Schweiz
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Markthändler bezahlen in Chur 25-mal mehr für die Standmiete als in Bern



Gemüse und Früchte, Bäckerei- oder Metzgerwaren vom Wochenmarkt sind ein Service public, so die Auffassung des Preisüberwachers. Doch die Markthändler sind, je nach Gemeinde in der Schweiz, mit höchst unterschiedlichen Tarifen konfrontiert.

In Bern, Lenzburg und Neuenburg bezahlen Markthändlerinnen und -händler pro Laufmeter Marktstand zwischen 1.30 Franken und 2 Franken. Ganz anders die Situation im aargauischen Bremgarten oder in Chur: Hier fallen für den Laufmeter Marktstand 30 Franken beziehungsweise 32.56 Franken an.

Besucher stroemen in den fruehen Morgenstunden durch die Strassen von Bern   waehrend dem traditionellen

Zibelemärit in Bern. Bild: KEYSTONE

Service public in Frage gestellt

An den teuren Marktorten kritisiert der Preisüberwacher Stefan Meierhans im aktuellen Newsletter vom Dienstag «eine übermässige Belastung» der Markthändlerinnen. Gegenüber dem sogenannt stationären Handel, etwa bei Migros oder Coop, könnten die Bauern oder Bäcker auf dem Markt ihre Ware nicht konkurrenzfähig anbieten.

Zudem ist der Preisüberwacher der Meinung, dass Städte und Gemeinden Flächen für Märkte möglichst preisgünstig anbieten sollten – dies im Sinn eines Service public. Im Fall von Chur beispielsweise, wo die Markthändlerin 25-mal mehr bezahlt als etwa in Bern, ist dieser öffentliche Service damit infrage gestellt.

Markt in Chur (Bild:  https://chur.graubuenden.ch/de/maerkte-alpenstadt)

Markt in Chur. Bild: Zvg

Verschärftes Empfehlungsrecht

Der Preisüberwacher will nun jene Städte und Gemeinden, die mit ihrer Platzmiete über dem Durchschnitt liegen, anschreiben. Meierhans empfiehlt den Ortschaften, die Gebühren für die Platzmiete zu überprüfen. Darüber hinaus behält er sich vor, «später auch konkrete Preisempfehlungen abzugeben».

Bindend sind solche konkreten Preisempfehlungen zwar nicht. Aber der Preisüberwacher verfügt über ein gesetzlich verankertes, sogenannt verschärftes Empfehlungsrecht. Das bedeutet, die jeweilige Behörde muss den Preisüberwacher anhören.

Darüber hinaus kann der Preisüberwacher öffentlichen Druck aufbauen, indem er überhöhte Preise publik macht. Oder wie es Meierhans gegenüber der Nachrichtenagentur SDA ausdrückt: «Das sind Elemente, die zu einer öffentlichen Diskussion beitragen.»

Stichproben in 39 Schweizer Gemeinden

Die Preise für die Marktstände hat der Preisüberwacher zwischen 2016 und 2018 erhoben. Einzelne Städte oder Gemeinden könnten bereits ihre Preise geändert haben, heisst es im Newsletter. Auslöser für die Marktbeobachtung war, dass der schweizerische Marktverband 2016 dem Preisüberwacher gemeldet hatte, die aargauische Gemeinde Seengen habe ihre Gebühren für Platz- und Standmieten für Wochenmärkte erhöht.

Mit der Marktbeobachtung führte der Preisüberwacher Stichproben in 39 Gemeinden in der ganzen Schweiz durch. Diese haben ergeben, dass Markthändlerinnen und -händler durchschnittlich 11.60 Franken bezahlen. 16 der befragten Ortschaften liegen mit ihren Gebühren über diesem Durchschnitt. (whr/sda)

Berner Zibelemärit 2017

Coffee-Shop mit Knastaussicht

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hawthorne 22.05.2018 21:41
    Highlight Highlight Reden wir jetzt, am Beispiel von Bremgarten bei 30 Fr. pro Laufmeter von Wochenmarkt oder von Weihnachts-, Pfingst-, Handwerker- und Ostermarkt?

    Bei denn letztgenannten ist der Preis sicher gerechtfertigt, zumal der Aufwand der öffentlichen Dienste auch enorm ist. (Auf- und Abräumen der Stände inkl. Infrastruktur, Entsorgen des Abfalls, Sperren der Quartierstrassen, Einweisen des Verkehrs usw.) Und übrigens, je nach Angebot werden andere Preise verechnet. (Food, Non-Food, Chilbi...)

    Wenns wirklich zu teuer wäre, würden nicht immer die gleichen Marktfahrer nach Bremgarten kommen.
  • Ritiker K. 22.05.2018 17:53
    Highlight Highlight Das eine ist die Sicht des Preisüberwachers. Das ander die rechtliche Situation. Bei einem Marktstand handelt es sich um einen gesteigerten Gemeingebrauch von öffentlichem Grund zu wirtschaftlichem Zweck. Dies darf durch eine Gemeinde bewilligungspflichtig gemacht und eine Abgabe verlangt werden. Die Abgabe darf auch mehr als kostendeckend sein. Es müssen aber alle die gleichen Chancen auf eine Bewilligung haben. Die Bewilligungen könnten also auch versteigert werden. Juristische Details dazu: https://www.unilu.ch/fileadmin/fakultaeten/rf/ruetsche/dok/GutachtenLuzernerWochenmarkt_def2.pdf
    • Factfinder 22.05.2018 21:28
      Highlight Highlight Ausser Chinesen mit Billigvelos, da drücken wir ein Auge zu.
      Luftsäulengebühr.
      Bürokraten sind halt doch in etwas zu gebrauchen: Immer neue sinnfreie Abgaben, Steuern und Gebühren erfinden.
      Aber wenn man nichts arbeitet, wie soll man sonst zu Geld kommen? :-)
  • Ökonometriker 22.05.2018 16:30
    Highlight Highlight Warum werden die Lizenzen nicht einfach versteigert? Der Preis sollte nicht vom Staat diktiert werden, das macht hier doch keinen Sinn.
    • Factfinder 22.05.2018 21:33
      Highlight Highlight Öffentlicher Grund gehört allen - könnte auch der Grund sein wieso darin das Wort "öffentlich" enthalten ist.
      Den Gemeinden (in diesem Fall, sonst auch dem Staat) obliegt die Verantwortung Sorge zu tragen dass dieser allen zur Verfügung steht.
      Wenn die Gemeinde nun einen Platz verwaltet der als Marktplatz genutzt wird, macht es durchaus Sinn diese Nutzung zu reglementieren und die Platzvergabe zu organisieren. Um diesen Aufwand zu decken, macht eine Gebühr Sinn.
      Eine Gebühr ist per Definition aber KOSTENDECKEND (ist aber eh ein Witz, weil eine ID heutzutage 60.- "Gebühren" kostet...)
    • Ökonometriker 23.05.2018 02:11
      Highlight Highlight @Factfinder: der Staat könnte auch eine Auktion selbst Organisieren. Tut er in anderen Bereichen auch.
    • Ritiker K. 23.05.2018 11:05
      Highlight Highlight @Factfinder: Bei gesteigertem Gemeingebrauch mit wirtschaftlichem Ziel (was ein Marktstand nun mal ist) darf die Gemeinde eine Abgabe verlangen, welche, anders als eine Gebühr, auch mehr als kostendeckend sein darf. (Eine Gebühr ist per Definition maximal Kostendeckend, darf aber auch niedriger sein)
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