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4 Punkte, damit du im Fall des CVP-Doppelmoralisten Buttet den Überblick behältst

Der Vorgang ist aussergewöhnlich. Die Präsidien von National- und Ständerat diskutierten an ihrer gestrigen Sitzung die Stalking-Vorwürfe gegen den Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet. Und sie verurteilten jegliche Form sexueller Belästigung entschieden. Die Ratsspitze prüft nun Massnahmen.

Doris Kleck / Nordwestschweiz



Die CVP war in Feierlaune: In Freiburg feierte sie am Mittwoch ihren neuen Nationalratspräsidenten Dominque de Buman. Die Kathedrale, der Schnee, die Freude – wie in einem Adventskalender fühlten sich die CVP-Honoratien, als die Westschweizer Zeitung «Le Temps» einen explosiven Artikel publizierte: «Belästigung: Gleich mehrere Frauen prangern Yannick Buttet an», lautete die Schlagzeile. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile.

Kurz zuvor hatte der Walliser CVP-Nationalrat Buttet seinen Parteipräsidenten Gerhard Pfister über das Strafverfahren gegen ihn informiert. Gestern Morgen beantragte Buttet dann seine Suspendierung als Vizepräsident der Partei.

Die Vorwürfe

Die Vorwürfe gegen den Walliser sind happig. Einerseits geht es um eine Strafanzeige seiner Ex-Geliebten. In der Nacht auf den 19. November hat er um zwei Uhr morgens rund 20 Mal an ihrer Haustür geklingelt, bis die Mutter zweier Kinder die Polizei alarmierte. Bei deren Ankunft versuchte der CVP-Politiker durch den Garten abzuschleichen. Gegenüber der Polizei hat er den Vorwurf «halbwegs» bestätigt.

Doch die Anschuldigen gehen weiter: Seit dem Ende der Affäre soll Buttet seiner Ex-Geliebten zahlreiche SMS und Email geschickt und angerufen haben. Manchmal bis zu 50 Mal pro Tag. Diese Geschichte beschäftigt nun die Justiz. Der genaue Inhalt der Anzeige ist nicht bekannt.

Nationalrat Yannick Buttet, CVP-VS, spricht am Handy an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 30. November 2017, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Wollte mit keinen Journalisten mehr sprechen Yannick Buttet gestern im Nationalratssaal. Bild: KEYSTONE

Delikat, aber schwieriger absehbar in den Folgen sind ebenfalls in «Le Temps» anonym erhobene Vorwürfe von Journalistinnen und Parlamentarierinnen. Die Rede ist von einem «unkontrollierten Sextrieb». Unter Alkoholeinfluss ändere er seine Persönlichkeit und kenne keine Grenzen mehr. Dieser Zeitung sind zwei Fälle von Parlamentarierinnen bekannt, die sich körperlich von Buttet bedrängt fühlten. In einem Fall schritten Kollegen des CVP-Nationalrates ein.

Sex-Skandal bei CVP-Politiker

Yannick Buttet soll seine Geliebte terrorisiert haben.  Video: © TeleM1

Buttet war gestern im Bundeshaus präsent. Zu den Vorwürfen wollte er jedoch nicht mehr Stellung nehmen. Gegenüber «Le Temps» gab er zu Protokoll, dass eine schwere Ehekrise seine Urteilskraft und sein Verhalten beeinflusst hätten. Ihm sei bewusst, dass er sich während dieser schweren Zeit und unter dem Einfluss von Alkohol manchmal Personen in einer Weise genähert habe, welche dies als störend oder verletzend hätten empfinden können.

Die Reaktionen

Im Bundeshaus reagierten die Politiker auf zwei Arten: Die einen fielen aus allen Wolken. Andere waren nicht erstaunt. Gemein ist allen: Öffentlich den Zeigefinger erheben will niemand. Rücktrittsaufforderungen? Die gibt es nicht von den Kollegen. «Yannick Buttet muss die Konsequenzen selber tragen», sagt Maya Graf (G/BL). Auf die Frage, ob Buttet noch tragbar ist, zögert CVP-Präsident Gerhard Pfister lange und wiederholte dann: «Das Verhalten ist inakzeptabel.» Weitere Schritte werde das Präsidium zusammen mit der Kantonalpartei und Buttet selbst besprechen.

Bundeshaus-Frauen äussern sich zum Fall Buttet

Video: © sda-Video

Was in der Wandelhalle aber zu reden gab: Buttets Doppelmoral. Der 40-jährige gilt als wertkonservativ. Er wurde von seinen Parteikollegen auch gerne vorgeschickt, um gegen gesellschaftliche Öffnungen anzutreten. Mehr Rechte für Homosexuelle? Nicht mit ihm. Die Stiefkindadoption etwa lehnte er ab. Genauso die erleichterte Einbürgerung für Ausländer in eingetragener Partnerschaft.

«Inakzeptabel»: CVP-Präsident Gerhard Pfister zum Fall Buttet

Video: © sda-Video

Diese Schritte sieht er als Angriff auf die Ehe. Und die Familie als Ort, «wo Werte vermittelt werden». Der zweifache Familienvater war einst auch im Komitee der «Sexkoffer-Initiative», die den Sexualunterricht im Kindergarten und der Primarschule ablehnte. Buttet distanzierte sich, als bekannt wurde, dass einer der Mitinitianten wegen Kindsmissbrauch verurteilt worden war. Die Initiative war damit am Ende.

Das Wallis

Werte! Ausgerechnet also die Familienpartei CVP, die eine Wertediskussion führen will, wird mit der Affäre Buttet belastet. Pfister sagt: «Natürlich ist das nicht imagefördernd für die Partei.» Doch man könne nicht von einzelnen Menschen auf die Partei schliessen. Serge Métrailler, Präsident der Unterwalliser CVP drückt sich ähnlich aus.

In Walliser Politkreisen war Buttets aussereheliche Affäre bekannt. Im Vorfeld der Walliser Wahlen hatte die SVP vergeblich versucht, den ehemaligen CVP-Präsidenten Christophe Darbellay wegen seines unehelichen Kindes zu diskreditieren. Die Partei nahm deshalb später Yannick Buttet ins Visier, scheiterte aber auch hier mit ihren Diffamierungsversuchen und wurde später bei den Wahlen abgestraft. Im Unterwallis wird aber auch kolportiert, dass die Spitze der CVP-Wallis Buttet gedrängt habe, zu seiner Frau zurückzukehren.

Die Debatte

Wie weiter in der Affäre? Aus dem Wallis wird sich irgendwann die Justiz mit einem Urteil melden. Und in Bern? Politikerinnen hüteten sich gestern, sich zum Fall Buttet zu äussern. Doch die gesellschaftspolitische Kritik blieb nicht aus. Maya Graf, Co-Präsidentin von Alliance F, spricht von einem tiefverankerten Sexismus im Parlament wie auch in der Gesellschaft und der Wirtschaft. Die patriarchalischen Strukturen bildeten den Nährboden dazu. Es sei wichtig, dass Frauen sich melden und über Erfahrungen reden. Sie wertet es als starkes Zeichen, dass die Präsidien der beiden Parlamentskammern gestern jegliche Form sexueller Belästigung verurteilten. (aargauerzeitung.ch)

Was ist noch erlaubt, was bereits sexuelle Belästigung?

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Video: watson

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • anonüm 01.12.2017 13:32
    Highlight Highlight Durch die Medien werden meiner Meinung nach schnell etwas als sexueller Übergriff angesehen. Nur weil er an der Türe seiner Ex-Frau war, ist dies noch lang kein sexueller Übergriff. Die Medien pushen diesen Fall ein wenig in diese Richtung. Es ist unglaublich welche Wirkung dies auf Leser hat
    • Fabio74 01.12.2017 17:00
      Highlight Highlight Dass der Herr die Frau nachts mit an der Türe klingerln, mit SMS und Mails belästigt hat, ist dann egal?
    • Mutzli 01.12.2017 19:11
      Highlight Highlight Noch mal den Artikel durchlesen: Weder war die Klingelaktion bei seiner Ex-Frau, noch war in diesem Zusammenhang von sexueller Belästigung die Rede.
      Das erstere scheint ein ziemlich klarer Fall von Stalking zu sein, wenn man noch die Nachrichten berücksichtigt. Plus die Tatsache, dass die Frau sich genötigt sah, die Polizei anzurufen.

      Die Anschuldigung der sexuellen Belästigung kommt aus dem parlamentarischen Betrieb, siehe auch die Kollegen die einschreiten mussten.
  • Angelo C. 01.12.2017 13:22
    Highlight Highlight Echt was los bei dieser christlichen Partei, dies im schwarzkatholischen Walliser Umfeld, wie auch anderswo in der Schweiz :

    https://www.blick.ch/news/politik/kokain-dirnen-und-uneheliche-kinder-die-groessten-skandale-der-cvp-politiker-id7670534.html

    Der teuflischen Versuchungen sind offensichtlich viele 😉!
    • Sophia 02.12.2017 11:19
      Highlight Highlight Pass auf, Angelo, der Teufel ist auch nur ein gefallener Engel und der heist Lichtträger=Luzifer!
      Glaubst du an den Teufel?
  • Bert der Geologe 01.12.2017 12:11
    Highlight Highlight Was mich erstaunt, ist, dass Medien und Kommentare mehrheitlich sein moralisches Verhalten beanstanden und nicht sein moralisch-fundamentalisitisches Regelwerk, dass er im Parlament durchsetzen möchte. Sein Privatleben ist sein Privatleben und geht uns nichts an. Aber sein Regelwerk gehört gehörig gerügt, sonst wedelt ja der Schwanz mit dem Hund.
    • Madame Butterfly 01.12.2017 16:25
      Highlight Highlight ist ja nicht nur privat, wenn er sogar imbundeshaus negativ aufgefallen ist.
    • Sophia 02.12.2017 11:22
      Highlight Highlight Richtig Sheldon, das ist der wirkliche Skandal! So einen möchte ich nicht in meinem näheren Umfeld haben. Da fragt man sich doch logischerweise, wie ist es denn bestellt mit diesem Buttet-CVP-Umfeld?
  • TanookiStormtrooper 01.12.2017 11:57
    Highlight Highlight Für mich klingt die ganze Geschichte vor allem so, als hätte Buttet auch noch ein ziemliches Alkoholproblem. Das war für die CVP bisher offensichtlich noch kein Problem, ist er doch in der Parteispitze...
    Bei den Grünen ist erst kürzlich einer wegen einer zugegebenermassen dämlichen Aussage zurückgetreten, bei den Moralaposteln der CVP kann man sich da offenbar mehr erlauben. Einmal beichten, ein paar Rosenkränze beten und gut ist... 😇
  • Mutzli 01.12.2017 10:59
    Highlight Highlight " Doch man könne nicht von einzelnen Menschen auf die Partei schliessen." Das mag zwar stimmen, doch vom Verhalten der Partei auf die Vorkommnisse kann man jedoch sehr wohl etwas schliessen. Hat ihn ja nicht einmal von sich aus zurückgestellt, sondern nur Buttets Antrag entgegengenommen und können jetzt immer noch nichts als rumdrucksen.
    Das mindeste wäre eine Suspendierung aus der Partei, wobei schon nur diese Stalkinggeschichte längst genug sein sollte.

    Auch ein super Beispiel für eine Nichtentschuldigung. Wenn man weiss, dass man sich so verhält, sollte man halt das Saufen lassen...
    • Thinktank 01.12.2017 12:47
      Highlight Highlight Ich finde, man sollte aufgrund des Verhaltens eines Nationalrates auf alle schliessen und gleich das Parlament auflösen:
  • Thinktank 01.12.2017 10:56
    Highlight Highlight Ich versteh das Medienbashing nicht. Er hat ein wenig zu oft an einer Haustür geklingelt, da läuft ein Verfahren wegen Ruhestörung und wird ein paar hundert Franken kosten und schon kommen aus aus allen Löchern anonyme Verleumdungen. Wenn ich ihn wäre, würde ich alle verklagen.
    • Valon Gut-Behrami 01.12.2017 11:46
      Highlight Highlight Ja, Stalking ist sicher sehr angenehm. Alles kein Problem!

      ...
    • Fabio74 01.12.2017 13:20
      Highlight Highlight Wir kommen gern mal um 2 an deiner Türe klingeln. Nerven mit Emails etc
      Du betreibst Täterschutz!
    • Tikvaw 01.12.2017 13:41
      Highlight Highlight Ja so kann man es auch verharmlosen...

      Er ist ein Mann der Frauen und Kinder mitten in der Nacht, durch hartnäckige Aufdringlichkeit, in Angst und Schrecken versetzt und dann noch versucht vor der Polizei zu fliehen als er auf frischer Tat ertappt wird.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dinolino 01.12.2017 10:41
    Highlight Highlight wow, okay er mag ein grüsel sein....aber können wir mal das ordentliche Verfahren abwarten. Das ist Rufmord was alle Medien momentan betreiben.
  • JoeyOnewood 01.12.2017 10:27
    Highlight Highlight "Ausgerechnet in der CVP" - eben nicht, sondern wiedereinmal ein Beispiel, wie sich Menschen benehmen, wenn sie aufgrund von "Werten" (ob selbstauferlegt oder aufgezwungen) ihre Instikte unterdrücken müssen und daher nicht mit ihnen umzugehen wissen.
  • RETO1 01.12.2017 09:00
    Highlight Highlight Was für ein Schwerverbrechen: Er hat 20x geklingelt
    Die Dame hätte ihm ja einen Kaffee anbieten können
    • Fly Baby 01.12.2017 10:48
      Highlight Highlight Oh du Frauenversteher, zum Glück gibt es solche wie dich.
  • Eine_win_ig 01.12.2017 08:18
    Highlight Highlight Die Doppemoral erinnert ei bisschen an den Republikaner, der beim Sex mit einem Mann erwischt wurde.
    Und sorry 50 Anrufe pro Tag? Holy shit... solches Verhalten hat damals Näf sein Amt gekostet. Wäre nur fair, wenns hier gleich ist. Inakzeptabel!
  • rodolofo 01.12.2017 08:16
    Highlight Highlight Unangenehm sind nicht selber kontrollierte und gesponserte Medien (als "4.Gewalt" einer Demokratie) also nicht nur für einen Donald Trump.
    Manch ein CVP-Werte-Politiker würde auch lieber beim traditionellen Verfahren unserer "Christlichen Leitkultur" bleiben und seine Sünden exklusiv mit seinem Beichtvater und mit Gott besprechen...
  • Gzuz187ers 01.12.2017 07:45
    Highlight Highlight Wasser predigen und Wein trinken, passt zur CVP
  • Asparaguss 01.12.2017 07:44
    Highlight Highlight Es gilt die Unschuldsvermutung. Gerüchte in der Wandelhalle etc... Gerade das C der Partei sollte nun dafür da sein, einem geschwächten Menschen zu vergeben und nicht Steine zu werfen.
    • EvilBetty 01.12.2017 10:19
      Highlight Highlight Ja das würde dann zur christlichen Grundeinstellung passen: Scheinhelig reden, sich aber aufführen als ob's kein Morgen gäbe und dann um Vergebung winselnd auf das «Gute im Mensch» hoffen wenn's auskommt.
    • Mutzli 01.12.2017 11:03
      Highlight Highlight "Ein geschwächter Mensch"? Ist ja niemand ausser ihm an seinem Verhalten schuld. Gibt genug Leute mit Beziehungsproblemen, die da durchkommen ohne andere zu belästigen oder stalken.
      Wieso sollte er nun also nicht in der Verantwortung stehen? Vergeben könnten ihm höchstens seine Opfer und wirkliche Konsequenten hatte sein Handeln für ihn ja bisher nicht. Dieses "Vergeben" scheint nichts mehr als Täterschutz zu sein.
  • Calvin Whatison 01.12.2017 07:40
    Highlight Highlight Wasser predigen und Wein saufen: Cüplidemokratische Volkspartei. 😇🥂🍷
    • .:|Caballito de Mantequilla|:. 01.12.2017 08:51
      Highlight Highlight In diesem speziellen Fall steht das C in der Partei für CUCKOLDING!
    • Salome Christen 01.12.2017 10:10
      Highlight Highlight Ehm... Sie wissen was Cuckolding ist oder? Eine Affäre hat damit nix zu tun...
    • EvilBetty 01.12.2017 10:20
      Highlight Highlight In DIESEM speziellen Fall könnts auch für Cockblocking stehen :D
    Weitere Antworten anzeigen
  • meine senf 01.12.2017 07:14
    Highlight Highlight Viele, die sich nach aussen besonders prüde geben, machen das wohl, weil sie befürchten, dass in Wirklichkeit alle so "versaut" seien wie sie selber.
    • Sophia 02.12.2017 11:16
      Highlight Highlight Ich wollte gerade so was ähnliches schreiben, senf, kann mir das nun sparen.
      Füge nur das zu: Kann es sein, dass diese Menschen auch homoerotische Neigungungen haben und daher so vehement gegen Homoehe sind?
      Was soll ich angesichts solcher Eiferer noch von christlicher Ethik halten?
      Da genau da beginnt das Geheuchel: Jesus wurde ein Schamtuch umgehängt, damit niemand sieht, dass er Jude ist? Und die Gnostiker glaubten, dass er bisexuell war, was ja eigentlich göttlich wäre. Frau und Mann sollen gleich viel wert sein.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 01.12.2017 07:09
    Highlight Highlight Nun irgend eine Form von Konsequenzen wird diese Geschichte wohl haben müsse, auch seine "Entschuldigung" entlastet ihn nicht, ganz im Gegenteil.
    Positiv überrascht bin ich jedoch darüber, in einem Fall seine Kollegen interveniert haben, es schein also eine gewisse Sensibilität vorhanden zu sein.

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