Schweiz

Ausgeweiteter Radius zur Verteilung von Jodtabletten.

Atomkraftwerke müssen 20 Millionen Franken für Jodtabletten selber bezahlen

31.08.16, 12:23

Die Schweizer Kernkraftwerkbetreiber müssen auch für die Kosten der Jodtabletten-Verteilung im Umkreis zwischen 20 und 50 Kilometer um ein Kernkraftwerk aufkommen. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Es hat eine Beschwerde der Betreiber abgewiesen.

Als Folge der Katastrophe in Fukushima im Frühling 2011 wurden 2014 an alle Personen, die sich regelmässig im Umkreis von 50 Kilometern um ein Kernkraftwerk aufhalten, Jodtabletten verteilt.

Vorher erfolgte die Direktverteilung an die Haushalte, Schulen, Betriebe sowie weitere öffentliche und private Einrichtungen innerhalb eines Radius' von 20 Kilometer.

Atomkraftwerke wollten nur bis 20 Kilometer zahlen

Die Axpo Power AG, die BKW Energie AG, die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG und die Kernkraftwerk Leibstadt AG haben die Berappung der Aufwendungen für den bisherigen Perimeter nicht angefochten.

Gegen die Auflage der Kosten für den erweiterten Radius haben sie im Oktober 2015 jedoch Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingelegt.

Zusatzkosten von 13.8 Millionen Franken

Wie aus dem am Mittwoch publizierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hervor geht, betragen die Ausgaben für den Umkreis bis 50 Kilometer insgesamt 20 Millionen Franken. Für den Umkreis von 20 bis 50 Kilometer belaufen sie sich auf 13.8 Millionen Franken.

Die Kernkraftwerkbetreiber kritisierten in ihrer Beschwerde, dass keine genügende gesetzliche Grundlage für die Auferlegung der finanziellen Lasten in der Zone ausserhalb von 20 Kilometern um ein Werk bestehe.

Jodtabletten sind ein geeignetes Mittel

Das Bundesverwaltungsgericht kommt jedoch zu einem anderen Schluss. Die entsprechenden Normen erlaubten sowohl die Ausweitung des Perimeters, als auch die Kostenauflage.

Auch verstosse das Vorgehen des Bundes nicht gegen das Verhältnismässigkeitsprinzip. Die Einnahme von Jodtabletten sei ein geeignetes Mittel, um das Risiko von Schilddrüsenkrebs bei einer Atomkatastrophe zu senken. Diese Prophylaxe stimme mit den Empfehlungen der Internationalen Atomenergieorganisation überein.

Zudem habe eine Neuüberprüfung ergeben, dass die Ausweitung des Radius im Sinne des Vorsorgeprinzips sei. Besonders in dicht besiedelten Kantonen sei es in einem Ernstfall kaum möglich, innerhalb von zwölf Stunden Jodtabletten an die gesamte Bevölkerung zu verteilen. (whr/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Warum hunderte Fussball-Junioren gegen einen Millionär marschieren: Ein Herrliberger Drama

Mehr 2017 geht nicht: Die unfassbare Geschichte des weinenden Keatons – in 4 Schritten

Ein Nigerianer stirbt nach seiner Ausschaffung – was die Schweiz damit zu tun hat

Amis lynchen Hai mit Speedboot und grinsen – jetzt tobt das Netz wegen dem Video

Fukushima – Bilder aus der verbotenen Zone

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
10
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bebby 01.09.2016 09:04
    Highlight Der Radius ist eh ein Witz. Eine radioaktive Wolke verteilt sich nicht schön symmetrisch, sondern sie geht primär in Windrichtung und dann je nach Wetter um einiges weiter als nur 50 km.
    4 0 Melden
  • supermario1 31.08.2016 13:17
    Highlight Das ist auch das Mindeste. Im Falle eines Unglücks wird dann soweiso der Staat bzw. Die Bevölkerung zu Hilfe gebeten. Insofern ist auch das Preisniveau von Atomstrom nicht der Realität entsprechend, nicht nur im Falle einer Katastophe, sondern auch die Entsorgung.
    19 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.08.2016 14:39
      Highlight Aber schön vom günstigen Strom im iPad,Phone, Tablet profitieren ....
      4 14 Melden
    • Fabio74 02.09.2016 19:31
      Highlight @Stipps: leider hat in diesem Land keiner mehr Mut und Visionen für mehr erneuerbare Energie.
      Jeder Vorstoss wird bekämpft, weil es Geld kostet,
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 04.09.2016 13:56
      Highlight @Fabio: Mut und Visionen?! Ein mir bekannter Unternehmer hat bereits mehrere (!) Millionen in ein bestehendes Werk investiert - dieser Aufwand nur wegen Einsprachen von Umweltverbänden! Dasselbe bei anderen Kapazitätserweiterungen. Mut und Visionen sind nicht möglich.
      0 0 Melden
  • Cerberus 31.08.2016 12:52
    Highlight Wohl das kleinere Übel. Das Volk darf dann die Milliarden für den Rückbau der AKW's bezahlen.
    25 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.08.2016 14:39
      Highlight Falschinformation. Traurig.
      4 20 Melden
    • Fumo 31.08.2016 15:19
      Highlight Nein ist keine Falschinformation.
      Das Volk zahlt den Rückbau sowieso, ob als Kunde oder als Steuerzahler. Cerberus erwähnt ja nicht aus welcher "Kasse" es das Volk zahlen wird.
      Genau genommen zahlt das Volk ja auch schon die Tabletten.
      16 3 Melden
    • Cerberus 31.08.2016 17:43
      Highlight @Fumo: Merci für den Nachhilfeunterricht für S.....schüler :-)
      6 1 Melden
    • pamayer 01.09.2016 00:21
      Highlight Genau. Von wegen selber zahlen: in strompreis integrieren.

      Hörte allerdings auch von akw betreibern, die jodtabletten mit gekurzten boni finanzierten.
      S'isch ja nur es träumli gsiiiiii...
      3 0 Melden

Digitalisierung bricht Zürichs Studentenladen nach 110 Jahren das Genick – 28 Jobs weg

Es ist das Ende einer akademischen Institution, in welcher während Jahrzehnten Tausende von Studenten ihren Bedarf deckten: Der «Studi-Laden» mit seinem legendären Design im Giraffenmuster wird bald seine Tore schliessen. Das von der Zentralstelle der Studentenschaft (ZSUZ) betriebene Geschäft mit Papeterie-Artikeln und Lehrbüchern sowie die von der ZSUZ betriebenen Kioske und Druckereien fallen dem Konkurs der ZSUZ zum Opfer.

28 Mitarbeitende an den sechs ZSUZ-Standorten und in der …

Artikel lesen