Schweiz

Interessiert an einem Freihandelsabkommen mit der Schweiz: der britische Finanzminister Fox. Bild: ANTHONY DEVLIN/REUTERS

Schneider-Ammann will nach dem Brexit sofort Freihandel mit den Briten

29.01.17, 03:28 29.01.17, 14:47

Möglichst unmittelbar nach dem Brexit soll die Schweiz nach dem Willen von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann ein Freihandelsabkommen mit Grossbritannien abschliessen. Ein Vertrag soll möglichst am Tag des Brexits in Kraft treten.

«Mein Ziel ist klar. Nach dem Austritt Grossbritanniens darf kein Tag vergehen, ohne dass wieder eine Regelung in Kraft tritt», sagte Schneider-Ammann im Interview mit dem «SonntagsBlick». «Sie muss mindestens gleich gut sein wie heute.» Der britische Handelsminister Liam Fox habe ihm am WEF in Davos bereits versichert, dass er an einem Übereinkommen mit der Schweiz sehr interessiert sei.

Diskussionen im Hintergrund

Allerdings kann Grossbritannien keine neuen Handelsverträge abschliessen, solange es EU-Mitglied ist. Auch formelle Verhandlungen sind verboten. Laut dem FDP-Bundesrat sollen aber «im Hintergrund und parallel zu den Austrittsgesprächen bereits Diskussionen» zu den künftigen Wirtschaftsbeziehungen geführt werden.

«Es wäre sicher ein positives Signal und würde mich persönlich sehr freuen, wenn wir als eines der ersten Länder mit Post-Brexit-Britannien ein Freihandelsabkommen hätten», sagte der Berner. Grossbritannien bleibt angesichts zweijähriger Austrittsverhandlungen noch bis mindestens 2019 EU-Mitglied.

Abwarten bei TTIP

In Abwartehaltung zeigt sich Schneider-Ammann hinsichtlich eines Freihandelsabkommens mit den USA. «Wir warten ab, was mit den TTIP-Freihandelsabkommen zwischen EU und USA passiert», sagte er. Dort könnte sich die Schweiz anhängen. Wenn aus TTIP nichts wird, was sich angesichts Trumps Äusserungen abzeichnet, wird der Bundesrat laut Schneider-Ammann über das weitere Vorgehen entscheiden. (kad/sda)

(Ratloses) Händeringen der Mächtigen und Reichen am WEF 2017 in Davos

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    Alle Leser-Kommentare
  • Maett 29.01.2017 06:35
    Highlight Burkhalter wollte "auf jeden Fall" die Bilateralen beibehalten, Schneider-Amman will "auf jeden Fall" ein mindestens so gutes Freihandelsabkommen mit den Briten.

    Ist den beiden FDP-Bundesräten nicht klar, dass man die schlechtesten Karten hat, wenn man öffentlich kommuniziert, was man unbedingt möchte?
    21 7 Melden
    • Majoras Maske 29.01.2017 07:25
      Highlight Warum? May hofiert mittlerweile sogar Erdogan für bessere wirtschaftliche Beziehungen und es leben mehr Briten in der CH als Schweizer in UK. Es ist unwahrscheinlich, dass die Verhandlungsposition der Schweiz geschwächt wird. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Schweiz keine Priorität ist für UK und man daher Aufmerksamkeit generieren muss.
      10 3 Melden
    • Maett 29.01.2017 08:30
      Highlight @Majoras Maske: Aufmerksamkeit in UK generiert man nicht über nationale Medien, sondern über den diplomatischen Weg.

      Und wenn ein potentieller Vertragspartner im voraus festlegt, was seine Verhandlungsziele sind, dann wären die UK-Diplomaten grenzdebil, diese Information nicht gewinnbringend zu nutzen, weil damit "unser" Preis (fast) beliebig in die Höhe geschraubt werden kann.

      Hätte Burkhalter damals nicht verlauten lassen, dass die Bilateralen in Stein gemeisselt wären, sondern, dass man sie kritisch sieht, hätte die EU kaum Verhandlungen verweigert.

      So funktioniert Politik.
      7 2 Melden
    • Majoras Maske 29.01.2017 09:35
      Highlight Mich dünkt einfach du übertreibst ein wenig. In so einer komfortablen Verhandlungsposition ist UK auch wieder nicht.
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    • Maett 29.01.2017 09:49
      Highlight @Majoras Maske: was kein Grund ist, die eigene Verhandlungsposition zu schwächen. Die Schweiz ist nämlich auch nicht in einer komfortablen Verhandlungsposition. Das sind wir nie, weil wir ein kleines Land sind, aller wirtschaftlichen Kraft zum Trotz.
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    • rodolofo 29.01.2017 15:10
      Highlight @ Maett
      Dass Du so tickst, wie die meisten "Knallharten Verhandler", wundert mich nun grad überhaupt nicht.
      Bei mir würdest Du aber damit rein gar nichts erreichen!
      Ganz im Gegenteil!
      Ich würde so blöd tun, wie ich nur kann, um Deine gefühlskalte Art von "Blöd tun" emotional zu spiegeln!
      Das würde dann so weit eskalieren, bis wir die Verhandlungen abbrechen würden und für immer auseinander gehen würden.
      Und es wäre zwecklos, einen neuen Termin zu vereinbaren.
      Also würden wir das auch sein lassen.
      Ein Ende mit Schrecken ist besser, als ein Schrecken ohne Ende.
      4 2 Melden
    • Spooky 30.01.2017 00:41
      Highlight "...dass man die schlechtesten Karten hat, wenn man öffentlich kommuniziert, was man unbedingt möchte?"

      Ne ne. Das ist Unsinn, was du erzählst. Das war vielleicht früher so. Aber heute nicht mehr. Siehe Trump. Er hat einfach öffentlich gesagt, was er dachte. Ohne Rücksicht auf gar nichts. Und er ist trotzdem gewählt worden.

      "The Times They Are A Changin"

      Was früher galt, gilt heute nicht mehr.



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    • rodolofo 30.01.2017 07:34
      Highlight @ Spooky
      Ja, das stimmt schon.
      Aber musst Du ausgerechnet diesen Trump als leuchtendes Vorbild nennen?
      1 0 Melden
    • Spooky 30.01.2017 08:04
      Highlight Ich nehme niemanden als Vorbild, nicht einmal Gott. Den sowieso nicht. Ich bin erstens Hindu und zweitens Anarchist.

      Aber Trump hat auf die höchste Karte gespielt, nämlich auf die Karte der Ehrlichkeit, und er hat zur Überraschung von allen gewonnen. Das ist nicht nichts.
      0 1 Melden
    • rodolofo 30.01.2017 12:13
      Highlight @ Spooky
      Ja, aber mir war die liebenswürdige Ehrlichkeit von Barak Obama lieber!
      Einer, der immerzu den "Inneren Schweinehund" laufen lässt, ist zwar echt.
      Aber irgendwann wird er halt als "Äusserer Schweinehund" wahrgenommen, den die meisten nicht ausstehen können und den sie deshalb möglichst bald wieder loswerden wollen...
      1 0 Melden
    • Maett 30.01.2017 15:37
      Highlight @rodolofo: wenn es Menschen wie Sie in Positionen schaffen, in denen verhandelt werden darf, werden Sie das aufgrund von Erfolgslosigkeit aber wohl kaum lange tun. Sie stellen Ihre eigene Emotionen über das Wohl der Verhandlung, die (gerade in politischen Kreisen) ganzen Bevölkerungen und Wirtschaftsräumen dient.

      Leider ist das bei Politikern in einigen europäischen Ländern extrem Mode, und verschlechtern so das Leben der eigenen Bürger massiv.

      Kein Wunder, radikalisieren sich die Völker, wenn sich niemand mehr bedingungslos für ihre Interessen einsetzt, nur um sich selbst "gut" zu fühlen.
      1 3 Melden
    • Spooky 30.01.2017 16:24
      Highlight "Alles hat seine Zeit" (Kohelet)

      Die Amis hatten Obama gewählt, und jetzt haben sie Trump gewählt. Die Amis können Trump das nächste Mal wieder abwählen oder ihn mittels Impeachment vorher schon aus dem Amt bugsieren.

      Ach, diese Leute! Die werden immer gleich hysterisch, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es gerne hätten.
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    • Majoras Maske 30.01.2017 16:58
      Highlight Wenn man gemeinsame Interessen hat, kann man auch gemeinsam zu einer Win-Win-Lösung kömmen. Es besteht kein Zwang den anderen über den Tisch zu ziehen.

      Ausserdem finde ich es lächerlich unserer Regierung schlechte Diplomatie vorzuwerfen, ohne zu wissen, wie sie verhandeln (bzw. verhandelt der Bundesrat ja nicht selber).
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    • rodolofo 31.01.2017 08:29
      Highlight @ Spooky
      Wenn Du beobachtest, was in Russland passiert ist und was gerade in der Türkei geschieht.
      Wenn Du zudem mitberücksichtigst, wie die Autoritären Tendenzen auch den Osten und den Westen der Europäischen Union immer mehr erfassen, dann merkst Du, dass wir nicht hysterisch geworden sind, wenn wir das, was gegenwärtig in den USA abläuft, sehr aufmerksam beobachten und kommentieren!
      Achtsamkeit hat wenig mit Angst zu tun, aber sehr viel mit dem Willen, zu überleben!
      3 0 Melden

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