Schweiz
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Egal, ob Kleider oder Essen: Konsumgüter sind in der Schweiz beträchtlich teurer als in der EU Bild: KEYSTONE

Bleiben Spaghetti doppelt so teuer? Unheilige Allianz kämpft gegen tiefere Preise

Vorstösse zur Bekämpfung der Hochpreisinsel haben es derzeit schwer in Bundesbern. Das hat einen Grund.

28.11.17, 06:05

Anna Wanner / Nordwestschweiz



Eine Packung Barilla-Spaghetti kostet in der Schweiz mehr als zwei Franken, in Deutschland kostet sie zirka 95 Cent, in Italien gar um die 85 Cent. Es ist kein Geheimnis: Das Preisniveau in der Schweiz ist um 45 Prozent höher als in den EU-15-Staaten, wie ein Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) aus dem vergangenen Jahr zeigt. Wobei Güter wie Kleider, Esswaren oder Kosmetika im Schnitt um 25 Prozent teurer sind, für Dienstleistungen gibt der Schweizer durchschnittlich 60 Prozent mehr aus (siehe Grafik unten).

Das Fazit: Obwohl die Politik über Parallelimporte versucht hat, die Preise in der Schweiz zu drücken, funktioniert das bis heute nicht wunschgemäss. Am Montag waren im Nationalrat abermals zwei Vorstösse traktandiert, welche einen einfacheren Import von Gütern ermöglicht hätten. Eine «potenzielle Verbilligung der Importe», versprach der Bündner FDP-Ständerat Martin Schmid noch im Herbst. Der Nationalrat hat die Abstimmung vertagt, wird aber aller Voraussicht nach die Erleichterungen für Parallelimporte ablehnen.

Kein Sieg der Protektionisten

Zu den Gegnern gehören nicht nur Bauern und Tierschützer, welche den Protektionismus hochhalten – gerade Lebensmittel und Tierprodukte stehen in der Schweiz unter einem «besseren Schutz», argumentieren sie. Unter den Gegnern finden sich auch Konsumentenschützer und Kleingewerbe. Überhaupt alle, die von Preisdiskriminierungen stark betroffen sind und sich nicht mit zwei Vorstössen abspeisen lassen wollen.

Um was geht es? Der eine Vorstoss will, dass optische Darstellungen von Deklarationen auf EU-Produkten kein Import-Hindernis mehr darstellen. «Wir haben mehrmals nachgefragt, was aufgrund des Vorstosses konkret geändert würde», sagt Prisca Birrer-Heimo, Konsumentenschützerin und Luzerner SP-Nationalrätin. «Die Antwort war immer die gleiche: Nichts». Bundesrat Johann Schneider-Ammann sagte das sogar im Ständerat: Das Anliegen sei mit dem Cassis-de-Dijon-Prinzip bereits erfüllt.

Der zweite Vorstoss soll Parallelimporte von zulassungspflichtigen Produkten vereinfachen. Dazu gehören neben Lebensmitteln zum Beispiel Kühlschränke, die wegen Energiesparvorgaben andere Handelsvorschriften kennen. Die Motion wird wohl abgelehnt, weil unklar ist, ob die Lockerung auch für tierische Produkte gelten soll.

Birrer-Heimo erklärt, dass die Vorstösse abgelehnt werden, gerade weil die Preise in der Schweiz endlich purzeln sollen. Denn der Plan A sieht mit der Änderung des Kartellrechts eine radikalere Massnahme vor. Die relative Marktmacht von Unternehmen soll eingeschränkt werden, um zu verhindern, dass diese in der Schweiz überrissene Preise diktieren können.Die parlamentarische Initiative hat Alt-Ständerat Hans Altherr (AR/FDP) 2014 eingereicht. National- und Ständerat haben sie angenommen. Wegen «grosser Differenzen» im Ständerat wird sie nicht weiterbehandelt – sondern auf die lange Bank geschoben. Prisca Birrer-Heimo spricht von einem «Scheingefecht». Der Ständerat trödle mit der Beratung und bringe dafür Vorstösse, die «de facto nichts bringen» – oder neue Fragen aufwerfen.

Nur eine Frage der Zeit?

Ständerat hin oder her: Die Blockade wird bald aufgelöst. Am 12. Dezember wird die «Fairpreis-Initiative» eingereicht, die analog zu Altherrs Initiative das Kartellrecht ändern will. Schweizer Unternehmen sollen zu gleichen Preisen Produkte im Ausland beziehen können wie die ausländische Konkurrenz. Birrer-Heimo ist überzeugt, die Initiative werde den Druck auf das Parlament erhöhen. Nur: Wenn der Ständerat vorwärtsmachen würde, könnten bereits gute Lösungen gefunden werden, um die Hochpreisinsel zu schleifen. «Bis die Volksinitiative Wirkung zeigt, verlieren wir wertvolle Zeit», sagt sie. Und das sei schade. 

Unser aller Traum: Essen und schlafen gleichzeitig

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Zeno Hirt, 25.6.2017
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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Commander 28.11.2017 11:49
    Highlight Ist mir Schnuppe was die für Preise verlangen. Kaufe einfach bei Aldi (da gibt's z.B. die schönen Ami Teigwaren) oder im Migros M-Budget. Mag die Markenprodukte auch, aber heutzutage hat man endlos Alternativen. Wer natürlich die Gesichtscreme für 80 CHF bei der Drogerie holt, dem ist nicht mehr zu helfen (oder dann einfach bitte nicht jammern).
    11 3 Melden
  • G. Schlecht 28.11.2017 10:20
    Highlight Migros und Coop haben europaweit die höchsten Margen von 40,2 (Migros) respektive 29,8 Prozent (Coop). Quellen dazu finden sich genügend im Internet. Aber der Konsument scheint ja dieses Duopol zu schätzen und ist auch gerne bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen. Ist ja heute ein Statussymbol, nicht bei Lidl, Aldi, ottos oder in der Landi einzukaufen. Man findet gut & günstig, wenn man nicht zu bequem ist.
    13 8 Melden
    • Aglaya 28.11.2017 12:21
      Highlight Die 40,2 resp. 29,8% sind allerdings Bruttomargen. Natürlich müssen in der Schweiz die Margen höher sein als im Ausland, da mit der Bruttomarge auch die höheren Löhne und Mieten bezahlt werden. Der Gewinn wird aus der Nettomarge berechnet, und die ist bei Migros/Coop nicht höher als bei Aldi/Lidl.
      10 2 Melden
    • Fabio74 30.11.2017 07:32
      Highlight Effektiv interessant ist die Nettomarge und dann auch von Aldi und Lidl. Sonst sind es Zahlen ohne Aussage
      3 0 Melden
  • sir_kusi 28.11.2017 09:24
    Highlight Im anderen Artikel wird über die zu laschen Pestizidvorschriften gejammert und hier über die (wegen ebensolcher und anderen zusätzlichen schweizer Vorschriften) höheren Preise. Die Doppelmoral wird wieder einmal schön aufgezeigt...
    11 16 Melden
    • mrcharliebrown 28.11.2017 10:30
      Highlight Hier geht's nicht um Pestizid-Vorschriften. Das Preisniveau für gewisse Konsumgüter und Dienstleistungen ist in der Schweiz einfach höher, weil die Händler von Schweizer_innen mehr verlangen können.

      So verlangt beispielsweise der Mutterkonzern von Nivea (Beiersdorf AG) in der Schweiz höhere Preise als in Deutschland, obwohl die Vorschriften im Kosmetikbereich in der Schweiz und der EU fast 1:1 identisch sind.
      16 1 Melden
    • karl_e 28.11.2017 10:57
      Highlight Die überrissenen CH-Preise für Zeitschriften und Bücher sind wohl kaum irgendwelchen Pestizid- oder anderen Umweltvorschriften geschuldet.
      20 1 Melden
    • Nosgar 28.11.2017 12:43
      Highlight Mir geht es dabei nicht um heimische Lebensmittel, da zahle ich gerne für höheren Standard (Tierwohl etc.) einen höheren Preis. Aber vergleiche mal Medikamente oder Hygieneartikel. Das ist schlicht eine Frechheit.
      12 2 Melden
  • Nosgar 28.11.2017 07:35
    Highlight Preise künstlich hochhalten und dann über den Einkaufstourismus herziehen.
    66 2 Melden
  • Pnesch 28.11.2017 07:27
    Highlight Sicher ist das ärgerlich, aber... auch wir alle versuchen unsere Produkte, Dienstleistungen so teuer wie möglich zu verkaufen - daran ist nichts schlechtes, wir müssen ja nicht da kaufen wo wir immer kaufen! Es gibt Alternativen wie Discounter oder Internet. Dann regelt der Markt!
    9 21 Melden
    • mrcharliebrown 28.11.2017 10:32
      Highlight In den meisten Fällen wirst du auch in Webshops auf die Schweizer-Seite weitergeleitet. Inkl. den höheren Preisen. Oder gar nicht beliefert.
      17 1 Melden
  • Erbinho 28.11.2017 07:14
    Highlight Ist doch klar, dass spagetthi in der Schweiz teurer sind, müssen diese doch in mühsamer Arbeit im Tessin von Bäumen gepflückt werde...:
    31 1 Melden
  • Baffes 28.11.2017 07:02
    Highlight Sehr spannend. Dort wo man tatsächlich mal mit dem Verlust von Arbeitsplätzen argumentieren könnte, tut man es nicht. Aber bei jedem anderen Anliegen kommt das Argument. Der Grund für die höheren Preise auf import Produkte ist doch ganz klar der Schutz der Heimischen Wirtschaft. Gerade wenn wir das Barilla Beispiel nehmen. Verkaufen wir diese zu 90 Rappen, geht Bschüssig auf die Barrikaden. Wie sollen noch heimische Produkte verkauft werden, wenn aus der EU billigere Produkte im selben Regal stehen? Ich kann nicht jeden Wucherpreis nachvollziehen, aber einige auf jeden Fall.
    18 7 Melden
    • karl_e 28.11.2017 11:01
      Highlight Die deutschen Zeitschriftenverlage und die übrigen Profiteure haben Null Einfluss auf die Arbeitsplätze in der Schweiz. Höchstens unsere heimischen Grossverteiler, welche die Preise selbstverständlich der ausländischen Konkurrenz anpassen, sie also hoch halten.
      10 1 Melden
  • Wilhelm Dingo 28.11.2017 06:37
    Highlight Ist ja klar, wer an den hohen Margen hauptsächlich verdient: Es sind die Konzerngewinne und damit die Besitzer der Konzerneigner. Diese werden sich schon zu wehren wissen...
    55 6 Melden
    • sir_kusi 28.11.2017 09:22
      Highlight „Konzerneigner“ bei Migros & Coop sind übrigens die Genossenschafter, sprich die Konsumenten...
      7 8 Melden
    • Wilhelm Dingo 28.11.2017 09:43
      Highlight @sir_kusi: Migros und Coop sind nicht die Absahner, es sind die HERSTELLERKonzerne, z.B. Nestle. Vergleiche mal die Kapslepreise in DE und in CH.
      18 2 Melden
  • walsi 28.11.2017 06:25
    Highlight Es ist immer das Gleiche, wenn die Politik mal etwas machen könnte von dem Otto Normalverbraucher einfach profitiert, wird geblockt wo es nur geht. Die scheinen zu vergessen von wen sie das Mandat erhalten haben.
    85 7 Melden
    • Töfflifahrer 28.11.2017 09:56
      Highlight Die meisten Politiker denken eben an ihre möglichen Mandate nach dem Mandat das das Volk ihnen gegeben hat.
      11 0 Melden
    • NotWhatYouExpect 28.11.2017 11:08
      Highlight Sie wissen halt von wo das Sie Ihre Bonus Zahlungen bekommen....
      6 0 Melden
  • trio 28.11.2017 06:20
    Highlight Mich stören nicht mal unbedingt die höheren Preise, wenn die Qualität dafür stimmt. Leider ist das oft nicht der Fall. Die schweizerischen Lebensmittel brauchen z.B. mehr Pestizide und künstliche Düngermittel als solche aus der EU.
    Wenn die höheren Preise bei den Kühlschränken durch tieferen Stromverbrauch wettgemacht werden, sehe ich jedoch kein Problem. Man sollte eher dort den Hebel ansetzen.Mehr Qualität und Umweltschutz bei den Produkten.
    20 22 Melden

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