Schweiz

Während der Rede des Konzernchefs Tidjane Thiam seilten sich Demonstranten von Greenpeace von der Decke des Hallenstadions ab.  Bild: KEYSTONE

CS-GV: Urs Rohner als VR-Präsident bestätigt ++ Sehr knappes Ja für Vergütungsbericht

28.04.17, 10:42 28.04.17, 15:39

Seit 10:30 Uhr gilt's ernst: Die Credit Suisse hält ihre Generalversammlung im Hallenstadion in Zürich ab. 

Während der Rede von Konzernchef Tidjane Thiam seilen sich mehrere Demonstranten von Greenpeace von der Decke. Thiam reagiert gelassen und meint nur, dass jeder das Rechte habe seine Meinung zu äussern und fährt mit seiner Rede fort. 

Die Kritik der Aktionäre

Kann aufatmen: Verwaltungsratspräsident Urs Rohner konnte den Vergütungsbericht durchwinken. Bild: EPA/KEYSTONE

Hans-Jacob Heitz spricht als erster Aktionär. Seine Kritik ist laut und harsch. Trotz der Reduzierung der Boni für die Geschäftsleitung, wurde er nicht milder gestimmt. «Der Verzicht auf eine Erhöhung ist arrogant – sogar ein Hohn.», so Heitz. Der Saal applaudiert. Heitz beendet sein Votum mit einem Vorwurf in Richtung Rohner. Er warte noch immer auf das einst versprochene Bier.

Als zweiter Redner wird Ethos-Direktor Vincent Kaufmann auf die Bühne gebeten. Auch er ist alles andere als positiv gestimmt. Er lehnt die Entlastung des Verwaltungsrates, die Höhe der Dividenden und Löhne ab. 

Der Dritte im Bunde: Hermann Struchen. Er beginnt seine Rede mit einem Vorwurf an die Organisatoren der GV. Die Aktion von Greenpeace sein ein Skandal: «So etwas darf nicht toleriert werden», so Struchen. 

«Das beste an der CS ist der Christbaum am Paradeplatz.», diesen Satz sagte Struchen bereits an der letztjährigen GV. Doch es habe sich nicht viel geändert, so Struchen. 

Aktionärsvereinigung Actares prangert Kreditskandal an

Thomas Kesselring von der Aktionärsvereinigung Actares, geht in seiner Rede auf den Kreditskandal in Mozambique ein. Die Credit Suisse London soll 2013 in Zusammenarbeit mit der russischen Bank VTB London mehrere Kreditgeschäfte von über zwei Milliarden Dollar mit Mozambique abgeschlossen haben. Laut Actares hatte dieser Deal fatale Folgen für das Entwicklungsland.

Julia Büsser von der Gesellschaft für bedrohte Völker und Katya Nikitenko von Greenpeace kritisieren beide die Verflechtung der CS in die Finanzierung einer Pipeline in US-amerikanischem Indianergebieten. 

Knappes «Ja» für Vergütungsbericht

Nach den zahlreichen Reden und Protesten der Aktionäre kommt es nun zur Abstimmung. Der Vergütungsbericht wird mit nur knapp 58 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Der Geschäftsbericht wurde genehmigt. 

«Das ist deutlich unter den Vorjahren», sagte Urs Rohner am Freitagnachmittag zum Resultat. Der Verwaltungsrat werde die Konsultationen mit den Aktionären intensivieren und sich Gedanken machen über die Vergütungspolitik. Weiter: «Wir wollen keinen Vergütungsbericht, der knapp mit 58 Prozent angenommen wird.» Mit Nein stimmten 40 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde der Vergütungsbericht mit 80 Prozent angenommen.

Komfortabler fiel die Abstimmung über die Entlastung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung aus. Die Aktionäre erteilten die Dechargé mit 88 Prozent der Stimmen. Es gab 9 Prozent Nein-Stimmen.

Ebenfalls klein war die Zustimmung für die kurzfristigen variablen Boni. Zu ihnen sagten nur 59 Prozent der Aktionäre Ja. Die langfristigen variablen Boni gingen mit 74 Prozent Ja-Stimmen und 24 Prozent Nein-Stimmen durch.Wenig umstritten war der Fixlohn mit 81 Prozent ja (15 Nein). Der Vergütung des Verwaltungsrats stimmten 73 Prozent der Aktionäre zu (nein 25 Prozent).

Rohner kann aufatmen

Urs Rohner schafft die Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident mit 90.6 Prozent. Rohner zeigte sich vor den Aktionären über das Resultat erfreut: Mit einem Ergebnis von über 90 Prozent sehe er sich vom Vertrauen der Aktionäre getragen, sagte er im Anschluss an die Wahl.

Die weiteren neun zu Wiederwahl angetretenen bisherigen Verwaltungsräte sowie die beiden neuen Kandidaten Andreas Gottschling und Alexandre Zeller wurden mit Mehrheiten zwischen 94 und 98 Prozent in das Gremium gewählt. 

Lanier nimmt sich Kritik zu Herzen

Nach Thiam folgt die Rede von Jean Lanier, Vorsitzender des Kompensations-Ausschusses. Er erläutert den Aktionären die Gründe für die Entscheidung des Kompensationskomitees und des Verwaltungsrates.  

Auch Lanier entschuldigt sich bei den Aktionären. Lanier betonte indes, dass er sich die Kritik der Stimmrechtsvertreter zu Herzen nehme.  

Rohner entschuldigt sich

Credit-Suisse-Verwaltungsratpräsident Urs Rohner entschuldigte sich während seiner Rede für die mangelnde Sensibilität bei der Beurteilung der Lohnbemessung. Es habe nur eine grosse Uneinstimmigkeit gegeben.

«Wir mussten massive Kritik gegenwärtigen, sei es an den Vergütungen, aber auch sonst», sagte Urs Rohner. Beim Entscheid über die Boni-Zahlungen habe es zwischen dem Verwaltungsrat und den Aktionären und Stimmrechtsberatern nur einen wirklich grossen Unterschied gegeben.

«Wir mussten massive Kritik gegenwärtigen, sei es an den Vergütungen, aber auch sonst»

Urs Rohner

Es ging um die Einschätzung, ob die Busse rund um den Steuerstreit mit den USA von total 2,48 Milliarden Dollar bemessen werden soll oder nicht. «Wir akzeptieren, dass man diesbezüglich anderer Meinung sein kann.»

Aktionäre protestierten laut im Saal. Immer mehr Aktionäre ergriffen das Wort, allerdings konnte man sie nicht im ganzen Saal hören. Sie betonten, dass sie ein Recht hätten zu sprechen. (sda)

Same procedure as every year ...

Dieselbe Prozedur wie vor einem Jahr: Im Vorfeld der Generalversammlung der Credit Suisse (CS) morgen Freitag hatte die Grossbank einen hohen Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr bekanntgegeben, des gleichen hohe Boni. Es folgten Proteste der Aktionäre und eine Charme-Offensive der Bank mit dem Verzicht auf einen Teil der Boni.

Doch anders als im letzten Jahr kann CS-Präsident Urs Rohner heute nicht mehr auf satte Mehrheiten zählen. Denn mit dem Entscheid des Teil-Boni-Verzichts vor Ostern ist es ihm diesmal nicht gelungen, die einflussreichen amerikanischen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis zu überzeugen.

Der Verzicht der Geschäftsleitung auf 40 Prozent der kurzfristigen und langfristigen Boni reiche ihnen nicht und komme zu spät, so der Tenor. Für sie wenig überzeugend war zudem, dass der Lohn von Konzernchef Tidjane Thiam um 14 Prozent auf 10,24 Millionen gestutzt wurde. Neben den US-amerikanischen Stimmrechtsberatern hält auch die Schweizer Anlagestiftung Ethos daran fest, den Vergütungsbericht ablehnen zu wollen.

Zusammengenommen vertreten die drei rund ein Drittel des Aktienkapitals der Grossbank. (ohe/sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 28.04.2017 15:22
    Highlight In dieser Situation muss man sich fragen, wie die Grossaktonäre der CS "geschmiert" wurden, damit sie einem solchen Vergütungsbericht zustimmen.
    Die kleinen und mittleren Aktionäre haben hierzu sicherlich nein gestimmt - bravo.
    3 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.04.2017 14:24
    Highlight Nur knapp 58% Zustimmung zum Vergütungsbericht ist ein Zeichen, was die Aktionäre über die überrissenen Boni dieser Herren denken.
    Es ist ein Skandal, was sich nach all diesen Jahren der Abzockerei noch bei der CS abspielt. Zum Glück habe ich bei dieser Bank keine Aktien!!
    6 0 Melden
  • Normi 28.04.2017 14:07
    Highlight Greenpeace seilt sich vom Dach ab, genau deswegen gebe ich denen kein Geld mehr...
    3 3 Melden
  • User01 28.04.2017 14:00
    Highlight Hat sich der legendäre Hermann Struchen auch zur Verpflegung an der GV geäussert?
    2 2 Melden
  • andre63 28.04.2017 12:39
    2 4 Melden
    • Simon Ziswiler 28.04.2017 18:04
      Highlight Schade nur, dass watson nicht schreibt weshalb.. aber dein link sehe hoffentlich noch einige und wechseln die bank..
      1 1 Melden
  • Pius C. Bünzli 28.04.2017 12:32
    Highlight Richtig Geschmacklos bei Verlusten Bonis auzuzahlen. A la Jungs den Karren habt ihr Tiptop an die Wand gefahren, da noch ein paar Stutz extra.

    Ok, um bei der CS als Entscheidungsträger arbeiten zu wollen muss man schon wenig Geschmack vorweisen.
    3 0 Melden
  • Stromer5 28.04.2017 12:17
    Highlight Sollte ich mal unverhofft zu viel Geld kommen, werde ich mit Bestimmtheit einen grossen Batzen Greenpeace spenden.
    Geili siacha!👍
    117 45 Melden
    • Normi 28.04.2017 14:13
      Highlight Was ist daran "Geil" ? die sollen lieber Waldflächen oder ähnliches mit den spenden kaufen und beschützen !!

      Kindergarten Aktionen helfen nicht...

      oder selber genug Aktien kaufen damit Sie dagegen stimmen können
      3 2 Melden
    • Alnothur 28.04.2017 14:51
      Highlight Wenn du dein Geld eh schon einfach verpulvern willst, kannst du es auch gleich mir geben. Oder sinnvoll z.B. dem WWF oder einer anständigen Organisation spenden.
      3 2 Melden
  • MaxHeiri 28.04.2017 12:13
    Highlight Ich finde es stark von Thiam, dass er die Aktion von Greebpeace zulässt mit dem Verweis auf freie Meinungsäusserung.
    110 10 Melden
    • Digital Swiss 28.04.2017 13:35
      Highlight Wass sollte er in dieser Situation sonst tun? Er hat so oder so den Kürzeren gezogen.
      2 1 Melden
  • Illuminati 28.04.2017 11:44
    Highlight Regt wohl selbst die anwesenden Aktionäre etc. zum nachdenken an auch wenn sich wohl leider nicht viel ändern wird. Top Aktion!
    41 12 Melden
  • Der Rückbauer 28.04.2017 11:01
    Highlight Kan man die GV live verfolgen?
    33 9 Melden

«Asyl-Algorithmus»: Ein Programm soll Flüchtlinge vor der Arbeitslosigkeit bewahren

Forscher der ETH-Zürich entwickelten einen Algorithmus, der die Arbeitslosigkeit bei Asylsuchenden drastisch senken soll. Neu sollen Flüchtlinge nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern anhand von Faktoren wie Alter, Herkunft und Sprache auf die Kantone verteilt werden.

Wer in der Schweiz einen Asylantrag stellt, wird vom Bund einem Kanton zugewiesen. Die Verteilung findet computergesteuert und nach Zufall statt. Das heisst, es kann gut sein, dass ein Asylsuchender, der fliessend Französisch spricht, in ein Asylheim in der Deutschschweiz kommt.

Grund für die zufällige Verteilung: Asylsuchende sollen möglichst gleichmässig auf die verschiedenen Kantone verteilt werden und es soll keine ethnische Gruppe überproportional häufig in einem Kanton vorkommen.

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