Schweiz

Für Künstler Harald Naegeli ist es gang und gäbe, dass er für seine Bilder angeklagt wird. Bild: EPA/DPA

«Sprayer von Zürich» vor Gericht: Wegen 9200 Franken Schaden drohen 200'000 Franken Busse

13.09.17, 16:38 13.09.17, 16:50

Wegen mehrfacher Sachbeschädigung steht Harald Naegeli, der international bekannte «Sprayer von Zürich», Anfangs Oktober vor dem Bezirksgericht. Die beantragte Busse und Geldstrafe für Graffitis aus den Jahren 2012 und 2013 belaufen sich auf rund 200'000 Franken.

Für diesen Künstler ist es gang und gäbe, dass er für seine Bilder angeklagt wird. Harald Naegeli malt mit der Spraydose, seine Leinwand ist die Hauswand. Vor 40 Jahren hat er zum ersten Mal seine langgliedrigen Figuren an Stadtzürcher Wände gesprayt. Die Antwort darauf waren hunderte Anzeigen wegen Sachbeschädigung. 1979 wurde er beim Sprayen verhaftet.

Nach Deutschland geflohen

Während er in der Schweiz angeklagt wurde, floh er nach Deutschland und malte dort seine Graffitis. Aus dem «Sprayer von Zürich» wurde ein international bekannter Künstler. Als er sich 1984 beim Grenzübergang Lörrach freiwillig von der Schweizer Polizei in Gewahrsam nehmen liess, begleitete ihn der deutsche Künstler Joseph Beuys.

Als er sich 1984 beim Grenzübergang Lörrach freiwillig von der Schweizer Polizei in Gewahrsam nehmen liess, begleitete ihn der deutsche Künstler Joseph Beuys. Bild: KEYSTONE

In den vergangenen Jahren tauchten immer wieder neue Graffitis Naegelis in Zürich auf. Vergangenen Mai war er im öffentlichen Gespräch, als er anbot, in den Grossmünstertürmen einen «Totentanz der Fische» zu sprayen.

9200 Franken Sachschaden

Nun muss sich der 77-Jährige vor dem Bezirksgericht verantworten für Arbeiten aus den Jahren 2012/2013. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, er habe mit seinen Graffitis willentlich fremde Objekte verunstaltet.

Ein typischer Harald Naegeli. Bild: KEYSTONE

25 Wandbilder listet die Anklageschrift auf, etwa bei der Quaibrücke, beim Treppenaufgang zum Grossmünster, an der Ufermauer bei der Rathausbrücke, bei der Kornhausbrücke, am Gebäude der Kantonsverwaltung am Walcheplatz – der Sachschaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 9200 Franken.

Für die Sachbeschädigungen verlangt der Staatsanwalt eine Busse von 10'000 Franken sowie eine Geldstrafe von 189'000 Franken. Es ist nicht das erste Mal, dass Naegeli hohen Geldstrafen gegenübersteht: 1981 hatte ihn das Bezirksgericht Zürich laut einem Bericht von «Spiegel Online» zu einer Geldstrafe von über 100'000 Franken verurteilt, weil er die Einwohner von Zürich über Jahre verunsichert habe. (whr/sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 14.09.2017 06:58
    Highlight Die Schickeria hebt diesen dumpfbackigen Autisten in den Himmel weil er irgendwelche doofen Männchen an die Wand malt...?

    Kunst ist eine Hure...
    15 3 Melden
    • Maria B. 14.09.2017 13:51
      Highlight Ein behandlungswürdiger Psychopath, der seinen Hang zum Exhibitionismus auf diese Weise und zum Schaden zahlloser Bürger in dieser kranken Weise zum Ausdruck bringt.

      Diese infantil wirkenden Krakeleien mit kindlichen Strichmännchen hat meine Tochter schon mit drei Jahren gezeichnet :-)!
      Dies allerdings auf Papier und ohne jemand zu schädigen.

      Tut mir leid, wer sowas als Kunst bezeichnet, ha einen ausgewachsenen Dachschaden.

      Und da dieser Gestörte, der offenbar ungern arbeitet, noch nicht mal genügend Geld hat, um seine jahrelangen Fremdschäden zu bezahlen, gehört er in die Psychiatrie.
      14 4 Melden
  • stamm 14.09.2017 00:45
    Highlight Wetten, dass er die Busse niemals zahlen muss! Künstler hin oder her, so Einer gehört bestraft!
    13 2 Melden
  • Selbstdenker97 14.09.2017 00:40
    Highlight Immer diese jungen die alles Vollschmieren...
    9 5 Melden
  • Turbi 13.09.2017 22:38
    Highlight Typisch Schweizer. Humorlose Quadratbünzli
    5 11 Melden
    • Selbstdenker97 14.09.2017 17:00
      Highlight Mit den Blitzen bestätigen die humorlosen Quadratbünzlis Ihre Aussage :D
      4 6 Melden
  • Tiefstapler 13.09.2017 21:16
    Highlight Ich empfinde bei 95% der Zürcher Wände einen Nägeli als Wertsteigernd. Meine Meinung. Fertig.
    38 29 Melden
  • Maria B. 13.09.2017 20:05
    Highlight Einen Naegeli Künstler zu nennen, bloss weil er seine infantil wirkenden Strichmännchen krakelt, zeigt, wie dekadent unser Kunstbegriff geworden ist :-)!

    Wenn schon fremde Wände "schmücken", dann wirken die farbigen und echt talentierten Werke jugendlicher Spayer bedeutend inspirierender und gefälliger.

    Rein rechtlich gesehen, ist Naegeli seit Jahren lernresistent und exhibiert in psychopathologischer Weise munter weiter und ist nicht bereit, von seinen kindlich wirkenden Strichmännli auf die alten Tage Abstand zu nehmen.

    Sein Bier - aber die Konsequenzen soll er jetzt umfänglich tragen...
    66 48 Melden
    • Selbstdenker97 14.09.2017 00:47
      Highlight Psychologisch gesehen hat jeder einen Schuss weg der sich nicht den Vorgaben der Gesellschaft beugt.

      Aber die Frage ist doch, wenn die Gesellschaft krank ist und ich mich entgegen Ihrer Erwartungen verhalte bin ich dann krank oder ist es die Gesellschaft?

      Psychische Analysen gerade bei Querulanten oder Reformern(wie mans nimmt) sind meist eine Frage des Blickwinkels.
      4 6 Melden
    • ujay 14.09.2017 04:35
      Highlight Argh....schon wieder so eine Kunsterklaererin😂😂😂
      3 12 Melden
  • derEchteElch 13.09.2017 19:41
    Highlight Richtig so, auch das ist Sachbeschädigung und gehört verurteilt und bestraft. Ich will sein gekrafel nicht an meiner Hauswand haben, sonst hätte ich ihn beauftragt.
    48 47 Melden
    • Phipsli 15.09.2017 08:38
      Highlight Bünzlis beeinträchtigen meine Lebensqualität und machen das Leben öder...
      1 4 Melden
  • banda69 13.09.2017 19:33
    Highlight Allemal gehalts- und liebevoller als jede millionenschwere SVP-Hetzkampagne.
    33 43 Melden
    • mike2s 14.09.2017 10:06
      Highlight Das ist aber eine sehr nieder Latte.
      7 0 Melden
  • Dr. Zoidberg 13.09.2017 19:13
    Highlight also ich hätte gern einen naegeli oder bansky an meinem haus. aber hier in kleinkuhscheisserode käme vermutlich ein gemeindearbeiter und würde das kostenpflichtig abwaschen...
    33 35 Melden
  • Alan Smithee 13.09.2017 18:03
    Highlight Harald Nägeli mag für viele ein Querulant
    sein.
    Ich kann mir aber vorstellen das sich die Kunstaffinen Touris an seinen naiven Augenmännchen erfreuen.
    Nägeli gehört zu den Pionieren dessen was mann heute Streetart nennt.
    Also da hätte er schon ein bisschen mehr
    Nachsicht verdient.
    78 47 Melden
    • trio 13.09.2017 18:49
      Highlight Sorry für den Blitz!
      23 10 Melden
  • seventhinkingsteps 13.09.2017 17:53
    Highlight Der Typ gehört hart bestraft und für ewig in den Knast gesteckt! Das ist Verschmieren von fremdem Eigentum!

    *Sarkasmus off*
    42 48 Melden
    • Hansdamp_f 13.09.2017 19:15
      Highlight Sobald es Dein Eigentum ist, bleibt Dir der Sarkasmus im Hals stecken, wetten?

      Und trotzdem: Nägeli ist Kult.
      20 25 Melden
    • seventhinkingsteps 13.09.2017 21:34
      Highlight Lol, wenn Nägeli an mein Haus sprayen würde, würde ich wohl die Wand versiegeln.
      29 15 Melden
  • Entenmann 13.09.2017 17:21
    Highlight Bitte nicht nur die Summe der Geldstrafe nennen. Diese setzt sich, anders als eine Busse, immer aus zwei Komponenten zusammen: Anzahl Tagessätze, entsprechend der Schwere des Verschuldens, und Höhe eines Tagessatzes, abhängig von der finanziellen Lage des Beschuldigten. Nur wenn man beide Zahlen kennt, kann man sich von der beantragten Strafe ein Bild machen. Zudem könnte die Geldstrafe bedingt ausgesprochen werden, darauf deutet die zusätzlich beantragte (immer unbedingte) Busse hin.
    52 5 Melden
    • John Smith (2) 13.09.2017 19:58
      Highlight Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass Journalisten das jemals begreifen werden.
      30 3 Melden

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