Schweiz

Zürcher Obergericht: «Weltwoche» verliert gegen Ex-Banker Elmer

09.06.17, 23:30 10.06.17, 14:29

Rudolf Elmer. Bild: KEYSTONE

Im Streit mit der «Weltwoche» hat der Ex-Banker Rudolf Elmer einen weiteren Erfolg erzielt. Das Zürcher Obergericht hat die Behauptung des Wochenblatts, Elmer habe Bankkundendaten an Neonazi-Gruppen weitergegeben, als «widerrechtliche Persönlichkeitsverletzung» beurteilt.

Die «Weltwoche» schrieb in einem Artikel vom Januar 2011 unter dem Titel «Ein schlechter Informant», dass der ehemalige Julius-Bär-Mitarbeiter Bankkundendaten an Neonazi-Gruppen weitergegeben habe. Diesen Vorwurf liess Elmer nicht auf sich sitzen und reichte Klage wegen Persönlichkeitsverletzung ein.

Das Obergericht gibt Elmer nun Recht. Der Vorwurf tangiere nicht nur die berufliche Integrität von Elmer als Bankmitarbeiter, sondern impliziere auch eine gewisse Nähe zur Neonaziszene und Sympathien für «braunes Gedankengut», schreibt es in seinem Urteil.

Der Durchschnittsleser werde Elmer daher auch mit einer antisemitischen Einstellung in Verbindung bringen, zumal im «Weltwoche»-Artikel explizit darauf hingewiesen worden sei, die Bank Julius Bär gelte als jüdisch. Eine derartige unzutreffende Beschreibung sei ehr- und persönlichkeitsverletzend.

«Weltwoche» muss Urteil publizieren

Mit diesem Entscheid wird die «Weltwoche» verpflichtet, eine Kurzversion des Urteils zu publizieren. Der vom Gericht vorgegebene Text muss in normaler Schriftgrösse in der Printausgabe erscheinen und auf der Website aufgeschaltet werden. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die «Weltwoche» ein Urteilsdispositiv zugunsten von Rudolf Elmer veröffentlichen soll. Im vergangenen Jahr wurden «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel und der Redaktor Alex Baur vom Bezirksgericht Zürich wegen Persönlichkeitsverletzung verurteilt, weil sie Elmer als «Datendieb und Erpresser» bezeichnet hatten.

Rache am früheren Arbeitgeber

Das Hauptverfahren gegen Rudolf Elmer ist nach wie vor nicht abgeschlossen. Das Zürcher Obergericht verurteilte ihn im August 2016 zu einer bedingen Freiheitsstrafe, allerdings nicht wegen seines langjährigen und medienwirksamen Einsatzes gegen Steueroasen, sondern lediglich wegen seiner Rache an seinem früheren Arbeitgeber.

Die Bank Julius Bär hatte Elmer 2002 entlassen, worauf er sich gemäss Obergericht mit Droh-Mails und gefälschten Briefen rächte. Dieses Hauptverfahren ist mittlerweile vor Bundesgericht hängig. Sowohl Elmer als auch die Oberstaatsanwaltschaft zogen es weiter. (sda)

Weltwoche

Wohlstands-Faschismus: Die neue Gefahr für die Demokratie

Weshalb die «Weltwoche» den Historiker Philipp Sarasin abschiessen will

Zuger Sex-Affäre und kein Ende: Spiess-Hegglin zeigt Vize-Chef der «Weltwoche» an

Böse Schlappe für den «Weltwoche»-Vize Philipp Gut: Professor hat nichts gemischelt

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 11.06.2017 14:06
    Highlight Während das aktuell ergangene Urteil einigermassen nachvollziehbar scheint, wirkt das vom vergangenen Jahr etwas bizarr 🤔.

    Zitat Watson:

    "Die Bank Julius Bär hatte Elmer 2002 entlassen, worauf er sich gemäss Obergericht mit Droh-Mails und gefälschten Briefen rächte."

    Wenn man das so liest, dann fragt sich der juristische Laie kopfkratzend, wieso man obenerwähntes Vorgehen nicht zusätzlich als Erpressung apostrophieren darf, zumal mit Drohbotschaften und gefälschten Briefen mutmasslich auch Forderungen verbunden sein könnten.

    Als Sympathieträger erscheint mir Elmer jedenfalls nicht gerade.
    11 0 Melden
  • Binnennomade 10.06.2017 15:28
    Highlight Wenn die so weitermachen, haben sie bald mehr Anwälte als Journalisten angestellt.
    15 10 Melden

Roger Schawinski im grossen No-Billag-Interview: «Das ist völlig durchgeknallt»

Der Schweizer Medienpionier und Radio-Unternehmer Roger Schawinski meldet sich in der No-Billag-Debatte mit dem in Rekordzeit geschriebenen Buch «No Billag? Die Gründe und die Folgen» zu Wort. Ein Gespräch über die Vernebelungstaktiken der Initianten, die Chancen der Initiative und «Morning Joe».  

Ihr Buch ist flott geschrieben und es bietet eine verständliche Einordnung der Problematik. Aber kann ein Schnellschuss auch seriös sein?Roger Schawinski: Dies ist mein Fachgebiet, in dem ich mich seit Jahrzehnten auskenne. Und ich habe wohl mehr praktische Erfahrungen im In- und Ausland als andere.

Sie tragen aber ziemlich dick auf. Man hat den Eindruck, die Schweiz werde bei einem Ja zur No-Billag-Initiative untergehen. So ein Quatsch. Haben Sie das Buch überhaupt gelesen? Das schreibe …

Artikel lesen