Schweiz
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20'000 Beschwerden wegen Werbeanrufen: So telefonieren Callcenter am Gesetz vorbei

13.04.15, 06:32 28.08.17, 12:12

Werbeanrufe sind wohl etwas vom Nervigsten, was die Neuzeit hervorgebracht hat. Trotzdem scheinen sie erfolgsversprechend zu sein: «Wir stellen einen massiven Zuwachs von Beschwerden fest», sagt Mediensprecher Fabian Maienfisch vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). «Das lässt darauf schliessen, dass das Geschäftsmodell ‹Werbeanrufe› vermehrt eingesetzt und der Sterneintrag offenbar nicht in genügendem Masse respektiert wird.»

Der Stern hinter einer Nummer im Telefonverzeichnis sollte vor solchen unerwünschten Werbeanrufen schützen. Trotzdem sind in den vergangenen drei Jahren rund 20'000 Beschwerden wegen Missachtung des Eintrags beim SECO eingegangen. Doch was passiert damit? «Das SECO sichtet die Beschwerden, und wenn sich die Indizien verdichten, kann eine Klage in Betracht gezogen werden», so Maienfisch.

6 Uhr abends (und du liegst im Bett?) kommt ein Anruf, unbekannte Nummer. Natürlich ein Callcenter. shutterstock

Da sich die «unlauteren Geschäftspraktiken» meistens mündlich am Telefon abspielten, sei es schwierig, diese zu beweisen. Für eine erfolgreiche Klage seien mindestens 20 Beanstandungen nötig.

Woher haben die meine Nummer?

Die Callcenter greifen auf automatisierte Verfahren zurück. Es ist aber auch möglich, dass die oder der Angerufene dem Unternehmen seine Telefonnummer früher einmal angegeben hat. Ob ein Unternehmen nach Ende der Geschäftsbeziehung jedoch weiterhin berechtigt ist, den Konsumenten zwecks Werbung anzurufen, ist laut Maienfisch unklar.

Wie kann ich mich wehren? Schlecht bis gar nicht. Man könne zwar verlangen, von der Liste des Callcenters gestrichen zu werden, die Vergangenheit habe aber gezeigt, dass die Unternehmen sich davon nicht abschrecken lassen. «Einen absoluten Schutz vor Telefonmarketing gibt es nicht», sagt die SECO. Es gebe aber gewisse Massnahmen, mit denen man sich besser vor unerwünschten Anrufen schützen könne.

Konsumentenschützer fordern Eingreifen der Telefonanbieter

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fordert von den drei grössten Telekomfirmen Swisscom, Sunrise und Cablecom technische Massnahmen gegen unerwünschte Werbeanrufe.

Eine technische Lösung, mit der unerwünschte Anrufe blockiert werden können, bestehe bereits: «Seit mehreren Monaten bieten 15 regionale und mittelgrosse Anbieter in der Westschweiz (zum Beispiel VTX und Netplus) diese Möglichkeit ihren Kundinnen und Kunden kostenlos an, wobei jeder Kunde individuell wählen kann, ob solche Anrufe blockiert werden oder nicht», so die SKS in einer Medienmitteilung.

Das Problem bleibt wohl (vorerst) noch bestehen

Die Swisscom möchte zur Forderung der SKS derzeit noch keine Stellung nehmen. Sie weist jedoch darauf hin, dass sie ein Gerät anbiete, das es dem Konsumenten erlaubt, 15 Rufnummern zu sperren. Weiter könnten Aufrufe von unterdrückten Nummern aufs Festnetz-Gerät kostenlos unterbunden werden. 

Während ich diesen Artikel schreibe, klingelt das Handy des Kollegen nebenan – unbekannte Nummer. Eine Suche auf tel.search.ch ergibt:

screenshot tel.search

So schön war Werbung früher

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Radiochopf 13.04.2015 15:09
    Highlight S.L. Consulting GmbH Schweiz ist eine der Firma die uns ständig nervt.. 031 518 xx xx. Seco und Konsumentenschutz meinen, man kann die nicht zurückverfolgen aber diese Firma S.L. Consulting GmbH Schweiz ist bekannt und trotzdem wird nichts gemacht. Wir müssen alle unsere Adresse-Daten inkl. Mail-Adresse angeben um bei Seco und Konsumentschutz die Anrufe zu melden. Diese S.L. Consulting GmbH Schweiz kann uns aber anonym anrufen und wir können sie nicht mal zurückrufen. Wann versteht die Politik, dass hier etwas verkehrt läuft?
    11 0 Melden
  • Angelo C. 13.04.2015 12:46
    Highlight Ich rufe prinzipiell nie zurück, wenn jemand bei mir 2-4 Mal klingeln lässt und dann einhängt. Dabei ist es mir wurscht, ob ein Callcenter oder sonst jemand dahinterstecken könnte. Wer mich sprechen will, lässt länger klingeln oder ruft erneut an, wenn er wirklich was will. Und läutet es normal und eine süsslich-tranige Stimme irgendeiner Callcenter-Tusse hebt an, von "Meinungsumfrage, Marktforschung, Krankenkassenberatung oder Magazin-Abos" zu stammeln, dann hänge ich kommentarlos wieder ein, sage nie auch nur ein Wort. Ulkig, dass bisher niemand von denen an eine schlechte Handyverbindung geglaubt und sogleich nochmals angerufen hat - denen geschieht sowas (zurecht) sehr oft und sie wissen gemau, was das im Klartext heisst : Ihr könnt mich mal ;-)!
    11 0 Melden
  • droelfmalbumst 13.04.2015 11:45
    Highlight Gegen solches zeug müsste man härter vorgehen und nicht die ganze kraft darauf konzentrieren ob einer einen zu lauten auspuff am auto hat!

    Ich kriege ständig anrufe von so faggot Call Center auf meine mobile nr. Die lassen 1-2x klingeln und hoffen auf rückrufe welche dann kosten. Verdammte halunken!!!
    17 7 Melden
  • Asmodeus 13.04.2015 10:04
    Highlight Das Hauptproblem sind die Telefonprovider.

    Ungeachtet der Nummer müsste es die Möglichkeit geben herauszufinden von welchem Anbieter eine Nummer kommt.

    So könnte man sich nämlich direkt beim Anbieter (Swisscom, Sunrise, Orange) beschweren. Natürlich müsste eine Handhabe bestehen, dass man die Provider dann zwingen kann solchen Firmen die Nummern zu sperren.

    Und daran sind die Provider nicht interessiert. Gerade die Werbeanrufen bringen neben Roaming und Firmenkunden vermutlich die höchsten Einnahmen.
    19 1 Melden
    • Toto 13.04.2015 11:08
      Highlight Die Nummern werden vom BAKOM vergeben... oder besser: verkauft !
      9 0 Melden
  • chwolf 13.04.2015 09:29
    Highlight Bei mir lassen es ständig Festnetzummern ein bis zwei Mal klingeln und bei Rückruf stellt sich raus, dass es kostenpflichtige Anrufe sind. Mittlerweile kenn ichs und blockier sie. Es ist einfach nervig, bei jeder Festnetznummer zuerst immer googeln zu müssen.
    20 1 Melden
  • The oder ich 13.04.2015 08:59
    Highlight Früher hatte ich Mitleid mit den Callcenter-Angestellten und habe höflich darauf hingewiesen, dass ich nicht interessiert sei. Die haben aber in der Regel insistiert, so dass ich mich immer mehr genervt habe.
    Seit einiger Zeit nutze ich solche Telefonate für den Frustabbau: ich frage kurz, woher sie die Nummer haben (Standardantwort "aus dem Telefonbuch") und schreie sie dann an, dass ich den Stern habe, was ihnen eigentlich einfalle, dass man ihnen die Polizei auf den Hals jagen sollte etc. Länger als eine Minute dauert es dann nicht, und die Anrufe wurden spürbar weniger.
    32 0 Melden
  • c_meier 13.04.2015 08:56
    Highlight Kann watson nicht mal nachforschen, wer hinter diesen doofen "Callcentern" steckt? Wäre toll!
    38 1 Melden
    • spaddel 13.04.2015 09:33
      Highlight Finde ich eine super Idee :)
      19 0 Melden
    • Asmodeus 13.04.2015 10:01
      Highlight Einen Anfang können wir bereits ohne Watson machen.

      Ich habe in den letzten Wochen 2 Mal anrufe einer Firma erhalten die sich als "SBO Schweizer Budget Optimierer AG" ausgibt.
      Verschiedene Telefonnummern (Vorwahl 044 sowie 043)

      Besonders interessant. Dahinter steckt angeblich die Fortuna Sales Group AG in Cham.

      Ende März Konkurs angemeldet.
      8 1 Melden
  • Joseph Dredd 13.04.2015 08:30
    Highlight Die Leute regen sich darüber auf, dass der Stern hinter ihrem Eintrag im Telefonbuch nicht respektiert wird, dabei haben diese Callcenter ihre Telefonnummern nicht von der Swisscom, sondern kaufen tausende Nummern als Package bei spezialisierten Anbietern ein.
    17 2 Melden
    • buco 13.04.2015 13:13
      Highlight Und wieder andere veranstalten Wettbewerbe mit Tel Nr als Pflichtfeld und AGB, welche akzeptiert werden müssen. Darin gibt man Bewilligung, angerufen zu werden. Also lesen, das Gelesene verstehen bevor mitmachen.
      3 0 Melden
  • Kronrod 13.04.2015 07:29
    Highlight Der korrekte Umgang mit solchen Anrufen: Anruf annehmen, "Ja, klingt sehr interessant", "Moment kurz, ich bin gleich wieder da", Telefon beiseitelegen, liegenlassen.
    23 0 Melden
    • hektor7 13.04.2015 08:25
      Highlight Umgang des Callcenters mit solchen Gesprächspartnern: Kurz warten, feststellen, dass niemand mehr kommt, Anruf abbrechen, am nächsten Tag wieder anrufen.
      Es gibt bessere Möglichkeiten, sich von der Liste löschen zu lassen: Wenn gezielt Personen im Haushalt gesucht werden, sagen, diese wären verstorben oder ins Ausland ausgereist. Ansonsten erklären, es handle sich hier um ein Geschäftshandy und dieses werde von unterschiedlichen Personen verwendet. Ausserdem seien Privatgespräche hier nicht möglich. Klappt meistens. Wichtig: Immer höflich bleiben, nicht ausrasten.
      13 3 Melden
    • Maya Eldorado 13.04.2015 22:03
      Highlight Bei mir hat Folgendes geholfen:
      z.B. bietet jemand einen PC-Einführungskurs an. Ich sage: "Toll, so einen möchte ich schon lange besuchen. Wer bezahlt denn den Kurs?" - Ja, Sie natürlich. - "Oh schade, ich hab das nötige Kleingeld nicht." Dann hat der ohne ein Wort zu sagen aufgehängt.

      War nur ein paarmal nötig. Seither habe ich, was das betrifft absolute Ruhe.
      Ich fragte ich schon, ob die vielleicht eine rote Liste haben....
      0 0 Melden
  • Matrixx 13.04.2015 06:56
    Highlight Da es anscheinend unmöglich ist, Callcenter aufzuhalten, ein Tipp für alle, die genau so genervt sind wie ich:
    Mit der App tel.search (für Android) auf dem Handy kann man Callcenter-Anrufe blockieren.
    Und das Festnetz wurde bei mir schon lang gekündigt.
    Jetzt habe ich seit einiger Zeit Ruhe davon.
    12 0 Melden

Kein Importverbot für Quälpelz: «Die Argumente des Bundesrats sind fast schon pervers»

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