Schweiz

Nicht am Elternabend erschienen: Bezirksgericht Bülach spricht Eltern frei

05.09.16, 18:01 06.09.16, 08:16

Bild: KEYSTONE

Das Bezirksgericht Bülach hat am Montag ein Ehepaar freigesprochen, das einem Elternabend fernblieb. Eine Schule hatte die Eltern eines Schülers via Statthalteramt angezeigt. Sie hätten mit ihrem unentschuldigten Fernbleiben gegen das Volksschulgesetz verstossen. Dagegen erhob das Ehepaar erfolgreich Einsprache.

Die Eltern eines heute 14-jährigen Sohnes waren gemäss Strafbefehl des Statthalteramts des Bezirks Bülach wiederholt an obligatorischen Anlässen der Schule unentschuldigt ferngeblieben. Ausserdem hätten sie auch nicht auf Schreiben der Schule, die der Sohn nur wenige Monate lang besuchte, reagiert.

Die Schulleitung reagierte und machte die Familie aus Jamaika, die praktisch kein Deutsch spricht, an einem Elterngespräch auf ihre Rechte und Pflichten aufmerksam. Dabei hätten die Eltern eine schriftliche Vereinbarung betreffend zukünftiger Teilnahmen an obligatorischen Schulveranstaltungen unterzeichnet.

Dennoch seien sie einen Monat später erneut einem obligatorischen Elternabend unentschuldigt ferngeblieben, worauf die Schule ans Statthalteramt gelangte. Dieses sprach schliesslich eine Busse von 200 Franken aus. Dagegen erhob das Ehepaar Einsprache und der Fall landete vor dem Bezirksgericht Bülach.

Das Gericht verwarf am Montag die Argumentation des Statthalteramts und sprach sowohl die Ehefrau als auch den Ehemann vom Vorwurf der Übertretung des Volksschulgesetzes frei.

Veranstaltung war nicht obligatorisch

Es gäbe einen grossen Unterschied zwischen den Vorschriften zu Elterngesprächen und Elternveranstaltungen. Die Veranstaltungen können nur in besonderen Fällen obligatorisch erklärt werden, «sonst sind sie es nicht», sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

Das Gericht fand keine Hinweise darauf, dass der besagte Elternabend tatsächlich obligatorisch war. Die Aussagen des Ehepaars vor Gericht seien glaubhaft gewesen. «Wir glauben Ihnen, dass Sie davon ausgingen, dass der Anlass nicht obligatorisch war», sagte der Richter.

Die schriftliche Vereinbarung, die das Ehepaar unterzeichnet hatte, beziehe sich ausserdem nur auf obligatorische Anlässe.

Es liege zudem nicht am Ehepaar, seine Unschuld zu beweisen, sondern am Staat, der die Schuld beweisen müsse. Dies konnte der Staat nicht. Das Gericht zeigte sich etwa darüber verwundert, dass die Lehrerin des Sohnes nicht befragt wurde.

«Wir haben alles richtig gemacht»

An der Verhandlung zeigte sich das Ehepaar davon überzeugt, im Recht zu sein. Dies sei der einzige Anlass der Schule gewesen, an dem sie gefehlt hätten.

Für den betreffenden Elternabend, von dem sie wussten, hätten sie allerdings auch kein Formular bekommen, um sich anzumelden. «Wir haben es so verstanden, dass wenn wir uns mittels Formular nicht angemeldet haben, wir auch nicht am Anlass teilnehmen können», sagte der Ehemann vor Gericht. «Wir haben alles richtig gemacht.»

Das fehlende Formular und der Elternabend waren zwar in Telefonaten zwischen dem Ehepaar und der Schule ein Thema. «Uns war aber nicht klar, dass der Anlass obligatorisch war.»

Als die Lehrerin am Tag des Elternanlasses erneut anrief, war es zu spät. Die Eltern konnten aus terminlichen Gründen nicht mehr daran teilnehmen. (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • kliby 05.09.2016 22:15
    Highlight Familie aus Jamaika ohne Deutschkenntnisse, und wegen einer Busse von 200 Fr gleich mit dem Anwalt anrücken?
    23 31 Melden
    • Anidal 05.09.2016 23:06
      Highlight Zahlst du eine Busse für ein Vergehen, dass du nicht begannen hast?
      21 4 Melden
  • DonPedro 05.09.2016 21:34
    Highlight Die Eltern wären besser beraten gewesen, an den Elternabend zu gehen!
    Sie hätten die Lehrperson und andere Eltern kennengelernt und auch mehr über die Schule in Erfahrung gebracht ev gar zum Nutzen Ihres Sprösslings!
    Nun kennen sie zumindest einen Anwalt und das Bezirksgericht innen und aussen!
    Gratuliere zum Prozesserfolg!
    26 21 Melden
  • CASSIO 05.09.2016 19:37
    Highlight Mal eine andere Frage: wie kam die jamaikanische Familie zu einer Aufenthaltsbewilligung? Die Mutter (oder der Vater) muss ja eine ausserordentliche Persönlichkeit sein, um in diesen Genuss zu kommen.
    26 68 Melden
    • Datsyuk * 05.09.2016 20:11
      Highlight Stay positive..
      8 10 Melden
    • TheCloud 05.09.2016 21:15
      Highlight CASSSIO Das Internet ist schon voll.
      Bitte ziehe den Netzwerkstecker und bringe deinen Computer zur Entsorgung.
      37 15 Melden
    • Baba 05.09.2016 21:18
      Highlight Der Vater oder die Mutter hat(te) einen Job in der Schweiz?
      18 3 Melden
    • exeswiss 05.09.2016 21:40
      Highlight schon mal was von "expats" gehört?
      19 2 Melden
  • URSS 05.09.2016 19:22
    Highlight Keine Zeit für den Elternabend wo es um ihren Sohn geht. Aber genug Zeit um einen Anwalt aufzusuchen der das nicht gratis macht , und sich in Gerichten ihre Unschuld bestätigen zu lassen. Ja, alles richtig gemacht.
    71 54 Melden
    • TheCloud 05.09.2016 21:19
      Highlight Es gibt Leute, die brauchen einen Zweitjob zum Überleben. Schon mal daran gedacht?
      Daher fordere ich dass die "Elternabende" auf später als 23.00 Uhr oder Sonntag morgen vor 6.30 gelegt werden.
      25 21 Melden
    • who cares? 06.09.2016 00:26
      Highlight Denke nicht, dass es der Familie so schlecht geht, dass sie einen Zweitjob brauchen, sonst würden sie wohl kaum ihr Geld und ihre Zeit für Anwälte und Gerichtsprozesse aufopfern.
      2 4 Melden
    • Marbek 06.09.2016 10:46
      Highlight "Denke nicht, dass....". Soso. Also reine Spekulation. Aber ganz wichtig, damit einen Kommentar zu verfassen gell?
      2 1 Melden
  • DerTaran 05.09.2016 19:15
    Highlight Es ist schon eine sagenhafte Frechheit der Schule Eltern zu verzeigen, weil sie einem Elternabend fehrn bleiben. Bin sprachlos über diese Machtanmassung. Die Gängelei und Einmischung in elterliche Entscheidungen durch Lehrern hat ein kaum erträgliches Mass erreicht. Sie sollen unseren Kindern was beibringen und nicht uns Eltern erziehen.
    49 101 Melden
    • alessandro 05.09.2016 19:45
      Highlight Und dir wünsche ich eine horde untersozialisierter bengel und eine reihe solcher selbstgefälliger eltern wie du es bist. Schon nur der fokus, dass du die schule als abgesonderter teil der erziehung anschaust zeugt doch von einer komischen sichtweise. In diesem argumentatorium kommt das kind zuhinterst. Tolle einstellung.
      79 23 Melden
    • Fabio74 05.09.2016 20:51
      Highlight Deine Einstellung ist zum heulen.
      Hoffe du hast keine Kinder.
      25 7 Melden
    • TheCloud 05.09.2016 21:22
      Highlight Taran du hast absolut Recht.
      Sinnloses stundenlanges geblabber . Die sollen doch die Eltern der Problemfälle einladen, wäre allen viel besser gedient.
      16 11 Melden
    • DerTaran 05.09.2016 22:08
      Highlight @alessandro: Nein gerade in meiner Einstellung kommt das Kind zuerst und nicht der Lehrer. Es gibt sicher Problemfälle, die eine vertiefte Betreuung von Lehrpersonen brauchen, aber die meisten unserer Kinder sind ganz normal, auch wenn sie mal mehr wie 30 Minuten elektronische Medien konsumieren.

      @Fabio74: Ich habe 2 Söhne und sie sind trotz Schule ziemlich wohlgeraten.
      16 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.09.2016 23:20
      Highlight @ Taran
      Interessant: Da wird für sich selber Respekt vor der elterlichen Autorität erwartet, aber die Arbeit der Schule, bzw. Lehrer, wird mit den Worten "trotz Schule" taxiert.
      Und da erstaunt der Klang, der aus dem sprichwörtlichen Wald zurück tönt?
      9 5 Melden
  • Jay_Jay 05.09.2016 18:54
    Highlight Meine Eltern waren nie an einem Elternabend in der Oberstufe. Falls es um ein Problem ging, welches ausschließlich um mich ging, gab es einen Termin, welcher vereinbart wurde. Meine Eltern waren beide 100%berufstätig und hatten keine Zeit für irgendwelchen Unfug der Lehrer nur um zu zeige, dass die auch was machen.... und ja ich habe die Schule fertig gemacht, meine Lehre gemacht und sogar einen Bachelor.... und das alles obwohl meine Eltern nie an einem Elternabend teil genommen haben....
    72 48 Melden
    • Ingenieur 05.09.2016 19:14
      Highlight Gratuliere zum Bachelor.
      51 10 Melden
  • Baba 05.09.2016 18:44
    Highlight Und wieviel hat diese Anzeige, der (verständliche) Rekursfrist und die Richtersprüche an Steuergeldern gekostet? Das war ein sehr teurer, unbesuchter Elternabend - und in meinen Augen eine völlige Überreaktion der Schule...😕
    48 24 Melden
    • Baba 05.09.2016 21:17
      Highlight ...verständlicher Rekurs..., nicht Rekursfrist
      1 4 Melden
  • dr.nonsens 05.09.2016 18:37
    Highlight Die frage ist: ist das wirklich eine push-mitteilung wert?
    60 1 Melden
    • Barracuda 05.09.2016 19:47
      Highlight Wahrscheinlich nicht. Aber da bist du wohl selber schuld, wenn du dich freiwillig mit Push-"Neuigkeiten" von einem Online-Portal vollspamen lässt;-)
      47 5 Melden
    • Fabio74 05.09.2016 20:53
      Highlight man kann den pusch ausschalten
      14 4 Melden

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