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Ein stolzes Stück Mediengeschichte: Tagi-Ausgabe von 1936. Bild: KEYSTONE

Ach Tagi, was ist aus dir geworden? (K)eine Liebeserklärung zum Jubiläum

Der «Tages-Anzeiger» wurde vor 125 Jahren gegründet. Nun lädt der Verlag zum Jubiläumsfest, doch für viele Journalisten gibt es keinen Grund zum Feiern. Man kann sie verstehen.

08.05.18, 10:50 09.05.18, 08:14


Eine Firma veranstaltet ein grosses Fest für ihre Belegschaft – und niemand geht hin? So weit wird es kaum kommen, wenn Tamedia am Mittwoch den 125. Geburtstag des «Tages-Anzeigers» in der Samsung Hall in Dübendorf feiert. Dennoch ist absehbar, dass ein Teil der 3400 Mitarbeitenden des grössten privaten Medienkonzerns der Schweiz durch Abwesenheit glänzen wird.

Bei den Journalistinnen und Journalisten hält sich die Feierlaune in Grenzen. Das gilt besonders für jene von «Berner Zeitung» und «Bund», sie veranstalten am Mittwoch sogar eine Art «Gegenfest» mit Speis, Trank und Musik. Auch in der Westschweiz und in Zürich planen offenbar viele, der Dübendorfer Sause fernzubleiben, behauptet der anonyme Twitteraccount «Inside Tamedia».

Wie kann es sein, dass ein Unternehmen einen Teil seiner Belegschaft dermassen verärgert, dass diese nicht einmal für ein gemütliches Beisammensein zu haben ist?

Die Entwicklung im Hause Tamedia lässt mich nicht kalt, und das nicht nur, weil ich in der gleichen Branche arbeite, sondern auch aus persönlichen Gründen. Der «Tages-Anzeiger» war «meine» Zeitung, seit ich lesen kann, also seit bald einem halben Jahrhundert. Er verschaffte mir Zugang zum Weltgeschehen und weckte in mir den Wunsch, Journalist zu werden.

Während meines Studiums an der Universität Zürich erhielt ich die Chance, für den Tagi zu schreiben. Das längst eingestellte Ressort Regionalsport suchte freie Mitarbeiter. Ich meldete mich und erhielt sogleich den Auftrag, über ein Bogenschiess-Turnier in der Stadthalle Bülach zu berichten. Während ich den Artikel in die Schreibmaschine – jawohl, Schreibmaschine! – tippte, schwitzte ich Blut und Wasser. In der Nacht vor dem Erscheinen machte ich kaum ein Auge zu.

Mit zitternden Händen öffnete ich am Morgen die Zeitung. Ich war überzeugt, dass die Story aus dem Blatt geflogen war. Doch sie war drin, üppig bebildert. Mein allererster professioneller Artikel war gleich in «meiner» Zeitung erschienen! Ich durfte in der Folge weitere Berichte für den Regionalsport schreiben. Damit war mein Karriereweg vorgezeichnet: Journalism or bust!

Permanenter Spardruck

Mein grosser Traum aber, als «richtiger» Redaktor beim Tagi zu arbeiten, blieb unerfüllt. Irgendwie wollte es sich nie ergeben. Heute hält sich mein Bedauern in Grenzen. Der «Tages-Anzeiger» ist für mich kein Objekt des Begehrens mehr, sondern des Bedauerns.

Das liegt nicht an der Arbeit der Journalistinnen und Journalisten. In mancher Hinsicht ist der Tagi eine bessere Zeitung als früher, professioneller gemacht und lesbarer. Der Konzern aber honoriert dies nicht, im Gegenteil. Die Tageszeitungen von Tamedia stehen unter einem permanenten Spardruck. Kein Wunder, befindet sich die Stimmung in den Redaktionen auf einem Tiefpunkt.

Der «Tages-Anzeiger» war einst eine Cashcow. Insbesondere der «Stellenanzeiger» war dermassen lukrativ, dass der Verlag gleich hätte Banknoten drucken können. Seine Einstellung vor einigen Jahren markierte denn auch eine Zäsur. Das Geschäft mit den Rubrikeninseraten – zu denen auch Autos, Immobilien und andere Kleinanzeigen gehören – war endgültig ins Internet abgewandert.

Aktionäre müssen nicht darben

Gerade Tamedia verfügt jedoch über die entsprechenden Plattformen und macht damit glänzende Geschäfte. Der Konzerngewinn betrug letztes Jahr 170 Millionen Franken. Auf den ersten Blick scheint Tamedia die goldene Formel gefunden zu haben, um auch im Online-Zeitalter ein umfassendes journalistisches Angebot garantieren und finanzieren zu können.

Der «Stellenanzeiger» war einst eine Lizenz zum Gelddrucken. Bild: KEYSTONE

Das aber geschieht nicht. Der Konzern verlangt vielmehr, dass jedes Produkt selbsttragend arbeitet. Das trifft die bezahlten Tageszeitungen hart. Nicht darben müssen die Aktionäre, sie erhalten den Löwenanteil des jährlichen Konzerngewinns als Dividenden. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeiten von Shareholder-Value-Prediger Martin Ebner.

Kündigungen nicht auszuschliessen

Deshalb wird auch die abgemagerte Kuh «Tages-Anzeiger» weiter kräftig gemolken. Letztes Jahr wurden die Ressorts Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport mit jenen von «Berner Zeitung», «Bund» und den Zürcher Regionalzeitungen zu einer «Super-Redaktion» zusammengefasst. Sie produziert für alle Titel mehr oder weniger die gleichen Artikel. Bald stösst die «Basler Zeitung» hinzu.

Diese Entwicklung ist nicht abgeschlossen. Als Tamedia die Neuorganisation ankündigte, hiess es, niemand werde entlassen. Nun aber sagte CEO Christoph Tonini im März, er könne nicht ausschliessen, «dass es in Zukunft zu Kündigungen kommen wird». Auf den Redaktionen ist man überzeugt, dass damit nur aus Rücksicht auf das Jubiläumsfest zugewartet wird.

Seltsame Themensetzung

Unter solchen Umständen fällt das Feiern schwer. Auch andere Massnahmen tragen nicht zur Motivation bei. Beim «Tages-Anzeiger» wurden in letzter Zeit zwei Mediengeschichten (über NZZ-Chefredaktor Eric Gujer und Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument) gestoppt oder nachträglich aus den Archiven gelöscht. Ein Vertrauensbeweis für die eigenen Redaktoren sieht anders aus.

«Basler Zeitung» geht an Tamedia

Man fragt sich nicht nur in diesen Fällen, warum der Tagi sich selbst das Leben unnötig schwer macht. Das betrifft etwa die Themensetzung auf der Frontseite. Als Aufmacher erschien kürzlich ein Bericht über ein «Geheimprojekt» zur Zusammenlegung von Bibliotheken an der Uni Zürich. Nichts gegen die Story an sich, aber fahren die Leser wirklich auf solche Themen ab?

Weitere Beispiele lassen sich mühelos aufzählen. Sie erwecken den Eindruck, dass der Tagi eine Zeitung für Newsjunkies und andere Journis sein will. Das unterinformierte Massenpublikum hingegen scheint sich zu fragen, wie lange es noch die immer höheren Abopreise für das immer schmalere Blatt berappen will. In der jüngsten Erhebung der Wemf AG für Werbemedienforschung hat keine Tageszeitung prozentual so viele Leser verloren wie der «Tages-Anzeiger».

Es ist in jeder Beziehung eine unschöne Entwicklung. Ich sage das nicht aus Schadenfreude, obwohl ich bei einem Konkurrenzprodukt arbeite. Es schmerzt im Gegenteil sehr, den Niedergang eines Produkts zu verfolgen, dem ich in mancher Hinsicht viel verdanke.

Noch ein mediales Sorgenkind: Wir erklären die SDA.

Video: watson/Helene Obrist, Lya Saxer

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53Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Husar 09.05.2018 08:14
    Highlight Der Tagi war einmal eine Zeitung.
    Aber das ist lange her.
    17 3 Melden
  • Der Rückbauer 09.05.2018 07:19
    Highlight Die Verstrickung mit der Wirtschaft ist offensichtlich, die Journalisten werden "gefügig" gemacht, haben Angst vor der Zukunft, schreiben nur noch, was "oben" keinen Anstoss erregt.
    Besonders stossend ist die Verstrickung mit dem Grosskapital. Früher war der Tagi der Ausgleich zur NZZ, von der immer schon bekannt war, wessen Lied sie singt. Und heute? Grau in grau.
    Farbtupfer heute: Zum Beispiel watson? Oder https://insideparadeplatz.ch/2017/12/28/ubs-laedt-zur-luxusreise-fuer-journalisten/ ? Oder https://www.infosperber.ch/Uber-uns ?
    11 1 Melden
  • sowhat 08.05.2018 23:46
    Highlight Ups sorry, zu früh weg ...
    Also nachtrauern ok, aber nicht so tun als ob Watson der heilige Gral wäre. Watson ist einfach neuer, moderner und besser an seine Leserschaft angepasst. Und hat darum Zukunft. Der Tagi und das Magazin haben genau das verloren, was die Leser nicht mehr bezahlen wollen und darum fremd gehen. Wen es ein Erfolgsrezept gewesen wäre, hätten die Aktionäre es nicht geändert.


    So und nun her mit den Blitzen ;))
    10 5 Melden
  • sowhat 08.05.2018 23:41
    Highlight Also jetz muss ich doch ein bisschen Gegensteuer geben. Ich liiiebe Watson seit 2012 und bleibe auch treu. Aaaaber, hier tun ja allee so, als ob Watson die fundiertesten und journalistisch bestrecherchierten Artikel hätte. Es finden sich zwar viele solche hier, aber es findet sich ein noch viel grösserer Teil an Seichtem hier.
    Peter ich schätze deine Texte und du bist einer von denen, bei denen ich die Qualität schätze, aber du solltest nicht mit Steinen werfen, solange du im Glashaus sitz. Dem alten Model nachtrauern, ok. Aber nicht so tun, als ob Tamedia d
    40 2 Melden
  • cybernavigator 08.05.2018 21:49
    Highlight Genauso, Tagi war seit über 40 Jahren meine Zeitung. Abopreis steigt und steigt, das Blatt wird immer dünner und gehaltloser. Wenig Hintergrund, wenig Recherche, viel Kurzfutter von 20min. Und die vielen gehaltlosen Beilagen von smartmedia machen es noch schlimmer. Deshalb bin ich jetzt ohne Tagi, habe weniger Altpapier, bin aber trotzdem immer noch gleich gut informiert. So wie der Tagi unterwegs ist, wird der Weg bald enden. Bedauerlich, aber der Verlag will es ja so, resp. die Besitzer.
    26 1 Melden
  • pamayer 08.05.2018 21:19
    Highlight in den 90ern lasen wir den tagi. und das magazin sowieso immer. sehr gut und reichhaltig. und der züri tipp war quasi die bibel.
    und eines tages kam ein neuer kopf zum magazin und wurde dessen chefredaktor.
    ich las den und fand etwa daran komisch. er passte so nicht zum magazin mit forschen und kritischen artikeln auf hohem niveau. ein neuer schreiberling, diffus mit unklaren aussagen und gedankensprüngen und unerwartet wertkonservative gedanken.
    roger köppel.
    ich las das magazin nicht mehr.
    12 7 Melden
  • tomtom2000 08.05.2018 20:18
    Highlight Habe schon vor 9 Jahren zur NZZ gewechselt. Ab und zu blättere ich durch den Tagi wenn ich ihn in die Hände bekomme. Es hat 1-3 interessante Artikel aber beim Rest muss ich oft sagen... schlechter Journalismus... tendenziell, flach, Emotionen um jeden Preis auslösen wollend... Nein! Qualität liest dich anders. Aber die bekannten Massnahmen in der Redaktion passen ins Bild. Würde mich echt interessieren, wieviele vernünftig bezahlte Journalisten dort noch arbeiten... die Stellenangebote adressieren meisst an Praktikanten, frei MA und befristete Anstellungen...
    17 6 Melden
  • maricana 08.05.2018 18:53
    Highlight Gedruckte Zeitungen wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Selbst gedruckte Gratiszeitungen wie 20min oder Blick am Abend sind Auslaufmodelle. Wenn Pendler die gedruckte Zeitung aus der Box nehmen haben sie deren Inhalt bereits online konsumiert. Zur Erinnerung: Das Zeitungsdruckzentrum Adligenswil (Ringier) wird per Ende Jahr ersatzlos stillgelegt.
    39 7 Melden
  • swisskiss 08.05.2018 17:39
    Highlight Ist diese Entwicklung nicht derselbe Strukturwandel, den andere Branchen auch durchgemacht haben?

    Branchen, die genauso unter Kostendruck, nicht durch alternative Medienformate, sondern durch andere externe Faktoren litten?

    Es macht keinen Unterschied, ob der Uhrenarbeiter im Jurabogen, der Stahlarbeiter in Pennsylvania oder der Journalist des Tagis unter sich veränderten und sich weiter verändernden Wettbewerbsbedingungen leiden.

    Das System des shareholder value, des Entscheidungen treffen nach wirtschaftlichen Prioritäten, ist global und branchenübergreifend. Und ändert sich nicht!

    9 6 Melden
    • @schurt3r 09.05.2018 07:38
      Highlight Ja und Nein.

      Der Journalismus ist wichtig für die Gesellschaft und bildet die 4. Gewalt, schaut also den Reichen und Mächtigen auf die Finger und legt Missstände offen, die uns alle betreffen.

      Wenn sich die Arbeitsbedingungen der Journalisten verschlechtern, wirkt sich dies auf die Qualität aus und auf den gesellschaftlichen Nutzen.
      29 1 Melden
  • Djego 08.05.2018 15:30
    Highlight Auch ich stelle leider einen schleichendes, qualitativ und quantitatives ausdünnen, des Tagi fest. Mit dem Kauf von 20min und dem Tagionline haben sie ein grosses Gratisangebot aufgebaut, dass es wohl vielen Abonnenten dahin abgewandert sind.
    Was mich mittlerweile am meisten nervt, sind die immer häufiger erscheinenden, ganzseitigen "sponsored contents". Da frag ich mich scho auch, wie lange ich noch für sowas zahlen soll.
    47 4 Melden
    • sebi25 08.05.2018 23:40
      Highlight Mir ist es sogar passiert, dass ich am Morgen einen Bericht gelesen habe welchen ich 1:1 (!) so am Tag vorher auf süddeutsche.de gelesen hatte. Ist das Qualität?
      16 2 Melden
  • TheSven 08.05.2018 14:57
    Highlight Dieser Beitrag wirkt irritierend. Es ist doch klar, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen voneinander abgegrenzbare selbsttragende Produkte ohne Quersubventionen anstrebt.

    Und es ist doch rechtlich auch einfach so, dass der Gewinn eines Unternehmens vor allem und in erster Linie den Eigentümern bzw. Investoren zusteht. Schliesslich muss man ja für das investierte Kapital und das auf sich genommene Risiko entgolten werden.

    Mir gefällt die Entwicklung in der Medienbranche auch nicht. Im Gegenteil. Meines Erachtens sollten Zeitungen in Non-Profit-Einheiten organisiert werden.
    16 46 Melden
    • Hierundjetzt 08.05.2018 15:15
      Highlight Nur sprechen wir hier nicht von einer Industriefirma mit verschiedenen SGE bzw. diversen Profit-Centern sondern von einem Medienhaus.

      Der Bund kann aufgrund des kleinräumigen Verbreitungsgebietes gar nie so viel Geld verdienen wie der Tagi.

      Aber Bern ist nun mal ein ganz anderer Kanton. Zweisprachig, bergig, das politische Zentrum der Schweiz. Da kann eine Superredaktion aus Zürich rein gar nichts dazu beitragen.
      34 7 Melden
    • TheSven 08.05.2018 23:03
      Highlight Da gebe ich Ihnen auch recht. Nur sollte man ein privatwirtschaftliches Unternehmen nicht grundsätzlich dafür kritisieren, dass es möglichst profitabel sein will.

      Wenn einem der Gedanke eines gewinnorientierten Investors/Unternehmers an der Spitze einer Zeitung stört, so sollte man doch eine Stiftung mit diversen Qualitätszeitungen gründen, damit vernünftig journalistische Arbeit getan werden kann.

      Man nehme sich hier zb. den Guardian oder die WOZ als Vorbild.

      8 4 Melden
    • James McNew 08.05.2018 23:39
      Highlight Das ist genau das Problem: Eine Zeitung ist keine Nudelnfabrik, steht im Lehrbuch. Handelt ein Verlag aber wie ein Industriebetrieb, ist die Sparte Journalismus schnell tot. Das dumme dran: Den kann man nicht einfach gleich gut aber günstiger in Polen oder China produzieren lassen...
      13 0 Melden
  • Hierundjetzt 08.05.2018 14:25
    Highlight Wenn ich auf Vox (USA) oder im Guardian (UK) die extrem dichten und durchdachten Tagesaktualitäten lese und danach zum Tagi rüberwechsle, kommt es mir vor als ob ich im Kindergarten gelandet bin.

    Was ich am Tagi hingegen als absoluten Pluspunkt ganz hoch anrechne sind seine investigativen Recherchen. Panama Papers kann ich als sehr gutes Beispiel anführen.

    Keine andere Zeitung der Schweiz hat das Geld dafür und bringt solches zustande. Die NZZ veredelt weiterhin Bloomberg und lästert über den Staat dabei druckt sie Ihre Zeitung beim Tagi. Soviel zum Thema Kernkompetenz Wirtschaft.
    50 10 Melden
    • Hierundjetzt 08.05.2018 19:25
      Highlight Nanana nicht so schnell, Deine super NZZ wird nie ins Reserach Netzwerk eingeladen. Alle anderen, weltweit relevanten Zeitungen hingegen schon.

      Denk mal darüber nach.

      Die Panama Papers deckten die verborgene Finanzströme auf, zerrten die EU-Pass Verschleuderungen von Malta auf (Schweiz direkt betroffen), führten in Osteuropa zu Rücktritten von Ministerpräsidenten usw.

      Wenn ich Wirtschaftsnachrichten lesen will, lese ich von der Quelle, der SDA. Ich brauche keine Gefälligkeitsinterviews mit den CEO
      9 2 Melden
    • Don Sinner 08.05.2018 22:46
      Highlight 1. Abschnitt plusminus einverstanden, wobei "Kindergarten" ist undifferenziert. Btw: Vox? Sind Sie sicher? Mir geht es so: Lese ich einen Artikel z.B. der Süddeutschen (et al.) oder NYT: die Qualität äusserst befriedigend: inhaltl. (Recherche, Dichte, Spektrum), sprachl., Aufbau. Da komm ich beim Tagi z.B. einfach nicht auf die Rechnung. Die lassen mich zu 90 % auf halbem Weg stehen. "War's das jetzt schon? Wo ist die Nachrecherche. Das soll ein Kommentar sein. usw."
      - Panama Papers: Mit Verlaub: 1000e angelieferte Seiten durchkämmen bezeichne ich als Buchhalterarbeit, nicht Recherche ;-).

      5 4 Melden
  • Madison Pierce 08.05.2018 13:57
    Highlight Dass Investoren den Journalismus nicht quer finanzieren wollen, ist traurig, aber nachvollziehbar. VW verkauft auch nicht mit Verlust jahrelang Velos. Es braucht vielleicht mehr Beteiligung von Lesern und Mäzenen (so wie bei der "Republik").

    Aus Lesersicht bin ich mit dem Tagi aber noch zufrieden. Nur bei der SonntagsZeitung merkt man den Druck der Investoren immer mehr: in jeder Ausgabe bezahlte Berichte über Kreuzfahrten und immer besser "getarnte" Werbung.
    23 10 Melden
    • Dubio 08.05.2018 15:03
      Highlight Eigentlich ist es gerade NICHT nachvollziehbar. Früher waren die Einnahmen aus der Werbung und den Inseraten, welche im Tagi erschienen, ja auch nicht ausgesondert worden. Diese Einnahmen haben sich einfach entbündelt und kommen aus online Plattformen nun zum Tagi. Eine Zeitung war noch nie vom Verkaufspreis alleine überlebensfähig. Insofern macht es keinen Sinn, dies urplötzlich zu fordern.
      40 3 Melden
    • Madison Pierce 08.05.2018 15:28
      Highlight Wegen dem Internet ist die Situation jetzt eben anders. Früher brauchte es die Artikel, weil niemand 50 Seiten Inserate abonniert hätte. Ohne Journalismus keine Inserate.

      Internetplattformen wie jobs.ch, autoscout24.ch etc. brauchen aber keine journalistischen Artikel mehr, um Geld einzubringen. Die wären auch ohne Tagi lebensfähig.

      Die Werbung in der Zeitung selbst bringt auch immer weniger ein. Weil es weniger Leser gibt und weil man das Werbebudget lieber dort ausgibt, wo man die Empfänger besser auswählen kann ("Targeting"). Sprich: Im Internet.
      8 4 Melden
    • Dubio 08.05.2018 16:57
      Highlight Richtig erkannt. Darum hat Tamedia ja auch ganz fleissig solche online Plattformen eingekauft. Es spricht nichts dagegen, wieder zum alten Geschäftsmodell zurück zu kehren und die Gewinne aus der Werbung/Anzeigen auch (bzw. zum Teil auch) für den Journalismus zu verwenden. So wie das schon immer der Fall war.
      21 3 Melden
  • Bombenjunge 08.05.2018 13:24
    Highlight Watson ist bald noch die einzige Schweizer Newsplatform die man lesen kann. Bei einigen Themen zwar auffälliger Linksdrall aber insgesamt sehr ausgewogen.
    Zum Glück gibt es (noch) genügend ausländische sehr gute Zeitungen.
    38 44 Melden
  • Madmessie 08.05.2018 13:04
    Highlight Gute Tageszeitungen gibt es mittlerweile leider in der Schweiz nicht mehr. Man muss nur einmal z. B. die "Süddeutsche" oder der "Guardian" lesen und Tagi, NZZ, etc. lesen sich fortan an wie Revolverblätter.
    45 10 Melden
    • a-minoro 09.05.2018 07:43
      Highlight Auch ich lese hauptsächlich Zeitungen von Deutschland. Die Unterschiede zur Schweiz sind gewaltig. Verständlicherweise kommt dort aber die Rubrik "Schweiz" zu kurz, was mich doch wieder zwingt, auf ein Schweizer Blatt zurückzugreifen. Vielleicht löse ich mal ein Abo von der Republik, um gute journalistische Inhalte zu geniessen. Nur für "News" mag ich ehrlich gesagt nicht mehr bezahlen.
      5 2 Melden
  • TheRealSnakePlissken 08.05.2018 13:03
    Highlight Bin normalerweise kein Fan vom Herrliberger Sünnelikönig, aber Blocher ist mit seinen Medienplänen ernsthaft daran interessiert, etwas in und für die Schweiz zu bewirken- und wahrscheinlich schafft er mehr Arbeitsplätze als er vernichtet. Ein Grossteil der Familie Coninx dagegen lebt in Deutschland, die CH-Medienlandschaft ist ihnen piepegal, aber die Tamrdia-Kuh wird gemolken, bis sie umfällt oder schlussendlich verkauft/fusioniert oder sonstwas wird.
    42 44 Melden
    • Djego 08.05.2018 15:19
      Highlight Naja, mit der Baslerzeitung hat er jetzt nicht so viel bewirkt - ausser einem enormen Leserschwund. Und mit dem bunten Strauss an Gratisblättchen die er momentan besitzt ist auch nicht mit Qualitätsjournalismus zu rechnen.
      36 9 Melden
  • zeromg 08.05.2018 12:53
    Highlight So viele ehemalige Tagi-Redaktoren hier bei watson? Ist Könnte fast Tagi 2.0 sein ;-)
    36 4 Melden
    • dickmo 08.05.2018 16:05
      Highlight Wir sind stark in der Unterzahl!
      17 2 Melden
  • Howard271 08.05.2018 12:47
    Highlight Schade ist vor allem, dass der Journalismus und die Inhalte oft nur noch oberflächlich und teilweise mit einem klaren politischen Drall sind. Man hat den Eindruck, es geht mehr darum „Stimmung zu machen“ und im Skandal-Gespräch zu sein statt seriös und sachlich zu arbeiten. Natürlich gibt es auch viele Gegenbeispiele, aber diese Tendenz hat meiner Meinung nach zugenommen. Der Angleich an 20Min ist leider sichtbar...
    Schade!
    42 3 Melden
  • Electric Elefant 08.05.2018 12:45
    Highlight Naja, TA-Media hat sich m.M. nach schön länger vom seriösen Journalismus verabschiedet...
    Der Tagi wird immer schlechter. Weiter hat 20 Minuten einen großen Anteil am sinkenden Niveau im Journalismus. Ein übles Revolverblatt, dass auch gerne Mal Hass in den Kommentarespalten schürt, um Klicks zu generieren... Widerlich!
    Dazu passt die peinliche SoZ-Abo-Aktion, wo man als Abonnent einer TA-Media Regionalzeitung ungefragt ein SoZ-Probeabo "geschenkt" kriegt, dass sich dann automatisch verlängert.
    Unterstes Basar-Niveau! Pfui!
    63 3 Melden
  • Raffaele Merminod 08.05.2018 11:49
    Highlight Es ist doch auch das allgemeine Problem von unserem Wirtschaftssystem:
    "Der Konzern verlangt vielmehr, dass jedes Produkt selbsttragend arbeitet."
    Das ist bald überall so, ab warum? Warum kann man nicht etwas Quer konsumieren?
    72 7 Melden
    • Raffaele Merminod 08.05.2018 12:35
      Highlight Querfinzieren sie es heissen. Nicht konsumieren. Sorry
      43 8 Melden
    • Raffaele Merminod 08.05.2018 13:28
      Highlight Dam! Ich schalte jetzt die autokorrektur aus.
      53 1 Melden
    • James McNew 08.05.2018 23:45
      Highlight Die Aktionäre finanzieren sich eben lieber selbst quer, statt so utopische Projekte wie eine für die Demokratie notwendige ...wie bitte... "Zeitung"? Ich will mir schliesslich dieses Jahr noch die nächste Jacht kaufen! Und meine Familie hat auch ihre Ansprüche!
      8 0 Melden
  • Widmer 08.05.2018 11:32
    Highlight Tragisch ist auch, dass verschiedene Schweizer Verleger die Bezahlzeitungen durch Gratisblätter konkurrenzierten, die den Stammzeitungen in keiner Weise das Wasser reichen können. Tamedia macht da auch mit.
    75 4 Melden
  • N. Y. P. 08.05.2018 11:20
    Highlight Echt traurig.

    Den Aktionären liegt mehr am Shareholder Value als am Überleben des seriösen Journalismus.
    Es wird also laufend ein Grossteil des generierten Cashs abgezügelt und an die Aktionäre ausbezahlt.

    Dann könnte man also sagen, dass vom Abopreis des Tagis, der satte 500.- Franken beträgt, ein Teil an die Aktionäre abgeführt wird ?

    Korrigiert mich, falls meine Einschätzung falsch ist.
    170 10 Melden
    • zeromg 08.05.2018 12:50
      Highlight Könnten natürlich auch die Werbeeinnahmen sein, die direkt an die Aktionäre augeschüttet werden. Die Tamedia Finanzabteilung wird es wissen müssen.
      20 1 Melden
    • TheSven 08.05.2018 14:41
      Highlight Selbstverständlich wird bei einer Preiskalkulation auch ein Gewinn eingeplant. Und dieser gehört selbstredend den Eigentümern dieser Firma. Das ist doch logisch oder?
      6 10 Melden
    • N. Y. P. 08.05.2018 15:19
      Highlight Stimmt. Das ist logisch. Wenn aber der Löwenanteil des Gewinns ausbezahlt wird, statt strategisch in guten Journalismus zu investieren, muss ich Fragezeichen an der Strategie des Verwaltungsrats setzen.

      Ausser sie machen es ganz bewusst. Nochmals alles rauszuholen, bzw. rauszupressen, was möglich ist.
      30 0 Melden
  • @schurt3r 08.05.2018 11:15
    Highlight Das «Mai-Massaker» 2009 ist mir als damaliger Tagi-Redaktor in sehr schlechter Erinnerung. 52 geschätzte Kolleginnen und Kollegen verloren ihren Job.

    Daniel Suter kämpfte an vorderster Front gegen den massiven Stellenabbau – und wurde zwei Tage nach einer Journalisten-Demo entlassen ...

    Wer sich für die Hintergründe interessiert:
    https://bit.ly/2HXqxwO
    209 10 Melden
    • AlteSchachtel 08.05.2018 14:18
      Highlight Was ich, abgesehen vom damaligen "Massaker", richtig widerlich fand, war die Tatsache, dass man gute professionelle Journalisten der Regionalredaktionen in die Wüste schickte, gleichzeitig aber die (kaum zu entschädigenden und fast gratis arbeitenden) freien Mitarbeiter hätschelte.

      Der einst journalistisch hochwertige Tagi ist nur noch eine leere Hülle, ausgesaugt vom gewinnorientierten Grosskonzern Tamedia. Dass er nicht mehr gefragt ist, liegt weder an den Journis noch an den Lesern.
      48 0 Melden
  • fischbrot 08.05.2018 11:07
    Highlight Was hinter den Kulissen des Tagi abgeht, kann ich nicht beurteilen. Aus Lesersicht aber geht es mir ähnlich, ich habe dem Tagi, auch seit jeher "meine Zeitung", schon vor mehreren Jahren die Treue gekündigt.

    Das imho hohe journalistische Niveau hat sich immer stärker den seichten Pendlerzeitungen angenähert, interessante Themenbereiche wurden zugunsten seichter Unterhaltung und blasser Retortenartikel gestrichen.

    ...doch dann fand ich watson.. :)
    222 45 Melden
    • DichterLenz 08.05.2018 12:29
      Highlight Yep, aus gutem Journalismus wurde ein irrelevantes Lifestyle-Magazin. Hab vor etwa 4-5 Jahren gekündigt.
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SP-Politiker Wermuth fordert Regeln für Schamlippen-OPs

Die Verkleinerung der Schamlippen ist der am stärksten wachsende OP-Trend der Welt. Das schockiert SP-Politiker Cédric Wermuth. Er fordert mehr Transparenz vom Bund. 

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Am Dienstag reichte SP-Nationalrat Cédric Wermuth einen Vorstoss mit dem Titel «Zunahme von kosmetischen Operationen, insbesondere Labioplastik» im Parlament ein. Darin stellt Wermuth dem Bundesrat Fragen wie: «Auf was führt er den …

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