Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

bild: shutterstock

Networking 2.0: «Fitnesscenter sind der neue Golfplatz»

Die Schweiz ist im Fitnesswahn – nun nutzen die Sportler das Gym vermehrt auch zum Netzwerken, auch «Sweatworking» gennant. Ein Zürcher Fitnesscenter bietet bereits Räumlichkeiten für Business-Workshops an. 

31.03.18, 13:54 01.04.18, 11:13

Gewichte heben, joggen auf dem Laufband oder strampeln auf dem Rennvelo: Einer von sechs Schweizern schwitzt regelmässig im Fitnessstudio. Viele Anbieter verzeichnen derzeit neue Mitgliederrekorde: Zählten die Migros Fitnessformate 2015 noch 175'300 Mitglieder, waren es letztes Jahr gut 50'000 mehr, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. 

Nun greift der Fitnesshype auch auf die Geschäftswelt über. In den Sporttempeln wird genetzwerkt, was das Zeug hält. So bietet das Zürcher Fitnesscenter Balboa seit kurzem seine Räumlichkeiten zur Miete für Workshops an. Mitgründer Erich Züger: «Ziel ist es, Gespräche in einem anderen Ambiente zu ermöglichen, warum nicht mit anschliessendem Training.» Nach dem Trainieren sei man offener und selbstbewusster. Das spüre das Gegenüber auch im geschäftlichen Gespräch.

«Sweatworking» anstatt Power-Lunch

Der Trend zum Schwitzen unter Geschäftspartnern breitet sich auch in Deutschland aus. Dort macht das Karriere-Netzwerk XING gemeinsame Sachen mit Fitnesscentern, um das Networking beim Sport anzupreisen. «Als Fitness First Mitglied mit Premium-Account bei XING kannst du donnerstags kostenlos einen XING-Kontakt mitbringen», lautet eines der Angebote.

«Fitnesscenter sind der neue Golfplatz», sagt Tara Gross, Sprecherin des Fitnessstudios Holmes Place in Zürich. Wie es beim Golfen seit eh und je der Fall ist, werde nun die Zeit im Gym zum Austausch mit Business-Partnern genutzt. Dies besonders, seitdem ein gesunder Lifestyle im Trend ist. «Vor allem an unserem Standort nahe der Bahnhofstrasse in Zürich. Hier treffen sich viele Leute aus dem Banken- und Finanzsektor, da ihre Büros in der Umgebung liegen.»

Geschäftskontakte liessen sich beim gemeinsamen Schwitzen gut knüpfen, man komme schnell ins Gespräch, so Gross. «Ausserdem schlägt man damit zwei Fliegen mit einer Klappe und gewinnt viel Zeit. Und ein gemeinsames Hobby kann auch Business-Deals begünstigen.»

In den Fitnessclubs Indigo und Balboa werde ebenfalls rege verhandelt und genetzwerkt, unter anderem auch in der Sauna, lässt Indigo wissen. Balboa-Mitgründer Erich Züger: «Heutzutage verlagert man das Büro eher als früher nach draussen, trifft sich in einem Cafe oder eben auch im Gym.» Er wisse von einigen im Fitnessclub ausgehandelten Business-Deals. 

Effizient und gesund

Wirtschaftspsychologe Christian Fichter ist selbst ein Fan des sportlichen Networkings. Er sitzt dabei jeweils auf dem Rennvelo, immer öfters neben Führungskräften aus der Privatwirtschaft. Fichter: «Mir ist aufgefallen, dass deutlich mehr Manager als früher kommen und dabei rege über ihre Arbeit sprechen.»

Früher galten auch das Militär oder sogenannte Gentlemen's Clubs, wo man sich zum essen, trinken und feiern trifft, als Wirtschaftsnetzwerke – jedenfalls für Männer. Beides sei heute für das Knüpfen beruflicher Kontakte weit weniger beliebt, sagt Fichter. «Die Clubs besonders, weil die dortigen Tätigkeiten nicht dem heutigen Trend des gesunden Lifestyles entsprechen.»

Helene über Schamhaare im Gym

Video: watson/Helene Obrist, Emily Engkent

Eine gewisse Vertrautheit zwischen Geschäftspartnern sei aber nach wie vor wichtig. «Da ist gemeinsamer Sport die ideale Lösung.» Fitnesscenter seien dabei effizienter als das Golfen oder das Tennisspielen, sagt Fichter. «Es ist weder eine lange Anfahrt nötig, noch eine frühe Reservation oder spezielles Material.» Dieser Effizienzgedanke entspreche der heutigen Denkweise.

Kreativere Ideen und Lösungsvorschläge

Die Nachrichtenseite «Business Insider» berichtete bereits letztes Jahr über den Trend zum «Sweatworking». Der informelle Kontext im Fitnessstudio trage zudem zu kreativen Ideen und Lösungsvorschlägen bei, man werde dabei zudem nicht durch E-Mails oder Nachrichten abgelenkt. Besonders beliebt sei das Sweatworking in Tech- oder Medienunternehmen, wohl weil die Mitarbeitenden dort eher offen seien für neue Geschäftsmethoden, mutmasst das Wirtschaftsportal.

Microsoft stellt Fitness-Armband und Gesundheits-App vor

Das könnte dich auch interessieren:

Oben ohne auf der Rückbank – 8 Taxifahrer erzählen ihre absurdesten Erlebnisse

Der Bikini-Trend, auf den wirklich niemand gewartet hat: Nude

Wie viele Menschen erträgt die Erde?

Ach Tagi, was ist aus dir geworden? (K)eine Liebeserklärung zum Jubiläum

Diese 9 Influencer-Fails beweisen, wie «real» Instagram ist – nämlich gar nicht

Dieses Rätsel wurde für Superhirne mit IQ 131 oder mehr entworfen? Schaffst dus trotzdem?

Der grosse Lohn-Check: So viel verdient die Schweizer Bevölkerung

«Die Angriffe sind real» – Experten warnen vor «unrettbar kaputter» E-Mail-Verschlüsselung

Stell dir vor, es ist Masseneinbürgerung und keiner geht hin (ausser ein paar Italiener)

«Tote Mädchen lügen nicht» kommt wieder – wie gefährlich ist die Serie wirklich?

Da kocht das Blut, da blüht die Rose in der Hose ... Unsere Basler Bachelorette mal wieder

Französin wählt wegen Schmerzen den Notruf und wird ausgelacht – wenig später ist sie tot

21 Markenlogos, in denen sich geheime Botschaften verstecken

Trump gräbt Nordkorea eine Atom-Grube und fällt nun selbst hinein

Dieser kleine Trick hat mich von meiner Handy-Sucht befreit

Die Rebellion der ungefickten Männer kommt aus dem Internet! Ein Experte erklärt «Incel»

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
22
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • äti 31.03.2018 20:42
    Highlight Wer gegen den Strom schwimmt kommt zur Quelle. Oder, Massenhypes sind ein Greuel und nichts für Individualisten.
    32 1 Melden
  • marie 31.03.2018 20:09
    Highlight gibt es ausser diesem fichter keine wirtschaftspsychologen???
    10 2 Melden
  • The Origin Gra 31.03.2018 18:05
    Highlight Oh Gott, Business Lunch fürs Gym 🙈Business Gym? 🙄
    Da würde ichs halten wie beim Lunch: Lunch ist Lunch und wer Anfängt übers Geschäft zu Reden kriegt von mir das nächstbeste Schnitzel um die Ohren 😁
    28 4 Melden
  • fcsg 31.03.2018 17:47
    Highlight Wer seine „Deals“ in einem fitnessstudio in der Sauna verhandelt, hat wohl von Diskretion nicht sehr viel verstanden. Das würde ich zumindest als potentieller Kunde/Geschäftspartner nicht wollen... Aber für etwas oberflächlichen smalltalk bei gleichzeitigem „Pseudosport“, warum nicht?
    24 2 Melden
  • Mode!? 31.03.2018 17:38
    Highlight Die einzigen Wörter die ich brauche sind: Hoi, würde hier gerne trainieren und ciao
    34 2 Melden
  • olmabrotwurschtmitbürli 31.03.2018 17:03
    Highlight Für die Akquise mag das funktionieren (ich bevorzuge aber die kulinarische Variante).

    Geschäftsabschlüsse sollte man aber nicht im Fitnessstudio machen, wenn man seine Arbeit ernst nimmt.
    25 3 Melden
    • Mode!? 31.03.2018 17:37
      Highlight Spricht der Geschäftsmann von welt
      7 17 Melden
    • B-Arche 31.03.2018 23:10
      Highlight Ich denke das russische Ideal von schwitzendem weissen Oberkörper mit Saunagespräch unter Männern über ihre Frauen und dann über das Business ist weiter verbreitet als man es zugeben möchte.
      Dabei gibt es nichts ekligeres als Sporthallen die nach kaltem Schweiss stinken.
      5 1 Melden
  • RoWi 31.03.2018 17:02
    Highlight ....und im Gegensatz zum Fitness Center zeigt ein Golfspiel schonungslos den Charakter deiner Mitspieler auf. Oder würdest Du mit jemandem der es mit dem Zählen nicht so genau nimmt, Geschäfte machen (s/TheDonald 🏌️‍♂️)
    10 9 Melden
    • oneTanglyBoi #teamIOTA 31.03.2018 18:43
      Highlight Im Fitness zählst du deine Gewichte / Sätze / Wiederholungen nicht?

      Leute im Fitnesscenter kann man bereits daran beurteilen wie sie ihre Übungen ausführen
      4 18 Melden
  • B-Arche 31.03.2018 16:48
    Highlight Das Negative aus Deutschland kommt nun in die Schweiz. Wer nicht mittrainiert und den Fitnesswahn nicht mitmacht bleibt von wichtigen Informationen ausgeschlossen.

    In USA und DE muss man mittlerweile Marathonläufer oder gar Triathlon Profi sein um überhaupt noch zur Teppichetage zu kommen. Weil das sei ja "Leistung".

    Die Pflicht zu Ehefrau (vorzeigbar) und eigenen Kindern (bitte zum Networking in teuren Privatschulen) ist in den USA bereits wieder Realität in hohem Etagen der Corporations. Dito absolutes Sporttraining. Golf ist ein Breitensport dort und kein Businessclub mehr.
    29 12 Melden
    • olmabrotwurschtmitbürli 31.03.2018 19:19
      Highlight Ich vermute, dass das nicht so ist, sondern Fitnessstudios das zwecks Marketing einfach gerne behaupten.

      Eher ist die Raucher-Connection, die sich vor den Bürotüren trifft, das wirkliche Netzwerk.
      24 1 Melden
    • insomniac 31.03.2018 19:21
      Highlight Da hat wohl jemand zu viele Filme gesehen..
      5 1 Melden
    • B-Arche 31.03.2018 23:02
      Highlight olmabrotwurschtmitbürli: ich lebe in den USA und mein Fitnessstudio ist Laufen im Wald von Pelham Bay. Ohne Manager-Business-Meeting und ohne Zwangs-Fitness-Studio.

      Und nein, es ist wirklich so. Der Übergang von Steve Ballmer zu Nadella zeigte die Zeitgeist-Änderung bereits. Ein CEO muss heute durchtrainiert sein und bereit für einen Marathon. Anscheinend will das "der Markt" so.
      3 1 Melden
  • maricana 31.03.2018 16:47
    Highlight Dazu passt perfekt das Lied von EAV (Erste allgemeine Verunsicherung) "An der Copacabana" (1987).
    18 1 Melden
  • demokrit 31.03.2018 16:14
    Highlight Und der Vitaparcours ist gratis.
    57 5 Melden
  • N. Y. P. 31.03.2018 15:23
    Highlight Ui nein, um Himmels Willen. Das wäre nichts für mich. Dieses pomadige sich interessiert zeigen am gegenüber. Nein, bitte nicht. Sport ist für mich Freizeit mit coolen Leuten.

    Aber, wer im Beruf aufgeht und Networking als must empfindet. Bitteschön, ist voll ok.
    49 4 Melden
  • Scaros_2 31.03.2018 14:41
    Highlight Ja genau und dann hat man wieder diese pseudosportler an den Geräten die da sitzen bleiben und quatschen weil es ja so "cool" ist. Schlimm genug das es immer diese ganzen Instagram-Menschen hat oder Smartphone-Junkies die ständig an ihren Geräten sitzen bleiben müssen.

    Zudem ich nicht verstehen kann wie man ordentlich trainieren will wenn der Fokus nicht auf dem Training liegt. Entweder man trainiert oder man redet aber beides geht nicht.

    Und natürlich braucht es dafür wieder ein hippiges wort. dieses mal "Sweatworking" - Als langweilliger Mensch kann ich nur sagen Dafuq!
    273 10 Melden
  • Simonetta 31.03.2018 14:36
    Highlight An Anlässen deren Teilnhame unter 10 000 Franken kostet, findet garantiert kein Networking statt, sondern ein Kafichränzli.
    34 20 Melden
  • Holy Crèpe 31.03.2018 14:33
    Highlight Gesprächsniveau:
    169 5 Melden
  • Clife 31.03.2018 14:03
    Highlight Wenn man im Gym plaudert, dann macht man das Training falsch. Das ist fakt und wird von vielen so praktiziert, obwohl genau diese sowas als no-go ansehen. Warum falsch? Weil man die Pausen verlängert, die Intensität nicht gesteigert kriegt und sich nicht völlig auf das Training konzentriert.
    109 9 Melden
    • BRO 31.03.2018 17:30
      Highlight Absolut recht! Darum hab ich im training die bose quiet comfort an und blende alles aus. Fokus.
      6 8 Melden

«Man hält uns nicht mehr für Spinner»: Mitgliederboom bei Tierrechtlern

Im Juni lanciert der Thinktank «Sentience Politics» eine Volksinitiative, die die Massentierhaltung in der Schweiz abschaffen will. Der Verein und ähnliche Tierrechtsorganisationen verzeichnen einen stetigen Anstieg von Sympathisanten.

In der Schweiz soll es bald keine Pouletflügeli zu Billigpreisen mehr geben. Dafür will die Denkfabrik «Sentience Politics» sorgen. Sie wird ihre Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» Anfang Juni lancieren, wie Co-Präsidentin Meret Schneider gegenüber watson bekanntgibt. 

Sentience Politics versteht sich als Teil der antispeziesistischen Bewegung. Antispeziesisten verurteilen die Überlegenheit der Menschen gegenüber der Tierwelt. 

Sentience Politics und …

Artikel lesen