Schweiz

Hansruedi Köng: «Klassische Retail-Banken können ganz andere Zinsmargen erzielen.» 
Bild: KEYSTONE

Postfinance-Chef Köng hält Börsengang für «intelligente Lösung»

19.06.16, 06:36 19.06.16, 07:14

Die Postfinance-Spitze tut sich schwer damit, dass die Politik der Post-Tochter keine Kredit- und Hypothekenvergabe erlauben will. Um dies zu ermöglichen, seht Postfinance-Chef Hansruedi Köng auch einer Privatisierung und einem Börsengang positiv gegenüber.

Als Postfinance-Chef sollte er sich zwar nicht über die optimale Besitzerstruktur auslassen, sagte Köng in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Doch er macht seine Haltung doch klar: «Ich würde mich überhaupt nicht gegen eine Privatisierung wehren», sagte er.

Auch ein Börsengang wäre eine «intelligente Lösung». Er weist aber darauf hin, dass nach heutiger Gesetzgebung die Post mindestens 51 Prozent an Postfinance halten müsste. Ein Börsengang sollte laut Köng sicherstellen, «dass keine Werte mehr vernichtet werden».

Genau das geschieht heute aus Köngs Sicht durch das Kreditvergabeverbot. Die Postfinance verliere täglich Ertragssubstanz, weil sie keine Kredite und Hypotheken vergeben dürfen. Das benachteilige sie gegenüber anderen Banken, erst recht seit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro. «Klassische Retail-Banken können ganz andere Zinsmargen erzielen.»

Dadurch, dass die Postfinance auf die Münchner Hypothekenbank ausweicht, um Hypotheken anbieten zu können, fällt zudem in Deutschland statt in der Schweiz Marge an. «Das müsste nicht so sein. Wir könnten die Kredite und Hypotheken problemlos auf die eigene Bilanz nehmen», sagte er.

Konsequenzen des Verbots

Er habe aber den Entscheid der Politik für das Kreditverbot - zuletzt bekräftigte der Bundesrat im November seine Haltung - zu akzeptieren, sagte Köng. «Aber sie sollte sich zugleich der Konsequenzen bewusst sein». Die «Benachteiligung» werde im Jahresabschluss 2016 «deutlich erkennbar» sein, kündigte er an.

Schon im ersten Quartal musste Postfinance eine Ertragseinbusse hinnehmen, wofür sie vor allem Wertberichtigungen auf Finanzanlagen verantwortlich machte. «Leider sind im zweiten Quartal auch weitere Wertberichtigungen denkbar», sagte Köng nun. Sollte Grossbritannien für einen Austritt aus der EU stimmen, rechnet Köng zudem mit «Abschreibungen im zweistelligen Millionenbereich».

Postfinance kämpft seit Jahren gegen das Verbot der Kredit- und Hypothekenvergabe. Damit Postfinance voll in den Wettbewerb zu anderen Banken treten kann, wäre aus Sicht vieler Politiker ein Verzicht auf die implizite Staatsgarantie und damit auf die heutige Besitzstruktur mit der bundeseigenen Post als Alleineignerin nötig. Dafür gilt ein Börsengang als mögliche Lösung. (sda)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 19.06.2016 12:00
    Highlight Privatisiert doch endlich den Bundesrat. Und der privatisiert dann das Parlament. Und das privatisiert dann die UBS.
    8 1 Melden
    • Lügensperber 20.06.2016 09:17
      Highlight Wir könnten doch gleich eine Initiative starten, dass die Schweiz zu einem Königreich umfunktioniert wird oder gar, dass es nur eine Partei geben darf.
      Diese Partei würde dann PDGH heissen.
      0 0 Melden
  • pun 19.06.2016 11:52
    Highlight Was für ein Lauch. Wer nicht wertschätzt, bei einem Unternehmen, dass uns allen gehört, zu arbeiten und deren Verschacherung befürwortet, sollte vielleicht einfach wieder in die "freie Wirtschaft". Klingt aber so, dass er eh weg wäre, sollte der Vorstoss im Parlament durchkommen um die Chefgehälter bei Staatsbetrieben zu begrenzen.
    11 2 Melden
  • Ylene 19.06.2016 11:38
    Highlight Postfinance muss Kundenvermögen zu Negativzinsen parkieren, während sie gleichzeitig den Kunden darauf noch einen kleinen positiven Zins zahlt. So wird Volksvermögen auch vernichtet. Zudem gibts mit bspw. den Raiffeisenbanken oder Alternative Bank auch etwas ethischere Banken.
    8 1 Melden
  • Lügensperber 19.06.2016 11:19
    Highlight Hier die damalige Ankündigung.

    http://www.nzz.ch/chancen-fuer-postfinance-und-swissquote-1.18295021

    Mit diesem Vorgehen sind Kleinstbesitzer von Aktien ohne einen gewissen Umsatz rund Fr. 100.-- im Jahr ans Bein zu streichen.
    Da werden doch bestimmt genug Gewinne erzielt um die 2017 die Löcher zu stopfen.

    Es ist eine Frechheit von Privatisierung zu sprechen. Dafür habe ich nach der Bankenkriese nicht zu Postfinance gewechselt.
    8 0 Melden
    • JaneSoda 19.06.2016 15:03
      Highlight Wechsle doch zur Alternativen Bank Schweiz ;-)
      0 0 Melden
  • Lügensperber 19.06.2016 11:08
    Highlight Wie heisst es so schön im Handelsregister:

    Sie vergibt jedoch keine Kredite und Hypotheken an Dritte auf eigenes Risiko.
    Für die Vermittlung von Hypokunden erhalten sie bestimmt Geld. Oder!

    Zu bemerken ist, dass sie den Börsenhandel einer Schweizerischen Kantonalbank weggenommen haben und nun alles über eine AG mit Privatinteressen laufen lassen. Mit der bösen Überraschung, dass wenn der Kleine nicht einen gewissen Umsatz im Jahr hinlegt, er neu mit Depotgebühren auf dem Aktienkonto belastet wird.
    Beschämend ist das.

    Ich werde die Postfinance verlassen so wie 2008 die anderen Grossbanken.
    6 1 Melden
    • Gamble 19.06.2016 12:49
      Highlight Und was wäre für Sie in diesem Fall die richtige Bank? Wir dürfen nicht vergessen, Postfinance hat tausende von Mitarbeitern, die bezahlt werden müssen. Die regulatorischen Vorgaben sind in der Finanzbranche schon sehr streng, sehe somit keinen Grund warum Postfinance mit Kreditgeschäften kein Geld verdienen sollte..
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    • Lügensperber 20.06.2016 09:13
      Highlight @JoeyLik Vor 2013 war Postfinance noch ohne Bankenbewilligung.
      Ich kenne die Postfinance als Kunde sehr gut und diese hat immer sehr gut gearbeitet. Jedoch fand nach der Bankenkriese 2008 bei der PF eine schleichende Veränderung statt. Es herrscht heute ein Gebaren, dass mir gar nicht behagt. Viele der PF-Oberen kamen aus dem Grossbankenbereich und brachten ihre Grossbankenmentalität mit. Es geht nicht an, dass so in einem Nebensatz die Privatisierung erwähnt wird.
      Es ist des Bürgers Bank. Ich wünsche nicht, dass mein Geld in irgendwelche Kredite gesteckt wird.
      Gewinn soll bei uns bleiben.
      0 0 Melden
  • Maffo 19.06.2016 10:09
    Highlight "Ein Börsengang sollte laut Köng sicherstellen, «dass keine Werte mehr vernichtet werden»." Aha 🤔 oder dass "Volksvermögen vernichtet wird" 😳
    11 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 19.06.2016 08:49
    Highlight Dann dürfen sie in den Teppichetagen hübsche Boni einfahren und im Normalbetrieb werden sämtliche Preise erhöht. Nein danke.
    17 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 19.06.2016 08:35
    Highlight Dann wird der Service auf Postfinance noch mieser!!
    9 12 Melden
    • cassio77 19.06.2016 10:55
      Highlight Hier könnt ich auch ein liedchen singen. War bis vor kurzem ebenfalls ein überzeugter pf-kunde. Seit ich weiss, wie die compliance (NICHT) funktioniert, muss ich der pf ein schlechtes zeugnis ausstellen.
      3 3 Melden
  • Klaus K. 19.06.2016 07:19
    Highlight Gambler.
    15 5 Melden

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