Schweiz

Gianis Varoufakis: «Die Schweiz soll nicht in die EU»

02.06.17, 10:57 02.06.17, 14:13

Gianis Varoufakis sieht die Schweiz als Vorbild für Europa. Bild: EPA/ANSA

Die Schweiz soll der EU nicht beitreten, solange die EU nicht der Schweiz mit ihrem Föderalismus gleiche: Das empfiehlt der ehemalige griechische Finanzminister Gianis Varoufakis in einem Interview mit der Zeitschrift Schweizer Illustrierte.

Der EU fehle eine gemeinsame Identität, sagte Varoufakis in dem am Freitag veröffentlichten Interview. Die Menschen hätten das Gefühl, dass Einigkeit unmöglich sei und sie fürchteten, dass kulturelle Unterschiede sich nicht überbrücken liessen. «Die kleine, so diverse Schweiz ist das Paradebeispiel, dass es doch funktioniert.»

Auf die Frage, welche Rolle die Schweiz in Europa spielen solle, sagte Varoufakis: «Die Schweiz soll nicht in die EU». Beitreten solle die Schweiz erst, wenn die EU der Schweiz gleiche. Dabei nannte er Föderalismus, direkte Demokratie und den «einzigartigen Sinn für eine geeinte Diversität» der Schweiz.

Für den ehemaligen griechischen Finanzminister ist es «Wunschdenken zu glauben, durch einen Beitritt würde die Schweiz an Einfluss [in der EU] gewinnen». Faktisch würde sie vielmehr ihre Demokratie ausdünnen und Rechte aufgeben, wie er sagte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Varoufakis in die politische Debatte der Schweiz eingreift. Er unterstützte unter anderem die Volksinitiative über ein bedingungsloses Grundeinkommen, die vor einem Jahr an der Urne abgelehnt worden ist.

Varoufakis trat Mitte 2015 als griechischer Finanzminister zurück. Im Februar 2016 gründete er in Berlin die Bewegung «Democracy in Europe Movement 2025». Ihr Ziel ist es, Europa zu demokratisieren. Das heisse, den Staaten ihre Entscheidungshoheit für den Umgang mit Problemen zurückzugeben, sagte er im Interview. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Cheesemaster Flex 02.06.2017 14:16
    Highlight Seine Ambitionen sind jedenfalls sehr edel...

    https://diem25.org/manifesto-lange-version/
    9 3 Melden
  • Angelo C. 02.06.2017 13:49
    Highlight Er weiss, von was er spricht - und hat absolut recht, der wackere Varoufakis 🤔!
    32 1 Melden
  • Töfflifahrer 02.06.2017 13:14
    Highlight Bin gerade dabei sein Buch, Adults in the Room, zu lesen. In dieses Europa will ich wirklich nicht.
    18 2 Melden
  • Spooky 02.06.2017 12:09
    Highlight Ich wünschte mir, intelligente Personen wie Gianis Varoufakis wären im Bundesrat.
    46 7 Melden
    • rodolofo 02.06.2017 13:11
      Highlight Das geht nicht, Spooky.
      Varoufakis ist Grieche.
      7 9 Melden
    • Spooky 03.06.2017 19:37
      Highlight @rodolofo
      Dann müssen wir Schweizer Bürger halt die Verfassung ändern und dafür sorgen, dass auch intelligente Ausländer Bundesrat werden können 👻

      4 2 Melden
    • rodolofo 03.06.2017 20:57
      Highlight @ Spooky
      Gute Idee!
      Bei den Fussballern machen sie's ja auch so, wenn ich da die Spieler und Trainer beim Champions League Final so anschaue.
      3 2 Melden
  • Ruffy 02.06.2017 11:45
    Highlight Ein schlauer Mann.
    35 3 Melden
  • Richu 02.06.2017 11:29
    Highlight Gerade erst kürzlich, nämlich am 26.05.2017, wurde eine Studie der ETH Zürich veröffentlicht, in der sich eine sehr grosse Mehrheit von 85% der Schweizerinnen und Schweizer gegen einen EU Beitritt ausgesprochen haben. In Wirklichkeit hätten wir also den Rat von Herrn Varoufakis gar nicht nötig, aber es gibt uns einmal mehr die Bestätigung, dass die grossmehrheitliche Meinung des Schweizer Volkes betr. Nicht-EU-Beitritt absolut richtig ist.
    44 5 Melden
    • phreko 02.06.2017 12:59
      Highlight Im Unterschied zu Varoufakis halten wohl einige dieser 85% den Beitritt auf immer für falsch.

      Grundsätzlich können die wenigsten ihre Meinung stichhaltig begründen, im Gegensatz zu Varoufakis.
      15 12 Melden
    • E7#9 02.06.2017 19:07
      Highlight @phreko: Das erlebe ich anders. Die meisten Schweizer, die einen EU-Beitritt ablehnen führen dieselben Gründe wie Varoufakis auf. Aufgabe unserer direkten Demokratie, mangelnde autonome Entscheidungsfreiheit der einzelnen Mitgliedstaaten (also mangelnder Föderalismus innerhalb der EU) und dass es ein Irrglaube sei durch einen Beitritt gross Einfluss auf die EU nehmen zu können, sondern dass faktisch eher die eigene Demokratie ausgedünnt würde.
      12 0 Melden
  • rodolofo 02.06.2017 11:19
    Highlight Die Europäische Union gleicht doch der Schweiz bereits heute!
    Natürlich sind die Kulturen, Befindlichkeiten, Interessen und nicht zuletzt auch die Sprachen noch um einiges vielfältiger, als in der Schweiz, die sozusagen das "Herz" der EU sein könnte, wenn der Wasserkopf in Brüssel das zuliesse.
    Was mit einer EU ebenfalls grösser -leider aber von Rechts- und Links-Nationalen viel zu wenig beachtet- wird, sind die Möglichkeiten und Chancen!
    Aber das kommt schon mit der Zeit.
    Wir müssen halt Geduld haben und die Dinge reifen lassen.
    Auch der Kantönligeist wurde ja nicht ohne weiteres überwunden.
    20 59 Melden
    • Gelöschter Benutzer 02.06.2017 11:39
      Highlight "Auch der Kantönligeist wurde ja nicht ohne weiteres überwunden."

      Ach ja? Wann wurde dieser denn überwunden?
      34 5 Melden
    • rodolofo 02.06.2017 13:10
      Highlight @ Aron777
      Ich glaube zumindest, ihn überwunden zu haben!
      Doch da kommt mir dieser unsägliche Kanton Schwyz in den Sinn, mit diesen Ausländer-Feinden, die vom Tourismus (auch dem Kapital-Tourismus) ganz gut und "heimlifeiss" leben...
      Ich habe den Kantönligeist doch noch nicht restlos überwunden.
      5 19 Melden
    • Moudi 02.06.2017 13:20
      Highlight Was wären den das für Möglichkeiten und Chancen?
      8 2 Melden
    • Leider Geil 02.06.2017 15:14
      Highlight @rodolofo. Die EU ist aber keine Demokratie.
      14 3 Melden
    • rodolofo 02.06.2017 18:36
      Highlight @ Moudi
      Kommt Dir da wirklich rein gar nichts in den Sinn?
      Zum Glück haben viele Junge mehr Phantasie und Entdeckerlust!
      @ Leider Geil
      Die EU funktioniert nicht Direkt-Demokratisch, sondern verschreibt sich der Parlamentarischen Demokratie. Beide Systeme haben Vorzüge und Nachteile. Das Schweizer Miliz-System kommt heute "an den Anschlag", weil sie nicht mehr genügend Freiwillige finden, die auf Gemeinde-Ebene unspektakulär verwalten und organisieren wollen.
      Es gibt auch Leute, die von den mündigen Stimmbürgern eine Art Fähigkeits-Prüfung verlangen wollen, ähnlich wie beim Auto fahren.
      3 7 Melden
    • E7#9 02.06.2017 19:25
      Highlight Wenn der Kantönligeist restlos überwunden wäre hätten wir keinen Föderalismus mehr. Auch wenn er manchmal nervt und nach jahrhundertlanger Entwicklung immer noch nicht perfekt ist bin ich dennoch ein grösser Befürworter des Föderalismus. Ein Walliser tickt nunmal anders als ein Zürcher, deshalb ist es notwendig, diesen Kantönligeist auch mittels kantonaler Gesetze, unterschiedlichen Systemen etc. zu berücksichtigen. Das spaltet die Schweiz nicht, im Gegenteil, so funktioniert das Zusammengehören nachhaltig für alle. Etwas ausgeprägterer Föderalismus in diesem Sinne täte der EU sicher gut.
      9 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 02.06.2017 11:10
    Highlight Da können Wermuth und Co. noch was dazulernen.
    60 13 Melden
    • phreko 02.06.2017 12:45
      Highlight Das Ziel ist dasselbe, bloss der Weg ein Anderer.
      9 14 Melden
    • Fabio74 04.06.2017 11:03
      Highlight in Bezug auf was? dem Führer zu Kreuze kriechen anstatt eine eigene Meinung zu vertreten?
      2 1 Melden

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