Schweiz
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Bundesratssohn warnt Angestellte vor falschem USR-III-Entscheid

Die Chefs der Firma unter der Leitung von Bundesratssohn Hans-Christian Schneider weibeln in einem Mitarbeiter-Brief offensiv für ein Ja.

31.01.17, 09:30 31.01.17, 09:58

Sven Altermatt / Nordwestschweiz



Der Brief der Ammann-Gruppe sorgt für Ärger bei den Gewerkschaften. Die darin verbreiteten Informationen seien irreführend, monieren sie.

Der Brief ist unmissverständlich, die Absicht dahinter klar: Die Firmenchefs der Ammann-Gruppe empfehlen ihren Angestellten, am 12. Februar für die Unternehmenssteuerreform III zu stimmen. Denn bei einem Nein steige die Gefahr, dass Firmen mit 150'000 Arbeitsplätzen aus der Schweiz abziehen. «Darunter würden wir alle leiden», heisst es in dem Schreiben, das auch der «Nordwestschweiz» vorliegt. Erhalten haben es alle Mitarbeiter des Konzerns und der Tochter Avesco-Gruppe.

Das Langenthaler Unternehmen ist auf den Maschinenbau spezialisiert und beschäftigt weltweit rund 3700 Angestellte. Es gehört der Familie von Katharina Schneider-Ammann, der Ehefrau von Johann Schneider-Ammann. Der jetzige Wirtschaftsminister war früher Verwaltungsratschef. Sein Sohn Hans-Christian Schneider leitet die Ammann-Gruppe in sechster Generation.

Hans-Christian Schneider, Konzernchef und Bundesratssohn.

Der Konzernchef ist denn auch einer der Unterzeichner des Briefes an die Angestellten. Darin erklären die Firmenchefs, warum es die Steuerreform braucht. Erstmals werde es möglich, «Kosten für Forschung und Entwicklung von den Steuern in limitiertem Masse abzuziehen». Das wirke sich positiv auf die Arbeitsplätze aus.

Vor Mindereinnahmen im Staatshaushalt müsse man sich nicht fürchten. Diese könnten mittelfristig durch «das Wachstum des Steueraufkommens mehr als kompensiert» werden. Die Führungsriege warnt die Angestellten: Bei einem Nein zur Steuerreform würden «Sie und wir als Unternehmen zur Kasse gebeten».

Gewerkschaften sind verärgert

Der Brief der Ammann-Gruppe sorgt für Ärger bei den Gewerkschaften. «Die verbreiteten Informationen sind irreführend», sagt Gewerkschaftsbund-Chefökonom Daniel Lampart. So gebe es etwa keine Belege dafür, dass sich Steuersenkungen langfristig auszahlen. Dies zeigten Erfahrungen von Kantonen wie Luzern oder St.Gallen. Ebenso falsch sei die Behauptung, viele Firmen würden wegziehen, wenn die Vorlage abgelehnt wird. Für Lampart ist klar: «Bei einem Nein ändert sich zunächst gar nichts.» In diesem Fall könne rasch eine bessere Vorlage aufgegleist werden. Schliesslich seien sich alle einig, dass es eine Steuerreform brauche.

Lampart kritisiert die Ammann-Gruppe. «Wenn eine Firma über eine politische Vorlage informiert, müssen die Informationen korrekt sein», sagt der Spitzengewerkschafter. Arbeitsrechtlich ist es nicht verboten, sich im Vorfeld von Abstimmungen an Arbeitnehmer zu wenden. Dabei ist jedoch der Persönlichkeitsschutz zu beachten, die freie persönliche Meinungsäusserung muss gewährleistet sein. Tatsächlich verzichtet die grosse Mehrheit der Unternehmen darauf, ihre Angestellten über Vorlagen zu informieren. Und wenn doch, dann meist ohne explizite Abstimmungsempfehlung.

Anders hält es die Ammann-Gruppe. Insidern zufolge meldete sich die Firmenzentrale auch schon vor anderen Abstimmungen per Brief bei ihren Mitarbeitern. Warum greift das Unternehmen just bei der Steuerreform wieder zu dieser Massnahme? Die Ammann-Gruppe will sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äussern. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Forrest Gump 31.01.2017 15:53
    Highlight Erstmals werde es möglich, «Kosten für Forschung und Entwicklung von den Steuern in limitiertem Masse abzuziehen». Falsch! Die Kosten konnten auch bisher abgezogen werden. Es besteht sogar ein Wahlrecht, ob man die Kosten direkt als Aufwand verbucht, oder aktiviert und dann abschreibt. Was eingeführt wird, ist eine priviligierte Besteuerung der Einkünfte aus Patenten. Im Grundsatz keine schlechte Idee, es fördert die Forschung und somit die für die Schweiz überlebenswichtige Innovation. Auch die anderen Erleichterungen sind im Grundsatz nicht schlecht, es fehlt aber die Gegenfinanierung.
    8 1 Melden
  • Döst 31.01.2017 12:20
    Highlight Solche Schreiben an die Angestellten sind doch eher kontraproduktiv. Welcher Angestellte lässt sich vom Arbeitgeber denn vorschreiben was er zu stimmen habe?!
    Zum Glück gibts das Wahlgeheimnis.
    Kann mich noch an 1992 EWR Abstimmung erinnern, da bauten Unternehmen auch Druck auf die Angestellten auf - üble Sache.
    15 1 Melden
  • Midnight 31.01.2017 12:02
    Highlight Ein Unternehmen "empfielt" seinen Mitarbeitern, ein "Ja" in die Urne zu legen, weil es damit droht, bei nichtannahme ins Ausland zu ziehen.
    Geht es nur mir so, oder lässt sich da eine gewisse Manipulation nicht verleugnen?
    19 1 Melden
  • Commander 31.01.2017 12:00
    Highlight Die angedrohten 150'000 Arbeitsplätze entsprechen der Nettozuwanderung von 2 Jahren. Also wenn die wirklich alle wegfallen (wuhuu wer glaubt dem Bundesrat) geht die Schweiz wohl noch nicht ganz unter.
    Klar müssen wir für die OECD was machen mit unserem Steuersystem, aber die USTRIII ist ein total überladenes Paket.
    13 1 Melden
  • AlteSchachtel 31.01.2017 11:59
    Highlight Die paar verbleibenden Schweizer Mitarbeiter einer grossen Emser Firma wurden bestimmt auch schon auf die von ihnen erwartete Abstimmungshaltung hingewiesen. Weil sie aber längst dazu erzogen wurden, über solche Aktionen zu schweigen, wird man davon nicht hören.
    7 2 Melden
  • Tomtom64 31.01.2017 11:14
    Highlight Aus Sicht der Unternehmensleitung eine verständliche Empfehlung, da die USR III der Ammann-Gruppe tiefere Steuern beschert.

    Insbesondere für Privatpersonen hingegen ist die USR III eine Blackbox, da sie nebst der begrüssenswerten Steuerharmonisierung gleichzeitig Instrumente (Patentboxen, Zinsabzug auf Eigenmittel) schafft, welchen den Kantone die Möglichkeit gibt, die (meist international tätigen) Unternehmen für die höheren Steuern zu entschädigen. Wie die einzelnen Kantone davon Gebrauch machen werden, ist nicht bekannt.

    Ich bin aber überzeugt, dass alles ausgeschöpft wird. Darum NEIN!
    47 3 Melden
  • Majoras Maske 31.01.2017 10:28
    Highlight Die Firma Ammann hat doch schon vorher Millionen auf Inselstaaten verschoben und damit Millionen Steuerfranken nicht bezahlt. Die brauchen das doch nicht um Steuern zu senken.
    Ich bin überzeugt, dass Langenthal "Nein" sagt und solche Briefe können auch im höchsten Masse kontraproduktiv sein.
    58 5 Melden
  • Asmodeus 31.01.2017 10:16
    Highlight Hoffentlich ein Anreiz für alle Mitarbeiter ein Nein in die Urne zu werfen.

    69 6 Melden
  • Deathinteresse 31.01.2017 10:00
    Highlight Zum Glück arbeite ich in einer kleinen Firma. Ich will sicher nicht von meinem Chef gesagt bekommen wie ich abstimmen soll.
    44 3 Melden
    • Deathinteresse 31.01.2017 10:55
      Highlight Obwohl das ja eigentlich gar nichts mit der grösse der Firma zu tun hat...
      31 0 Melden
  • DailyGuy 31.01.2017 09:57
    Highlight Ich sehe ein grosses Problem mit dieser Vorlage: Es geht nicht klar hervor wie stark der private Mittelstand davon betroffen sein wird. Selbst her Schneider-Ammann wollte nicht sagen, ob die Privatpersonen für den Steuerausfall aufkommen müssen (aber so wird es sicherlich enden, da jemand ja für das Steuerloch aufkommen muss). Deshalb ist es für mich schwierig hier Ja zu stimmen. Wird also in einem Nein enden.
    35 5 Melden
  • bebby 31.01.2017 09:56
    Highlight Die meisten Unternehmen wissen schon warum wie sich nicht direkt an die Mitarbeiter wenden, weil es auch kontraproduktiv wirken kann.
    Indirekt über Kampagnenfinanzierung ist viel effektiver.
    18 0 Melden
  • elco 31.01.2017 09:49
    Highlight Oh wie schlimm.
    12 41 Melden
  • Radesch 31.01.2017 09:46
    Highlight Das ist eine Frechheit!
    Bei mir in der Firma hängen auch ja Parolen. Sowas sollte verboten werden. Mir reichen schon die gefühlt 30'000 Plakate am Bahnhof.

    Ich lasse mich doch nicht von der Wirtschaft erpressen! Wo kommen wir denn da hin? Irgendwann können die uns alles diktieren, weil fast jede Abstimmung wirtschaftliche Konsequenzen hat...
    113 13 Melden
    • Bowell 31.01.2017 10:00
      Highlight Du wirst ja wohl kaum gezwungen gegen Deinen Willen "Ja" zu stimmen, oder? Es ist eine Wahlempfehlung und nicht mehr. Mit Deiner hervorragenden Rhetorik und Argumentation kannst Du Deine Arbeitskollegen sicherlich zu einem "Nein" überzeugen, nicht wahr;)?
      14 22 Melden
    • Filzstift 31.01.2017 10:32
      Highlight Naja scheint wohl normal zu sein. Bei uns schliesslich auch so, selbst die bundesrätliche Komponente fehlt nicht (ist etwas abgewähltes).
      7 3 Melden
    • Radesch 31.01.2017 11:54
      Highlight @Bowell
      Ich muss niemanden überzeigen JA oder NEIN zu stimmen, da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden, dafür bin ich nicht zuständig.

      Ich gebe zu, dass der Kommentar "im Affekt" entstanden ist. Fakt ist jedoch, dass das Argument "Wenn ihr X annehmt (oder nicht) dann gehen wir ins Ausland", sehr gut zu ziehen scheint. Es ist ja schlicht menschlich, niemand will seinen Job verlieren,

      Wenn wir uns aber von der Wirtschaft "erpressen" lassen, ist das auch nicht mehr wirklich "frei".

      Was wer einwirft muss jeder selbst entscheiden. Bei mir war es eben ein NEIN.
      23 0 Melden
    • Bowell 31.01.2017 13:01
      Highlight Wo steht denn, dass Herr Schneider mit dem Wegzug ins Ausland droht? Watson hält es ja nicht mal für nötig den ganzen Brief zu veröffentlichen. Wie gesagt, es ist eine Wahlenpfehlung, es wird niemandem gedroht, jeder darf und soll abstimmen wie er es für Richtig empfindet.
      0 3 Melden
    • Majoras Maske 31.01.2017 14:37
      Highlight Der Brief ist insofern problematisch, weil er natürlich nicht neutral ist und soweit man erkennen kann, auch teilweise Behauptungen als Tatsache wiedergibt und wichtige Gegenargumente vermutlich verschweigt. Wer sich nicht vorher informiert hat oder dem Bundesratssohn einfach glaubt, bekommt daher auch eine verfälschte Information über die Vorlage. Und tatsählich darf danach gefragt werden, ob ein Unternehmen das Recht hat mögliche uninformierte Mitarbeiter zu seinem Vorteil "zu fischen".
      4 0 Melden

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