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Lilian Uchtenhagen, SP-Politkerin, Nationalraetin und Bundesratskandidatin, aufgenommen im November 1983 an ihrem Arbeitstisch. (KEYSTONE/Euler)

Lilian Uchtenhagen. Bild: KEYSTONE

Lilian Uchtenhagen ist tot – mit ihr stirbt die erste Fast-Bundesrätin der SP



Die Zürcher SP-Politikerin Lilian Uchtenhagen ist tot. Sie starb am Dienstag kurz vor ihrem 88. Geburtstag. Uchtenhagen wurde als eine der ersten Frauen in den Nationalrat gewählt und als erste Frau für eine Bundesratswahl aufgestellt - allerdings ohne Erfolg.

ZU DEN BUNDESRATSWAHLEN VOM MITTWOCH, 9. DEZEMBER 2015, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUM THEMA SPRENGKANDIDATUREN ZUR VERFUEGUNG - WEITERE BILDER FINDEN SIE AUF UNSERER WEBSEITE

Lilian Uchtenhagen bei der Wahl zur Nachfolge von Willi Ritschard. Bild: KEYSTONE

Die 1928 in Olten SO geborene Uchtenhagen wurde 1971, als die Frauen erstmals auf eidgenössischer Ebene wählbar waren, als Vertreterin der SP des Kantons Zürich in den Nationalrat gewählt. Seither gehörte sie bis 1991 ununterbrochen der Grossen Kammer an. 1991 trat sie nach zwanzig Jahren nicht mehr zur Wiederwahl an.

1983 wurde Uchtenhagen von ihrer Partei als Nachfolgerin von Bundesrat Willi Ritschard vorgeschlagen, der im Amt verstorben war. Sie war damit die erste Frau, die für die Schweizer Landesregierung kandidierte.

Nach breitem bürgerlichem Sperrfeuer wählte die Vereinigte Bundesversammlung anstelle der offiziellen SP-Kandidatin aber den von den Bürgerlichen aufgebauten SP-Gegenkandidaten Otto Stich.

«Ich habe immer gestaunt, wie gut Lilian Uchtenhagen diese Niederlage verarbeitet hat», erinnerte sich am Donnerstag der frühere SP-Parteipräsident Helmut Hubacher in der Sendung «Echo der Zeit» von Schweizer Radio SRF. Bei Männern habe er erlebt, dass das nicht so einfach sein könne. «Sie war in jeder Hinsicht eine aussergewöhnliche Politikerin.»

Uchtenhagen war mit Ambros Uchtenhagen, dem Vorreiter der Schweizer Drogenpolitik, verheiratet. Von 1970 bis 1974 sass die promovierte Politologin auch als Gemeinderätin im Zürcher Stadtparlament.

Kämpferin für die Frauenrechte

Die SP würdigt Uchtenhagen als Kämpferin für die Frauenrechte. Sie habe unauslöschliche Spuren in der politischen Landschaft hinterlassen, auch über die Schweiz hinaus.

Ihre Nichtwahl in den Bundesrat habe viele junge Frauen politisiert und dazu geführt, dass Frauen im Bundesrat heute eine Selbstverständlichkeit seien, schreibt die Partei.

Wie alt Bundesrätin und Parteikollegin Ruth Dreifuss gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte, darf man Uchtenhagens Politkarriere nicht auf den Misserfolg bei der Bundesratswahl reduzieren. Sie habe in der Gruppe rund um Helmut Hubacher eine wichtige Rolle als Vordenkerin der SP in den 1970er- und 1980er-Jahren gespielt.

ARCHIV - ZUM TOD DER EHEMALIGEN SP-NATIONALRAETIN LILIAN UCHTENHAGEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Die frisch gewaehlte SP-Bundesraetin Ruth Dreifuss am Tag ihrer Wahl vom 10. Maerz 1993 zusammen mit der ersten weiblichen und nicht gewaehlten SP-Bundesratskandidatin von 1983 Lilian Uchtenhagen im Bundeshaus zu Bern. (KEYSTONE/Karl-Heinz Hug)

Die frisch gewählte SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss am Tag ihrer Wahl vom 10. März 1993 zusammen mit der ersten weiblichen und nicht gewählten SP-Bundesratskandidatin von 1983 Lilian Uchtenhagen im Bundeshaus zu Bern.  Bild: KEYSTONE

Laut Dreifuss war Uchtenhagen als Nationalrätin sehr effizient und dossierfest. Hartnäckig habe sie Projekte zu einem Ende bringen wollen. Dies habe ihr manchmal den Vorwurf eingebracht, dickköpfig zu sein. Und wenn sie dann etwas temperamentvoll reagiert habe, warf man ihr vor, cholerisch zu sein.

Dreifuss bezeichnete Uchtenhagen als «Grande Dame» der Schweizer Politik. (hot/sda)

Die Bundesrats-Reise im Wandel der Zeit

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • atomschlaf 09.09.2016 08:22
    Highlight Highlight Ich verstand damals auch nicht, weshalb man Uchtenhagen nicht wählte.

    Rückblickend muss man jedoch feststellen, dass die Wahl von Otto Stich ein absoluter Glücksgriff war. Einer der besten Bundesräte der letzten Jahrzehnte!
    • rodolofo 09.09.2016 08:53
      Highlight Highlight Damals kamen auch mir sehr grosse Zweifel an unserem Konkordanz-System und dem weltweit einmaligen Auswahlverfahren, bei dem DIE ANDEREN Bundesratsparteien die jeweiligen Partei-Vertreter im Bundesrat wählen.
      Die Versuchung bei den auswählenden Parteien ist nämlich sehr gross, einen farblose Durchschnittstypen zu wählen, damit die Politischen Gegenspieler nicht punkten können.
      Die SP schluckte widerwillig die Kröte Stich, der dann aber ein Super Bundesrat war.
      Ähnlichen Erfolg hätte die SVP einfahren können, wenn sie -anstatt Ueli Maurer durchzudrücken- Hansjörg Walter als BR akzeptiert hätten
  • pamayer 08.09.2016 19:47
    Highlight Highlight Das waren noch streitbare sp Frauen mit Format. Chapeau les dames!
    sommaruga führt diese Linie hartnäckig weiter.

    Zu schade, dass die sp generell grad zwischen unbeholfen und konkordanz herumdümpelt, wo es politisch so viel von links her zu tun gibt.
    • koks 08.09.2016 23:18
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