Schweiz
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[EDITOR'S NOTE: Topical image, posed picture with fake money] A briefcase with bundles of fake banknotes of Swiss Francs, pictured on July 21, 2011. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Zeigt her, die Moneten: Viele Schweizer haben ihr Vermögen freiwillig offengelegt.
Bild: KEYSTONE

Schwarzgeld: 40'000 Schweizer zeigen sich selbst an – das bringt dem Staat rund 2 Milliarden

Seit 2010 haben in der Schweiz rund 40'000 Personen freiwillig ihr Vermögen offengelegt – sie profitieren von der kleinen Steueramnestie. Finanzminister Maurer freut's trotzdem, er nimmt Milliarden ein.

26.03.16, 07:32 26.03.16, 08:52

Stefan Schmid / Nordwestschweiz



Das Vertrauensverhältnis zwischen Bürger und Staat sei einzigartig. Die Steuermoral höher als in den meisten anderen Staaten. Zahlen, die diese Thesen stützen, gibt es zwar nicht. Bund und Kantone verzichten seit den 1960er-Jahren darauf, die Höhe der Schwarzgelder zu schätzen.

Doch seit 2010 gibt es die kleine Steueramnestie (siehe Infobox am Ende des Artikels). Diese liefert Indizien, wie gross das Ausmass des Betrugs sein könnte. Die meisten Kantone legen Anzahl Personen, deklarierte Vermögen und zusätzliche Steuereinnahmen offen.

2 Milliarden für den Fiskus

Die «Nordwestschweiz» hat sämtliche kantonalen Steuerämter angefragt und alle verfügbaren Zahlen seit 2010 auf den neusten Stand gebracht. Nur die Waadt und Appenzell Innerrhoden weigern sich, Daten herauszugeben. Im Ostschweizer Kleinkanton seien die Verhältnisse so überschaubar, dass Rückschlüsse auf einzelne Personen gezogen werden könnten, heisst es in Appenzell.

Und in der Waadt sei das Interesse an Publizität in Steuerfragen nicht eben gross. Diese Zeitung hat deshalb für die zwei Kantone Annahmen getroffen, die aufgrund von Zahlen aus anderen Regionen plausibel erscheinen.

Das sind die Resultate:

Druck für generelle Amnestie

Wie steuerehrlich sind also die Schweizer? Fakt ist: Auch in der Schweiz entgehen dem Staat Milliarden durch Steuerbetrug. Die Linke fordert deshalb die Abschaffung des Bankgeheimnisses im Inland. Die aktuelle Steueramnestie müsse zeitlich befristet werden. Weitere Sonderregelungen für Steuersünder soll es nicht mehr geben.

Die Rechte wiederum will das Bankgeheimnis zementieren und fordert eine generelle Amnestie zu attraktiveren Konditionen als der straflosen Selbstanzeige. Dadurch sollen vermögende Schweizer ermuntert werden, ihre Gelder hier zu deklarieren, anstatt sie in Länder zu verschieben, die den automatischen Informationsaustausch nicht einführen werden. Wie viel Schwarzgeld noch auf verborgenen Konten schlummert, weiss niemand. David Schenker, Leiter Nachsteuern und Bussen beim Kanton Aargau, sagt nur: «Es ist davon auszugehen, dass noch sehr viel Geld im Ausland gelagert wird.»

Einmal im Leben reinen Tisch machen

Die Möglichkeit, einmal im Leben eine straflose Selbstanzeige einzureichen und damit nicht deklarierte Einkommen und Vermögen zu melden, besteht landesweit seit 2010. Dabei müssen die Steuerpflichtigen die Nachsteuer auf maximal zehn Jahre zurückbezahlen, erhalten aber keine Busse. Die selbstangezeigten Vermögenswerte und die daraus fliessenden Erträge werden damit nachhaltig der ordentlichen Besteuerung zugeführt – das heisst, sie tauchen auch in künftigen Steuererklärungen wieder auf.

Die meisten Selbstanzeigen betreffen natürliche Personen, die zum Beispiel nicht angegebene Nebenbeschäftigungen oder Renten und insbesondere Vermögen sowie Erträge aus nicht deklarierten Wertschriften, Konten oder Liegenschaften melden. Nur wenige Fälle betreffen juristische Personen. Forderungen nach einer generellen Amnestie, bei welcher der Fiskus auch auf Nachsteuern verzichtet, waren bisher nicht mehrheitsfähig. (ssm)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 27.03.2016 06:48
    Highlight Schwarzgeldrekord: Ist Steuerhinterziehung in der Schweiz ein Kavaliersdelikt?

    Erstaunlich, wie geduldig die ehrlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die in der Schweiz relativ einfache Möglichkeit zur Steuerhinterziehung tolerieren, widerspricht sie doch eklatant dem Prinzip der Steuergerechtigkeit. Gibt es vielleicht in der Schweiz viele kleine Steuerhinterzieher, die wegen ihrer wenigen hinterzogenen Steuerfranken politisch nichts gegen die grossen Steuerhinterzieher unternehmen wollen?
    2 0 Melden
  • danielelsener 26.03.2016 16:28
    Highlight Wenn man sich die Vergangenheit ansieht ist es so einfach mit Steuerhinterziehung davon zu kommen. Alle paar Jahre wieder gibt es die Möglichkeit für eine Amnestie.
    Viel zu einfach...
    7 1 Melden
  • -woe- 26.03.2016 12:24
    Highlight Mit der Lockerung des Bankgeheimnisses geht es ja nur darum, die Daten zwischen Bank und Steuerbehörden fliessen zu lassen. Herr und Frau Schweizer können auch mit einer solchen Lockerung nicht einfach anfragen und erfahren, was denn der Nachbar so verdient und an Vermögen hat. Dass sich aber die SVP mit Vehemenz gegen diesen Datenaustausch wehrt, zeigt mir die wahren Gründe.
    Ich bitte deshalb darum, nicht vom Bankgeheimnis, sondern vom Steuerhinterziehungsgeheimnis zu sprechen.
    19 15 Melden
  • koks 26.03.2016 11:17
    Highlight das ist ja wieder eine furzidee der rechten, dass die amnestie attraktiver sein soll als die ordentliche besteuerung oder die kleine amnestie.
    damit es in zukunft lukrativ wird, vermögen nicht zu deklarieren?
    24 6 Melden
  • Dr. Rantanplan 26.03.2016 09:55
    Highlight 3. Bislang war das mit den Selbstanzeigen noch einfach. Aber die Steuerbehörde setzen voraus, dass die Anzeige spontan, also von sich aus, erfolgen muss. Nicht als Selbstanzeige gilt es, wenn der Steuerpflichtige erst handelt, wenn er damit rechnen muss, dass das Auffliegen seiner Hinterziehung bevorsteht
    7 7 Melden
    • Dr. Rantanplan 26.03.2016 11:14
      Highlight Das ist eine Tatsache. sic. Da gibt's nichts zu blitzen.
      4 6 Melden
    • SeKu 26.03.2016 12:22
      Highlight Tatsache ist, dass diese Selbstanzeigen in Zeichen des fallenden Bankgeheimnis stattfanden und sie trotzdem straffrei vonstatten gingen.
      4 1 Melden
    • Dr. Rantanplan 26.03.2016 14:09
      Highlight & SeKu: Unsinn. Nach geltendem Recht ist das Bankgeheimnis noch nicht gefallen und es steht auch kein Informatiosaustausch zwischen Banken und Steuerbehörden im Inland unmittelbar bevor.
      3 1 Melden
    • SeKu 26.03.2016 14:43
      Highlight Bevor der Kei-Luscht-Ueli das Finanzdepartement übernahm, war mit dem automatischen Informationsaustausch auch im Inland zu rechnen, doch.
      2 2 Melden
    • Dr. Rantanplan 26.03.2016 17:37
      Highlight @Seku: Eine solch vage Möglichkeit wäre allerdings nicht rechtsgenüglich, um die Spontanietät einer Anzeige auszuschliessen.
      1 0 Melden
  • Dr. Rantanplan 26.03.2016 09:55
    Highlight .4. Und mit dem automatischen Informationsaustausch steht das eben jetzt bevor. Das wird vielen die Suppe versalzen, die Ihr Auslandeinkommen und -vermögen noch nicht angezeigt haben. Deswegen wollten die Bürgerlichen (?) noch eine zusätzliche Steueramnestie einführen, die aber im Parlament gescheitert ist.
    4 3 Melden
  • Dr. Rantanplan 26.03.2016 09:25
    Highlight 2. Letzteres stimmt schon, aber diese Liegenschaften werden eben von der Schweiz zur Bestimmung des Steuersatzes beigezogen. Und die Nichtangabe ist damit eine Steuerhinterziehung.
    Erheblich wird die Sache aber dann, wenn die Objekte vermietet werden, also neben dem Eigenmietwert noch Fremdmieten anfallen. Oder wenn es sich gar um Mehrfamilienhäuser handelt.
    5 1 Melden
  • Dr. Rantanplan 26.03.2016 09:21
    Highlight 1. Ich denke auch, dass noch sehr viel undeklariertes Vermögen von schweizerischen Steuerpflichtigen im Ausland liegt. Beteiligungen,Versicherungen, Wertschriften und Bankguthaben, also bewegliches Vermögen, das hier zu versteuern wäre. Weniger schlimm sind die zahlreichen nicht deklarierten Ferienhäuser bzw. -wohnungen im Ausland , solange sie nur vom Eigentümer benutzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass viele Steuerpflichtige im Glauben sind, sie müssten diese hier nicht angeben, da sie ja im Ausland Steuern dafür zahlen.
    9 3 Melden
  • amore 26.03.2016 09:05
    Highlight Es ist höchste Zeit, dass die Banken alle Jahre den Steuerbehörden die Saldi der Bankkonten an das Steueramt senden. In vielen Kantonen müssen die Arbeitgeber heute schon Kopien der Lohnausweise den Steuerämtern senden.. Ich sehe nicht ein, warum Vermögende einen Sonderzug fahren sollen.
    37 11 Melden
  • elivi 26.03.2016 08:03
    Highlight natürlich svp ... warum nicht den super reichen anmestie gewähren. die einzigen länder die den automatischen informationsaustausch nicht einführen werden sind länder wie nord korea ... oder ähnliches. wie wir bereits wissen schätzen superreiche ihr geld sehr ... wenn die glauben ihre milliarden sind gut aufbewart in solchen länder dann nur zu.
    ein 'echter' schweizer ist steuerehrlich... warum dir ach so patriotische svp nicht dieser meinung ist sagt ja alles
    30 19 Melden
    • ZHighlander 26.03.2016 09:03
      Highlight 0.1 % der Bevölkerung pa. Kein sonderlich hoher Wert
      3 3 Melden
    • Dr. Rantanplan 26.03.2016 09:08
      Highlight Die Zahlen sind eindrücklich. In der Tat würde es sich lohnen, die Steuerhinterziehung aktiv zu bekämpfen, also nicht passiv auf Selbstanzeigen zu warten. Dies mit speziell dafür geschulten Steuerkommissären.
      Aber nein, die grösste Partei will das nicht, sondern lenkt immer mit dem angeblich so schlimmen Sozialmissbrauch ab, für deren Bekämpfung sie Detektive einsetzen will.
      27 2 Melden
    • Dr. Rantanplan 26.03.2016 10:12
      Highlight Thotha: Das kann ich kaum glauben! Hier im Kanton ZH reagieren die Steuerbehörden erst, wenn mindestens Fr. 100,000 "vergessen" gingen. Aber doch nicht wegen einem Mietzins-Kautionsdepot... Der Aufwand überstiege ein Mehrfaches des darauf entfallenden Steuerbetrages. So dumm sind die Steuerbeamten ZH nicht. Wo haben Sie denn Ihre Erfahrungen gemacht?
      8 1 Melden

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