Schweiz

Fleisch ist in der Schweiz zweieinhalb mal so teuer wie im Ausland.
Bild: KEYSTONE

Wir zahlen jährlich bis zu 3 Milliarden Franken zu viel fürs Essen – Schuld sind die Agrarzölle   

30.06.16, 10:51 30.06.16, 11:29

Wegen Agrarzöllen zahlen Konsumenten jährlich 2 bis 3 Milliarden Franken zu viel für Wein, Fleisch, Gemüse oder Getreide. Das ergaben Berechnungen des Preisüberwachers Stefan Meierhans. Sein Fazit: Es wäre günstiger, Bauern mit Direktzahlungen zu unterstützen.

Zölle auf landwirtschaftlichen Produkten verteuerten nicht nur eingeführte Waren, sondern indirekt auch die im Inland produzierten, schreibt der Preisüberwacher in seinem Newsletter vom Donnerstag. Die Zollerträge auf allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen beliefen sich 2012 auf rund 612 Millionen Franken.

Bauern können mehr verlangen

In den Haushaltskassen macht sich aber die Verteuerung der inländischen Produkte weitaus stärker bemerkbar. Ein Preisvergleich, den das Team des Preisüberwachers zwischen importierten und inländischen Gütern vornahm, zeigt: Wegen der Agrarzölle können Bauern jährlich 2,6 Milliarden Franken mehr für ihre Produkte verlangen.

Das rechnerische Ergebnis überschätze aber tendenziell die Effekte eher, schreibt der Preisüberwacher. Er geht deshalb «sicherheitshalber» von 2 bis 3 Milliarden an Mehrbelastung aus.

Stärkere Verteuerung bei Fleisch

Besonders stark verteuert sich Fleisch: Die Zollerträge auf Rindfleisch beliefen sich auf rund 32 Millionen Franken, die Mehrbelastung wegen teureren inländischen Produkten beträgt aber fast 400 Millionen Franken – das ist mehr als das zwölffache.

Laut dem Preisüberwacher treiben unter anderem die bereits höheren Preise für andere landwirtschaftliche Produkte die Kosten beim Fleisch und verstärken damit den Preiseffekt: Weil ein Rind bereits mit teurerem Futtermais oder -gerste gefüttert wird, kostet das Rindfleisch nochmals mehr. Laut einer Erhebung des europäischen Statistikamts Eurostat ist das Fleisch in der Schweiz zweieinhalb mal so teuer wie im Ausland.

Auswirkungen auf andere Branchen

Aber nicht nur auf Fleisch, Früchte oder Gemüse haben die Zölle Auswirkungen: Sie verteuern auch andere Produkte, die im Laden gekauft werden wie Kosmetika und Körperpflegeprodukte, heisst es im Newsletter. Deren Preise orientieren sich nämlich an einem Warenkorb, der auch landwirtschaftliche Produkte umfasst.

Der Agrarschutz erweise sich zudem für Branchen wie den Tourismus, das Gastgewerbe oder die Lebensmittelindustrie als Wettbewerbsnachteil im Verhältnis zu ausländischen Anbietern, hält der Preisüberwacher fest. Denn diese Branchen greifen für ihre eigenen Leistungen auf landwirtschaftliche Erzeugnisse zurück.

Meierhans kommt zum Schluss, volkswirtschaftlich gesehen liesse sich die einheimische Produktion unterstützt durch Direktzahlungen günstiger finanzieren, weil in diesem Fall der Handel von der Marktabschottung nicht mitprofitiere. (whr/sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Lami23 30.06.2016 13:02
    Highlight Grundsätzlich ist das nicht die optimale Lösung. Andererseits, wenn Fleisch aus dem Ausland günstig zu haben wäre, wäre das ein ökologisch und Tierschutzmässiges Desaster. Die Haltung ist im Ausland weniger strengen Richtlinien unterworfen. Und das es vielen Konsumenten nach wie vor egal ist, was aus welcher Haltung mit wie viel Antibiotikaeinsatz etc produziert wird, muss es eben übers Portmonaie gelenkt werden, leider. (Das ist mein überlegter Vorteil, die Politik wird sich da was anderes überlegt haben) :-)
    11 4 Melden
  • Mafi 30.06.2016 12:29
    Highlight "Schuld"? Der Staat verdient gut mit, d.H. wir müssen weniger Steuern zahlen. Zudem werden lokale Gewerbe inidirekt unterstützt (sie sind Wettbewerbsfähiger). Diese Zölle sind nicht nur negativ, auf gar keinen Fall!
    7 9 Melden
    • Toerpe Zwerg 30.06.2016 16:16
      Highlight Wir müssen weniger Steuern zahlen? Am Beispiel vom Rindfleisch "sparen" wir 32M Steuern und geben dafür 400M mehr aus für den Konsum.

      8 1 Melden

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