Post soll die Zahl der Postbüros bis 2020 von 1400 auf 800 bis 900 gesenkt werden. Im Gegenzug sollen die Zugangspunkte für Postdienste von 3700 auf mindestens 4200 erhöht werden.

Das Ziel werde erreicht, sagte Thomas Baur, Verantwortlicher des Poststellennetzes, an einer …

Artikel lesen