Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZU DEN NEUEN REKORDWERTEN VON CO2 IN DER ATMOSPHAERE, AM MONTAG, 30. OKTOBER 2017 - Abgase aus dem Auspuff eines Personenwagens in Zuerich, aufgenommen am 19. Maerz 2007. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Exhaust gas streams out of an exhaust pipe of an automobile in Zurich, Switzerland, pictured on March 19, 2007. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

25 Probanden mussten im Wochenabstand Stickstoffdioxid einatmen. Bild: KEYSTONE

Abgasversuche an Menschen? In der Schweiz kein Problem

Dubiose Abgas-Experimente an Affen und Menschen im Namen der Autolobby sorgten am Sonntag für Schlagzeilen. Diese Versuche hätten ohne Probleme auch in der Schweiz durchgeführt werden können. 



Ein weiterer Skandal erschütterte am Wochenende die Autobranche. Die Stuttgarter Zeitung machte publik, dass die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit, kurz EUGT, dubiose Experimente an Abgasversuche an Affen und Menschen in Auftrag gab.

Als Vertreter des Vereins EUGT traten Faport AG, Daimler, BMW und Volkswagen auf. Als Ziel gaben sie an, den aktuellen Wissensstand zu «umweltmedizinischen relevanten Auswirkungen des Verkehrs» zu dokumentieren, Studien und Daten «insbesondere im Bereich der Komplexität von Luftgemischen» zu bewerten.

2015 wurden die ersten Abgasversuche an Affen durchgeführt. Ein Jahr später folgten Versuche mit Menschen. Federführender Wissenschaftler bei Letzteren war Thomas Kraus, Professor für Arbeits- und Umweltmedizin am Uniklinikum Aachen.

Kraus engagierte laut einem Report der EUGT 25 junge, gesunde Testpersonen, die im Wochenabstand jeweils für drei Stunden unterschiedlichen Stickstoffdioxid-Konzentrationen ausgesetzt wurden. Kraus holte dafür laut eigenen Angaben ein Votum der Ethikkommission der Fakultät ein. Die Kommission gab ihm grünes Licht und stufte den Versuch als vertretbar ein.

Ein Blick auf die Schweiz zeigt: Auch hier hätten solche Versuche durchgeführt werden können. 

Gibt es auch in der Schweiz Tier- und Menschenversuche?

Ja. Die meisten Tierversuche werden vor allem durch Hochschulen und Industrie durchgeführt. Dazu gehören Wirksamkeitsprüfungen von Medikamenten oder pharmakologische Unbedenklichkeitsprüfungen. Wer medizinische Versuche an Tieren durchführen will, muss ein entsprechendes Gesuch bei der zuständigen kantonalen Behörde einreichen. Darin müssen die Forscher unter anderem aufzeigen, dass der Nutzen für die Gesellschaft stärker ins Gewicht fällt als das Leiden des Tieres. 

Bei der Forschung an Menschen sieht es etwas anders aus. Lange war die Humanforschung in der Schweiz uneinheitlich und lückenhaft geregelt. Seit 2014 ist das Humanforschungsgesetz in Kraft. Es regelt jedoch nur die Forschung zu Krankheiten des Menschen und zur Funktion und Aufbau des menschlichen Körpers. Wer dazu forschen möchte, braucht eine Bewilligung des Heilmittelinstituts Swissmedic sowie der zuständigen Ethikkommission. 

Lange wurden auch an lebenden Menschen Versuche durchgeführt: 

Wäre ein solcher Abgasversuch an Menschen auch in der Schweiz möglich?

«Grundsätzlich ja», bestätigt Peter Kleist von der Ethikkommission des Kantons Zürich. Denn ein solcher Versuch fiele in der Schweiz, höchstwahrscheinlich nicht unter das Humanforschungsgesetz und müsste somit auch nicht von der Ethikkommission bewilligt werden. Grund dafür: Bei dem Abgasversuch handelt es sich nicht primär um Forschung am Menschen, der Zweck ist ein anderer. Wenn also eine Schweizer Firma Probanden für ein solches Projekt findet, muss sie lediglich die Bestimmungen zum Datenschutzgesetz einhalten.

«Solche Abgasversuche mit Menschen sind aber extrem bedenklich», sagt Kleist. «Die Probanden werden einem potenziell schädlichen Gas ausgesetzt, dessen Einflüsse aber nur kurzfristig überprüft werden.» Der Informationsgehalt des Versuchs sei somit extrem klein. So können laut Kleist – bei fehlendem Nutzen – auch kleinste Risiken kaum gerechtfertigt werden.

Gibt es Widerstand gegen Versuche an Menschen?

Ja. Ein Komitee sammelt derzeit Unterschriften für eine Volksinitiative, die ein Tier- und Menschenversuchsverbot verlangt. Irene Varga, Co-Präsidentin der Initiative, verurteilt die von der EUGT durchgeführten Abgasversuche scharf. «Ich wäre sehr schockiert, wenn Schweizer Unternehmen ebenfalls Menschenversuche im In- und Ausland durchführen lassen würden.» Bisher seien ihr Humanversuche nur im Pharmabereich bekannt. Diese lehnt sie ebenfalls ab.

Vargas geht davon aus, dass sich viele Probanden nur für Versuche zur Verfügung stellen, weil sie auf Geld angewiesen oder schlecht informiert sind: «Firmen locken häufig mit einem finanziellen Zustupf. Zusätzlich wird häufig der gesundheitliche Aspekt heruntergespielt und falsche Sicherheit vorgegaukelt.»

Besonders bei schwer erkrankten Personen, die an Forschungsstudien teilnehmen, spielt laut Varga ein weitere Motivation eine wichtige Rolle: «Für viele ist es der verzweifelte Griff nach dem letzten Strohhalm, in der oft irrigen Annahme, dass man nichts mehr zu verlieren habe.»

Forscher sollen Abgase an Menschen getestet haben

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Die bizarre Liebesgeschichte der KZ-Aufseherin, die sich in eine Gefangene verliebte

Link zum Artikel

Vorsicht! Mit den Apple-Ohrstöpseln wird das iPhone zur Wanze 😳

Link zum Artikel

Samsung, Huawei oder doch Nokia? Diese Android-Handys erhalten am längsten Updates

Link zum Artikel

So cool ist es WIRKLICH, im Januar auf Alkohol zu verzichten 🤔😂

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Genfer Caritas-Lagerleiter vergriff sich an jungen Mädchen

Link zum Artikel

Die grosse Game-Vorschau: Auf diese 50 Spiele dürfen wir uns 2019 freuen

Link zum Artikel

Das Beste an den Golden Globes? Diese Wasserträgerin

Link zum Artikel

«Gölä ist die falsche Art von Büezer» – Nico bügelt mit dem Berner Rapper Nativ

Link zum Artikel

Der Lambo-Trottel, sein High-Heels-Schrank und ich

Link zum Artikel

Bellydah: «Diesen Job nennt man ‹Rap-Video-Bitch›»

Link zum Artikel

Der einzige Schweizer auf Mikronesien braut Bier und lebt auf diesem Inselcheln

Link zum Artikel

«Das Beste im Mann» – mit diesem Anti-Sexismus-Werbespot läuft Gillette voll in den Hammer

Link zum Artikel

«Die toten Hoden» – neue Twitter-Challenge ruiniert die Namen deiner Lieblingsbands

Link zum Artikel

«Der Zug stellt einfach ab»: So leiden die Lokführer unter den SBB-Pannen-Doppelstöckern

Link zum Artikel

Grippewelle in Zürich und Schaffhausen

Link zum Artikel

Warum die Bezahl-App Twint bei Schweizer Teenagern gerade so richtig durchstartet

Link zum Artikel

Kann man wirklich zu lange schlafen?

Link zum Artikel

Sexy Särge oder phallische Felsen – welcher Wandkalender darf's denn sein?

Link zum Artikel

Nico soll Schneeketten montieren und bringt damit den Chef zur Verzweiflung 😂

Link zum Artikel

Drei Lawinen fordern eine Tote und mehrere Verletzte im Wallis

Link zum Artikel

Brexit-Chaos? Ist den Börsen egal

Link zum Artikel

Die grössten Apple-Irrtümer – was nicht nur iPhone-Fans wissen sollten

Link zum Artikel

Ein ziemlich seltsames Outfit – so erklärt Serena Williams ihren Netzstrumpf-Auftritt

Link zum Artikel

Trump will den Notstand ausrufen – aber darf er das überhaupt?

Link zum Artikel

«Familie wird mich töten»: Rahaf auf Flucht aus Saudi-Arabien in Thailand vorerst sicher

Link zum Artikel

Wenn sogar Fox News Trumps Grenz-Lüge anprangert

Link zum Artikel

7 Dinge, die dir bei diesen bekannten Weihnachtsfilmen noch nie aufgefallen sind

Link zum Artikel

6 Webseiten, auf denen du dir toll die Zeit totschlagen kannst – klicken auf eigene Gefahr

Link zum Artikel

Jetzt muss Trump die Börse mehr fürchten als Mueller 

Link zum Artikel

So hast du die Karriere von Roger Federer noch nie gesehen

Link zum Artikel

Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Link zum Artikel

Warum Trump plötzlich die Sowjets verteidigt

Link zum Artikel

Sie wollte dieses Kleid kaufen – und brach bei der Lieferung (zu Recht) in Tränen aus

Link zum Artikel

7 Wahlen hat er analysiert – jetzt meint er: «Das System könnte aus den Fugen geraten»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Andrea 30.01.2018 10:19
    Highlight Highlight Wir brauchen Tierversuche, NICHT!

    Play Icon
    • Luca Andrea 30.01.2018 12:37
      Highlight Highlight lasst euch nicht vom reisserischen titel beirren und schaut euch das video an.
      es kommen sehr gute argumente warum tierversuche unnötig sind, wie sie finanziert werden etc. machen muss und welche alternativen es gibt.
      zB. menschliches Gewebe in vitro testen, oder simulationen am computer in silico machen, oder freiwillige mit mikrodosen testen
    • Mutzli 30.01.2018 13:59
      Highlight Highlight 1/2 Das ist reichlich irrelevant. Kritik und Vorsicht im Bezug auf Tierversuche ist sicherlich angebracht um schädliche Exzesse zu vermeiden. Tierversuche generell verbieten hingegen...Selbst man mal die medizinische Forschung aussen vor lässt (die im übrigen um vieles humaner als noch vor z.B. 15 Jahren ist), ist Ihnen eigentlich bewusst was in der Schweiz bereits alles als Tierversuch gilt?
      Bei einer wiss. Exkursion eine Schlange einfangen um sie zu untersuchen oder Studenten zu zeigen: Tierversuch. Vet. Studenten die einer Kuh beim Gebären untersuchen sollen: Tierversuch. etc.
    • Mutzli 30.01.2018 14:03
      Highlight Highlight 2/2 Das heisst nicht, dass diese restriktive Praxis per se falsch ist, aber man muss sich bewusst sein, dass mit einem generellen Verbot somit auch praktisch die Tiermedizinische Ausbildung und biologische Feldversuche verunmöglicht würden.

      Um doch noch kurz zur Medizin zurückzukommen: Es besteht bereits ein Problem der Übertragbarkeit bei Versuchen mit anderen Tieren auf den Mensch; wie um alles in der Welt soll das denn besser werden wenn man nicht mal mehr einen Organismus, sondern nur Zellkulturen benützt? Auch die Simulationen müssten mit Tieren kalibriert werden, sonst ists Nonsens.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Markus Kappeler 30.01.2018 09:54
    Highlight Highlight Es waren keine Abgasversuche sondern Forschung mit unterschiedlichen Stickstoffdioxid-Konzentrationen in der Atemluft. Wenn man wissen will wie viel Stickstoffdioxid-Konzentration gesundheitsschädigend ist, muss man nun mal Forschung betreiben. Als Grenzwert am Arbeitsplatz im Innenraum (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) gilt ein Wert vom 950 µg/m3, während an verkehrsreichen Strassen zwischen 30-60 µg/m3 gemessen werden. Wichtig wäre doch darum zu wissen mit welchen Konzentrationen die freiwilligen Testteilnehmer belastet wurden, das wären mal keine Fakenews.
    • reconquista's creed 30.01.2018 10:58
      Highlight Highlight Nein.
      Es gibt bereits Forschung, Ergebnisse und Grenzwerte zu dieser Frage.
      Hier sollte es nur darum gehen, diesen bestehenden Resultaten etwas entgegenzustellen. Ohne Aussage zu Langzeitfolgen nota bene.
      Somit ist das Motiv nicht Beschaffung von Wissen sondern Diskreditierung von bestehendem - der eigenen Gewinnmaximierung hinderlichem - Wissen.
      Deshalb ist es auch verwerflich, falsch und zu verurteilen!
    • Dr. Zoidberg 30.01.2018 11:24
      Highlight Highlight lt. dem studienleiter waren die konzentrationen weit unterhalb der grenzwerte der arbeitsplatzverordnungen. dazu kommt, dass man einfach reines stickoxid in die luft gemischt hat und eben keine autoabgase.
    • fcsg 30.01.2018 11:59
      Highlight Highlight Laut der Doku in der Netflix-Serie Dirty Money, indem der Leiter dieser Forschungsinstitution in den USA aussagte, wurden die Affen mit Autoabgasen begast und nicht nur Stickstoffdioxid ausgesetzt... Es gab auch eine Skizze mit einer Versuchsanordnung um Menschen direkt mit Autoabgasen zu begasen.

Eine Sozialhilfe-Empfängerin und ein Betreuer übertrumpfen in der «Arena» die Politiker

Eine neue Studie zeigt, dass der Grundbedarf von 986 Franken der Schweizer Sozialhilfe zu knapp berechnet ist. In der «Arena» streiten sich nun die Politiker darüber, wie die Zukunft des Schweizer Sozialstaates aussehen soll. Doch die Show wird ihnen von zwei Personen aus der Praxis gestohlen. 

Sind 986 Franken genug? Diese Frage stellt Moderator Jonas Projer seinen Studiogästen am Freitag. SVP-Nationalrat Thomas Müller steigt gleich steil ein und bezeichnet die «sogenannte Armutsdiskussion» als «politischen Kampfbegriff» der Linken.

Dem widersetzt sich auf der anderen Seite SP-Nationalrätin Mattea Meyer. Sie ist erzürnt darüber, dass Müller das Armutsproblem in der Schweiz herunterspielt. Dabei kann sie in den Startminuten mit einem Beispiel punkten. Armut wird nämlich dann zum …

Artikel lesen
Link zum Artikel