Schweiz

Walter Kielholz hält die Pensionierung für nicht mehr zeitgemäss.   Bild: EPA/KEYSTONE

«Pensionierung abschaffen»: Die Ideen von Wirtschaftskapitän Kielholz sorgen für Wirbel

Swiss-Re-Mann Walter Kielholz will die Pensionierung abschaffen, wie er im grossen Interview mit der «Schweiz am Wochenende» sagte. Der Zeitpunkt der Idee ist brisant. Sein Vorschlag stösst bei Mitte-Links auf Kritik.

11.09.17, 05:59

Antonio Fumagalli / Nordwestschweiz

Walter Kielholz ist seit langem im Geschäft. Der Verwaltungsratspräsident der Swiss Re weiss, dass sein Wort Gewicht hat. Entsprechend haben seine Aussagen in der «Schweiz am Wochenende» durchaus Sprengkraft – zumal die Abstimmung über die Altersreform vor der Türe steht.

Kielholz plädierte dafür, die Pensionierung abzuschaffen. Ein im Arbeitsvertrag festgeschriebenes Rentenalter soll es nicht mehr geben. «Der Arbeitsvertrag läuft einfach weiter.

Es sei denn, dass ihn der Arbeitnehmer kündigt oder dass der Arbeitgeber findet, jetzt kann oder will der Arbeitnehmer die Leistung nicht mehr erbringen», sagt der 66-Jährige. Jeder Arbeitgeber soll mit den Mitarbeitern die individuelle Situation besprechen, was «natürlich anstrengender ist als eine automatische Pensionierung».

Flexibilisierung ist vorgesehen

Was Kielholz nicht sagt: Das Reformpaket, über das die Bevölkerung am 24. September abstimmt, enthält bereits Massnahmen zur Flexibilisierung des Austritts aus dem Erwerbsleben. Es gibt kein Rentenalter mehr, sondern ein Referenzalter. Der Zeitpunkt der Pensionierung soll künftig zwischen 62 und 70 Jahren frei gewählt werden können. Damit trägt die Reform dem Umstand Rechnung, dass sich bereits heute nur rund ein Viertel der Erwerbstätigen zum Zeitpunkt des gesetzlichen Rentenalters pensionieren lässt. «Herr Kielholz setzt sich im Grundsatz also für die Altersreform ein», sagt Nationalrat Thomas Weibel (GLP/ZH) mit einem Seitenhieb an den Ex-Banker, der die Vorlage im Interview als «Chabis» betitelt. Dass Arbeitsverträge nicht mehr automatisch mit 65 Jahren enden sollen, begrüsst Sebastian Frehner. «Es bringt nichts, eine fixe Grenze zu haben», so der Basler SVP-Nationalrat.

Dabei muss man sich die heutige Realität vor Augen führen. Die allermeisten Arbeitsverträge sehen in der Tat ein definiertes Rentenalter vor. In vielen Fällen gibt es aber durchaus die Möglichkeit, auch noch darüber hinaus tätig zu bleiben. Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes und VR-Präsident von Burckhardt Compression, macht ein Beispiel aus seiner Firma: Rund die Hälfte der Mitarbeiter würden auch nach dem Renteneintritt mittels «Pensioniertenvertrag» weiterhin für das Unternehmen tätig sein – sofern Bedarf an Arbeitskräften besteht. «Sie machen das gern und sind oftmals sehr flexibel», sagt Vogt.

Diese Praxis hat freilich längst nicht bei allen Firmen Schule gemacht. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) verweist auf einen Forschungsbericht. Dieser zeigt auf, dass Arbeitgeber die Beschäftigung von Personen ab 58 Jahren wesentlich aktiver fördern könnten (siehe auch Kastentext oben rechts).

Für Wirbel sorgen Kielholz’ Rezepte, um die Angestellten zum längeren Arbeiten zu motivieren: Er schlägt vor, dass man ab 65 Jahren keine AHV-Beiträge mehr bezahlen müsste und von steuerlichen Begünstigungen profitieren würde. Damit würden diejenigen, die länger arbeiten wollen, «nicht mehr bestraft, sondern belohnt», so der Wirtschaftskapitän.

«Elitäres Denken»

Während Arbeitgeber-Chef Vogt ein Anreizsystem mit einem höheren Freibetrag bei den Sozialversicherungen als bisher «durchaus begrüssen» würde, hagelt es von Mitte-Links Kritik. «Das ist ungerechtes, elitäres Denken», sagt Nationalrätin Ruth Humbel (CVP/AG). Es würde damit eine steuerliche Zweiklassengesellschaft eingeführt, da die erwerbstätigen Jungen nicht von entsprechenden Sonderkonditionen profitieren könnten. Kielholz solle dafür sorgen, dass auch ältere Personen angestellt werden und so lange arbeiten können, wie sie wollen, so Humbel. Denn in der Versicherungs- und Finanzbranche wird noch immer ein übermässig hoher Anteil der Beschäftigten vor dem eigentlichen Pensionsalter in Rente geschickt. In die gleiche Kerbe schlägt auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund. Wer «wie Kielholz auf dem Finanzplatz einen beträchtlichen Flurschaden hinterlassen» habe, sei ohnehin «in einer denkbar schlechten Position, Bundesrat und Parlament Lehren zu erteilen», so Thomas Zimmermann vom SGB.

Offen bleibt die Frage, ob Kielholz’ Vorschläge so kurz vor dem Urnengang beim einen oder anderen Stimmbürger ein Umdenken bewirken. Denkbar wären beide Möglichkeiten: Je grösser die Verunsicherung, desto wahrscheinlicher ist die Ablehnung einer Vorlage. Andererseits stimmen manche möglicherweise erst recht Ja, weil sie sich vor einer persönlichen Ungleichbehandlung fürchten, sofern die Ideen aus der Hochfinanz den Plan B nach einer Ablehnung massgeb- lich prägen würden.

Ältere wollen arbeiten: Firmen in der Pflicht

Das Forschungsbüros Infras hat im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) Unternehmen und Arbeitnehmer zum Altersrücktritt befragt. Von den Erwerbstätigen unter 64 beziehungsweise 65 Jahren zeigte eine grosse Mehrheit eine relativ hohe Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen über das ordentliche AHV-Rentenalter tätig zu sein – doch die Arbeitgeber machen nicht immer im volkswirtschaftlich erwünschten Ausmass mit. Es fehlt an Anreizen und an Wertschätzung. Die Arbeitgeber könnten die Beschäftigung von älteren Personen also «wesentlich aktiver fördern», schliessen die Forscher. 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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41
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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alterssturheit 14.09.2017 08:16
    Highlight Auffällig ist doch, dass solche Vorschläge fast ausschliesslich von aktiven oder ehemaligen Wirtschaftsbossen kommen. Andererseits liest man ständig über diese Spezies, dass sich XY mit 60 Jahren eben hat früh pensionieren lassen. Aha....
    1 0 Melden
  • .:|HonigTroll|:. 11.09.2017 15:31
    Highlight 1x Kielholen für Walther Kielholz. Ab auf die Reling!

    (Für alle Süsswassermatrosen: Kielholen war eine schwere Form der Bestrafung in der Seefahrt, bei der der Bestrafte an einem Tau unter dem Rumpf des Schiffs durchgezogen wurde)

    Tief Luft holen Walti!
    8 2 Melden
  • Ohniznachtisbett 11.09.2017 12:01
    Highlight Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit 65 noch weiterarbeiten will. Wer aber genau das möchte, sollte dafür belohnt werden.
    11 2 Melden
    • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 14:22
      Highlight Mit der Rentenreform kommt eine Flexibiliserung des Rentenalters zwischen 62 und 70. Ab 65 kommt man in den Genuss des Rentenfreibetrages und kann dann für den Rest bis max. 70 weiter in die AHV Kasse einzahlen und bekommt dann eine höhere Rente.
      4 1 Melden
  • kleiner_Schurke 11.09.2017 11:52
    Highlight Also einfach Arbeiten bis der Tod eintritt.
    15 2 Melden
    • .:|HonigTroll|:. 11.09.2017 16:10
      Highlight Karoshi, jawohl
      3 0 Melden
  • Hamsterrad 11.09.2017 11:39
    Highlight Der Herr ist es zu wohl sonst würde er das niemals sagen .
    Neoliberalismus verleitet zu solchen Aussagen....
    16 1 Melden
  • Steffou 11.09.2017 11:09
    Highlight Herr Kielholz ist völlig realitätsfern. Regelmässig kommt es vor, dass ältere Angestellte ab 50, 55 Jahren auf die Strasse gestellt und durch Jüngere ersetzt werden. Diese haben dann grösste Mühe wieder einen Job zu finden. Im Übrigen sind längst nicht alle Arbeitnehmenden in der Lage überhaupt bis zum Pensionsalter zu arbeiten, geschweige denn darüber hinaus. So lange das so ist, sind Vorschläge wie der von Kielholz hinfällig.
    18 0 Melden
  • Der Rückbauer 11.09.2017 10:34
    Highlight Wölfli beim Lamm: Du sagst es, der Kielholz war und ist bis heute eine Bedrohung der CH-Volkswirtschaft. Was der schon für Schaden angerichtet hat! Er ist der Vater der unsäglichen Bonuskultur, hat dieses desaströse Instrument in der Finanzindustrie eingeführt. Und schon wird wieder über ABS diskutiert. Es scheint ihm nichts auszumachen, dass die Finanzheinis Risiken eingehen, um maximale Boni zu erhalten. Und geht's dann in die Hose, kommt der Steuerzahler (oder, bei der CS, die fortschrittlichen Männer in den langen Gewändern...)
    16 1 Melden
  • Herbert Anneler 11.09.2017 10:24
    Highlight Arbeitsverträge, die nach oben offen sind, wären an sich eine bedenkenswerte Idee. Allerdings vermute ich, dass die Wirtschaft zusammen mit Kielholz mit dieser Flexibilisierung nach oben auf noch mehr Flexibilisierung am unteren Ende schielt, damit die Wirtschaft von der moralischen Pflicht entbunden wird, auch Ü50-Personen zu beschäftigen - der total flexible Mensch als Hochleistungskuh: Ab zum Metzger, wenn die Leistung sinkt. Wir landen so im ubertragenen Sinn als Tafelspitz auf den Tellern einer immer menschenfeindlicheren Wirtschaft. Das ist das Ziel von FDP/SVP - 2 Mal JA am 24. Sept.!
    16 1 Melden
  • New Ling 11.09.2017 10:21
    Highlight Ich hab so die Schnauze voll von dieser Art "Mensch". Wir als Normalos dürfen für alles grad stehen - für jede Scheisse, die diese "Manager"verbrechen. Uns wird trotzdem alles gekürzt und für alles müssen wir mehr leisten. Die haben Möglichkeiten alle steuerlichen Schlupflöcher zu nutzen - wir werden für alles zur Kasse gebeten! Führt doch eine Transaktionssteuer ein, mit welcher alle Sozialwerke finanziert werden! So müsste man weder Arbeit verteuern, noch MwSt. erhöhen und müsste auch nicht über Generationengerechtigkeit diskutieren! Und ... die Schere würde auch wieder kleiner ...
    23 2 Melden
  • Holla die Waldfee 11.09.2017 09:44
    Highlight 1.
    Der Bonz hat gut reden. Er hat ja genug Butter auf dem Brot. Diese Leute sind so weltfremd was Normalbürger angeht. Null Bodenhaftung. Null soziales Denken.

    2.
    Wurde die Swiss-Re nicht durch Rentenversicherungen gross? Zuerst kassieren und dann die Ausschüttung stoppen? Worum geht's hier wirklich?

    3.
    Falls die Pensionierung abgeschafft wird, müssen sämtliche Einzahlungen der Bürger lückenlos bis auf den letzten Rappen zurückerstattet werden. Sonst gibt's einen Aufstand. Und damit wäre die Schweiz wohl nah an der Pleite.

    4.
    Erwähnte ich schon weltfremde Egomanen auf Teppichetagen?
    22 3 Melden
    • Bits_and_More 11.09.2017 13:58
      Highlight Zu Punkt 3:
      Ein flexibles Rentenalter bedeutet ja nicht, dass die ersten Säule abgeschafft wird.
      4 3 Melden
    • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 14:26
      Highlight Würde mich auch wunder nehmen, ob Herr Kielholz eine 70zigjährige Sekretärin in seinem Vorzimmer gefallen würde. Anstelle des
      13. Monatslohnes gibt's dann einen Gratisrollator.
      11 0 Melden
  • StilleLaute 11.09.2017 09:24
    Highlight Wenn er die Pensionierung abschafft, dann möchte ich aber meine bereits bezahlten AHV-Beitrage mit Zins und Zinseszins zurück erstattet haben.
    45 6 Melden
    • Bits_and_More 11.09.2017 10:28
      Highlight Es geht ihm nicht darum, die 1. Säule abzuschaffen...
      4 2 Melden
    • Domsh 11.09.2017 12:10
      Highlight Bericht gelesen?
      Es soll bloss das fixe Alter der Pensionierung abgeschafft werden.
      4 1 Melden
  • Quacksalber 11.09.2017 09:16
    Highlight Büros mit Alterswohnungen und Pflegeservice bei vollem Lohn. Dazu Gratisbeerdigung. Sehen dann so die "extras" in den Arbeitsverträgen aus?
    38 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.09.2017 09:11
    Highlight Am besten schaffen wir, bis wir tot umfallen. Dann braucht es neine AHV und keine Pensionskasse mehr. Dafür aber eine Garantie von Kielholz und Co, dass Ü50 noch eine Stelle bekommen. Na, wäre das nicht ein Deal?
    31 3 Melden
  • ch2mesro 11.09.2017 08:16
    Highlight wenn herr kielholz mühe damit hat seine macht loszulassen und nicht pensioniert werden will ist das sein problem.
    127 6 Melden
  • Triumvir 11.09.2017 08:08
    Highlight So ein hirnverbrannter Vorschlag kann nur jemand machen, der in seinem Leben noch nie wirklich selber hart gearbeitet hat und zudem mit 66 bereits im Pensionsalter ist und somit von den realen Auswirkungen seiner Idee nicht mehr sehr lange selber betroffen sein wird🙄
    88 9 Melden
  • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 08:07
    Highlight Walter Kielholz (WK) war viele Jahre im VR von Swiss Re und CS und zeitweise deren Präsident. Swiss RE und CS haben unter WK während der Finanzkrise 07/08 grosse Verluste eingefahren. Dafür muss bis zum heutigen Tag die Allgemeinheit aufkommen. Dass WK nun 2 Wochen vor der Abstimmung dem Volk den Tarif durchgibt, zeigt den Machtanspruch der Finanzindustrie, die eine Bedrohung ist für die ganze Volkswirtschaft. Hohe Prämien und tiefe Renten, weil wir angeblich 100 J. alt werden und Pensionierung mit 70 oder gar nicht? Ein Nein am 24.9. wird dafür eine Schleuse öffnen.
    80 7 Melden
    • Gibaue 11.09.2017 09:47
      Highlight Du kannst WK sowie CS und Swiss Re berechtigterweise viele Vorwürfe machen. Die Allgemeinheit ist aber trotzdem nie für deren Verluste aufgekommen, auch wenn solche Märchen noch so viele Herzchen erhalten.
      2 7 Melden
    • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 13:45
      Highlight @Gibaue. Ach? All die Leute, denen Lehman Brothers Papiere aufgedrängt wurden und die nachher alles verloren haben und klagen mussten? All die Bussen, die die Bank zahlen musste wegen nach amerik. Recht krimineller Machenschaften? Der Imageverlust für die CH? Wie viele Jahre hat die CS wegen Verlusten keine Steuern gezahlt? EWS, die für die Banken mit den US-Behörden jahrelang verhandeln musste wegen der UBS/CS - damit die Amis denen nicht das Licht ausblasen? Usw.usf. Sie sind ein Meister der Ausblendung!
      9 1 Melden
    • Gibaue 11.09.2017 15:49
      Highlight Wie gesagt, alles berechtigte Vorwürfe. Trotzdem hat nichts davon der CH Steuerzahler und somit die Allgemeinheit bezahlt. Verlustvorträge sind nunmal auch für Grossbanken steuerlich wirksam.
      1 5 Melden
  • Khoris 11.09.2017 07:50
    Highlight Keine AHV-Abgaben und weniger Steuern....
    Auf welche Einkommensschicht das abziehlt ist wohl auch klar. Wäre aber grundsätzlich eine gute Idee für niedere Einkommen, wobei ich trotzdem glaube, dass eine vollständige Flexibilisierung nicht sinnvoll wäre.
    18 1 Melden
  • Der müde Joe 11.09.2017 07:38
    Highlight Und jetzt noch etwas realistisch; welche Firma möchte jemanden bis 70ig beschäftigen, wenn er einen 25 jährigen für weit weniger Lohn einstellen kann? Auch wenn das eingeführt wird, wird der 65 jährige am Ende einfach zwangspensioniert.
    57 2 Melden
    • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 08:31
      Highlight Rentenaltererhöhungen sind nichts anderes als Rentenkürzungen. Zahlreiche altersbedingte Krankheiten und Mobbing würden dazu führen, dass die Leute dann halt zuerst bei der Krankentaggeldversicherung und schliesslich bei der Arbeitslosenversicherung landen und die Kosten dort anfallen. Und wenn diese Kassen dann leer sind, kann man da dort auch mit Kürzungen beginnen, wie heute schon bei den Renten. Das nennt man Sozialabbau.
      28 2 Melden
    • Hoppla! 11.09.2017 09:20
      Highlight Wieso wird das vorausgesetzt?

      Okay, die PK-Prämien, ansonsten gibt es keinen Grund einem älteren Arbeitsgeber mehr zu bezahlen.
      5 10 Melden
    • Der müde Joe 11.09.2017 22:15
      Highlight Also Hoppla! Wenn du mit 60ig immer noch gleich viel verdienst wie mit 25ig, dann hast du definitiv etwas falsch gemacht. ;)
      1 0 Melden
  • pamayer 11.09.2017 07:29
    Highlight Cool. Tolle Idee.
    Wenn nur nicht die Ü50 als zu teuer ausgedient würden uns dadurch länger ausgesteuert sein werden.

    Aber gut, der Kielholz mit seinem bescheidenen Einkommen von 500'000, 1'000'000, 1'500'000 ?? ?? müsste sich den Gürtel spürbar enger schnallen, wenn er nicht mehr arbeiten könnte.

    Man müsste in Sachen Pension und AHV den reichen Säcken Redeverbot verhängen. Die verstehen definitiv nix von der Materie.
    65 3 Melden
  • thebänd 11.09.2017 06:56
    Highlight Für mich sind solche Vorschläge/Ideen eine Frage der Perspektive:
    Wenn alles im Leben gut verläuft, sind flexible Rentenalter oder Ausstiegszeiten sicher eine gute Lösung. Selbstbestimmung, würd ich mal sagen.
    Aber wie stieht es mit Berufen aus, welche den Körper über die Jahre beansprucht hat und man bspw als 62-Jähriger keine 40-Kilo Zementsäcke rumschleppen kann? Wenn ich aber als alter Sack nur im Büro gearbeitet, kann man solche Vorschläge durchaus verallgemeinen..,
    41 3 Melden
    • c_meier 11.09.2017 09:07
      Highlight eben genau für Leute wie oben beschrieben (40 Jahre Bau usw) hat man ja das flexible Rentenalter in die Abstimmungsvorlage vom 24.09.2017 reingepackt (mit der Möglichkeit sich zwischen 62 und 70 pensionieren zu lassen).
      14 0 Melden
    • Bits_and_More 11.09.2017 10:32
      Highlight Das ist ja genau der Grundgedanke bei einem flexiblen Rentenalter. Jemand der sein Leben lang hart körperlich gearbeitet hat wird nach heutiger Gesetzeslage genau mit dem gleichen Alter pensioniert, wie jemand, welcher sich nicht physisch ausgelaugt hat.
      Sprich Rentenalter aus dem Gesetz raus und z.B. im GAV verankern.
      3 1 Melden
  • Ökonometriker 11.09.2017 06:53
    Highlight Grundsätzlich ist die Idee einer möglichst flexibeln Pensionierung ja nichst schlechtes. Aber statt AHV-Beiträge ab 65 abzuschaffen sollten Leute, die länger arbeiten, einfach entsprechend mehr AHV erhalten.
    Heute müsste man ja ohne Gegenleistung bezahlen, was per se ungerecht ist.

    Eine zu frühe Pensionierung müsste aber verhindert werden, da sonst Fehlanreize gesetzt werden. So könnte sich jemand mit 50 frühpensionieren, auf Grund der tiefen Rente einfach Ergänzungsleistungen beziehen und insgeheim im Ausland wohnen. Eventuell müssten also EL erst ab 65 ausgezahlt werden.
    17 6 Melden
    • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 08:44
      Highlight Bezahlen ohne (oder mit geringerer)Gegenleistung ist das Prinzip der AHV, das nennt man Solidarität. Hab immer für die Krankentaggeld- Arbeitslosen- und Unfallversicherung Prämien bezahlt und nie Leistungen in Anspruch nehmen müssen. Und ich bin froh, einen Solidaritätsbeitrag erbracht zu haben für Leute die unverschuldet in einen Schlamassel geraten sind.
      22 4 Melden
    • Herbert Anneler 11.09.2017 10:35
      Highlight @ Ökonometriker: Deine Sprache verrät dich! "Anreize" sind ein Begriff aus dem Tierreich - schaue in deinen Lehrbüchern einmal bei der Konditionierung der Pawlow'schen Hunde nach! Willst du dein ganzes Leben damit verbringen, die Menschen - du bist auch einer - als Tiere zu betrachten und zu behandeln? Kam mir selber bei meinem Ökonomiestudium öfter Mal eher wie in der Masoala-Halle des Zürcher Zoos als in einem Hörsaal der Uni vor...
      8 2 Melden
    • Ökonometriker 11.09.2017 11:02
      Highlight @Wölfli beim Lamm: die Zahl der Beitragsjahre hat in jüngeren Jahren durchaus einen Einfluss auf die Renten - die Höhe der Beiträge jedoch gem. Solidaritätsprinzip nicht.
      Ein Cap bei den Beitragsjahren ist doppelt ungerecht: einerseits sind nicht-akademiker wegen zu vielen Beitragsjahren benachteiligt, andererseits straft man Leute die länger als nötig arbeiten.
      Daher gehört diese Deckelung aufgehoben.
      3 1 Melden
    • Tagedieb 11.09.2017 11:52
      Highlight Wölfli du machst mir Hoffnung!
      ( ...wer bei Versicherungen erwartet, dass er wieder bekommt was er bezahlt hat, begreift das System nicht - oder ist ein krankhafter Egoist! ... )
      1 2 Melden
    • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 12:40
      Highlight @Oekonometriker. Ja. Das mit den fehlenden Beitragsjahren find ich auch ein bisschen problematisch. Aber die Rentenreform 2020 sieht eine Flexibilisierung des Rentenalters von 62 bis 70 vor. Und während dieser Zeit kann man weiter freiwillig bis max. 70 J. in die AHV einzahlen und nachher eine höhere Rente beziehen. Das ist heute nicht möglich. Nach 64/65 gibt's den Rentenfreibetrag und ab diesem Betrag zahlt man weiter AHV, ohne dass man dann später etwas davon hat. Das ist eine weitere Stärkung der AHV, die nicht oft erwähnt wird.
      2 0 Melden
    • Wölfli beim Lamm 11.09.2017 13:49
      Highlight @Tagedieb. Ich kenne niemanden, der seine AHV-Rente nicht bekommen hat. Aber ich versteh Sie schon. Im Allgemeinen drücken sich die Versicherungen vor Leistungen. Und was bei der IV abläuft ist ein Skandal.
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