Schweiz
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Fancyful dressed participants of the annual Street Parade celebrate in Zurich, on August 11, 2001. The Street Parade is the biggest party in Switzerland, around 1 Mio. people enjoy the party. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Die Streetparade. Tanzen, Freude und auch Drogen. Allerdings nur für einen kleinen Teil der Besucher. Bild: KEYSTONE

«Die Street Parade ist kein Drogenfest»: Wie sich der Konsum von Kokain und Co. gewandelt hat

Die Street Parade steht vor ihrer 25. Ausgabe. Drogen gehören zu ihrer Geschichte. Ein Drogenfest sei sie aber nicht, sagt Christian Kobel von der Zürcher Jugendberatung Streetwork. Ein Gespräch über Extasy, Kokain und Alkohol. 



Die Street Parade ist und bleibt ein Mega-Event. Was ist die Street Parade für Sie? 
Christian Kobel: Der Anlass ist für uns etwas ähnliches wie eine normale Party, einfach grösser. An solchen hat es dann jeweils vielleicht 1000, 2000 Menschen, an der Street Parade sind es gegen eine Million. Wir bieten das Drug Checking an, können wegen der grossen Nachfrage aber nicht alle Anfragen bewältigen. Während der Street Parade machen wir gegen 90 Analysen, mehr geht nicht. Allerdings konsumiert nur ein kleiner Teil der Raver illegale Drogen.  

Wie hoch ist dieser Anteil?
In der Gesamtbevölkerung sind es schätzungsweise zwei, drei Prozent, die Erfahrungen mit Partydrogen haben. Darunter sind auch Leute, die nur einmal Drogen versucht haben. Weil das Durchschnittsalter an der Street Parade etwas tiefer ist, dürfte der Anteil leicht höher bei etwa fünf Prozent liegen. Jüngere Menschen konsumieren mehr als der durchschnittliche Schweizer. 

Christian Kobel, Streetwork

Die, die Drogen testen 

Die Jugendberatung Streetwork der Stadt Zürich berät und begleitet junge Menschen in Krisensituationen. Das Angebot ist freiwillig, kostenlos und anonym. Streetwork kümmert sich auch um die Partydrogenprävention. Dazu gehören: die Website saferparty.ch inklusive Online-Beratung, das Drogeninformationszentrum DIZ sowie mobile Beratungen und Drug-Checkings an Events und Parties. 2015 liessen sich im DIZ 1600 Personen beraten, 1400 Analysen wurden durchgeführt. Bei den mobilen Drug Checkings waren es 437 Beratungen und 244 Analysen. Christian Kobel leitet das 9-köpfige Streetwork-Team seit 2005. Streework hat an der Street Parade einen Stand am Bürkliplatz. (feb)

Was fällt alles unter Partydroge? 
Das ist kein so wirklich definierter Begriff. Eine Partydroge fängt bei Alkohol an, Cannabis gehört auch noch dazu. Womit wir jedoch am meisten zu tun haben sind Klassiker wie Kokain, Amphetamin (Speed), Extasy und unter Umständen noch LSD.

Was macht Streetwork an der Street Parade?
Wir sind am Bürkliplatz mit einem Stand, zu dem unser mobiles Labor gehört, präsent. Nebst Informationsmaterial jeglicher Art können sich die Street Parade-Gänger bei uns mit Gehörschutzpfropfen oder Kondomen eindecken. Jeder, der eine Droge testen lässt, muss sich übrigens beraten lassen. 

Die Street Parade beehrt Zürich zum 25. Mal. Diese 41 Bilder dazu musst du gesehen haben.

Was bringen diese Tests? 
Eine Analyse ist aufwändig und dauert etwa 20 Minuten. Dafür ist das Resultat sehr genau. Beim Kokain können wir dann zum Beispiel sagen, wie hoch der Anteil von reinem Kokain ist und wie viel der Anteil von Streckmitteln, den so genannt psychoaktiven Streckmitteln, beträgt. 

Und die Streckmittel bereiten Ihnen Sorgen.
Zuerst möchte ich festhalten, dass in letzter Zeit der Anteil an reinem Kokain im Kokain gestiegen ist. Gleichzeitig haben aber auch die psychoaktiven Streckmittel zugenommen. Die Händler mischen sie bei, um eine bessere Qualität der Ware vorzutäuschen. Früher mischten sie Lidocain dazu. Das betäubt örtlich. Wenn die potenziellen Kunden auf der Strasse das Kokain probieren, es zum Beispiel auf das Zahnfleisch reiben, hat es – wie das Kokain selber – eine leicht betäubende Wirkung. Die Leute haben dann das Gefühl, es sei gutes Kokain. Heute verwenden die Händler andere Streckmittel. Bei 80 Prozent sind es Streckmittel mit einer Wirkung, oft Levamisol. Dieses kann massive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. 

Image

Das DIZ hat letztes Jahr 620 Kokain-Analysen gemacht. Bei 43 Prozent lang der Kokaingehalt zwischen 80 und 100 Prozent.  InfoGrafik: www.d1-solutions.com

Welche?
Kurzfristig kann es zu starkem Durchfall führen. Konsumiert man es häufig, kommen Blutbildveränderungen vor. Es schwächt das Immunsystem. Bei Konsumenten, die es über Monate zu sich nehmen, können Durchblutungsstörungen vorkommen, es kann gar zu Nekrose führen. Das heisst, Gewebe stirbt ab, was sich als schwarze Flecken auf der Haut zeigt. Das sieht richtig übel aus. Ich habe das verschiedentlich gesehen. Und zwar nicht bei Menschen, die auf der Gasse leben. Es waren Personen, die gut eingebunden sind in unserem System und Kokain nur an den Wochenenden an Partys konsumierten. Streckmittel mit ähnlicher Wirkung gibt es diverse, sie verstärken die Kokainwirkung. Diese Streckmittel sind die grösste Veränderung beim Kokain in den letzten Jahren.

Wie sieht es beim Extasy aus?
Bei den Extasy-Pillen, also beim MDMA, ist es so, dass im Moment sehr hoch dosierte Pillen auf dem Markt sind. Bei Dreiviertel hat es gar keine anderen Substanzen drin; das heisst, sie sind in diesem Sinne rein. Das kann sehr problematisch sein. Konsumiert eine zierliche Frau mit etwas mehr als 50 Kilogramm Gewicht zum Beispiel eine Pille mit 250, 300 Milligramm MDMA drin, ist das äusserst gefährlich. Kreislaufprobleme sind die Folge. Damit kämpfen übrigens auch die Clubs in der Stadt. Sie müssen vermehrt Gäste von der Sanität abholen lassen, weil es diesen so schlecht geht. 

ZUR STREET PARADE, WELCHE AM 13. AUGUST 2016 ZUM 25. MAL STATTFINDET, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL VON DEN BISHERIGEN AUSTRAGUNGEN DER STREET PARADE ZUR VERFUEGUNG - Jugendliche tanzen am 5. September 1992 bei der ersten Techno Musik Street Parade in Zuerich. Gegen 2000 Leute nehmen an der als

Am 5. September 1992 fand die erste Street Parade statt. 2000 Leute kamen. Bild: KEYSTONE

Warum fragen die Konsumenten heute nach solch hochdosierten Pillen?
Der MDMA-Markt hat sich aus unserer Sicht stark verändert. Zwischen 2009 und 2011 hatten Zweidrittel der Extasy-Pillen kein MDMA mehr drin. Es wurde durch andere Wirkstoffe ersetzt. Das bemerkten die Partygänger, denn diese Wirkstoffe führten zu Übelkeit. Die Leute kauften diese Pillen nicht mehr, der Markt hat wohl darauf reagiert. Heute haben wir deshalb so viele Pillen mit sehr hohem MDMA-Gehalt. 

Was raten Sie Personen, die an der Street Parade Drogen nehmen wollen?
Die Street Parade ist kein geeigneter Anlass, um Drogen zu konsumieren. Es ist meistens sehr heiss und der Anlass findet in einer unglaublichen Menschenmasse statt. Dies alleine überfordert rasch. Hat man dann noch Substanzen konsumiert, von denen man nicht genau weiss, wie sie zusammengesetzt sind, kann das zu einem negativen Erlebnis führen. An der Street Parade lässt man die Finger besser ganz von Drogen.

Labor Streetwork

Im mobilen Labor sind genaue Proben möglich. bild: zvg

Konsumiert wird trotzdem. Was raten Sie diesen Personen?
Zuerst einmal bringt jeder Konsum von Substanzen gewisse Risiken. Deshalb sollten sie wenn möglich von uns getestet werden lassen. Geht das nicht, sollte man wenigstens die Saver-Use-Regeln beachten: Konsumiert jemand eine Pille, sollte dies höchstens eine halbe sein, heute empfehlen wir wegen den hohen Dosierungen sogar eher einen Drittel. Danach lange genug auf die Wirkung warten, etwa zwei Stunden. Es gibt Substanzen, bei denen es sehr lange geht, bis sie wirken. Schmeisst man zu früh nach, ist die Dosierung nach über zwei Stunden so hoch, dass es wirklich gefährlich werden kann. Weiter sollten sie keine Substanzen mischen, auch nicht mit Alkohol. Viel Wasser trinken, in den Schatten sitzen und viele Pausen machen ist ebenfalls wichtig. 

Ist es denn so, dass an der Street Parade viele das erste Mal in Kontakt mit Drogen kommen?
Es ist bei Jungen halt schon immer noch ein Schlüsselanlass bei dem sie sich sagen, da gehe ich jetzt Mal hin und probiere etwas. Aber eben, es ist ein denkbar schlechter Anlass, um zu experimentieren. Nur schon bis Hilfe da ist, dauert es länger als normal. Es gibt zwar viel Sanität, aber die kommt bei den vielen Ravern nicht so rasch an gewisse Stellen. 

«Heute darf man wieder sagen, dass man an die Street Parade geht»

Extasy

Pillen gibt es in allen Farben und Formen. bild: zvg

Sie haben aufgezeigt, wie sich der Drogenmarkt verändert hat. Wie hat sich die Street Parade selber gewandelt in den letzten Jahren?
Ganz am Anfang, in den 90er-Jahren war in der Techno-Szene Alkohol verpönt. Heute, wo die Street Parade ein Anlass für die Massen ist, ist Alkohol wichtig. Und der Alkohol ist es auch, der am meisten Probleme verursacht. Gewalt und Scherben, die zu Schnittverletzungen führen, sind nur zwei Beispiele dafür. 

Die Street Parade ist also kein Drogenfest?
Nein, das ist sie nicht. Auf diese Masse von Menschen wird wie gesagt nicht mehr konsumiert als an anderen Anlässen. Es ist ein Teil unserer Gesellschaft, dass gewisse Leute im Ausgang Drogen brauchen um sich zu berauschen. Und Street Parade ist Ausgang am Tag. Dass es Jahr für Jahr gelingt, einen solchen Mega-Event durchzuführen ohne grössere Probleme, das ist schon eindrücklich. Die Leute schätzen diesen Termin, die Street Parade ist ein Teil von Zürich geworden. Zwischendurch mieden Szenies die Party. Heute darf man wieder sagen, dass man an die Street Parade geht. 

Das Motto dieses Jahr: «Zurich is unique – you are unique»

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Video: YouTube/MR.DA-NOS

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Waedliman 20.02.2017 15:32
    Highlight Highlight Dass bei der Parade relativ wenig Drogen konsumiert werden (Frage: wer untersucht das?), liegt an den vielen Touristen. Zürcher kriegen doch sonst die Nase nicht weg vom Koks ;-)
    0 1 Melden
  • Waldorf 19.02.2017 14:16
    Highlight Highlight "Heute darf man wieder sagen, dass man an die Street Para.." NEIN!!!
    ;-)
    2 1 Melden
  • Angelo C. 12.08.2016 21:47
    Highlight Highlight Ein Drogenfest sei die Streetparade aber nicht, betont Christian Kobel.

    Im gleichen Atemzug fügt er hinzu :

    "Wir bieten das Drug Checking an, können wegen der grossen Nachfrage aber nicht alle Anfragen bewältigen."


    Alles klar... 😂 !
    32 3 Melden
  • Namenloses Elend 12.08.2016 19:45
    Highlight Highlight Geht mal auf Blick.ch. Schon drei Artikel bei denen ausschliesslich um den Drogenkonsum an der Streetparade geht. Morgen wird dann das grosse Kommentare Feuerwerk gezündet. Da wird vom Zerfall der Gesellschaft bis zum absoluten Verbot alles zu lesen sein. Also falls es euch langweilig ist, gebt euch die Kommentare von den ganzen Bünzlis die mit der Parade völlig überfordert sind. Wobei natürlich 95% noch nie an der Streetparade waren oder in Züri wohnen. :-)
    25 3 Melden
    • Cloup 12.08.2016 21:39
      Highlight Highlight Die Idee gefällt mir. Fachkomentente Ansichten zu Drogen -und oder Technothemen, köstlich.
      10 4 Melden
  • I don't know what you heard about me 12.08.2016 15:01
    Highlight Highlight "Die Strertparade ist kein Drogenfest" - 90% trinken nur Alkohol.
    51 1 Melden
  • Duda 12.08.2016 11:55
    Highlight Highlight Was mir nicht klar wird Warum das man es überhaupt ausprobiren mus oder soll?
    13 55 Melden
    • Ratert 12.08.2016 12:24
      Highlight Highlight Niemand "muss" Drogen ausprobieren, das geschieht meistens aus Neugierde. Deswegen finde ich übrigens den Artikel äusserst gelungen, da es Sinnvol aufzeigt, warum man nicht unbedingt an der parade "neugierig" sein soll. Gute Beratung im Artikel verpackt :P http://-
      42 3 Melden
    • ignisanulum 12.08.2016 12:43
      Highlight Highlight Neugierde? Ob man soll ist ja jedem selbst überlassen..
      15 4 Melden
    • sheshe 12.08.2016 13:15
      Highlight Highlight Ganz einfach: Der Mensch strebt nach Glück! Die einen kriegen es durch das tägliche Pumpen im Fitness, die anderen durch den Kaffee am Morgen, weitere durch den perfekten Partner und wieder andere durch Drogen (was schlussendlich der einfachste Weg ist). Ich z.B. bin eine "Rauschperson", ich liebe Adrenalin, Dopamin, Extremsport usw. Dennoch greife ich ab und zu zu Molly, Speed oder was auch immer. JEDER MENSCH HAT SEINE DROGE, nur benutze ich eine etwas weitergehende Definition als das BetmG und zähle Dopamin/Serotonin und Adrenalin auch dazu.
      35 7 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pasch 12.08.2016 11:51
    Highlight Highlight Streetparade??? War das nicht mal diese mega fette Party with no boundaries?? Was ist es heut... Fresstände und Absperrgitter, dazu noch Klo-Abo-Dealer und sonstiges Abgezocke... Danke
    ZH es war einmal... die Karavane zieht weiter der Sultan het durscht....
    32 11 Melden
  • Thanatos 12.08.2016 11:36
    Highlight Highlight Und was ist die Moral der Geschicht? Halbe Teile rollen nicht!

    Und wir sind auf jeden Fall mehr als 5%😂😂😂
    66 7 Melden
  • sheshe 12.08.2016 10:53
    Highlight Highlight #iamthe5% Viel Spass euch allen und Safe Rave!
    54 19 Melden
    • Datsyuk * 12.08.2016 11:30
      Highlight Highlight Ist doch kein Problem, insomniac.
      47 13 Melden
  • SVARTGARD 12.08.2016 10:02
    Highlight Highlight Ihr seit doch bekannt dafür😂
    16 3 Melden
  • SanVilano 12.08.2016 09:48
    Highlight Highlight Mit 250-300g sind das aber seeeehr grosse Pillen, also schon klar, dass dies nicht alle vertragen ;)
    76 1 Melden
    • Duda 12.08.2016 10:00
      Highlight Highlight Quintessenz des berichts für mich "Probiert Drogen aus, aber nicht an der streeparde"...Fragwürdig!
      10 46 Melden
    • Leo Helfenberger 12.08.2016 10:07
      Highlight Highlight Milligramm! Danke ist angepasst ;)
      Und @Michael Altorfer: Drogen sind schlecht
      36 9 Melden
    • Duda 12.08.2016 10:16
      Highlight Highlight Das hätte ich ohne euch nie herausgefunden ;-)
      13 11 Melden
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