Schweiz

Trotz des Verbots boomt Snus in der Schweiz. Derzeit wird so viel konsumiert wie nie zuvor. Um das seit 1995 geltende Snus-Verbot zu umgehen, verändert die Industrie immer wieder die Form des Mundtabaks. Bild: shutterstock

Snus boomt in der Schweiz – und provoziert grossen Konkurrenzkampf unter Tabakkonzernen 

Ein britischer Konzern geht vor Gericht, um Snus-Produkte eines Schweizer Importeurs zu verbieten.

15.03.17, 07:40

Andreas Maurer / Nordwestschweiz

British American Tobacco (BAT), der weltweit zweitgrösste Tabakkonzern, hat eine Klage gegen das Schweizer Unternehmen Oettinger Davidoff eingereicht. Dieses würde in der Schweiz illegale Produkte vertreiben und damit den Wettbewerb verzerren. Es geht um Snus, ein in der Eishockeyszene verbreiteter Mundtabak, den man sich in kleinen Portionen unter die Lippe klemmt. Davidoff importiert für die Kiosk-Kette Valora die Marken Makla, Thunder und Offroad. BAT beliefert die Kioske seit Dezember mit Lundgrens.

BAT versucht mit zwei Gerichtsprozessen, die Konkurrenz aus den Kiosken zu drängen. In einem Schnellverfahren beantragte der Konzern als vorsorgliche Massnahme ein Verbot von Davidoff-Produkten, unterlag damit jedoch vor Bundesgericht. BAT könne allfällig erlittene Verluste auch nachträglich in einem Schadenersatzprozess einfordern, heisst es im Urteil. Das Hauptverfahren ist noch hängig.

Das Zigarettengeschäft sieht im Mundtabak eine grosse Konkurrenz.   Bild: KEYSTONE

Seit 1995 verboten

Der britische Tabakmulti hat das Potenzial des Schweizer Snus-Marktes früh erkannt, versuchte anfangs aber, die Konkurrenz mit anderen Mitteln auszuschalten. Die Geschichte beginnt mit CVP-Nationalrat Peter Hess, der 1991 ein Snus-Verbot gefordert hatte. 1995 wurde es eingeführt. Offiziell handelte Hess im Interesse der Gesundheit und warnte vor dem «Tabaksuchtmittel». Erst später wurde bekannt, dass Hess die Interessen der Tabakindustrie vertrat. Er hatte ein Verwaltungsratsmandat von BAT, das er als Nationalratspräsident nicht sauber deklariert hatte und überstürzt abgeben musste. Für den Konzern bedeutete der Mundtabak Konkurrenz für das Zigarettengeschäft.

66 Tonnen alleine aus Schweden

Trotz des Verbots boomt Snus in der Schweiz. Derzeit wird so viel konsumiert wie nie zuvor. Die eidgenössische Zollverwaltung registrierte 2016 alleine aus Schweden einen Import von 66 Tonnen Kau-, Rollen- und Schnupftabak. Vor zehn Jahren war es noch eine Tonne. Für den Anstieg ist Snus verantwortlich. Während die Verbote den Markt in umliegenden Ländern ausgetrocknet haben, floriert er in der Schweiz, weil die Tabakindustrie eine Gesetzeslücke ausnützt.

In kleinen Portionen klemmt man sich Snus unter die Lippe. Eine bekannte Marke ist Thunder.

Mit dem Verbot von 1995 wurde Snus als Pulver oder Granulat definiert. Die Tabakkonzerne änderten vor einigen Jahren einfach die Form des Mundtabaks und boten ihn fein geschnitten an. Im August 2016 präzisierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer Weisung, das Produkt sei auch in dieser Form verboten. Die Industrie weicht deshalb auf andere Tricks aus und bietet den Mundtabak nun in lehmartiger und loser Form an. Der eine Trickser bezichtigt nun den anderen, falsch zu spielen. BAT wirft Davidoff vor, weiterhin auch illegale Schnitttabakprodukte zu verkaufen. Davidoff argumentiert, die BAG-Weisung sei widersprüchlich und zivilgerichtlich ohnehin bedeutungslos.

Der Streit der Tabakgiganten ist nicht der einzige auf dem Snus-Markt. Fünf weitere Verfahren sind derzeit vor dem Bundesverwaltungsgericht hängig, wie dieses auf Anfrage bestätigt. Es geht um Fälle, bei denen die Zollverwaltung Verstösse gegen das Lebensmittelgesetz festgestellt hat. Diese hat zudem im vergangenen Halbjahr mehrere hundert Kilogramm an der Grenze abgefangen und ins Ausland zurückgeschickt.

Lobbyieren für Legalisierung

Hinzu kommt ein weiteres Verfahren: Die St. Galler Tabakfirma Wellauer wehrt sich gegen die verweigerte Zulassung einiger Produkte und engagiert einen prominenten Anwalt: FDP-Ständerat Andrea Caroni. Dieser setzt sich mit anderen Snus-Politikern wie Lukas Reimann (SVP/SG) zudem für eine politische Lösung des Problems ein. Sie haben bereits erreicht, dass das Parlament dem Bundesrat den Auftrag erteilt hat, das Verbot aufzuheben.

Im politischen Kampf mischt auch BAT mit. Der Konzern lobbyiert für eine Legalisierung, weil sich die getricksten Snus-Produkte weniger gut verkaufen als das Original. Während Valora einen Umsatzrückgang verzeichnet, zieht das Geschäft von Online-Shops an. BAT hat das Argumentarium angepasst. Die Tabaklobbyisten sprechen nicht mehr wie 1991 von einem gefährlichen Suchtmittel, sondern preisen die gesundheitlichen Vorteile gegenüber Zigaretten an. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Andrea 15.03.2017 11:05
    Highlight Wie ist das eigentlich mit solchen Mandaten von Parlamentariern in der Schweiz? Müssen die wirklich öffentlich bekannt gegeben werden? Wo könnte man die einsehen? Das wäre natürlich vor Wahlen sehr wichtig. Habe das schon länger gefragt...
    4 0 Melden
    • Slurp 15.03.2017 12:09
      Highlight https://www.bisnode.ch/de/1368/Schweizer-Parlamentarier-halten-im-Schnitt-5-1-Mandate.htm

      Auf dieser Seite solltest du Antworten finden.
      2 0 Melden
    • Luca Andrea 15.03.2017 22:42
      Highlight Danke, aber wo sehe ich wer welche Mandate trägt? Das ist doch entscheidend. Denn so sieht man welche Interessen der Parlamentarier unter anderen verfolgt...
      0 0 Melden
    • Slurp 24.03.2017 12:48
      Highlight Das müsstest du meines Wissens nach im Handelsregister nachschauen. So geht jedenfalls die Plattform bisnode vor.
      1 0 Melden
    • Slurp 24.03.2017 12:52
      Highlight http://www.monetas.ch/htm/704/de/Politikermandate.htm

      Hier kannst du nachschauen.
      1 0 Melden
    • Luca Andrea 24.03.2017 23:56
      Highlight super, danke!
      0 0 Melden
  • concerned citizen 15.03.2017 10:33
    Highlight genau solche Meldungen cachiert als "News" brauchen wir in der Schweiz nicht. Das gilt auch für die Artikel die über CBD berichten. Alleine schon das Wort "boomt" in der Überschrift verrät die Einstellung des Autors. Wo ist der Zusat "leider"? Wollen wir wirklich so liberal werden wie in Schweden, Norwegen? Bitte nicht um Gottes Willen. In Oslo werden Drogen angeboten auf dem Bahnhofsplatz vor der Nase der Polizei. Hab nichts gegen Raucher, aber die Werbung auf solche tückische Art muss entlarvt werden.
    6 25 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.03.2017 11:36
      Highlight In der Schweiz bekommt man schliesslich keine Drogen auf Bahnhofplätzen hihihi
      11 1 Melden
    • andrew1 15.03.2017 12:44
      Highlight Snus ist keine droge. Sogar weniger schädlich als zigaretten, Wasserpfeifen usw. Ist nur tabak nicht krokodil(droge aus russland. Gibt interessante reportagen) oder so.
      7 5 Melden
    • Deverol 15.03.2017 14:21
      Highlight @andrew1: Aber selbstverständlich ist Tabak eine Droge.
      Dass man aber Snus verbietet und gleichzeitig Zigaretten weiterhin erlaubt ist absurd, bzw. eben gekauft durch die Tabaklobby.
      6 1 Melden
    • heul doch 15.03.2017 15:47
      Highlight @deverol: da gehen die meinungen auseinander. Im medizinischen sinn ist snus eine droge im juristischen sinn ein genussmittel wie kaffee tee und alle tabakprodukte
      2 0 Melden
  • andrew1 15.03.2017 09:56
    Highlight Und die sp will snus verbieten und kiffen legalisieren. Viel schizophrener geht es wirklich nicht mehr. Woher das wohl kommt? Etwa so wie möglichst viele ausländische arbeiter reinlassen aber dann jammern wenn die löhne gedrückt werden und viele niedrigqualifizierte arbeitslos sind. Oder via secura lanzieren und in jedem anderen gebiet des strafgesetzbuches kuscheljustiz und sondersettings fordern. Oderdas geld für entwicklingshilfe und asylwesen grosszügig raushauen(6-7 milliarden) und dann noch 70 fr ahv Erhöhung wollen was dann natürlich kaum mehr reicht.
    15 17 Melden
    • xlt 15.03.2017 21:25
      Highlight Lanziert wied hier schon lange nichts mehr. Aber auch ist dein Beitrag etwas am Thema vorbei und wirr.
      1 1 Melden
  • heul doch 15.03.2017 09:32
    Highlight Verkauf zulassen... "Problem" gelöst!

    Und dann bitte wieder den wichtigen politischen geschäften widmen liebe volksvertreterInnen
    9 1 Melden
  • 〰️ empty 15.03.2017 08:42
    Highlight TheDonald hats begriffen, die Regulierungen beschäftigen in erster Linie die Gerichte und dienen vorallem den grossen Multis. Es wird Zeit die Bevormundung durch den Staat zu stoppen und den Bürgern wieder mehr Eigenverantwortung zuzutrauen.
    8 3 Melden
    • Luca Andrea 15.03.2017 11:03
      Highlight eigentlich geht es darum, dass parlamentarien ein haufen geld von lobbyisten bekommen um solche unsinnigen gesetz zu schaffen...
      10 0 Melden
    • 〰️ empty 15.03.2017 13:00
      Highlight Eben.
      0 3 Melden
  • Hugo Wottaupott 15.03.2017 08:26
    Highlight Gebt das Hanf FREI!
    7 3 Melden
  • saukaibli 15.03.2017 08:26
    Highlight Wie krank ist das eigentlich? Die mit Abstand schädlichste Methode, Tabak zu konsumieren, ist völlig legal und kaum reguliert. An jedem Kiosk, an jeder Tankstelle, In jedem Supermarkt und Restaurant kann man sich Zigaretten kaufen. Eine Konsumform, die durch Verbrennung ca. 7000 Stoffe produziert von denen mindestens 50 krebserregend oder akuttoxisch sind, bei der mit jeder Zigarette Genmutationen in den Lungenzellen entstehen, die Zähne kaputtgehen und eine starke Sucht entsteht. Aber Snus oder E-Dampfen werden zu Tode reguliert, obwohl viel weniger schädlich. Gut lobbyiert, Tabakmafia!
    30 1 Melden
    • heul doch 15.03.2017 15:52
      Highlight Vollkommen richtig gesehen. Aber stellen wir uns mal vor zigaretten würden morgen verboten... WELTUNTERGANG für ca 20% der einwohner 😲
      2 0 Melden

Liebe No-Billag-Befürworter, liebe No-Billag-Gegner ...

Gehässigkeiten, Lügen, Beleidigungen: Statt einer sachlichen Debatte um die No-Billag-Initiative ist ein politischer Glaubenskrieg entbrannt. Ein offener Brief an die Widersacher. 

Liebe No-Billag-Befürworter Liebe No-Billag-Gegner

Es gibt in jedem Abstimmungskampf diese Momente. So kurze Niveau-Taucher, wo ein FDP-Präsident einen Bankdirektor als «Arschloch» oder ein Bundesrat seine Ehefrau als «Gebraucht-Gegenstand» bezeichnet.

Mal sind das Ausrutscher in der Hitze des Gefechts, manchmal gezielte Provokationen. Die Debattanten entschuldigen sich und warten danach wieder mit ehrlicher Begeisterung für ihre jeweilige politische Idee auf.  

Bei euch ist das …

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