Schweiz
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Blick in den beleuchteten Tunnel waehrend dem Anlass zur letzten Fahrt in den Gotthard-Basistunnel am Montag, 24. August 2015, in Erstfeld. Ab dem kommenden 1. Oktober 2015 bis zur Eroeffnung des Gotthard-Basistunnels am 1. Juni 2016 werden Testfahrten durchgefuehrt. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Hochmodern: Der Gotthard-Basistunnel.
Bild: KEYSTONE

Der Gotthard ist ein Tunnel der Superlative – doch in Kürze überholen uns unsere Nachbarn

Der Gotthard-Basistunnel ist nicht das einzige Jahrhundertbauwerk in den Alpen. Der Brenner Basistunnel, eine wichtige Verbindung zwischen München und Verona, wird in zehn Jahren eingeweiht. Dann wird er den Gotthard als längsten Eisenbahntunnel der Welt ablösen.

22.05.16, 21:47 25.05.16, 10:20


Der Brenner-Basistunnel selbst wird 55 Kilometer lang sein, aber gemeinsam mit der bestehenden Umfahrung Innsbrucks in Österreich erreicht der Brenner eine Länge von insgesamt 64 Kilometern. Damit wird das Gemeinschaftswerk von Italien und Österreich sieben Kilometer länger als der Gotthard-Basistunnel sein.

Die Aussicht, den Schweizer Rekord zu brechen, ist aber nicht die treibende Motivation der Nachbarländer der Schweiz. «Das ist wirklich zweitrangig», sagt Simon Lochman, Sprecher des Unternehmens BBT (Brenner Basistunnel). «Wichtig ist, dass die Infrastrukturen klug genutzt werden und zu einer nachhaltigen Mobilität beitragen», sagt er.

epaselect epa04670211 Guests inspect the tunnel during the official start of the main tunnel works of the Brenner Base Tunnel, in Innsbruck, Austria, 19 March 2015.  EPA/ANGELIKA WARMUTH

Männer inspizieren den Brenner-Tunnel.
Bild: EPA/APA

Von Helsinki bis Valetta

Der Tunnel durchquert die Alpen unter dem Brennerpass. Über den Pass laufen 40 Prozent des alpenquerenden Güterverkehrs, davon zwei Drittel über die Strasse. Über den Brenner fahren daher jährlich fast doppelt so viele Lastwagen wie über die Schweizer Alpenübergänge.

Die neue Flachbahn soll nun die alte Bahnlinie über den Pass ablösen, die seit 140 Jahren in Betrieb ist. Im März 2015 haben die Hauptarbeiten für den Basistunnel auf österreichischer Seite offiziell begonnen. Wird der Zeitplan eingehalten, nimmt der Tunnel 2026 seinen Betrieb auf. Die Fahrzeit zwischen dem österreichischen Innsbruck und dem italienischen Fortezza beträgt dann noch 25 Minuten statt 80 wie heute.

epa05319775 A picture made available on 20 May 2016 shows an interior view on the media day for the testing period of the Gotthard Base Tunnel (The New Railway Link through the Alps, NRLA) in Erstfeld, Switzerland, 10 March 2016. The opening celebrations of the Switzerland's the largest-ever construction project will start on 01 June 2016. The excavation work has taken more than 15 years and about 12.7 billion dollars. With a length of 57 km crossing the Alps, the Gotthard Base Tunnel is the world's longest railway tunnel.  EPA/ALEXANDRA WEY

Blick in den Gotthard-Basis-Tunnel.
Bild: EPA/KEYSTONE

Als Teil einer der wichtigsten europäischen Transportrouten stuft die EU den Brenner-Tunnel als prioritär ein. Er befindet sich auf einer wichtigen Achse, die durch die Mitte des Kontinents führt und Helsinki in Finnland mit Valletta in Malta verbindet. Seine Kosten werden auf 9 Milliarden Franken geschätzt. 40 Prozent davon bezahlt die EU, den Rest teilen sich Österreich und Italien.

Gemeinsamkeiten zwischen den Tunnels

Der Brenner weist dabei einige Gemeinsamkeiten mit dem Gotthard auf: Wie der Gotthard-Basistunnel besteht auch der Brenner aus zwei eingleisigen parallelen Röhren. Schon seit zehn Jahren arbeite BBT mit den Experten von Alptransit Gotthard zusammen, der Bauherrin des Gotthards, sagt Lochmann. BBT blicke «mit dem grössten Respekt auf die herausragende Leistung unserer Schweizer Kollegen.»

Weiter sitzt im Planungskomitee des Brenners mit dem Ingenieur Peter Teuscher der ehemalige Chef der BLS Alptransit, die für den Bau des Lötschberg-Basistunnels verantwortlich war. «Wir haben zahlreiche Techniken vom Gotthard übernommen und aus den Erfahrungen bei seinem Bau gelernt», sagt Lochmann. So sind das Sicherheits- und Rettungskonzept von demjenigen des Schweizer Tunnels inspiriert.

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Namentlich bei den Nothaltestellen orientieren sich die Planer am Gotthard, weil sich die Geometrie und Funktionalität der beiden Tunnel ähneln. Auch bei den Verbindungsstollen nahmen sich die Ingenieure den Gotthard zum Vorbild. Etwa alle 330 Meter sind solche Stollen angelegt, die es den Passagieren ermöglichen, ohne Probleme von einer Röhre in die andere zu wechseln.

An Bord beim Bau des Brenner-Basistunnels sind zudem etwa 30 Tunnelbauer und rund 20 Ingenieure, die bereits bei der Konstruktion der Schweizer Tunnel Lötschberg oder Gotthard involviert waren. Die BBT erwartet, noch weitere Tunnelbauer und Ingenieure für sich gewinnen zu können. Letztlich werden jährlich rund 2000 Personen für das Bauwerk arbeiten.

Genua oder Triest?

Die Röhren des Tunnels werden durch verschiedene Felsengesteine hindurch gebaut. 30 Prozent des Gesteins werden durch Sprengungen ausgehoben, 70 Prozent durch die Tunnelbohrmaschine.

Nicht vom Vorbild Gotthard abschauen konnte der Brenner, wie die zwei Länder Italien und Österreich sich abstimmen sollen. Denn dabei können unerwartete Probleme auftauchen: Für die Messung der Höhe orientiert sich Italien am Meeresspiegel in Genua, Österreich am Meeresspiegel in Triest.

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Da dies zu Unterschieden in den Berechnungen von 12,5 Zentimetern führte, beschlossen die zwei Länder sich am europäischen System, bei dem Amsterdam als Referenz dient, zu orientieren.

Eine Besonderheit des Brenners stellt zudem ein Erkundungsstollen dar: Über die ganze Länge wurde etwa zwölf Meter unter den Haupttunneln ein Loch von fünf Meter Durchmesser gebohrt, um die Geologie und Hydrogeologie auszukundschaften. Diesen Stollen nutzen die Tunnelarbeiter während des Baus zu logistischen Zwecken. Wenn der Brenner seinen Betrieb aufnimmt, soll der Stollen der Wartung und Entwässerung dienen.

Wie der Gotthard wird auch der Brenner Basistunnel den Titel des längsten Eisenbahntunnels nicht für immer halten können. China beispielsweise plant, den längsten Unterwassertunnel der Welt zu bohren. Dieser soll unter dem Golf von Bohai hindurchführen, um die Hafenstädte Dalian und Yantai zu verbinden. Der Tunnel soll 123 Kilometer lang werden. Damit wäre er länger als der Brenner- und Gotthard-Basistunnel zusammen. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Döst 23.05.2016 08:29
    Highlight "Seine Kosten werden auf 9 Milliarden Franken geschätzt. 40 Prozent davon bezahlt die EU, den Rest teilen sich Österreich und Italien."
    Und wir Schweizer Idioten haben den Gotthard zu 100% selber bezahlt, sowie die Anschlüsse/Terminals in den Nachbarländern nachträglich finanziert.
    38 3 Melden
    • Fumo 23.05.2016 09:52
      Highlight Tja wenn man sich aus der EU raushalten will und für den logistischen Verkehr zwischen DE und IT Geld von der EU verdienen will, darf man seine Tunnels halt selbst finanzieren.
      Rosinenpicken geht halt schlecht, vor allem wenn Italiener als Verhandlungspartner da stehen ;).
      25 2 Melden
    • Fabio74 23.05.2016 10:10
      Highlight Wenn die CH nicht auf die EU zu geht zwecks Untwrstützung ist die CH selber schuld.
      8 1 Melden
    • Tom Garret 23.05.2016 16:48
      Highlight Das ist in Ordnung, so sind wir auch nicht erpressbar von der EU.
      5 3 Melden
    • Fumo 24.05.2016 07:55
      Highlight Das wird sich in 15 Jahren zeigen, wenn der Schweiz ein par Transiteinnahmen ausgehen ;)
      0 0 Melden
  • Wilhelm Dingo 23.05.2016 07:22
    Highlight Was im Bericht komplett fehlt ist der Verkehrpolitische Zusammenhang zum Gothard Basis Tunnel.
    14 3 Melden
    • Fumo 23.05.2016 09:53
      Highlight "Verkehrpolitische Zusammenhang zum Gothard Basis Tunnel"

      Die Schweiz baut den Gotthard aus um mehr EU Gelder abzuzocken und die EU baut ihr eigenes um die Schweiz zu umfahren, ist doch ziemlich einfach ;).
      5 2 Melden
  • Bolly 23.05.2016 05:55
    Highlight Bild 20, ja wir stehen da ein bisschen auf der Lok auf dem Gleis....heute undenkbar. Ja das waren noch Zeiten, danke für die alten Bilder. 👍🏼🙂
    7 0 Melden
  • Donald 23.05.2016 00:54
    Highlight Der Brenner ist vom Tunnel in Innsbruck getrennt und damit wird er nicht der längste Tunnel werden ;)
    56 4 Melden
  • trio 23.05.2016 00:38
    Highlight In 11 Jahren wollen sie den Tunnel fertig haben. Warum haben wir soviel länger gebraucht??
    23 8 Melden
    • Amboss 23.05.2016 02:28
      Highlight Sag mal: wie viel länger haben wir denn gebraucht?
      13 0 Melden
    • Amboss 23.05.2016 13:22
      Highlight @Max: Die Bauarbeiten sind bereits im Gang.
      Es wird also mindestens 12 Jahre dauern.
      Und wie lange es effektiv dauert, kann man dann sagen, wenn er wirklich öffnet.
      Ob das wirklich 2026 ist?
      0 0 Melden
    • Fumo 24.05.2016 07:56
      Highlight @Amboss
      Nicht zu vergessen dass die andere Hälfte aus Italien kommen soll, da sind Verzögerungen eingeplant XD
      2 0 Melden

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