Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Zwei Jahre nach Gummischrot-Einsatz gegen FCZ-Fans: Jetzt ermittelt der Staatsanwalt gegen den Polizisten, der den Schiessbefehl gab

01.06.15, 08:30 01.06.15, 08:58


Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung gegen einen Polizisten der Stadtpolizei Zürich wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauch eröffnet, das berichtet heute der Tages-Anzeiger. Gegenstand der Ermittlung ist ein umstrittener Einsatz der Stapo gegen FCZ-Fussballfans im Frühling 2013. 

Es war eine Ankündigung des repressiveren Vorgehens gegen Fussballfans: Am 12. Mai 2013 kesselte die Stadtpolizei Zürich an der Badenerstrasse die Teilnehmer eines FCZ-Fanmarsches ein. Zuvor wurden die Märsche der Anhänger üblicherweise toleriert, auch wenn sie nicht bewilligt waren. Grund für die Einkesselung war laut Stadtpolizei Zürich das Zünden von Pyros und die Vermummung einiger Fans – zu Sachbeschädigungen oder Gewalt ist es am Marsch nicht gekommen. 

Nachdem die Polizei die Fans in der Badenerstrasse zwischen Albisriederplatz und Letzigrund eingekesselt hatte, gab ein Zugführer den umstrittenen Schiessbefehl: Gummischrotkugeln flogen den Teilnehmern des Marsches entgegen. Zwei Fans wurden von den Hartgummi-Geschossen getroffen, ein Mann erleidet eine Rissquetschwunde an der Stirn, eine Frau trug als Folge eine Verletzung am Augapfel davon. Beide erstatteten Strafanzeige wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauch.

Strafuntersuchung nur gegen Zugführer

Die Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft läuft gegen den Zugführer, der den Schiessbefehl erlassen hat. Gegen diejenigen Polizisten, die den Befehl ausführten, werde nach einer Voruntersuchung nicht weiter ermittelt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Die Polizisten können sich auf die Befehlsgewalt des Vorgesetzten berufen. Zudem ist gemäss Staatsanwaltschaft unklar, welche der Polizisten für die Verletzung verantwortlich sind. 

Die Anwältin der geschädigten Fussballfans reichte deshalb eine Beschwerde ein. Die Polizisten könnten sich einer versuchten Körperverletzung strafbar gemacht haben. Dazu muss aber nachgewiesen werden, dass die Polizisten bei der Schussabgabe den Mindestabstand von 20 Metern nicht einhielten. 

Kamera-Schwenker im entscheidenden Moment

Die Rekonstruktion der Ereignisse gestaltet sich schwierig: Zwar hält ein Polizei-Video das Vorgehen der Stapo gegen die Fussballfans an der Badenerstrasse fest, allerdings vollzieht die Kamera an einer entscheidenden Stelle einen Schwenker. Gemäss Stapo, weil das Objektiv nass war und gesäubert werden musste. Manuela Schiller, Anwältin der Geschädigten, schenkt dieser Darstellung keinen Glauben. 

Dennoch akzeptieren die Mandanten von Schiller, dass gegen die Polizisten, die geschossen haben, keine Strafuntersuchung eingeleitet wird. Und zwar, weil das Vorgehen gegen die sogenannte Nichtanhandnahme zu kostspielig sei. (wst)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

26
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Coach Cpt. Blaze 02.06.2015 18:48
    Highlight Genau so legitim und zutreffend wie ein Polizeibericht.
    0 0 Melden
  • durchdiewand 01.06.2015 17:42
    Highlight und wir fans laufen auch an jedem fannarsch mit den taschen voller brandsätze rum die nur darauf warten einen polizisten zu treffen!?

    unsere geliebte polizei zielt noch so gerne auf kopfhöhe! was ich selber unmaskiert und in einen lauf schauend aus wenigen metern bestätigen kann, aggresion ging von mir nicht aus... unverständniss ja
    7 0 Melden
  • jk8 01.06.2015 09:22
    Highlight Vielen Dank für diesen Entscheid, im Umgang mit Fanmärschen wird viel zu schnell und unüberlegt das Feuer eröffnet. Vor allem bei willkürlichen Einsätzen kommt es erst dadurch zu Ausschreitungen. Ausserdem ist es extrem gefährlich, in Polen starb in den letzten Wochen ein Fan durch Gummigeschütz, in Deutschland ist es sogar (zurecht) verboten.
    57 9 Melden
    • C0BR4.cH 01.06.2015 11:04
      Highlight @AL:BM
      Gummischrot ist eine Sauerei. Gerade weil es als "Non-Lethal" deklariert wird, ist die Hemmung, es abzufeuern, geringer.

      Es gibt eingentlich eine Vorschrift, dass Polizisten nicht auf Kopfhöhe schiessen sollen, sondern in die Beinregion. Trotzdem kommt es immer und immer wieder zu solch gravierenden Verletzungen auch bei Unschuldigen:

      http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Nach-Augenverletzung-Kein-Verfahren-gegen-Polizei/story/16655258

      http://www.blick.ch/sport/fussball/superleague/espenmoos-am-bierstand-von-gummischrot-getroffen-id161937.html

      29 4 Melden
    • C0BR4.cH 01.06.2015 12:22
      Highlight Non-lethal und less-lethal ist ein und dasselbe.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Non-lethal_weapon

      Zu behaupten, dass alle Unschuldigen, die getroffen wurden, Opfer von Querschlägern bzw. selbst Schuld sein sollen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort standen ist einfach nur naiv und absurd.

      Sie wollen also sagen, das tödliche Gewalt gegen eine Menge von Bürgern, bei denen sich nur eine Handvoll daneben benehmen, legitim ist? Dann fehlen mir die Worte und ich hoffe, sie haben dies nicht so gemeint...
      34 1 Melden
    • C0BR4.cH 01.06.2015 14:32
      Highlight 2. Quelle? Bitte.
      Btw. Wo ist Ihre?
      http://jnlwp.defense.gov/CurrentNonLethalWeapons.aspx

      Ach ja, das beweisen Argument. Mitgegangen mitgefangen?
      In dubio pro reo...

      Ich habe nicht behauptet, dass ein Gummigeschoss tödlich eingestuft wird. Ich weiss und hoffe ja schwer, dass sich unsere Gesetzeshüter nicht mit tödlicher Gewalt durchsetzen. Ich habe ausschliesslich die folgende Aussage von Ihnen kommentiert und dies nicht in Verbindung mit Gummischrot gebracht.:
      "Wussten Sie zudem, dass bei einem Angriff mit einer tödlichen Waffe, die Verteidigung mit tödlicher Gewalt verhältnismässig ist?"
      14 0 Melden

«Stereotype Vorstellungen» – Amnesty Schweiz kritisiert Umgang mit LGBT-Asylbewerbern

Österreich verweigert einem schwulen Afghanen das Asylrecht. Die Begründung strotzt vor Klischees über Homosexuelle – in der Schweiz undenkbar, sagt der Bund. Auch bei den Schweizer Behörden gebe es Nachholbedarf, widersprechen Menschenrechtler.

«Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten»: Das ist nicht der einzige Satz in einem negativen Asylbescheid der österreichischen Behörden für einen 18-jährigen Flüchtling aus Afghanistan, der beim Lesen Kopfschütteln auslöst.

Auch Freunde habe der Gesuchsteller nicht sehr viele, heisst es dort: «Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?» So formuliert der zuständige Beamte seine Zweifel. «Sie sind nicht …

Artikel lesen