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Die Mitglieder der SDA Redaktionskommission Julia Rippstein, Michael Burkard, Stephanie Vonarburg, syndicom, Sebastian Gaenger, Antoinette Prince und Rainer Schneuwly, von links, sprechen an einer Medienkonferenz der Redaktionskommission REKO der SDA, der syndicom, und Impressum ueber die Gruende fuer den Sistierung der Verhandlungen mit dem SDA-Verwaltungsrat, am Donnerstag, 22. Februar 2018 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SDA-Inlandredaktor Sebastian Gänger (Mitte) informiert die Medien am Donnerstagnachmittag in Bern. Bild: KEYSTONE

Weshalb maskierte SDA-Redaktoren Erdnüsse werfen – und was watson damit zu tun hat

An einer Pressekonferenz verkleideten sich SDA-Redaktoren aus Protest als Verwaltungsräte. Derweil wurde bekannt, dass der SDA-CEO bis 2021 unkündbar ist. Der Frust der Redaktion ist riesig – auch wegen eines watson-Interviews von VR-Mitglied Hagemann.



Die meisten Pressekonferenzen sind eine relativ trockene Angelegenheit. Ein paar Stühle im Saal, vorne ein Tisch für die Referierenden, Journalisten mit Notizblöcken, am Rande Fernsehkameras, als Hintergrundgeräusch das Klicken von Fotokameras.

So sah es am Donnerstagnachmittag auch in Bern aus, als die SDA-Redaktion gemeinsam mit den Gewerkschaften Syndicom und Impressum über den neusten Stand im Arbeitskonflikt bei der Nachrichtenagentur informierten. Doch plötzlich betraten drei mit riesigen Karton-Gesichtern maskierte Menschen den Saal. Sie warfen mit Erdnüssen um sich und rochen zwischendurch genüsslich an grossen Zigarren.

Die Gesichter auf den Masken waren jene der drei Mitglieder des SDA-Verwaltungsrats, die in der vergangenen Woche mit der Redaktionskommission (Reko) verhandelt hatten: Verwaltungsratspräsident Hans Heinrich Coninx, sein Vize Hanspeter Lebrument und Mathias Hagemann. Die Erdnüsse sollten die «Peanuts» symbolisieren, welche der Verwaltungsrat in den Verhandlungen zu offerieren bereit war, hiess es auf dem Podium.

«Ball liegt beim Verwaltungsrat»

Bevor es um die symbolischen Erdnüsse geht: Der trockene Inhalt der Pressekonferenz – die neueste Wendung im Drama bei der Schweizerischen Depeschenagentur SDA – ist rasch erzählt. Die Redaktion ist weiterhin zu Verhandlungen mit dem Verwaltungsrat bereit. Die Bedingung: Bis zum Ende dieser Verhandlungen müssen die von der SDA-Führung angekündigten (und teilweise bereits umgesetzten) Abbaumassnahmen von 35 der 150 Redaktionsstellen sistiert bleiben. Die Redaktion erwartet vom Verwaltungsrat eine entsprechende schriftliche Bestätigung bis Ende Februar.

Mit der Pressekonferenz reagiert die Redaktion auf das jüngste Manöver des Verwaltungsrats. Dieser hatte am Freitagnachmittag erklärt, er halte die Verhandlungen für gescheitert. Gleichentags rief er die Eidgenössische Einigungsstelle (EES) beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) an, welche vermitteln soll.

Mit einer Vermittlung durch die EES kann auch die Redaktion leben. Allerdings würde sie eine Mediation durch eine unabhängige Person mit Erfahrung in der Medienbranche bevorzugen – das sei weniger langwierig als ein Gang zur EES. Ob die Gegenseite darauf einsteigt, ist offen: «Der Ball liegt jetzt eindeutig beim Verwaltungsrat», sagte Reko-Mitglied Sebastian Gänger an der Medienkonferenz.

«Verbesserungen sind reine Kosmetik»

Kommen wir zu den Erdnüssen zurück: In den Augen der Redaktion war das finanzielle Entgegenkommen des Verwaltungsrats in den Verhandlungen völlig unzureichend – «Peanuts» eben.  Besonders schlecht angekommen sind deshalb die Äusserungen von Verwaltungsrats-Mitglied Mathias Hagemann in einem Interview mit watson. Er sprach dort von einem «grosszügigen Sozialplan» und «Zugeständnissen» während der Verhandlungen.

Für Stephanie Vonarburg von der Gewerkschaft Syndicom sind die von Hagemann erwähnten Verbesserungen «reine Kosmetik». Besonders empörte sie, dass der Verwaltungsrat die Ausgaben für eine psychologische Betreuung der bereits entlassenen Redaktoren zu den Kosten des Sozialplans hinzu rechnete. Ebenso nicht in einen Sozialplan gehörten Lohnkosten von krankgeschriebenen Mitarbeitern, deren Kündigung sich aufgrund gesetzlicher Vorschriften nach hinten verschiebe.

Mit diesen Ausgaben würden nicht soziale Härten abgefedert, sondern «sie sind gemäss Gesetz vom Arbeitgeber geschuldet», hiess es im Communiqué. Gewerkschafterin Vonarburg forderte einen Sozialplan in der Grössenordnung von 4 Millionen Franken. Angesichts der rund 20 Millionen Gewinnreserven müsse das möglich sein. Dieses Geld gehöre der ganzen SDA, nicht nur ihren Aktionären: «Es wurde über Jahrzehnte erwirtschaftet, auch unter Mithilfe jener, die jetzt auf die Strasse gestellt werden.»

«Als stünden wir vor einer Mauer»

Insgesamt scheint der Frust über den Verwaltungsrat tief zu sitzen. SDA-Wirtschaftsredaktorin Tina Tuor war an den Verhandlungen beteiligt. Die Mitglieder der Redaktion habe sie als «friedliebende Menschen» kennen gelernt. Aber rasch habe sich das Gefühl eingestellt, vor einer Mauer zu stehen. «Der Verwaltungsrat schien den Ausgang der Gespräche schon vor deren Beginn festgelegt zu haben», so Tuor.

Über konkrete Punkte beim Sozialplan habe er nicht reden wollen, ebenso seien der Redaktion zentrale Geschäftszahlen verschwiegen worden. Auch ein seit Oktober 2017 gefordertes redaktionelles Konzept für die Zukunft der SDA habe der Verwaltungsrat nicht einmal skizzieren können, erklärt Tuor: «Das hat auch die friedliebendsten unter uns sehr frustriert.»

Ist SDA-CEO Schwab unkündbar?

Gemäss Recherchen des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» soll sich CEO Markus Schwab mit unüblich langen Kündigungsfristen abgesichert haben. Sein 2016 aufgesetzter Vertrag erhalte eine dreijährige Sperrfrist. Und auch danach könne Schwab jeweils nur auf Mitte Jahr aufgelöst werden – bei einer Kündigungsfrist von 18 Monaten. Konkret: Der CEO ist bis Ende 2021 von einem Rauswurf geschützt. Den genauen Inhalt des Vertrags sollen nur Schwab sowie Verwaltungsrats-Präsident Coninx und dessen Vize Lebrument kennen. Die anderen von der «Bilanz» kontaktierten Verwaltungsrats-Mitglieder waren nicht darüber im Bild. (cbe)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Valon Gut-Behrami 22.02.2018 20:18
    Highlight Highlight "Sein 2016 aufgesetzter Vertrag erhalte eine dreijährige Sperrfrist. Und auch danach könne Schwab jeweils nur auf Mitte Jahr aufgelöst werden – bei einer Kündigungsfrist von 18 Monaten. Konkret: Der CEO ist bis Ende 2021 von einem Rauswurf geschützt. Den genauen Inhalt des Vertrags sollen nur Schwab sowie Verwaltungsrats-Präsident Coninx und dessen Vize Lebrument kennen. Die anderen von der «Bilanz» kontaktierten Verwaltungsrats-Mitglieder waren nicht darüber im Bild."

    Was soll ein solcher Vertrag? Macht man das, wenn man davon ausgeht, dass womöglich einmal eine Kündigung ansteht?
    • Hierundjetzt 22.02.2018 21:39
      Highlight Highlight Nein, wenn man weis, dass eine Reorg ansteht...😏

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