Schweiz

Tod im Altersheim: Bezirksgericht Horgen stuft Tötung von 88-Jähriger als Mord ein

27.11.15, 08:59 27.11.15, 09:54

Die Tötung einer 88-jährigen Bewohnerin einer Alterswohnung in Kilchberg ZH wird als Mord eingestuft. Das Bezirksgericht Horgen hat die beiden beschuldigten Frauen zu Freiheitsstrafen von 13 beziehungsweise 10,5 Jahren verurteilt.

Beide Beschuldigten sprach das Gericht am Freitag zudem des Raubes, die 30-jährige auch des gewerbsmässigen Diebstahls schuldig. Sie muss für 13 Jahre ins Gefängnis.

Die 26-jährige geständige Mitbeschuldigte erhielt eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren. Die Kioskverkäuferin befindet sich seit rund einem Jahr im vorzeitigen Strafvollzug.

Hier geschah die Tat: Alterszentrum Hochweid in Kilchberg ZH. 
Bild: KEYSTONE

Verteidigung kämpfte auf verlorenem Posten

Mit den Schuldsprüchen folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, blieb mit dem Strafmass jedoch leicht darunter. Der Ankläger hatte 18 beziehungsweise 15 Jahre gefordert.

Der Anwalt der jüngeren Beschuldigten hatte auf eine Einstufung des Tötungsdelikts als fahrlässige Tötung und eine sechsjährige Freiheitsstrafe plädiert. Als Eventualantrag bei einer Verurteilung wegen Mordes erachtete er eine elfjährige Freiheitsstrafe als angemessen.

Auf der ganze Linie erfolglos blieb der Verteidiger der 30-jährigen Gesundheits-Fachfrau. Er hatte einen umfassenden Freispruch mangels Beweisen verlangt. Nach einem anfänglich während mehrerer Monate mehrmals wiederholten Geständnis hatte die Frau dieses zurückgezogen. Ab dann machte sie geltend, sie habe gar nichts mit Planung und Durchführung der Tat zu tun.

Eventualvorsatz kann für Mord reichen

Die beiden Frauen hatten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 2013 im Alterszentrum Hochweid in Kilchberg ZH, wo die Gesundheits-Fachfrau als Nachtwache arbeitete, eine 88-jährige Frau in deren Alterswohnung erstickt und beraubt. Sie hatten der Schlafenden einen mit Salmiakgeist getränkten Lappen minutenlang kräftig auf Mund und Nase gedrückt.

Sie hätten die Frau nur betäuben wollen, versicherte die 26-Jährige. Auch der Staatsanwalt nahm nicht an, die beiden hätten den Tod der Frau zum Ziel gehabt. Sie hätten ihn jedoch «billigend in Kauf genommen». Gemäss Rechtsprechung genügt ein solcher Eventualvorsatz je nach Umständen für eine Qualifizierung als Mord.

(sda)

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Basler Sexualkundeunterricht verletzt keine Grundrechte

Mit der nicht gewährten Befreiung vom Sexualkundeunterricht im Kindergarten und in den Primarschulklassen im Kanton Basel-Stadt haben die Schweizer Behörden die Grundrechte einer Familie nicht verletzt. Dies hat der EGMR entschieden.

Die an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg gelangte Familie hatte 2011 für ihre damals siebenjährige Tochter eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht bis zur zweiten Primarschulklasse beantragt.

Alle Instanzen stützten jedoch den …

Artikel lesen