Schweiz

Pssst!! Die Schweiz ist weltweit der verschwiegenste Finanzplatz – aber die eigentliche Nummer 1 ist ...

02.11.15, 18:00 03.11.15, 07:26

Zürich, Paradeplatz. 
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Die Schweiz bleibt der verschwiegenste Finanzplatz weltweit. Dies zeigt der Schattenfinanzindex des Tax Justice Network (TJN). Trotz Fortschritten führt die Schweiz damit zum dritten Mal in Folge das Ranking an. Die versteckte Nummer 1 ist aber Grossbritannien.

Das Land unterhalte ein Netzwerk von Steueroasen auf der ganzen Welt, schreibt das TJN in der am Donnerstag veröffentlichten Studie. Auf Inseln wie Bermuda oder Jersey würden Trusts und Briefkastenfirmen viele Billionen Dollar verwalten. Diese Gebiete eingerechnet, wäre Grossbritannien der Spitzenplatz garantiert.

Bild: REINHARD KRAUSE/REUTERS

Die «Mutter aller Steueroasen» bleibt aber die Schweiz. Sie führt nach 2011 und 2013 den sogenannten Schattenfinanzindex erneut an. Den Spitzenrang verdankt sie vor allem einer hohen Verschwiegenheit. Das Bankgeheimnis sei «alles andere als tot», heisst es in dem Bericht.

Fokus auf Entwicklungsländer

Zwar musste die Schweiz laut TJN Zugeständnisse bei «seiner eisernen Verschwiegenheit» machen. Im Vergleich zu anderen grossen Finanzplätzen wie Luxemburg bleibe das Land aber ein «Nachzügler.» Die Schweiz beginne etwa erst 2018, den globalen automatischen Informationsaustausch der OECD umzusetzen.

Die Schweiz verfolge dabei eine Zebrastrategie: Weissgeld aus reichen und mächtigen Ländern, Schwarzgeld aus «verwundbaren» Entwicklungsländern. Entsprechend hätten die Schweizer Banken ihren Fokus weg von OECD-Ländern verlagert und ihre Marktanteile in Entwicklungsländern ausgebaut, konstatiert das TJN. Nicht zufällig habe der Nationalrat im September neue Sorgfaltspflichten für Banken abgelehnt, schreibt Alliance Sud.

Finanzsystem bleibt «Transparenz-Wüste»

Das TJN anerkennt, dass die internationale Staatengemeinschaft in den letzten Jahren auf politischen Druck hin erste Schritte zu mehr Transparenz gemacht habe. Das globale Finanzsystem selbst bleibe aber «in weiten Teilen eine Transparenz-Wüste».

Dass der politische Druck nur beschränkt wirkt, zeigen die vorderen Plätze der Schattenfinanzindexes. Die ersten acht Länder von 2013 belegen auch in diesem Jahr die vorderen Plätze, wenn auch in anderer Reihenfolge. Davon sind mit der Schweiz, USA, Luxemburg und Deutschland vier OECD-Länder.

Arabische Länder auf dem Vormarsch

Nach der Schweiz auf Platz zwei landete Hong Kong. Die Kontrolle Chinas ermögliche es der früheren britischen Kronkolonie, sich weitgehend von globalen Transparenzinitiativen abzuschirmen.

Vom sechsten auf den dritten Rang verschlechtert hat sich die USA. Das Land sei zwar ein Vorreiter, wenn es darum gehe, seine eigenen Interessen gegenüber ausländischen Steueroasen durchzusetzen, kritisiert das TJN. Im Gegenzug übermittle die USA nur wenige Informationen an andere Länder.

Singapur liegt auf Rang 5.
Bild: Pixathlon

Singapur und die Cayman Inseln folgen auf den Plätzen fünf und sechs, gefolgt vom Libanon und Deutschland. Die Top-Ten komplettieren Bahrain und Dubai.

Der Index listet insgesamt 92 Finanzzentren nach dem Grad ihrer Geheimhaltung in Kombination mit ihrem Anteil am globalen Markt für grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen auf. Das Ranking zeigt laut TJN somit, welche Staaten illegale Finanzströme besonders anlocken. Der Index wird seit 2009 alle zwei Jahre erstellt. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 03.11.2015 06:28
    Highlight AIA gilt nur für die OECD-Länder! Da gibt es aber noch Asien, Afrika und Südamerika. Dort leben doch jene Kunden, auf die sich die Schweizer Banken jetzt stürzen!
    1 0 Melden
  • dummi h 02.11.2015 21:11
    Highlight typisch USA
    5 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 02.11.2015 20:30
    Highlight Deal with it !
    5 0 Melden
  • ZHighlander 02.11.2015 19:50
    Highlight wie wenn das stimmen würde. das Bankgeheimnis für Ausländer ist in den USA noch völlig intakt. Kooperation mit anderen Länder gleich null.
    20 0 Melden
  • Donald 02.11.2015 19:48
    Highlight Was ist das TJN? Von wem wird es bezahlt? Welche Interessen verfolgt es?
    9 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 02.11.2015 18:21
    Highlight naive frage: wieso ist verschwiegenheit schlecht? O_ô
    26 6 Melden
    • Pokus 02.11.2015 19:00
      Highlight Kurzfassung: Wir haben in der Schweiz ein anderes Steuersystem. Wird Vermögen bei der Steuererklärung nicht angegeben, was erlaubt ist, erhält der Staat 35% der Zinsen anonym, wird es angegeben, wird es normal versteuert.
      In anderen Ländern muss alles Vermögen angegeben werden.
      Aus Geiz wird das Geld dann in der Schweiz deponiert, da fallen dann zwar 35% der Zinsen weg, die Steuern im eigenen Land wären aber weit höher wodurch enorme Summen "gespart" werden.
      17 5 Melden
    • Hayek1902 02.11.2015 19:51
      Highlight das ganze ist halt wie immer relativ: versteckst du dein geld in der schweiz um steuern zu sparen, ist das volkswirtschaftlich schlecht. versteckst du es, weil dein regime deine vermögenswerte willkürlich (oder politisch motiviert) einziehen könnte, ist es gut. am ende geht es also darum, ob du dem staat eher traust oder misstraust, sprich ist der staat der problemlöser oder der verursacher.
      14 1 Melden
    • kEINKOmmEnTAR 02.11.2015 19:52
      Highlight Ist es nicht, deshalb machen wir es ja und helfen so reichen Leuten die illegal ihr Geld gemacht haben, ihr Geld an den armen Staaten vorbeizuschmuggeln die es zwar nötiger hätten, uns aber nichts bringen würde.
      6 12 Melden
    • Nick_ 02.11.2015 19:55
      Highlight @holy

      Leider so ziemlich alles falsch was du da behauptest. Wir haben in der Schweiz eine Vermögenssteuer. Vermögen nicht anzugeben ist strafbar. Im Gegensatz dazu kennen die meisten anderen Nationalstaaten eben gerade keine Vermögenssteuer. Die Steuersätze auf Kapitalerträge sind in den meisten europäischen Staaten tiefer als in der Schweiz, da sie zu einem gesonderten Satz behandelt werden in solchen Ländern. (http://abgeltungssteuerseminare.de/die-abgeltungssteuer-auf-kapitalertrage-im-europaischen-vergleich/).
      12 3 Melden
    • Pokus 02.11.2015 20:22
      Highlight Danke, bin ja kein Experte. Es ist natürlich nicht legal, trotzdem wird mit diesem System die Steuerhinterziehung lediglich "nicht schmackhaft" gemacht, und nicht verunmöglicht.
      Dazu kommen noch die Möglichkeiten einfach Stiftungen gründen zu können, wenn man mal garnicht mehr weiss wohin mit dem Geld 😛
      2 6 Melden

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