Schweiz
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Jacques Dubochet, University of Lausanne, one of the 2017 Nobel Prize winners in Chemistry speaks during a press conference at the Universitiy of Lausanne, UNIL, Switzerland, Wednesday, October 4, 2017. The Karolinska Institute of Stockholm, Sweden, announced 04 October 2017, that scientists Jacques Dubochet, University of Lausanne, Switzerland, Joachim Frank, Columbia University, New York, USA and Richard Henderson, MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, Britain were awarded with the 2017 Nobel Prize in Chemistry for «developing cryo-electron microscopy for the high-resolution structure determination of biomolecules in solution». (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Strahlen übers ganze Gesicht: Chemie-Nobelpreisträger Jacques Dubochet an einer Pressekonferenz an der Universität Lausanne. Bild: KEYSTONE

Weltverbessern ist wie Mayonnaise  – 7 Weisheiten des Schweizer Nobelpreisträgers

Die Schweiz hat wieder einen Nobelpreisträger: den Biophysiker Jacques Dubochet. Dass die Interessen des 75-Jährigen weit über die Naturwissenschaften hinausreichen, zeigt ein Blick auf seinen Blog. Wir zeigen die besten Fundstücke –  über weibliche Machos, menschliche Schafe und den unausweichlichen Rauswurf von Donald Trump.



Den Nobelpreis für Chemie erhielt Dubochet gemeinsam mit seinen Forschungskollegen Joachim Frank und Richard Henderson für «ihren entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie» zugesprochen. Tönt kompliziert, ist es auch.

Doch Dubochet entspricht keineswegs dem Klischee des eigenbrötlerischen Wissenschafter, der sich für nichts ausserhalb seines Fachgebiets interessiert. Seit seiner Pensionierung hält er Vorlesungen zum Thema «Biologie und Gesellschaft» an der Uni Lausanne. Dubochet setzt sich für den Naturschutz ein, hilft Flüchtlingen und politisiert für die SP im Stadtparlament von Morges VD. Kollegen beschreiben ihn als herzlich, bescheiden und umgänglich. Dass er Humor hat, beweist sein Lebenslauf auf der Homepage der Uni Lausanne.

An seinen vielfältigen Interessen und seiner ungestillten Neugier kann man auf Dubochets privater Website teilhaben. Auf seinem «Blog de Jacques» kommentiert der Waadtländer vor allem Artikel aus wissenschaftlichen Zeitschriften, welche er auch als Rentner geradezu verschlingt. Hinzu kommen philosophische Betrachtungen der Gegenwart. Wir präsentieren die schönsten Trouvaillen.

Über das harte Dasein eines Rentners

«Hart ist es, das Leben eines Rentners, der jederzeit die Freiheit hat, alles zu machen. Michèle hatte mir geraten, das erste Jahr nach der Pensionierung dafür zu widmen, den neuen Beruf zu erlernen. Der Ratschlag war gut, aber weitgehend ungenügend. Zehn Jahre später muss ich festhalten: Ich hätte jedes Jahr  strenger sein müssen bei meinen Entscheidungen. Und ich habe mir jedes Jahr selber versprochen, mich zu bessern. Inzwischen bin ich einen Schritt weitergekommen: Ich habe bemerkt, dass ich nur eine Sache gleichzeitig machen kann. »

Eintrag vom 1.10.2017: «J’ai tout mon temps mais pas tout le temps»

Über die Wählerinnen von Donald Trump

epa05936316 A supporter of US President Donald J. Trump holds up a 'Women for Trump' banner during a rally at the Pennsylvania Farm Show Complex in Harrisburg, Pennsylvania, USA, 29 April 2017. The rally marked the president's 100th day in office.  EPA/TRACIE VAN AUKEN

Bild: EPA/EPA

«Bei den Frauen, welche für Trump gestimmt haben, gerate ich in Erklärungsnot. Ist der Machismo geschlechtsneutral?»

Eintrag vom 14.11.2016: «Pourquoi Trump?»

Über das Wesen eines Wissenschafters

Jacques Dubochet, University of Lausanne, one of the 2017 Nobel Prize winners in Chemistry gives a lecture at the Universitiy of Lausanne, UNIL, Switzerland, Thursday, October 5, 2017. The Karolinska Institute of Stockholm, Sweden, announced 04 October 2017, that scientists Jacques Dubochet, University of Lausanne, Switzerland, Joachim Frank, Columbia University, New York, USA and Richard Henderson, MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, Britain were awarded with the 2017 Nobel Prize in Chemistry for

Jacques Dubochet erklärt die Kryo-Elektronenmikroskopie  Bild: KEYSTONE

«Für mich ist ein Wissenschafter jemand, dessen einzige Wissensquelle die Natur ist. Er ist wie ein Schüler, der sich anstrengt, das aufzunehmen, was ihm die Natur sagen will. Er ist nicht der Lehrer, welcher der Natur Fragen stellt und ihr schlechte Noten gibt, wenn ihre Antworten nicht seinen Erwartungen entsprechen.

Wer bin ich denn, Fragen zu formulieren, auf die ich eine absolute und endgültige Antwort erwarte? Ist es vernünftig zu erwarten, dass in mein 1,5 Kilogramm schweres Gehirn eine vollständige Repräsentation des Universums passt? Und das diese so vollständig und zuverlässig ist, dass ich daraus das Wesen der Natur ableiten kann, ohne mir die Natur selber anzuschauen?»

Eintrag vom 25.4.2017: «Guillaud, F. (2013). Dieu existe. »Gedanken zum Buch ‹Dieu existe. Arguments philosophiques› von Frédéric Guillaud.

Über die Russland-Connection von Trump

FILE - In this Jan. 28, 2017 file photo, President Donald Trump speaks on the phone with Prime Minister of Australia Malcolm Turnbull in the Oval Office of the White House in Washington. (AP Photo/Alex Brandon, File)

Halfen ihm die Russen? Donald Trump am Telefon. Bild: AP/AP

«Wie man jetzt sieht, lassen sich die Geschichten nicht unter den Teppich kehren. Worum geht es genau? Zuerst einmal zweifelsohne um eine manipulierte Wahl. Sie wird für ungültig erklärt werden. Denn selbst die USA werden diese Wahl nicht akzeptieren können. Trump wird vor die Tür gesetzt werden. Anstelle der Regierung wird eine grosse Leere bleiben.

Und danach? Mit der Nachfolge Obamas muss von Neuem begonnen werden. Das geht nicht vom einen Tag auf den anderen. Wie wäre es, Obama wieder ins Amt zu holen, bis Neuwahlen organisiert worden sind und das Geschehene ernsthaft zu reflektieren? Darum wird man nicht herum kommen.»

Eintrag vom 1. April 0217: «Un 1er avril plein de promesses»

Über den Vorteil des «Wir» gegenüber dem «Ich»

«Das menschliche Wesen ruht auf zwei Beinen. Das eine ist das Individuum, das ‹Ich›. Das andere ist sein soziales Wesen, das ‹Wir›. Bei Problemen offeriert das ‹Ich› generell die erste Lösung, das ist die Werkseinstellung. Das ‹Wir› ist mühsamer umzusetzen, aber es offeriert die gehaltvolleren und häufig unvergleichlich besseren Lösungen. »

Eintrag vom 28.11.2016: «Colloque de l’Association Cèdres Réflexion de l’Église Évangélique Réformée Vaudoise»

Über menschliche Schafe

Abstimmungsplakate fuer und gegen die Durchsetzungsinitiative haengen am Montag, 8. Februar 2016 im Hauptbahnhof in Zuerich. Die Abstimmungsplakate gegen die Durchsetzungsinitiative wurden von einem Komitee aus ueber 200 Prominenten konzipiert, welche hinter der Aktion

SVP-Abstimmungsplakat in Zürich. Bild: KEYSTONE

«Sind wir Schafe? Auf Abstimmungsplakaten in der Schweiz werden die Menschen als schwarze Schafe dargestellt... und als weisse. Um zu verstehen, weshalb das so ist und um am 28. Februar in Kenntnis der Ursachen abzustimmen, habe ich zuerst einen Artikel eines Schafzüchters zu Rate gezogen.  »

Eintrag vom 25.2.2016: «Les Moutons de Sophie». (Dubochet bezieht sich auf die Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative der SVP, Anm. der Red.)

Über eine bessere Welt dank Mayonnaise

Mayonnaise

So wird Mayonnaise gemacht. Bild: shutterstock

«Und dennoch streben wir, die normalen Leute, eine harmonische Welt für alle an und wären bereit, uns für diese Utopie zu engagieren. Es reicht, daran zu glauben. Aber wir glauben nicht daran, weil wir glauben, wir wüssten nicht, wie das zu bewerkstelligen ist. Dabei liegen die Lösungen auf der Hand.

Was fehlt also? Zuerst einmal sind wir hier und heute zuwenig klar bei unseren Werten, die uns ein harmonisches Leben ermöglichen und den Weg aufzeigen hin zu dieser Utopie, die unser gemeinsamer Wunsch ist. Und dennoch, es wäre nicht schwierig. Die Zutaten sind schon vorhanden. Wir müssen sie nur noch anrühren, wie bei einer Mayonnaise. »

Eintrag vom 14.11.2016: «Pourquoi Trump?»

Erster Schweizer Nobelpreis seit 15 Jahren geht an Lausanner

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Video: srf

Schweizer Nobelpreisträger

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Papa Swappa 07.10.2017 00:21
    Highlight Highlight Intelligenz, kombiniert mit Inspiriertheit & Humor - sollte es mehr geben!
  • chicadeltren 06.10.2017 11:49
    Highlight Highlight Es wäre schön, wenn er die Politik genauso hinterfragen würde wie die Naturwissenschaften. Aber z.B. seine Schlüsse zu Trump haben etwa das Niveau eines 5-jährigen. Wenn einem kein Grund einfällt weshalb Frauen Trump wählen ausser sie seien Machos, hat man einiges verpasst, nicht richtig nachgedacht und dazu noch keine Ahnung von Ami-Kultur...
  • Don Sinner 06.10.2017 10:41
    Highlight Highlight Der lustige Professor - von mir aus. Politischer Sachverstand (Nr. 4)? Na ja. Eine 3. Amtszeit (Obama) ist in den USA nicht vorgesehen, auch nicht einen Verlängerung. Politik ist kein Soccerspiel trotz vieler Ähnlichkeiten wie Absprachen, Schmieren, Dealen, Foulen etc.
    • din Vater 06.10.2017 11:49
      Highlight Highlight Du hast wohl ubersehen, dass er den Eintrag am 1. April gemacht hat :P
    • bokl 06.10.2017 12:30
      Highlight Highlight @Don K. Sinna
      Ausnahmen bestätigen die Regeln. Aber ich denke dieser Beitrag wurde nicht zufällig am 1. April veröffentlicht...
    • Don Sinner 06.10.2017 13:24
      Highlight Highlight din V & bokl Hab ich auch mit einbezogen und dann verworfen... :-)
  • The Origin Gra 06.10.2017 10:29
    Highlight Highlight Hoppla er ist ziemlich Schlagfertig und Check :)
  • Lowend 06.10.2017 10:04
    Highlight Highlight Jacques Dubochet wird mir mit jedem Interview und jedem Satz den ich von ihm lese immer sympathischer!

    Herzliche Gratulation zum Nobelpreis nach Lausanne!
  • pamayer 06.10.2017 09:42
    Highlight Highlight Très sympa!
  • Turi 06.10.2017 08:51
    Highlight Highlight «Bei den Frauen, welche für Trump gestimmt haben, gerate ich in Erklärungsnot. Ist der Machismo geschlechtsneutral?»

    Hatten ja bloss Neoliberalismus&Feminismus als Alternative, in Person von Hillary. Pech und Cholera.
    • flausch 06.10.2017 12:19
      Highlight Highlight Hillary und Feminismus?
      Das verstehe ich jetzt aber gar nicht...
      Nur weil eine Frau zur Wahl für ein Amt steht und die Männer gleich in Panik ihre Macht verteidigen bedeutet das noch lange nicht das die Frau desshalb eine Feministin ist, nein es bedeutet nur das die Männer ängstliche Machos sind denen in ihrer Panik jeglicher Realitätsbezug abhanden gekommen ist ;P
    • flausch 06.10.2017 12:23
      Highlight Highlight Und hier noch eine verbildlichung des männlichen Traumas...

      ;P
      User Image

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

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