Schweiz

270 Millionen kostetet der Umbau des Park Hotels. Bild: KEYSTONE

Park Hotel Vitznau

Handwerker sind pleite wegen Gault-Millau «Hotel des Jahres»

Das Park Hotel in Vitznau wurde gestern von Gault-Millau zum «Hotel des Jahres 2014» ernannt. Weniger schön: Es hat noch immer Rechnungen nicht bezahlt

26.08.14, 11:47 26.08.14, 17:35

Roman seiler / aargauer zeitung

Ein Artikel der

Der Österreicher Peter Pühringer (72) schenkte seiner Wohngemeinde fünf Millionen Franken. Im Gegenzug senkte Vitznau LU die Steuern. Er kann es sich auch leisten, den Dorfarzt zu finanzieren. Laut dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» besitzt der Österreicher mehr als 400 Millionen Franken. Der gelernte Bauingenieur ist heute als Vermögensverwalter und Fondsmanager tätig. In Wien gehört ihm der zum Hotel umgebaute Palais Coburg, einst Wohnsitz von Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg.

Weine für 26 Millionen im Keller

Seit gestern ist Pühringer gar stolzer Besitzer des «Hotels des Jahres 2014». Den Ehrentitel verleiht die Fressbibel «Gault-Millau». Übernommen hat der Österreicher das Luxushotel 2009 von den Erben des deutschen Puddingkönigs Rudolf-August Oetker. Insgesamt 270 Mio. Fr. steckte Pühringer in die im Frühjahr 2013 eröffnete «Health & Wealth Residence» mit eigener Rehaklinik. Die 47 Suiten kosten zwischen 700 und 4900 Franken pro Nacht. Zwei von «Gault-Millau» mit 17 respektive 16 Punkten dekorierte Köche leistet sich der Betrieb. Obendrein lagern im Weinkeller 30 000 Flaschen im Wert von 26 Millionen Franken, wie «Gault-Millau»-Chefredaktor Urs Heller in der «Schweizer Illustrierten» schwärmt.

Pühringer rührte also mit der ganz grossen Kelle an, um sein Haus herauszuputzen. Und er will in Vitznau weiter investieren: Mehr als 100 Mio. Fr. soll der Bau eines 4-Sterne-Hotels mit Konzertsaal sowie mehreren Villen kosten. Doch das Projekt liegt wegen Einsprachen von Anwohner und Umweltorganisationen auf Eis.

Was bei all dem Glamour vergessen ging: Wie der «SonntagsBlick» im Juni 2013 berichtet hat, sitzen mehrere Handwerker noch immer auf offenen Rechnungen. Ein Sprecher der Park Hotel AG bestätigt, dass «weniger als drei Prozent der Investitionssumme» noch nicht bezahlt worden sind: «Die meisten dieser Forderungen sind bestritten.» Klagen sind hängig.

Schönes Schloss, grosser Ärger. Bild: KEYSTONE

Für die Betroffenen ist das mehr als bitter. Ein Handwerker hat ein paar zehntausend Franken einfach abgeschrieben, wie er sagte. Er mag nicht mehr weiterstreiten. Aber sein Unternehmen gibt es noch.

Handwerker verloren alles

Zwei Handwerksunternehmen gingen in Konkurs. Enrico Schrepfer, einst Chef eines Sanitär- und Heizungsbetriebs, sagte gestern der «Nordwestschweiz», die Park Hotel AG schulde ihm 1,7 Mio. Fr. «Das hat mich meine Existenz gekostet.» Er musste wegen der Umstände Privatkonkurs anmelden: «Ich verlor mein Haus und meine Altersvorsorge

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ceci 26.08.2014 12:27
    Highlight Der Grössenwahn fordert seine Opfer. Siehe auch Interconti in Davos.
    5 0 Melden
  • Mbisch 26.08.2014 12:14
    Highlight Deshalb nur gegen Vorauszahlung liefern oder zumindest 85% Anzahlung. Das wird immer wichtiger werden. Ich liefere nur gegen Anzahlung von 85%. 50% bei Bestellung, 35% vor Lieferung. 15% 60 Tage netto.
    9 0 Melden
    • platzbern 26.08.2014 16:12
      Highlight Da wirst du dich vor Aufträgen wohl kaum retten können, oder? In dieser Preislage bestimmt der Auftraggeber die Regeln, resp. die Konditionen. Solche Vorauszahlungen kannst du bei solchen Aufträgen vergessen.
      0 0 Melden

Weniger als 20 Franken pro Tag und Person: 76'000 Kinder leben in der Schweiz in Armut

Caritas Schweiz fordert eine nationale Strategie zur Armutsbekämpfung. Zur Überwindung der Kinderarmut seien Familienergänzungsleistungen, eine frühe Förderung sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie notwendig.

Kinderarmut sei in der Schweiz eine Tatsache: 76'000 Kinder sind landesweit von Armut betroffen, und weitere 188'000 Kinder leben in prekären Verhältnissen knapp oberhalb der Armutsgrenze, wie die Caritas am Donnerstag vor den Medien bekanntgab.

Besonders stark betroffen …

Artikel lesen