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Papierschnipsel im UBS-Safe: So nehmen Trickbetrüger reiche Schweizer aus

Trickbetrüger haben es auf reiche Schweizer abgesehen: Ein Kunsthändler zählt ebenfalls zu den Opfern. Im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» erzählt er, wie er über eine halbe Million Franken verlor.

Andreas Maurer / Schweiz am Wochenende



ZUM ENTWURF DER VOLKSINITIATIVE «JA ZUM SCHUTZ DER PRIVATSPAEHRE» AN DER SOMMERSESSION 2017 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Schatten von Passanten vor dem Hauptsitz der Bank UBS an der Bahnhofstrasse in Zuerich, aufgenommen am 29. Januar 2008. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Im Tresorraum einer UBS-Filiale erbeutete ein Gauner mit einem Trick einen Koffer voller Geld. Bild: KEYSTONE

Der Schweizer Kunsthändler Louis Kaiser hat nicht einmal mit seinen Freunden darüber gesprochen. Er schämt sich dafür, Opfer eines Trickbetrugs geworden zu sein. Hier tritt er deshalb mit fiktivem Namen auf. Sein einziger Trost: «Der Bluff war kunstvoll gemacht.» Er bewundert die Täter sogar und stellt sich vor, wie es wäre, wenn alles nur gespielt gewesen wäre: «Wenn es sich um eine Prüfung in Verbrecherarbeit gehandelt hätte, müsste ich anerkennen: Die Täter haben sie mit Bravour bestanden.»

Das Verhängnis nahm seinen Lauf an der Kunstmesse Frieze in London. Dort traf Kaiser auf einen Mann, der vorgab als Vermittler für einen vermögenden Kunstkäufer tätig zu sein. Mit seinen Hintermännern hatte er ein Lügenkonstrukt aufgebaut: eine Scheinfirma mit eigener Website, bedienter Telefonnummer und gefälschten Ausweispapieren. Dass der Mann kein reicher Engländer, sondern ein armer Rumäne war, merkte Kaiser nicht. Auch als er ihn ein zweites Mal in einem vornehmen Hotel in Mailand traf, liess er sich vom Schauspiel überzeugen.

Kaiser erinnert sich: «Er sprach ein perfektes Upper-Class-Englisch, kleidete sich todschick und beherrschte die Codes der Kunstwelt.» Der Vermittler gab an, sein Auftraggeber wolle mehrere Galerien in Europa eröffnen und suche nun eine Zusammenarbeit mit spezialisierten Händlern.

Ein Geldkoffer als Provision

Der Schweizer Galerist liess sich vom versprochenen Deal blenden. Der Vermittler gab an, zwei Dutzend Kunstobjekte für 3.5 Millionen Euro kaufen zu wollen. Doch er verlangte eine Gegenleistung: Als Provision wolle er eine halbe Million Euro in bar. Spätestens jetzt hätte Kaiser stutzig werden sollen. Doch er liess sich sogar auf die Bedingung ein, zu beweisen, dass er das Geld bereithalte.

An einem Dezembermorgen empfing Kaiser einen anderen Vertreter der Kunstfirma, um die Übergabe der Provision zu klären. Sie trafen sich in Basel in der Bar des Kunstmuseums und führten Smalltalk über ihre Skiferien in Zermatt. Kaiser nahm seinem Gegenüber die Rolle ab, ein russischer Oligarch zu sein. Auch seine Bankberater, welche die Personalien vorgängig überprüft hatten, schöpften keinen Verdacht.

So war es damals mit dem Ersten Geldautomat der Schweiz

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Video: srf

Kaiser liess sich von seinem persönlichen Unternehmensberater begleiten und betrat um zehn Uhr mit dem russischen Kunsthändler die UBS-Filiale am Bankenplatz in Basel. Sie liessen sich von einem Bankangestellten in einen Diskretionsraum führen. Kaisers Berater holte aus seinem Safe Couverts mit einer halben Million in 500er-Euronoten und brachte sie in den Diskretionsraum. Dort zählte sie Kaiser und der Vermittler verpackte sie in zehn Couverts, die er versiegelte. Ein Bankangestellter überwachte den Vorgang und merkte nicht, dass der Gauner im schicken Anzug später zehn andere, gleich aussehende Couverts im Safe hinterliess. Dieser hatte für Ablenkung gesorgt, indem er mehrmals mit seinen Auftraggebern telefonierte.

Kaiser erzählt: «Erst als alles vorbei war, spürte ich, dass etwas faul sein könnte.» Er öffnete die versiegelten Couverts und stiess auf einen Haufen Papierschnipsel. Zehn Minuten nachdem der Mann mit einem Koffer voller Geld durch den Hauptausgang der Bank spaziert war, schlug Kaiser Alarm. Die Polizei startete umgehend eine Fahndung und überprüfte den Flughafen. Doch der Mann war verschwunden.

Betrüger steigern ihren Erfolg

Bei diesem Trickbetrug handelt es sich um einen sogenannten Rip-Deal; rip bedeutet entreissen. Besonders verbreitet ist er in der Immobilienbranche. Die Bundespolizei Fedpol warnt seit Jahren davor, doch der Rip-Deal bleibt ein Klassiker. Denn die internationalen Banden agieren immer professioneller. Das zeigen die jüngsten Fedpol-Zahlen. 2016 registrierte die Bundespolizei 22 erfolgreiche Rip-Deals. Das sind mehr als in den Vorjahren: 14 waren es 2015 und 20 im Jahr 2014. Gleichzeitig ging die Zahl der versuchten, aber nicht vollendeten Taten deutlich zurück. Die Banden sind effizienter geworden.

Die Schadensumme betrug 2016 fast zehn Millionen Franken. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Dunkelziffer ist gemäss Fedpol allerdings hoch, weil viele Opfer keine Anzeige erstatten würden. Ein Grund dafür ist, dass sich einige selber strafbar gemacht haben, etwa indem sie mit unversteuerten Geldern handelten. Oft findet die Bargeldübergabe zudem in Norditalien statt. Summen über 10 000 Euro müssten am Zoll aber deklariert werden.

Bei den Tätern handelt es sich meistens um Angehörige von Clans aus Rumänien. Die Männer und Frauen, welche als Schauspieler bei den Deals auftreten, gehen ein hohes Risiko ein, verdienen aber wenig. Das Geld landet bei den Hintermännern.

Der Mann, der Kaiser um eine halbe Million erleichtert hat, wurde kürzlich von der Polizei zufällig gefasst. In einer Woche steht er vor dem Basler Strafgericht. Kaiser sagt: «Ich gehe nicht davon aus, dass ich das Geld zurückerhalte. Das ist wohl alles verpulvert.» Er habe ein Jahr lang doppelt so viel gearbeitet, um den Verlust auszugleichen. Für ihn persönlich sei es ein traumatisches Erlebnis: «Es wird mich immer verfolgen.» 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kong 13.01.2018 16:41
    Highlight Highlight Gutes Storytelling, schauspielerisches Können, psychologisches Geschick und Timing/Ablenkung. Auch wenn sich mein Mitgefühl in dem Fall in Grenzen hält, sollte man mit der Schadenfreude vorsichtig sein. So eingeseift würden noch einige von uns Kommentarschreibern auf die eine oder andere Weise abgezockt werden. Jeder hat Schwächen (ausser vielleicht Chuck Norris). 😇
  • El diablo 13.01.2018 12:53
    Highlight Highlight Wie jetzt alle Armen die Kommentarspalte vollspammen, um zu sagen wie wenig Mitleid sie mit einem Reichen haben. Da spricht viel Neid aus euch.
    • Atheist1109 13.01.2018 14:10
      Highlight Highlight Eher herzliche Schadenfreude.
    • Echo der Zeit 13.01.2018 14:20
      Highlight Highlight Das Neid Argument ist ziemlich abgelutscht - wenn einer so Blöd ist.
  • zombie woof 13.01.2018 11:15
    Highlight Highlight Gier frisst Hirn
  • ali_der_aal 13.01.2018 11:10
    Highlight Highlight Mein mitleid hält sich in grenzen...
  • Henri Lapin 13.01.2018 11:01
    Highlight Highlight Man hüte sich auch vor "Polizei" am Telefon. Die haben eine Bande dingfest gemacht und Adresse und Namen des Angerufenen auf einer Liste gefunden. Auf der Liste stehe z.B. auch "Safe". Wer das bestätigt, dürfte bald mit einem Einbruch rechnen.
    Übrigens erscheint als anrufende Nummer eine korrekte Tel. Nummer der Polizei.
  • nick11 13.01.2018 10:12
    Highlight Highlight Die armen Reichen werden von Trickbetrügern betrogen weil sie ob der Summe die sie verdienen könnten alles glauben und Grundregeln des Handelns über Board werfen. Hab ich nicht wirklich Mitleid...Geldgier macht halt einige Blind...
  • N. Y. P. D. 13.01.2018 09:58
    Highlight Highlight Kaiser nahm seinem Gegenüber die Rolle ab, ein russischer Oligarch zu sein.

    Das lässt mich schon sehr staunen.
    Ein Oligarch besitzt in der Regel 2 - 3 Milliarden. Und so ein Oligarch soll wegen läppischen 500'000 extra nach Basel kommen ?

    Uiuiuiui, Herr Kaiser. Das war suboptimal abgelaufen.
  • Looney 13.01.2018 09:52
    Highlight Highlight "Er habe ein Jahr lang doppelt so viel gearbeitet, um den Verlust auszugleichen."

    Easy, von dem her ja alles nicht so schlimm...
    • Trollerix 13.01.2018 10:07
      Highlight Highlight War auch mein Gedanke. Scheint ihn nicht sonderlich zu beeindrucken, zumindest aus finanzieller Sicht.
    • Echo der Zeit 13.01.2018 14:18
      Highlight Highlight Ha Ha - hab ich auch gedacht , mein Mitgefühl hält sich in Grenzen.

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