Schweiz

Shoppen, was das Zeug hält: Firmen holen den «Black Friday» in die Schweiz

27.11.15, 13:00 27.11.15, 13:49

Manor gewährt bis zu 30 Prozent Rabatt.
Bild: KEYSTONE

Immer mehr Firmen nutzen auch hierzulande Marketingstrategien aus den USA. Neben dem Valentinstag für Blumen und Schokolade sowie Halloween für Kürbisse und Süssigkeiten wollen zahlreiche Anbieter in Europa nun einen weiteren Trend aus Amerika etablieren.

Dabei geht es um den sogenannten «Black Friday», der den Startschuss für Weihnachtseinkäufe in den USA markiert. Seit vielen Jahrzehnten läuten nämlich die amerikanischen Detailhändler jeweils am letzten Freitag im November die Saison für das Christmas-Shopping ein. Um möglichst viele Kunden anzulocken, überschlagen sich die Geschäfte mit Sonderangeboten und speziellen Preisnachlässen.

Laut Schätzungen wird in den USA allein an diesem Tag ein Umsatz von rund sechs Milliarden Dollar erzielt. Das ist besonders eindrücklich, wenn man zum Beispiel die Nettoerlöse von Coop in der Schweiz für das ganz Jahr 2014 von umgerechnet rund 20 Milliarden Dollar oder die gesamten Detailhandelsumsätze der Schweiz von etwa 100 Milliarden Dollar gegenüberstellt.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Zunächst war bei den Niederlassungen amerikanischer Unternehmen in Europa festzustellen, dass sie die Traditionen ihrer Mutterhäuser in die eigenen Marketingaktivitäten auf dem europäischen Kontinent übertragen haben. Bestes Beispiel dafür ist Amazon. Der Versandhändler bietet seit einigen Jahren über mehrere Tage den «Black Friday» mit Sonderangeboten und Rabattaktionen in vielen europäischen Märkten an. Auch zahlreiche US-Hotelketten, amerikanische Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter locken ausserhalb ihres Heimatlandes mit diesem speziellen Einkaufstag.

Dabei wollen die europäischen Firmen natürlich nicht gegenüber ihrer US-Konkurrenz zurückstehen und ziehen bei vielen Verkaufsmassnahmen nach. Als ausgewählte Beispiele dafür sind die Fluggesellschaften Air France und KLM sowie die spanische Hotelkette Melia zu nennen, die mit limitierten «Black Friday»-Angeboten am Markt auftreten.

In der Schweiz haben in den vergangenen Tagen besonders die Rabattaktionen der Warenhauskette Manor, die am «Black Friday» den rund 1'000'000 registrierten Kartenkunden gewährt werden, für Aufmerksamkeit gesorgt. Mit Preisnachlässen von bis zu 30 Prozent versucht das Schweizer Unternehmen den amerikanischen Trend hierzulande zu kopieren.

Manor-Mediensprecherin Elle Steinbrecher zeigt sich denn auch schon gegen Freitagmittag sehr zufrieden. Mit dieser Marketing-Aktion sei man gut in den Tag gestartet und die Kundenfrequenzen seien in vielen Häusern extrem hoch. «Wenn man auch einzelne Tage im Detailhandel schwer miteinander vergleichen kann, erwarten wir den doppelten Umsatz wie an normalen Freitagen», erklärt sie. Seine Stammkundschaft wolle Manor immer wieder überraschen und deshalb habe man diesmal auf den in Deutschland und in Grossbritannien bereits viel verbreiteten Trend zu Sonderaktionen am «Black Friday» gesetzt.

Und so sieht das jeweils in den USA aus.

Beim Interessenverband der Mittel- und Grossbetriebe des schweizerischen Detailhandels, Swiss Retail Federation, erläutert man dieses Phänomen im Detailhandel mit zwei Entwicklungen. Geschäftsführer Adrian Wyss sagt, der «Black Friday» habe einerseits mit der Globalisierung des Handels und der Bräuche zu tun. So seien heutzutage auch Weihnachtsbäume in Städten wie Dubai keine Seltenheit mehr, obwohl das eigentlich nicht zum Kulturkreis gehöre. Kaufgewohnheiten aus Amerika wie Valentinstag oder Halloween kommen daher auch in die Schweiz.

Andererseits verbreiten sich im Online-Handel viele Trends sehr schnell über die Landesgrenzen hinweg. Analog zum Verhalten der Kunden, die häufig zwischen Internet-Einkäufen und stationären Geschäften wechselten, glichen sich auch bei den Anbietern etwa die Marketingmassnahmen bei Online-Anbietern und traditionellen Ladengeschäften an.

Vorsicht bei Spontankäufen

Konsumentenorganisationen warnen allerdings regelmässig vor einer zu grossen Euphorie an diesem «Black Friday». Bevor sich Kunden in einen Kaufrausch stürzten, sollten sie die Angebote genau prüfen. So kämen hohe Rabatte nicht selten nur dadurch zustande, dass sie sich auf veraltete Verkaufspreise oder auf unverbindliche Preisempfehlungen der Hersteller bezögen. Aktuelle Marktpreise bei den Ausverkaufsartikeln seien oftmals deutlich niedriger und dadurch sind die tatsächlich gewährten Rabatte auch kleiner.

Ein weiterer Dorn im Auge der Konsumentenschützer ist der häufig erzeugte Druck auf die Kundschaft. Anbieter von Rabattaktionen suggerieren nämlich obendrein oft eine Knappheit, die es vielfach kaum gibt. So werden Angebote zeitlich sowie mengenmässig beschränkt, damit Interessenten eher zu Spontankäufen animiert werden. In solchen Situationen gingen aber häufig wichtige Entscheidungsparameter vergessen – wie etwa die Versandkosten bei Internet-Geschäften.

Drängten also Verkäufer ihre Kunden zu schnellen Kaufentscheiden, sollten diese die Angebote besonders kritisch prüfen. Nicht selten gibt es dieselben oder ähnliche Offerten später erneut. (rey/sda)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Thinker 27.11.2015 20:46
    Highlight Yaay und wann kommt die erste Meldung der Totgetrampelten?
    Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit Massendynamik und Massenbewegungskontrolle (Zu deutsch wie Baut man ein Festivalgelände/ einen Club so dass selbst wenn die Kacke dampft möglichst viele überleben)
    ein Kaufhaus wie Manor ist per Definition im Baugesetz nicht für Massenveranstaltungen oder Massenanstürme ausgerichtet... zu eng Gebaut, zu wenige Notausgänge für zu viele Menschen... man merkt worauf das hinaus läuft...?
    Klar mag das Schwarzmalerisch klingen aber das kann Leben retten als Vorbereitung für den Worst case.
    12 6 Melden
  • blueberry muffin 27.11.2015 20:07
    Highlight Der Singles Day in China ist aber trotzdem erfolgreicher ;)
    3 0 Melden
  • amazonas queen 27.11.2015 17:43
    Highlight Ehrlich gesagt habe ich kaum was mitbekommen.
    11 0 Melden
  • Ürsu 27.11.2015 17:01
    Highlight schön, jetzt wird mir klar wieso die Migros heute und morgen 10% Rabatt gewährt
    12 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 15:30
    Highlight Einfach nur wiederlich diese Konsumgeilheit. Die Kapitalisten wollen immer mehr Profit generieren. Natürlich machen dei Leute diesen schwachsinn mit vorallem wenn die Idee aus Amerika kommt sind alle hell begeistert. Wir müssen uns endlich von diesem America-Lyfestyle bullshit lösen.
    46 3 Melden
  • Schuhmeister Flaig 27.11.2015 14:26
    Highlight Wie kann Adryan Wyss den Black Friday mit Weihnachten vergleichen. In Dubai die seit dem viktorianischen Zeitalter tief in unserer Kultur verankerten Weihnachtsbäume und hier die Konsum-Orgie made in USA.
    11 2 Melden
  • @cyclingsimon 27.11.2015 13:42
    Highlight wenn man was kauft, was von 300.- auf 100.- rabbatiert ist, hat man nicht 200.- gespart sondern 100.- ausgegeben...
    73 3 Melden
    • sapperlord 27.11.2015 14:30
      Highlight schön, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt.
      28 1 Melden
    • maxi 27.11.2015 16:12
      Highlight kommt drauf an ob man es braucht oder nicht, ich kaufe klrider zb. imme rim ausverkauf! dann hat man spar potenzial!
      4 6 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 13:31
    Highlight "Laut Schätzungen wird in den USA allein an diesem Tag ein Umsatz von rund 6 Milliarden Dollar erzielt. Das ist besonders eindrücklich, wenn man zum Beispiel die Nettoerlöse von Coop in der Schweiz für das ganz Jahr 2014 von umgerechnet rund 20 Milliarden Dollar oder die gesamten Detailhandelsumsätze der Schweiz von etwa 100 Milliarden Dollar gegenüberstellt." Noch eindrücklicher wird es, wenn man die Bevölkerungszahlen der beiden Länder vergleicht. Oder eben nicht. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen.
    51 0 Melden

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