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Edelweisshemd-Eklat: Aussprache – und ein Sorry der Lehrerin an die Schüler

Eine Gossauer Lehrerin verlangte von dreien ihrer Schüler, ihr Edelweiss-Hemd auszuziehen, weil sie deren Aktion als fremdenfeindlich wertete. Die Folge war eine landesweite Rassismusdiskussion. Heute hat sich die Lehrerin entschuldigt. Und jetzt?

15.12.15, 07:07

jürg krebs

Ein Artikel der

Patrick Perenzin, Schulleiter in Gossau ZH, hat die Konfliktparteien am Montag zum Gespräch geladen. Die drei Jugendlichen, die von ihrer Lehrerin am Freitag aufgefordert worden waren, ihr Edelweiss-Hemd auszuziehen, mit dem sie zum Unterricht erschienen waren. Und die Lehrerin, die ihnen deshalb fremdenfeindliches Verhalten vorgeworfen hatte.

Das Resultat der Unterredung: Die Lehrerin hat sich für ihre Aussagen vom Freitag entschuldigt und die Schüler haben die Entschuldigung angenommen, hält Schulleiter Perenzin fest. Und weiter: «Sie habe unbedacht und emotional reagiert.»

Das Hemd des Anstosses.
Bild: KEYSTONE

Keine Regeln verletzt

Perenzin hält nochmals fest: «Die Schüler und Schülerinnen haben mit ihrem Auftreten und ihrer Kleidung keinerlei Regeln verletzt.» Die Schüler hätten sich im Nachgang fair und loyal gegenüber der Schule und anderen Schülern, sowie Lehrpersonen verhalten.

Am Gespräch waren beteiligt: das Präsidium des Schülerparlaments, die Schulleitung, das Elternratspräsidium, der Schulsozialarbeiter. Laut Perenzin sei die Aussprache «konstruktiv und in einem guten Klima verlaufen».

Respekt und Toleranz

Die Beteiligten hätten erkannt, dass an der Sekundarschule Gossau Signalen bezüglich Respekt und Toleranz zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Nun werde das Thema im Rahmen von Schülerparlament, Lehrerkonferenz und Elternrat vertieft behandelt.

Zum Konflikt war es am Freitag gekommen. Zehn Sek-Schüler tauchten im Edelweiss-Hemd auf, um ein Zeichen zu setzen, dass sie Stolz auf die Schweiz seien. Zur Aktion hatte sie gemäss der «Sonntag-Zeitung», die den Streit am Wochenende publik gemacht hatte, eine Auseinandersetzung in einem Aufenthaltsraum. Dort sei Schweizer Musik kritisiert worden, offenbar von Schülern «aus dem Balkan».

Sarkasmus auf Social Media

Die Junge SVP Schweiz nutzte die Situation um bereits zur zweiten Edelweiss-Hemd-Aktion in diesem Jahr aufzurufen. Denn bereits im Frühjahr war es an einer Schule in Luzern zu einem ähnlichen Vorfall wie in Gossau gekommen.

Dem Aufruf der Jungen SVP folgte am Montag die Zürcher SVP-Fraktion im Kantonsrat, die sich in Edelweiss-Hemden kleidete, oder Kravatten, Foulards oder Schirmmützen mit Edelweiss-Motiven trugen.

Auf dem Kurznachritendienst Twitter wurde die Geschichte weitergesponnen. Sinn und Unsinn von Schuluniformen wurden diskutiert, aber auch ironische und sarkastische Tweets wurden abgesetzt.

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • cassio77 15.12.2015 08:58
    Highlight jolanda spiess verwechselt eidgenossen mit schweizern...
    0 1 Melden
  • Linus Luchs 15.12.2015 08:55
    Highlight Was an der Schule in Gossau passiert, ist das eine. Hoffentlich werden die Schülerinnen und Schüler etwas aus der Affäre lernen.
    Der andere, äusserst bedenkliche Teil der Geschichte ist die Tatsache, dass die Zürcher SVP-Fraktion dem Aufruf der einfältigen JSVP Folge leistet und im Kantonsrat mit Edelweiss-Hemden auftritt. Das sind keine Jugendlichen, die mit Zugehörigkeitssymbolik ihr Selbstwertgefühl aufmöbeln, sondern erwachsene Politiker mit gesellschaftlicher Verantwortung, Repräsentanten eines Staatsorgans. Der Weg vom Einheitshemd zur Armbinde ist kurz.
    9 7 Melden
    • pachnota 15.12.2015 15:19
      Highlight Ok, klingt für mich jetzt definitiv nach Verfolgungswahn.
      1 1 Melden
  • glüngi 15.12.2015 08:49
    Highlight Mitlerweile in der Hemdenfabrik Edelweiss: Dank ungewöhnlich guten Absatz-zahlen vergibt der Chef jedem Mitarbeiter einen Porsche 911 Firmenwagen im Edelweiss Design. "Wir werden zwar alle 100 Meter von der Polizei angehalten mit der Vermutung auf Rassistische Hintergründe, doch so ein Porsche ist schon was feines, Danke JSVP!"
    6 2 Melden
  • Amanaparts 15.12.2015 08:15
    Highlight Diese Diskussion hat nur gezeigt wie die Authorität der Lehrer untergraben wird. Kein Wunder wechseln so viele Lehrer den Job.
    11 9 Melden
  • chandler 15.12.2015 07:53
    Highlight So, ist gut jetzt? Wie lange wollt ihr diese aufgeblasene Geschichte noch in die Länge ziehen? Haben wir echt keine anderen Probleme?
    23 2 Melden
  • runner 15.12.2015 07:40
    Highlight Wobei man ja sagen darf, dass der Islam wohl keinesfalls zur Schweizer Kultur gehört, aber ein Kopftuch früher auf dem Land sehr wohl getragen wurde.
    12 7 Melden
    • Bruno Wüthrich 15.12.2015 08:47
      Highlight Das wurde nicht nur auf dem Land getragen. Das war ein Mode-Accessoir in Stadt und Land. Ähnlch wie heute die überdimensionierten (dämlich aussehenden) Halstücher. Sowohl das Kopf- als auch das Halstuch können in entsprechenden Phasen immer wieder in Mode kommen. Es braucht dazu lediglich einen Modezar, der das proklamiert. Die folgsamen, hoffentlich weissen Lämmer warten nur auf den Befehl.
      2 0 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 15.12.2015 08:52
      Highlight Als Kultur im wissenschaftlichen (ethnologischen Sinne) versteht man das gesamte erlernte Verhalten. Dies ist heterogen und ein stetiger Prozess. Der Islam kann daher durchaus zur Schweizer Kultur gehören.
      6 2 Melden

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