Schweiz
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Honeybees of apiculturist Benedict Reinhardt return to their beehive, pictured on April 29, 2010 in Therwil in the canton of Basel-Land, Switzerland. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Bienen des Baselbieter Imkers Benedict Reinhardt kehren in ihren Stock zurueck, aufgenommen am 29. April 2010 in Therwil im Kanton Basel-Landschaft. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Die Honigbienen sind gefährdet – und mit ihnen die Zukunft der Nahrungsmittelproduktion. Bild: KEYSTONE

Bienen-Killer als Kassenschlager – Chemie-Riesen kämpfen vor Gericht für Pestizide

Das Europäische Gericht erster Instanz untersucht ab heute, ob die EU die Bienen-Killer-Pestizide zu Recht verboten hat. Die Pestizid-Hersteller – unter ihnen der Schweizer Agrar-Chemie-Riese Syngenta – kämpfen mit harten Bandagen gegen das Verbot: Ihnen entgeht ein Vermögen.



Pestizide töten nicht nur Schädlinge, sondern auch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Die sogenannten «Neonicotinoide» werden am häufigsten als Pestizide eingesetzt. Erst mit der Zeit wurde klar, wie gefährlich diese Bestseller-Produkte, die unter anderem von Syngenta und Bayer hergestellt werden, wirklich sind. Seit 2013 ist die Verwendung der drei giftigsten Neonicotinoide deshalb in der EU wie auch in der Schweiz nur noch eingeschränkt erlaubt. Das könnte sich nun ändern.

Syngenta und Bayer klagen gegen Verbot

Syngenta und Bayer reichten nämlich Klage gegen das Verbot ein. Das Europäische Gericht erster Instanz prüft von heute Mittwoch bis Freitag in Luxemburg, ob die EU-Kommission 2013 den Einsatz dieser Neonicotinoide teilweise verbieten durfte. Bayer wolle vom Gericht Klarheit über die rechtliche Grundlage für die Neonicotinoid-Beschränkung erlangen, erklärt Bayer-Sprecher Richard Breum. «Bayer ist nach wie vor überzeugt, dass Neonicotinoide bei verantwortungsvoller und sachgemässer Anwendung unbedenklich sind», sagt er weiter. Breum beziffert den Verlust der «europäischen Rapsbranche» durch die Einschränkungen auf 900 Millionen Euro. Wie viel Gewinn den Pestizid-Herstellern durch die Lappen geht, bleibt offen.

David Brugger, Leiter Pflanzenbau vom Schweizerischen Bauernverband bestätigt, dass der Entscheid argronomisch grosse Probleme verursacht hat. Bei Befall der Kulturen müssten Landwirte wieder auf die alten Flächenbehandlungen zurückgreifen. «Häufig müssen dabei Produkte mit schlechterem Umweltprofil gewählt werden – das Risiko für negative Umwelteinflüsse steigt dadurch zwangsläufig», erklärt er.

Ganz anders sehen das die Bienenfreunde. Auf die Frage, ob Neonicotinoide weiterhin verboten werden müssen, antwortet Robert Sieber, Vizepräsident des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde: «Diejenigen, welche den Bienen Schaden zufügen: Ja».

Starke Beweise für negative Auswirkungen

Eine Studie des EU-Wissenschaftsnetzwerks Easac sprach von «starken Beweisen für die negativen Auswirkungen auf andere Organismen durch Neonicotinoid-Insektizide». Der Bericht fasst die Befunde von 13 Forschern zusammen.

Auch Greenpeace kommt zum Schluss, dass die Pestizide weiterhin verboten gehören. Greenpeace beauftragte unabhängige Forscher der Universität Sussex, alle relevanten Studien der letzten Jahre zu sichten und die Ergebnisse zusammenzufassen. Die Ergebnisse dieser Studie widersprechen der Darstellung der Pestizid-Konzerne grundlegend: Die Giftigkeit der Neonicotinoide für Honigbienen sei unbestritten und von Dutzenden Studien bestätigt. Wenige Nanogramm würden ausreichen, um eine Biene zu töten.

«Syngenta und Co. kämpfen mit harten Bandagen und schrecken vor nichts zurück. Sie spielen die Gefahren ihrer Kassenschlager seit Jahren herunter.»

Yves Zenger, Greenpeace

Diskreditierte Forscher und manipulierte Studien

«Syngenta und Co. kämpfen mit harten Bandagen und schrecken vor nichts zurück. Sie spielen die Gefahren ihrer Kassenschlager seit Jahren herunter», sagt Greenpeace-Sprecher Yves Zenger gegenüber watson. Das Klagen und Diskreditieren seriöser, unabhängiger wissenschaftlicher Untersuchungen stünden an der Tagesordnung. «Nicht genehme Studien bezeichnet die Agrochemie gerne als unwissenschaftlich und kontert sie mit bezahlten eigenen Studien», sagt Zenger. So würden die Konzerne Verwirrung stiften und striktere Regeln verhindern.

Der New York Times erzählte der ehemaliger Forscher James Cresswell, wie Syngenta Forscher manipulierte, um passgenaue Forschungsresultate zu erhalten. Cresswell kam nach seiner Zusammenarbeit mit dem Agrar-Chemie-Riesen zum Schluss, dass Syngenta eine ganz klare Agenda habe: Das Bienensterben komplett der Varroa-Milbe, die die Bienen-Brut vernichtet, in die Schuhe zu schieben. 

«Es geht jetzt nicht darum, Syngentas Umsatz zu schützen. Wenn die Bienen und Hummeln sterben, verlieren wir weit mehr, nämlich die Kontrolle über unsere Lebensmittelproduktion»

Yves Zenger, Greenpeace

«Es geht jetzt nicht darum, Syngentas Umsatz zu schützen. Wenn die Bienen und Hummeln sterben, verlieren wir weit mehr, nämlich die Kontrolle über unsere Lebensmittelproduktion», sagt Yves Zenger gegenüber watson. Bienen sind für die Nahrungsmittelproduktion enorm wichtig und für die Diversität auf unseren Tellern verantwortlich, weil sie Blüten bestäuben und so die Fortpflanzung der Pflanzen sichern. Schätzungen zufolge werden von den 100 Pflanzenarten, die über 90 Prozent der Ernährung der Menschen sicherstellen, 71 von Bienen bestäubt. Albert Einstein soll sogar gesagt haben: «Stirbt die Biene, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben».

Bienen

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Skip Bo 16.02.2017 07:39
    Highlight Highlight 2/2
    Alle Spritzmitteleinsätze dienen der Ertragssicherung.
    Bis zur Ernte fallen z.T. hohe Kosten (Landzins, Maschineneinsatz, Saatgut, Personalkosten, Strukturkosten) an. Mit dem chemischen Pflanzenschutz können Ertragsausfälle minimiert werden. Wenn Ertragsausfälle durch bessere Preise kompensiert würden, wäre strenger Vorschriften tragbar.
    Lösung: Die Landwirtschaft minimiert chemische Anwendungen. Für die erzeugten Produkte werden kostendeckende Preise bezahlt. Es dürfen nur noch Lebensmittel importiert werden, welche nach CH Vorschriften produziert werden.
  • Skip Bo 16.02.2017 07:20
    Highlight Highlight 1/2
    Neonicotinoide werden hauptsächlich als Beizmittel verwendet. Das heisst das Saatgut enthält eine Ummantelung mit dem Wirkstoff. Der Keimling nimmt den Wirkstoff auf und wird so im emfindlichen Frühstadium gegen Frassinsekten geschützt. Bevor die Beizung mit Neonicotinoid möglich war, wurden beim erreichen der Schadschwelle eine Flächenbehandlung mit einem Insektizid gemacht. Diese Behandlung erfasste sämtliche Insekten, also auch die Nützlinge. Man ging davon aus, dass eine Beizung einen kleineren Eingriff darstellt, das ist aus heutiger Sicht wohl falsch.
  • DocM 15.02.2017 14:54
    Highlight Highlight In Europa gibt es 6.4 Millionen ha Rapsfläche, 1 ha bringt 1550 Liter Öl, die Tonne Öl kostet zur Zeit ca. 400 Euro, Somit will uns die Chemie weismachen, dass je nach Rechnung ca. 20-25% der Rapsflächen durch Schädlinge vernichtet werden (Aequivalent zu den 900 Mio. Euro). Für diese Annahme sind die Multis bereit, -zig Millionen Bienen zu opfern, -zig Millionen Pflanzen (inkl Raps) die nicht mehr bestäubt werden etc. etc. Meine Behauptung ist, der Gesamtschaden durch die Pestizide beträgt das Doppelte als deren Verzicht, doch davon haben die Konzerne nichts....
    • Wehrli 15.02.2017 16:00
      Highlight Highlight Zuerst rechnest du und nacher behauptest du. Das Eine oder das Andere, bitte Konsequent.
      Wobei ich geb dir bei ersterem Recht, die Zahlen sind massiv übertrieben, und dem Schaden wurde kein Wert zugewiesen ...
    • DocM 15.02.2017 17:11
      Highlight Highlight @Wehrli: Die 900 Mio. sind auch behauptet, sprich geschätzt, damit es sich besser anhört, und entbehren jeglicher Grundlage. Wahrscheinlich sind hier die Umwetterschäden und sonstige Einbussen miteinberechnet. Somit erlaube ich mir den Umkehrschluss.
    • trio 15.02.2017 21:57
      Highlight Highlight @DocM
      Die Zahlen sind sind schon realistisch denke ich. Das Problem sind jedoch die riesigen Monokulturen die heute angebaut werden. Wer ein bisschen was von der Natur versteht, weiss, das es so nicht geht. Ausser eben mit massiven Chemieeinsatz. Leider ist unsere biologische Landwirtschaft in der Hinsicht nicht viel besser, auch dort werden riesige Monokulturen angebaut. Nur sind die eingesetzten Gifte natürlich oder eben erlaubt im biologischen Anbau (z.b. Kupfer).
      Die Lösung wären kleinflächige Anbauflächen, am besten getrennt durch Hecken o.ä., leider passt das nicht in unsere Zeit.
  • Bot 15.02.2017 14:37
    Highlight Highlight "Albert Einstein soll sogar gesagt haben: «Stirbt die Biene, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben»."

    Nur so nebenbei, hat er nicht:
    http://quoteinvestigator.com/2013/08/27/einstein-bees/

    Sollte aber keinen Einfluss haben auf die Problematik.
    • John Smith (2) 16.02.2017 00:41
      Highlight Highlight Und sogar, wenn er es hätte: Einstein war ein sensationeller Physiker, aber kein Biologe. (Und sogar als Physiker irrte er hie und da – so wie das halt alle Grundlagenforscher gelegentlich tun).

      Hat aber wirklich keinen Einfluss auf die Problematik.
  • Radesch 15.02.2017 14:20
    Highlight Highlight Als Hobbyimker ist das ein Stich ins Herz, ich hoffe, dass sie damit nicht durchkommen!
  • leu84 15.02.2017 13:43
    Highlight Highlight Man soll diese Pestizide nur zulassen wenn Herr und Frau Manager 1 Liter dieser Brühe trinken ohne umzukippen...
    • D(r)ummer 15.02.2017 13:59
      Highlight Highlight
      Play Icon


      Er mag vielleicht recht haben, dieser Lobbyist, der sich in eine ziemlich blöde Situation gebracht hat.

      Wer weiss, vielleicht würde er es trinken, wenn es einen anständigen Geschmack hätte...
  • Spiegelfabrik 15.02.2017 11:30
    Highlight Highlight Eine Landwirtschaft ohne Agrochemikalien ist essentiell für eine nachhaltige und funktionierende Nahrungsproduktion! Daher müssten klare Schritte eingeleitet werden, um Pestizide aller Art in absehbarer Zeit aus dem Verkehr zu nehmen. Die Welt könnte mit den aktuellen Agrarflächen 12 Mia. Menschen mit Biolandwirtschaft ernähren. Ein konventioneller Farmer kann 3 Tonnen pro Hektare, ein Bauer mit traditionellem Wissen (Mischkulturen, Fruchtfolge etc.) bis zu 10 Tonnen pro Hektare ernten.

    http://www.future3.ch/de

    Leider hat diese Initiative noch zuwenig Nährboden und Medienpräsenz bekommen...
  • DailyGuy 15.02.2017 11:25
    Highlight Highlight Genau. Wer braucht schon Bienen wenn man Geld verdienen kann? Die Manager die solches Zeug erlauben und / oder pushen sollten alle nur für 48 Stunden hungern. Keinen Bissen sollten sie bekommen. Dazu gibt es nur das von ihnen verseuchte Wasser. Sorry, ich bin normalerweise nicht so extrem, aber Lord knows diese Leute hätten es verdient.
    • Wehrli 15.02.2017 12:02
      Highlight Highlight Lord knows kennst du ja deine Fakten aus der Zeitung, die müssen ja stimmen. Hach zum Glück gibts die bösen Manager, dann müssen wir ja die Guten sein oder?
      Simple world for simple minds ...
    • kyuss 15.02.2017 12:17
      Highlight Highlight @wehrli: Und wo kommen deine alternative Fakten her? Bezahlstudien von Syngenta? Weltwoche?
    • saukaibli 15.02.2017 13:00
      Highlight Highlight Ach komm, die armen Manager hungern lassen ist doch nicht gerecht. Sie sollten einfach ab jetzt nur noch Nahrung erhalten, die eine von der Biene auf das menschliche Körpergewicht hochgerechnete Menge an Neonicotinoide enthalten. Mal sehen, vermutlich würden sie das Hungern vorziehen, denn die wissen haargenau, dass ihre Produkte reines Gift sind und das für alle Lebewesen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hades69 15.02.2017 11:25
    Highlight Highlight Ihnen entgeht ein Vermögen. Schön wie die Prioritäten gesetzt werden...
  • TheMan 15.02.2017 11:24
    Highlight Highlight Nichts Neues. Es gibt angeblich ein Natürliches Krebsmedikament ohne Nebenwirkung. (Stachelanone) Eine Frucnt, die bis zu 200 Krebsarten Heilen könnte. Studien verschwinden ohne X Spuren. Das Gebiet, in dar die Frucht wächst wirs immer mehr Abgeholzt.
    • Wehrli 15.02.2017 12:04
      Highlight Highlight Angeblich ... jaja, hat dir dein Freund beim zweiten Joint erzählt oder?
      Hört auf mit der ganzen Verschwörungsscheisse und fangt an zu denken.
      Genau solche Hippiescheisse diskreditiert echte alternativ Denkende Ansätze!
    • saukaibli 15.02.2017 13:05
      Highlight Highlight @TheMan: Einen Link dazu bitte, und zwar nicht von irgend einer obskuren Website. Welcher Wirkstoff soll denn so viele Krebsarten heilen können? Und wieso würde ein Pharmaunternehmen nicht alles daran setzen, diesen Wirkstoff künstlich herzustellen, ihn patentieren zu lassen und danach Milliarden damit zu verdienen? Was du behauptest macht absolut keinen Sinn, das klingt für mich ganz klar nach Aluhut. Und glaub mir, ich bin ganz und gar absolut und überhaupt kein bisschen ein Freund der Pharmamafia.
    • Moudi 15.02.2017 13:06
      Highlight Highlight @wehrli was sind:"echte alternativ Denkende Ansätze"!?
    Weitere Antworten anzeigen
  • lily.mcbean 15.02.2017 11:12
    Highlight Highlight Diese Unternehmen müsste man samt und sonders den Erboden gleichmachen!
    • leu84 17.02.2017 14:17
      Highlight Highlight Sind so unnötig wie Pickel auf der Nase vor dem Ausgang...

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

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