Schweiz

Sarah und John. Ihr Freund und «Mitbrauer» Pascal war an dem Abend nicht da. Bild: watson

Ein Hoch auf die Schweizer Bierbrauer! (und ein Aspirin, bitte)

Der Schutzpatron der Kleinbrauerei St.Laurentius liess sein Leben auf einem Grillrost. Dies und viel mehr habe ich bei einem Besuch gelernt. Eine bierselige «Reportage» aus dem Zürcher Unterland.

30.06.17, 14:30 01.07.17, 10:53

Wer die Welt kennt, kennt Tuborg. Und andere Industriebiere. Wer aber die Seele des Bieres sucht, reist am besten nach Bülach.

Hier in der Provinz sind Sarah und John aufgewachsen. «Aber nicht im Keller», sagt die Gastgeberin und begrüsst uns lachend zum Kurs der Volkshochschule Bülach.

Ja, richtig gelesen. Das Wissen, wie der «edle Saft» gebraut wird, gehört im Zürcher Unterland zur Allgemein-, respektive Weiterbildung. Und so habe ich mich an diesem milden Sommerabend mit rund einem Dutzend (wissens-)durstigen Besuchern und Besucherinnen an der Kasernenstrasse 62 eingefunden.

Bier aus dem Hallenbad

Die Kleinbrauerei St.Laurentius steht im stillgelegten Schwimmbad des Elternhauses von John. Davon zeugen noch die farbigen «Plättli» und der gekachelte Boden. Und an der Wand hängt tatsächlich auch noch das klassische Strandposter.

John hat einen Bart und macht Witze über Hipster. Aber ein «fancy Promo-Video» musste schon her, wie er grinsend erzählt. Bevor wir dazu kommen, wie er mit Sarah und Pascal das Hobby zum Beruf machte, schauen wir ihnen beim «Chillen» zu ...

Sound aufdrehen! 😉

Das Promo-Video. Video: YouTube/John Hiltebrand

Den sicheren, gut bezahlten Job an den Nagel hängen, um mit der Lebenspartnerin und dem besten Freund Bier zu brauen: Dazu gehört eine gehörige Portion Unvernunft Mut.

Der Legende nach fing es mit einer Amerika-Reise an. Die jungen Leute entdeckten an der US-Westküste die reichhaltige Bierkultur – jenseits von Budweiser und Miller – und beschlossen, nach der Rückkehr ihr eigenes Craft Beer zu brauen.

Gebraut wird mit solchen Hopfen-Pellets, mehr Informationen folgen weiter unten. Bild: watson

Man sagt, Qualität setze sich durch, und zumindest für die Kleinbrauerei an der Kasernenstrasse in Bülach trifft dies zu. Das Gebräu fand reissenden Absatz im Kollegenkreis, oder wie es Sarah ausdrückt: «Sie habe uns alles weggetrunken».

Da es in Bülach glücklicherweise keine Brauerei gab, entschieden die jungen Leute, sich «um die Bierversorgung der Stadt zu kümmern». Zu Beginn lag die Produktionsmenge bei 500 Litern pro Monat, heute sind es 10'000 Liter. Aber noch immer werden alle wichtigen Arbeitsschritte von Hand gemacht, betont John stolz. Dann zeigt er auf den 50-Liter-«Kübel», mit dem er anfing.

Die Hefe muss man pflegen. (Wie eine Frau.)

Bierbrauer-Weisheit quelle: sarah

Am anderen Ende der Halle steht ein moderner Metalltank. Es ist die neuste Errungenschaft der St.Laurentius Craft Beer GmbH. Aus der Hobby-Brauerei ist dank einer erfolgreich verlaufenen Crowdfunding-Kampagne «im regionalen Rahmen» ein gut ausgerüsteter Betrieb geworden.

Mit diesem (selbst gemachten) Video fing es 2015 an

Video: YouTube/John Hiltebrand

Kleine und grosse Investoren stiegen mit Beträgen zwischen 100 und 4000 Franken ein. So kamen 75'000 Franken zusammen. Zum Glück: Das meiste Geld ging dann für die gesetzlich vorgeschriebenen baulichen Massnahmen drauf ...

Stolz erzählt Sarah, wie sich ihr Lebenspartner das Wissen und das Know-how im Selbststudium angeeignet habe. «Er ist Autodidakt, kein ausgebildeter Lebensmitteltechnologe.»

So sah das am Kurs der Volkshochschule am Mittwochabend aus. Bild: watson

Ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an Johns Vortrag über die technischen Finessen des Brauens, das liegt wohl an den Bieren, die wir in gemütlicher Runde degustieren durften.

Da ich grad «zufällig» auf die Notizen gestossen bin, die ich am Vorabend offenbar auf meinem iPhone tätigte, kann ich zumindest einige spannende Informationen zur Bülacher Brauerei (mehr oder weniger im Original-Wortlaut) weitergeben:

Das Firmenlogo.

John entwirft alle grafischen Elemente der Brauerei und betreut auch die Website. Bild: watson

Heiliger vom Grill

«Der Name St.Laurentius unterstreicht die Verbundenheit mit Bülach und den Wunsch, ein Bier zu brauen, das lokal getrunken wird. Der Schutzpatron von Bülach, namens St.Laurentius, verteilte das Geld der Kirche an die Armen und wurde im 4. Jahrhundert auf dem Grillrost, der das Bülacher Wappen ziert, bei lebendigem Leibe als Märtyrer verbrannt. Er wurde dadurch zum Schutzpatron für Berufsgruppen, die am offenen Feuer arbeiten – unter anderem der Bierbrauer.»
(Quelle: stlaurentius.beer)

Das reguläre Angebot der Bülacher Brauer umfasst fünf Sorten: Hell, Pale Ale, India Pale Ale, Red Ale und Weizen. Ich kann alle bedenkenlos empfehlen. Hinzu kommen saisonale Köstlichkeiten. Mein absoluter Favorit: Ein Kaffeebier.

Klingt merkwürdig, hat aber einen fantastischen Geschmack.
(Anmerkung zuhanden von John: Das Bier ist viel zu gut, um es nur in den Wintermonaten zu brauen!) 😉

Ohne weitere Worte. Bild: watson

Rund 100 Meter von der Kleinbrauerei entfernt, an der Kasernenstrasse 46, steht «die Rampe». Die perfekte Anlaufstelle für Craft-Beer-Fans. «An der Rampe kannst du Bier kaufen, trinken, mitnehmen, nette Leute treffen, gute Musik hören, lesen, gamen, stricken und sonst noch fast alles, was dein Herz begehrt», schreibt das BBQ-Magazin «Heat & Meat» in diesem lesenswerten Beitrag. Titel: «Ein Märtyrer, drei Freunde, Biere der Extraklasse.» Dem ist nichts anzufügen, ausser:

St.Laurentius Craft Beer ist ein Geheimtipp. Psssst! Sonst ist der edle Hopfensaft noch schneller weg als so schon.

Auch Luki mag Bier! Und hasst es, wenn man sein Gehirn nicht braucht.

2m 37s

«Benutzt euer Gehirn! F***!»

Video: watson/Luki Bünger, Emily Engkent

Craft-Beer-Festival in Bülach

Am Samstag, 15. Juli, findet im Zürcher Unterland das erste Bülacher Craft Beer Festival statt. Auf dem Lindenhof, einem grünen Hügel mitten in der Stadt. Mit dabei sind acht Kleinbrauereien aus der Region: Bierzunft Wehntal, Glattfelder Privatbrauerei, Muschtibräu, Sudwerk, Brauerei Hardwald, Schlachthaus und St.Laurentius Craft Beer (als Organisator). Den «Gastkanton Bern» vertritt Simmentaler Bier. Das «gemütliche Bierfest mit leckerem Essen und guter Musik» dauert von 11 bis 23 Uhr. Die Veranstalter empfehlen die Anreise per ÖV. Ab dem Bahnhof Bülach seien es drei Minuten zu Fuss.
www.buelacherbierfest.ch/

Bülacher Kleinbrauerei braut feinstes Craft Beer

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    Alle Leser-Kommentare
  • goldmandli 30.06.2017 17:49
    Highlight Dem chriesi bier würde ich nicht nachtrauern. - ein Zuger
    4 2 Melden
    • velolove 30.06.2017 21:14
      Highlight Es gibt ein gutes Kirschen-Bier aus Belgien. Dies ist aber ein spontan verlorenes Bier, 2 Jahre im Fass mit Kirschen gereift.
      4 2 Melden
    • 262d 30.06.2017 23:48
      Highlight @velolove Och nein! Hat jemand das gute Fläschchen wieder gefunden? 😁
      3 0 Melden
  • Libertas 30.06.2017 17:48
    Highlight Ich verstehe diesen Craft Beer Hype überhaupt nicht. Für mich ist das kein Bier. Im Sommer zum Grillieren schmeckt ein kühles Feldschlösschen einfach am besten. Da könnt ihr "Industriepisse Schreier" noch lange toben. Feldschlösschen, Carlsberg, Heineken, das sind richtig gute Biere, die immer und überall super schmecken.
    8 86 Melden
    • @schurt3r 30.06.2017 18:19
      Highlight Hier dein Getränk...
      20 4 Melden
    • ma vaff... 30.06.2017 19:17
      Highlight Tja ich wünsch' dir viel Spass mit Schlösschen und anderem Badewannengebräu...
      16 4 Melden
    • Suchlicht 30.06.2017 19:50
      Highlight Heineken und Bier im gleichen Zusammenhang nennen, finde ich ein starkes Stück 😉
      32 5 Melden
    • Randy Orton 30.06.2017 20:22
      Highlight Für mich sind Feldschlösschen und Co. keine Biere, denn sie haben mit dem uralten Handwerk nichts mehr zu tun. Die Zutaten möglichst billig, viel Chemie und alles vollautomatisch und am Ende darf man möglichst nicht mehr schmecken, dass Hopfen und Malz benutzt wurden. Da kann ich mir auch einen Schuss Wodka in ein Glas Wasser kippen.
      20 3 Melden
    • grünezecke #teamprobillag 30.06.2017 20:42
      Highlight Ach libertas, passt zu dir: konservativ, aussenrechts, spiessertum. Geh mal nach belgien, bierkultur! Oder ein dänisches ale! Du verpasst was. Heineken ist ja wohl übelste pisse, probier ein rekord, das sind welten! Cheers!!
      19 6 Melden
    • velolove 30.06.2017 21:17
      Highlight Wer feldschlösschen und Co. gut findet, hat Bier vielleicht gar nicht so gerne.
      Dies ist doch wie beim Käse: wer Edamer seinen Lieblings Käse nennt, sucht doch einfach nach Käse, der nach nichts schmeckt ;-)
      26 3 Melden
    • roterriese Team #NoBillag 30.06.2017 22:18
      Highlight Ich finds cool, dass es sogar User gibt, die einen Namen wählen, der eine Anspielung auf mich ist. Treffe wohl einen wunden Punkt. Die Craft Beer Hype scheint mittlerweile im Mainstream angekommen zu sein, ich orientiere mich mittlerweile wieder in Richtung der traditionellen Biere, Augustiner, Erdinger, etc. DAS sind Biere
      10 11 Melden
    • Randy Orton 01.07.2017 03:01
      Highlight Roterriese, was unterscheidet Augustiner oder Erdinger denn von Craftbieren?
      6 1 Melden
    • grünezecke #teamprobillag 01.07.2017 08:57
      Highlight Haha genau! Also hopp ändere deinen namen, würde eher zu deinem zurückgebliebenen gedankengut passen! Und diese bayrischen brühen mit traditionell gebrauten edeltropfen zu vergleichen ist ein hohn! Probier mal ahoi bier DAS ist geil!
      4 9 Melden
    • roterriese Team #NoBillag 01.07.2017 09:49
      Highlight @orton , dass es augustiner seit 1300 irgendwas gibt
      4 1 Melden
    • Blitzableiter 01.07.2017 16:31
      Highlight Ich hab auch meine Mühe mit diesem Hype. Es ist Geschmacksache, ob man gerne Lager oder lieber würzige Biere wie IPA , Weizen, Stout hat. Aufjedenfall kann man da jeweils nicht vergleichen. Ausser eins: Lager von einem der Grossen und ein Lager von einem kleinen aus der neuen Szene schmeckt einfach fast gleich. Und das selbe jeweils mit IPA, Amber etc. da ist jeweils kaum ein Unterschied ob z.B ein Ale vom Hans oder Hauri ist. Zudem ist das Zeugs oftmals Teuer. Da lohnt sich vielmehr Rotwein.

      6 1 Melden
    • Randy Orton 01.07.2017 16:38
      Highlight Also wenn du nur auf das Alter der Brauerei und nicht auf den Inhalt schaust, dann musst du auf Weihenstephaner umsteigen.
      5 1 Melden
    • Mia_san_mia 02.07.2017 01:08
      Highlight @Libertas: Die Biere, die Du nennst sind einfach langweilig.
      4 1 Melden
    • Luca Andrea 02.07.2017 02:35
      Highlight 1. Es ist Geschmacksache
      2. Craft-Brauereien verwenden in der Regel mehr Malz oder Aromahopfen und arbeiten handwerklich weswegen sie auch zu recht teurer sind und geschmacklich intensiver.
      3. informiere die über Bierstile, finde deinen Bierstil. am besten bei einer Bierdegustation (man kann nach Malz, Hefe oder Hopfen gehen)
      4. es gibt interessantere Kleinbrauer und weniger interessante, die sich an den grossen orientieren.
      2 1 Melden
  • 262d 30.06.2017 16:59
    Highlight Ibuprofen hilft viel besser als Aspirin, mfall! :)
    14 2 Melden
    • @schurt3r 30.06.2017 17:21
      Highlight Danke für den Tipp!
      PS. Was auch hilft, ist ein «Konterbier» 😂
      21 4 Melden
    • dintaifung 30.06.2017 20:50
      Highlight Die ganze Problematik kann mit einem sogenannten "Sicherheitsbier" gelöst werden. Wie hinreichend bekannt ist liegt es jeweils am letzten Bier, dass man einen Kater kriegt. Deshalb sollte steht's nach dem letzten noch ein "Sicherheitsbier" getrunken werden. 🍺
      18 0 Melden
  • Makatitom 30.06.2017 16:30
    Highlight ich gehe heute Abend ins Restaurant Bad Kyburg am Bucheggberg, die auch eigenes Bier machen, und trinke einige Weizen und esse ein Brauerschnitzel dazu.
    16 3 Melden
    • @schurt3r 30.06.2017 17:22
      Highlight Klingt nach einem guten Plan.
      12 0 Melden
  • Informant 30.06.2017 16:10
    Highlight Kleines Detail: Es heisst "India Pale Ale", nicht "Indian..", da es nicht indisch ist, sondern damals von den Engländern für die lange Seefahrt nach Indien gebraut wurde.
    Um die Haltbarkeit zu verlängern, wurde es stärker gehopft und hat mehr Alkohol.

    23 1 Melden
    • @schurt3r 30.06.2017 17:24
      Highlight Danke, habs korrigiert.

      Mehr zur Geschichte des India Pale Ale:
      http://bit.ly/2suN8nE

      (hopfenhelden.de)
      4 6 Melden
  • ma vaff... 30.06.2017 15:45
    Highlight Ich gebe den Treber meinem Hund als Futterzusatz...Sorgt für gesunde Verdauung und kompakte Häufchen🙈
    10 2 Melden
  • Dä-do 30.06.2017 15:19
    Highlight Hatte gestern ein Brotbier von Unser Bier, schmeckt super!
    4 3 Melden
  • Tilman Fliegel 30.06.2017 14:57
    Highlight Die Trebe heisst Treber und kann man sie in den Brotteig mischen für ein super leckeres Brot.
    16 1 Melden
    • @schurt3r 30.06.2017 15:02
      Highlight Danke, das «r» ist jetzt drin.

      PS. Klingt sehr lecker!
      5 2 Melden
    • Madison Pierce 30.06.2017 15:26
      Highlight Der Brauer meines Vertrauens gibt den Treber dem Metzger, welcher damit Bratwürste herstellt. Auch sehr fein!
      15 4 Melden

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