Schweiz

Medikamenten-Preise: Bundesrat will 240 Millionen sparen – Konsumentenschutz enttäuscht

01.02.17, 14:35 01.02.17, 17:29

Medikamente sind zu teuer in der Schweiz. Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat will die Medikamentenpreise senken. In den nächsten drei Jahren können so 240 Millionen Franken eingespart werden. Möglich machen dies Massnahmen bei den Generika und die Wiedereinführung von regelmässigen Überprüfungen kassenpflichtiger Medikamente.

Der Bundesrat hat am Mittwoch die entsprechende Verordnung auf den 1. März in Kraft gesetzt. Damit kann die dreijährliche Überprüfung der Medikamentenpreise wieder aufgenommen werden. Neu wird der Auslandpreisvergleich und der sogenannte therapeutische Quervergleich je zur Hälfte gewichtet. Bei Letzterem wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu anderen Arzneimitteln mit ähnlicher Wirkung berücksichtigt.

Umfrage

Sind Medikamente in der Schweiz zu teuer?

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337 Votes zu: Sind Medikamente in der Schweiz zu teuer?

  • 6%Nein, unsere Löhne sind ja auch höher.
  • 90%Ja, wir werden über den Tisch gezogen.
  • 4%Ich bin eh nie krank, das ist mir egal.

Der Bundesrat hatte die Überprüfungen nach einem Bundesgerichtsentscheid von Ende 2015 ausgesetzt. Das Gericht hatte bemängelt, dass bei der Preisüberprüfung der kassenpflichtigen Arzneimittel nur die Auslandpreise berücksichtigt wurden. Mit der Wiederaufnahme der Preisprüfungen erhofft sich der Bundesrat in den nächsten drei Jahren Einsparungen von rund 180 Millionen Franken.

Konkret wird jedes Jahr ein Drittel der rund 2500 kassenpflichtigen Medikamente einer Prüfung unterzogen. Die Forderung des Preisüberwachers, jedes Jahr sämtliche Medikamente zu prüfen, weist der Bundesrat zurück. Der dadurch entstehende Mehraufwand sei nicht zu bewältigen, zeigte sich Berset überzeugt.

Konsumentenschutz: Bundesrat begünstigt die Pharma

Die angepassten Regeln für die Festsetzung der Medikamentenpreise seien weiterhin so ausgestaltet, dass Pharmaunternehmen längst überfällige und legitime Preissenkungen mit Rekursen blockieren können. Zudem werde das Sparpotential nur minimal ausgeschöpft, schreibt die Stiftung für Konsumentenschutz in einer Stellungnahme. Der Bundesrat und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verpassten es einmal mehr, die Medikamentenpreise in den Griff zu bekommen. Der Bund schone die Pharmaindustrie und nehme weitere Erhöhungen der Krankenkassenprämien in Kauf. (whr)

Massnahmen gegen hohe Generikapreise

Die zweite Änderung betrifft die Preisfestsetzung für Generika. Bei diesen gilt: Je höher der Umsatz des Originalpräparats ist, desto grösser muss der Preisabstand für die Generika sein. Mit der neuen Bestimmung wird der Preisabstand markanter.

Zudem werden die Kriterien des differenzierten Selbstbehalts verfeinert. Die Kostenbeteiligung der Versicherten werden so angepasst, dass der Bezug von Generika attraktiver wird. Dank dieser Anpassungen können in den nächsten drei Jahren im Bereich Generika rund 60 Millionen Franken eingespart werden, schätzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) aufgrund von Angaben der Pharmabranche.

Rascher Entscheid bei Vergütung

Zwar keine Einsparungen, dafür eine bessere Situation für die Patienten verspricht sich der Bundesrat von einer weiteren neuen Bestimmung. Diese betrifft Medikamente, die eigentlich nicht zugelassen sind, nicht zur Behandlung einer Krankheit vorgesehen sind oder nicht kassenpflichtig sind. In Einzelfällen kann der Arzt dennoch ein Gesuch um Kostengutsprache bei der Krankenkasse einreichen, etwa wenn keine andere wirksame, zugelassene Therapie zur Verfügung steht.

Die Kassen müssen neu innerhalb von zwei Wochen entscheiden. Damit werde das Verfahren zum Wohl der betroffenen Patienten beschleunigt, zeigt sich der Bundesrat überzeugt. Wie bisher bestimmt die Krankenkasse, zu welchem Preis dieses Medikament vergütet wird. Der Preis muss aber unter jenem auf der Spezialitätenliste liegen, die alle kassenpflichtigen Medikamente umfasst. Bei importierten Medikamenten wird der effektive Preis vergütet. Die Pharmaunternehmen sollen neu bei der Preisfestsetzung mitwirken. (whr/sda)

Runter mit den Preisen! Produkte, die jetzt billiger werden müssten

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Brikne, 20.7.2017
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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Karoon 01.02.2017 16:41
    Highlight Besser als nix
    3 0 Melden
  • Vio Valla 01.02.2017 15:52
    Highlight Noch sinnvoller wäre es, wenn Medikamente einem nicht regelrecht nachgeworfen werden würden. Wieviele unnötige Medis werden wohl tag täglich von Ärzten verschrieben?!
    22 3 Melden
    • NiemandVonNirgendwo 01.02.2017 23:36
      Highlight Dann müsste auch geregelt sein, dass die Ärzte die Medikamente nicht selbst verkaufen könnten. Dies wäre eine effektive Waffe gegen überproportionalem Medikamentenkonsum
      3 0 Melden
  • Illuminati 01.02.2017 15:30
    Highlight Ich bin eh nie krank, also ist es mir sowieso egal, bei der umfrage ist falsch...
    Denn die zu teuren Medikamente gehen schlussendlich zu Lasten aller und die krankenkassenprämien steigen wieder.
    19 3 Melden
  • Alf 01.02.2017 15:16
    Highlight «Dank dieser Anpassungen können in den nächsten drei Jahren im Bereich Generika rund 60 Millionen Franken eingespart werden»... Wow, ich seh es schon vor meinem geistigen Auge wie das die Preise von Originalpräparaten drücken wird.
    12 1 Melden
    • Bowell 02.02.2017 09:08
      Highlight Wer Originalpräparate kauft und nicht das Generika ist selber schuld. In diesem Sinne ist der Preis des ursprünglichen Medikaments irrelevant, solange das Generika günstiger wird.
      0 0 Melden
  • Toerpe Zwerg 01.02.2017 14:51
    Highlight Sparen bei den Medikamentenpreisen ist ein Tropfen auf den heissen Stein der Gesundheitskosten.

    Die Vergütungssätze der Spezialärzte und die Spitaltarife sind das wahre Übel.

    Vertragszwang mit Ärzten für die Kassen und das ganze Tarmed-System gehören abgeschafft.
    25 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.02.2017 15:55
      Highlight Nein nein, viel zu komplex. Lieber Leistungen kürzen, Franchisen erhöhen oder Prämienregionen abschaffen.

      240 Million sparen? Bei einem Medikament, welches sieben Millionen Personen kaufen, welche im Jahr je eine Packung verbraucht, würde schon eine Preisreduktion von 10 Rappen 70 Millionen einsparen. Beispiel Paracetamol. Also wirklich ein Tropfen auf den heissen Stein.

      Aber Gleichzeitig verdienen Arbeiter im Gesundheitswesen eher wenig. Daran kann es auch nicht liegen.



      14 0 Melden
    • Rendel 01.02.2017 17:25
      Highlight Sie haben falsch gerechnet oder meinen sie das ironisch?
      2 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.02.2017 17:59
      Highlight @rendel
      Sieben Millionen und nicht 70.
      Sie haben recht. Falsch gerechnet.
      0 1 Melden
    • Rendel 01.02.2017 18:19
      Highlight 700'000 😉 .
      3 0 Melden
    • batschki 01.02.2017 18:25
      Highlight Vor 50 Jahren kostete eine 8 Tagetherapie von Infektionskrankeiten mit Tetracyclinen CHF 80.00, heute CHF 8.00, ohne Teuerung. Bei anderen Antibiotika ist der Abschlag weniger, aber immer noch so viel, dass sich die AB-Forschung marktwirtschaftlich nicht mehr rechnet. Resultat? Heute stirbt man auch in den Industrieländern wieder an simplen Infektionen!!
      Leider fehlen mir die Zahlen. Fürchte aber, dass mehr Todesfälle durch heilbare Infekte als durchKrebs verhindert werden könnten. Für CHF 100 statt CHF 100'000 pro Behandlung
      3 2 Melden
    • Rendel 01.02.2017 18:34
      Highlight Ja, Pharmabetriebe rechnen und investieren da, wo sie sich den grössten Gewinn erhoffen. Trotzdem sind die Medipreise in der Schweiz bis zu 80% teurer als in Nachbarländern. Wenn ich mich richtig entsinne machen in der Schweiz die Medis min. 20 % an den Gesundheitskosten aus.
      Nur von der Schweiz allein leben die Pharmakonzerne ja nicht. Die Preise sind unfair bei uns.
      4 0 Melden
    • batschki 01.02.2017 18:37
      Highlight Zweitens sind es nicht die Vergütungssätze der Spezialärzte und Spitäler, welche die Gesundheitskosten in die Höhe treiben, sondern die systeminhärente Tatsache, dass diese 10 bis ? Mal zu häufig aufgesucht werden. Für die Be-hand-lung von Gelenkbeschwerden brauchts nicht primär einen orthopädischen Chirurgen (manchmal genügt Physiotherapie) und nicht hinter jedem Schnupfen liegt ein spezialärztlich abzuklärendes ORL-Problem


      4 1 Melden
    • batschki 01.02.2017 18:55
      Highlight Drittens: wenn sich nur noch die Vermögenden einen Spezialarzt leisten können sollen, dann gehört die obligatorische Krankenversicherung abgeschafft. Die sichere Hand des Marktes wird dann die Ärztedichte, das Kostenproblem von Medikamenten, Gesundheitswesen etc gleich damit lösen.
      Wollen wir aber eine gute Medizin für alle Kranken, so muss das Geld aus dem System entfernt werden und Gesundheit wieder ein immaterieller Wert. Dann wird zwar weniger geforscht & weniger Exzellenz am Computer vergeudet. Vielleicht würden dann die bereits vorhandenen Ressourcen kreativer und sinnvoller eingesetzt
      4 1 Melden
    • Toerpe Zwerg 01.02.2017 19:48
      Highlight Meine Dermatologin verdient ca. 80'000 . Im Monat.

      Als ich vor 2 Jahren eine OP hatte, verrechnete der Anästhesist CHF 2'400. Die Voll-Narkose dauerte 1h.

      Ein mir gut bekannter Chirurg kann an einem OP Tag auf ein Honorar von CHF 25000 kommen.

      Kein Problem?
      3 1 Melden
    • batschki 01.02.2017 21:12
      Highlight Warum gehen Sie denn zu den teuersten Spezialärzten??
      Ich habe Probleme mit Gesundheitskunden, die sich direkt - auf Kosten der Allgemeinheit - nur bei den vermeintlich besten (da teuersten - nach dem Motto, was nichts kostet ist nichts wert) Starärzten behandeln lassen. Diese Kunden würden sich vielleicht besser zuerst mit ihrem Hausarzt über das Ob, Wo und Wann unterhalten.
      2 0 Melden
    • Rendel 02.02.2017 17:51
      Highlight Wegen dem Rechnugsfehler hätten sie sich nun nicht löschen brauchen.
      0 0 Melden
  • axantas 01.02.2017 14:45
    Highlight 03.01.2018: Wie der Bundesrat in einem Communiqué mitteilt, haben die ab ersten März vorigen Jahres eingeleiteten Massnahmen zur Senkung der Medikamentenpreise nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Die Preise zogen im Gegenteil sogar um 20 % an. Das Scheitern ist hauptsächlich auf eine Gesetzeslücke zurückzuführen, die es den Pharmafirmen ermöglichte.....
    17 1 Melden
    • pamayer 02.02.2017 10:12
      Highlight Deshalb die usr III annehmen, dass die armen Pharmas nicht verhungern.


      Oder habe ich da was durcheinander gebracht??
      0 0 Melden

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