Schweiz

Genau 9 Minuten und 56 Sekunden hat der Böögg durchgehalten, dann hat's 💥 gemacht

24.04.17, 13:42 24.04.17, 18:41

«Sächsilüüte» – das zünftige Zürcher Frühlingsfest, auch bekannt als «Bonzefasnacht», wird heute Montag gefeiert.

Genau 9 Minuten und 56 Sekunden hat der Böögg dieses Jahr durchgehalten. Das ist eher kurz und lässt gemäss Zürcher Aberglauben auf einen guten Sommer schliessen. 

Und so hat das ausgesehen:

Video: kaltura.com

Der Blick zurück

Während der Böögg-Verbrennung ereignet sich immer wieder Kurioses, Trauriges und Lustiges. Wir haben für Euch ein «Best of Sechseläuten» zusammengestellt. 

1993 wollte der Böögg nicht so recht – und stürzte mitsamt Scheiterhaufen zu Boden. Bild: KEYSTONE

Sechseläuten

Das Sechseläuten ist ein Feuerbrauch und Frühlingsfest in Zürich. Das Verbrennen des «Bööggs» symbolisiert die Vertreibung des Winters. Der «Böögg» ist ein mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllter künstlicher Schneemann. Auf einem 10 Meter hohen Scheiterhaufen gesetzt, wird der Böögg um Schlag 18 Uhr (Sechseläuten) angezündet. Je schneller der Böögg verbrennt, desto schneller soll der Sommer beginnen und dementsprechend auch länger und sonniger ausfallen – das behauptet zumindest der Volksmund.

Entführt und sabotiert

Zu früh angezündet und geklaut – auch das kam in der Geschichte des Bööggs schon vor.  Bild: KEYSTONE

1921 brannte der Böögg bereits um halb zwei Uhr. Eine Gruppe von Kommunisten hatte einen Knaben angestiftet, das Feuer zu legen. Sie wollten damit gegen die hohe Zahl von Arbeitslosen protestieren. In Windeseile wurde der Ersatzböögg auf der Brandstätte aufgerichtet. Und Punkt sechs Uhr brannte der Böögg ein zweites Mal. Als Zeichen des zünftischen Protestes war ihm eine rote Fahne mitgegeben worden, die mit in den Flammen unterging.

Noch schlimmer kam es im Jahr 2006 – damals wurde der Böögg noch bevor er auf den Scheiterhaufen gestellt werden konnte, geklaut. Am Tatort wurde ein Schreiben hinterlegt, die Gruppe «1. Mai – Strasse frei» bekannte sich zur Tat. Am Sechseläuten selbst kam ein Ersatzböögg zum Einsatz, der eigentlich für den Kinderumzug vorgesehen war. 

Zack und weg 'is er!

Ein eher lustiger Fauxpas passierte einst Alt-Bundesrat Christoph Blocher. Der fiel nämlich während Gillis-Talkshow vom Podest – und das wurde live im Fernsehen von Tele Züri aufgezeichnet. 

«Ui, jesses jetzt gheit dä Herr Blocher no vom Podest» Video: YouTube/loofighter

Trauriger Todesfall

2015 kam es zu einem tragischen Todesfall: Ein Pferd starb während der Verbrennung des Bööggs. Der Tierschutzbund Zürich kritisierte den Anlass darauf als zu stressig für die Tiere. Die anschliessende Obduktion ergab aber, dass nicht Stress zum Tod des 24 Jahre alten Pferdes geführt hatte, sondern eine Herzrhythmusstörung.

Bild: KEYSTONE

Die Teilnahme eines Pferdes am Zürcher Sechseläuten ist für das Tier aber nicht stressiger als eine Spring- oder Dressurprüfung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, die kürzlich veröffentlicht wurde. 

The «Brätli-Place» to be

Alle kommen nur zum Würste grillieren. Bild: KEYSTONE

Egal was behauptet wird – Tradition hin oder her. Eigentlich strömen die Besucher des Sechseläuten nur zum Böögg, weil sie nach dessen Explosion ihre Würstchen bräteln wollen. Denn auf der Glut des Scheiterhaufens lässt sich's wunderbar grillieren. 

Keine Frauen

Bild: KEYSTONE

Lange waren Frauen vom Sechseläuten-Umzug ausgeschlossen. Dank eines Kniffs dürfen sie nun aber doch mitlaufen – die Frauenzunft wird zum Dauergast der «Gesellschaft zur Constaffel». Mitmarschieren dürfen die Damen aber nur tagsüber – am Abend sind die Zunft-Aktivitäten weiterhin nur den Männern vorbehalten. 

Köppel der Kameltreiber

Roger Köppel ist wohl das bekannteste Mitglied der Zunft Kämbel: Als Kameltreiber lief er 2016 über die Bahnhofstrasse. 

Kuriose Verkleidungen gehören zu den Zünften dazu. Auch dass sich ab und an Politiker in «Schale» werfen und am Umzug als Ehrengäste mitmarschieren gehört dazu. Manchmal findet sich aber auch der eine oder andere modische Fehltritt – wie damals, als sich Roger Köppel noch ein bisschen braune Farbe ins Gesicht schmierte, um als Kameltreiber noch authentischer zu wirken. 

Der gefallene Böögg

Ab 00:48 stürzt der Böögg seinem Unheil entgegen. Video: YouTube/araravideos

Dramatische Szenen ereigneten sich im Jahr 1993: Damals wollten weder Böögg noch Scheiterhaufen so richtig. Letzterer fiel nämlich mitsamt Schneemann auf den Platz und brannte dort munter weiter. Der Kopf des Bööggs musste anschliessend von Hand wieder ins Feuer geworfen werden, damit er überhaupt explodierte. 

Fliegende Fische

«Rotauge», so heisst der Fisch, der am Sechseläuten in die Menge geworfen wurde. Er galt lange als ungeniessbar, weil er zu viele Gräte hat.  bild:wikipedia/kallerna

Die Zunft zur Schiffleuten pflegte einen ganz besonderen Brauch. Die Jungzünfter warfen nämlich tote Fische ins Publikum – an der Bahnhofstrasse gerne auch in geöffnete Fenster in den oberen Etagen oder auf Balkone. 

Doch das ist nun vorbei, seit 2016 werden keine echten Fische mehr geworfen. Die Zunft reagiert auf Kritik von Tierschützern und Berufssfischern. Der Fischwurf war ein Zeichen für die Ernährung des Volkes in vorreformatorischen Zeiten. Damals wurden die Bewohner nämlich freitags und in der Fastenzeit mit Fischen versorgt. 

Kürzeste Brenndauer

Am längsten brannte der Böögg 2016 – und das qualvolle 43 Minuten lang. Bild: KEYSTONE

1956 jagte es dem Böögg den Kopf schon nach weniger als 4 Minuten weg. Das ist die kürzeste Brennzeit seit es die Tradition gibt. Am längsten brannte er 2016 – nach qualvollen 43 Minuten war es dann endlich um den Schneemann geschehen. 

Obwohl im Volksmund behauptet wird, dass die Brennzeit des Bööggs einen direkten Einfluss auf die Anzahl Sommertage hat, gibt es statistisch gesehen keinen signifikanten Zusammenhang. Die Prognosen stimmen folglich nicht immer – ausser im Jahr 2003. Damals explodierte das Haupt des Bööggs schon nach 5 Minuten und 42 Sekunden und die Schweiz wurde mit sagenhaften 65 Sommertagen beschenkt. 

Der Böögg im Hafen

Eine Luftaufnahme von 1951 – da konnte der Böögg wieder auf der Sechseläuten-Wiese verbrannt werden. Bild: ETH-bibliothek Zürich/Werner Friedli

Während der Anbauschlacht, 1944 fand das Sechseläuten im Hafen Enge statt, da auf der Sechseläutenwiese Gemüse angepflanzt wurde. Dabei kippte der «Böögg» in den Zürichsee. 

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AlteSchachtel 25.04.2017 12:56
    Highlight spätestens seit hochvergeistigte, handwerksfremde, bekannte Politiker wie Mörgeli und Köppel, sich in Handwerkerzünfte einkaufen konnten, ist für mich (Stadtzürcherin) das Sechseläuten nur noch eine lächerliche Bonzenfasnacht. Das haben die Zünfte mit ihrer Käuflichkeit selbst verbockt.
    4 0 Melden
  • fabsli 25.04.2017 11:11
    Highlight Alle Jahre wieder reiten die Zoufter um ihren riesigen, explodierenden Phallus, um danach betrunken durch die Strassen zu ziehen.
    1 0 Melden
  • Bronko 24.04.2017 23:41
    Highlight Zürich geniesst grosse Anerkennung als zeitgenössische Party-Hauptstadt der Schweiz. Aber im Gegensatz dazu kommt die traditionelle Festkultur (nach Jahrhunderten unter zwinglianischer Knute) so dürr daher, dass es einem als Nichtzürcher in Anbetracht eines so armseligen und langweiligen "Volksfestes" wie dem 6i-Lüüte zum Fremdschämen zumute werden könnte.
    4 1 Melden
  • Spooky 24.04.2017 23:24
    Highlight Könnte man so einen ultradoofen, langweiligen Zwingli-Zürcher Herren-Unsinn nicht gesetzlich verbieten?

    Böögg = Blöödd
    6 3 Melden
  • Normi 24.04.2017 23:03
    Highlight an all die nögeler: "get a life l***er"
    2 2 Melden
  • butternose 24.04.2017 23:03
    Highlight Hallo Watson könnt ihr nicht einen Artikel über die Pferde beim Sechseläuten machen? York Ditfurth, der Präsident des Tierschutzbund Zürich sagt, die Studie von Vetsuisse sei sehr fragwürdig, da nur freiwillig angemoldene Pferde getestet wurden (nur 23 von ca. 500 Zünfterpferden wurden getestet) und ein Autor ist selber Zünfter. Besonders der erste Punkt macht doch stutzig? Wäre Interessant.
    3 1 Melden
  • Spooky 24.04.2017 22:29
    Highlight Ausser dem doofen Böögg haben die Zürcher noch das Knabenschiessen. Die Zürcher fahren jede Phantasie brutal an die Wand.
    6 2 Melden
  • Spooky 24.04.2017 22:26
    Highlight Die Zürcher sind phantasielos bis zum Böögg!
    4 3 Melden
  • sockyluna 24.04.2017 21:29
    Highlight Dieses "Spektakel" interessiert mich Null. Bis auf den Punkt, dass Pferde misshandelt werden! (Und kommt jetzt bitte nicht mit dieser komplett lächerlichen Studie die dazu gemacht wurde. Die ist richtig richtig unaussagekräftig und so gemacht, dass sie genau dss Resultat bekamen, dass sie wollten..)
    3 12 Melden
    • Normi 24.04.2017 22:59
      Highlight mimimimimimimmi
      3 2 Melden
    • Dario4Play 25.04.2017 00:10
      Highlight Wenn eine Studie also nicht dass sagt was du willst, ist sie dann Fake?
      1 2 Melden
  • Dario4Play 24.04.2017 20:44
    Highlight Ich und meine freundin Standen relativ weit vorne nahe dem Swisscom Shop...
    Hat sich noch jemand über den Silbernen Moon Balon aufgeregt der allen hinteren die Sicht gennommen hat?
    0 4 Melden
  • fabsli 24.04.2017 20:31
    Highlight Das Fest der Abschrankungen. Tolle Sache!
    4 1 Melden
  • Spooky 24.04.2017 20:23
    Highlight Was soll diese öde Langeweile mit diesem doofen Bäägg?

    Ist das eine öffentliche, freiwillige Unterwerfung der gewöhnlichen Leute von Zürich unter ihre Herren?

    Kann mir jemand diesen langweiligen, doofen Bääägg kurz erklären?

    Wenn nicht, ist es mir auch egal.

    Habe noch selten so einen langweiligen, verklemmten Füdlibürger-Unsinn gesehen.

    Oder ist das etwa die Zürcher Fasnacht?
    6 11 Melden
  • Kstyle 24.04.2017 19:42
    Highlight Mit der absperrung haben sie dieses jahr den vogel abgeschossen. War scheisse.
    2 1 Melden
  • Pasch 24.04.2017 19:32
    Highlight Der Böögg bei NR.2 ist noch nicht explodiert!! Bitte auch ins Feuer werfen.
    1 1 Melden
  • riqqo 24.04.2017 18:34
    Highlight mimimimi, man kann auch ohne dickes portemonnaie freude daran haben.
    26 13 Melden
    • Echo der Zeit 24.04.2017 18:57
      Highlight Ja genau - wen es Kalt ist und Regnet auch Wind (stark plus Hagel) - der Bög gar nicht Knallt - und die Tierschänder von den Pferden Fallen.
      9 28 Melden
  • riqqo 24.04.2017 18:34
    Highlight mimimimimi, man kann auch
    5 14 Melden
  • FehrEnough 24.04.2017 17:56
    Highlight 11. Zunft als "Zouft" auszusprechen...
    8 2 Melden
  • WilliMu 24.04.2017 17:05
    Highlight Ich kenne viele Volksfeste dieser Welt, aber das Zürcher Sechseläuten ist so ziemlich das dümmlichste von allen.
    58 61 Melden
    • gänseblüemli 24.04.2017 18:31
      Highlight Ist ja auch kein Volksfest. Ein Fest für die Politiker, Cervelatprominenten und für ein paar Spiesser in Pyjamas. Der Pöbel darf zuschauen und anschliessend seine Würstchen auf den Überresten des scheiterhaufens braten.😎
      47 14 Melden
    • Barracuda 24.04.2017 18:42
      Highlight Jedenfalls das einzige, das eine solch übertriebene Beachtung erhält. Jedes Jahr das gleiche "Spektakel", aber als Stadtbueb- oder meitli muss man natürlich jedes Jahr ausführlichst darüber berichten, gell watson. Von anderen Volksfesten, die diesen Namen wahrscheinlich mehr verdient hätten, hört man jedoch nichts.
      24 28 Melden
    • Rendel 24.04.2017 19:43
      Highlight Die einen haben Fastnachtsumzüge, die Zürcher halt den Sechsilüüte Umzug.
      3 2 Melden
  • Echo der Zeit 24.04.2017 14:50
    Highlight Die Obersten 1% der Zürcher Interessiert dieser Anlass - und in der Agglo - Hä was isch das?
    50 87 Melden
    • zzZüri 24.04.2017 15:30
      Highlight Also in Bassersdorf gibt es heute auch einen. Von wegen Aglo und so.
      26 6 Melden
    • LarsBoom 24.04.2017 15:47
      Highlight https://media1.giphy.com/media/3o6UB2MSoh7z6Gw3fO/giphy.gif
      11 2 Melden
    • Tartaruga 24.04.2017 18:28
      Highlight Interessiert viele, da man schön mit der Familie Zeit verbringen und zusammen "Brötle" kann
      25 5 Melden
    • Barracuda 24.04.2017 18:44
      Highlight Haha, genau. An den anderen 364 Tagen ist ja nicht allzu viel mit Brötle und offenem Feuer in der Betonwüste;-)
      5 9 Melden
    • Echo der Zeit 24.04.2017 18:51
      Highlight Ja genau - Brötle mit Familie auf dem Steinplatz vor der Oper die mit Millionen Subventioniert wird im ganzen Hipster Haufen drin - da gehe ich mit Familie sicher nicht hin - Das Bräteln ist für die Aufmüpfigen Goldküstensöhnchen die sich Emanzipieren wollen von der anschliessende Völlerei in den Zunfthäusern.
      9 15 Melden
    • maljian 24.04.2017 19:15
      Highlight @Tartaruga
      Ausser man gehört zu den Zürchern, die in nem anderen Kanton arbeiten und deshalb nicht frei haben 😉
      5 3 Melden
    • green 24.04.2017 22:08
      Highlight @echo der zeit
      Ich bin auch nicht der grösste Fan vom Sechseleuten aber muss diese Motzerei sein? Reine Ansichtssache dieser Anlass!
      9 2 Melden
    • Lichtblau 24.04.2017 22:51
      Highlight Stimmt genau. Warum diese völlig überzogene Kritik? Wir Stadtzürcher kümmern uns ja auch nicht um eure Anlässe, bei denen die Dorfkings absahnen. Warum auch? Interessiert doch keinen.
      0 3 Melden

Krimiquiz zur 2. Folge «Wilder»: Von schnittigen Schneemobilen und verräterischen Bärchen

Willkommen zur zweiten Quiz-Runde. Auch dieses Mal werden wir deine detektivischen Fähigkeiten testen.

Also los, kramt die ganz winzigen Details aus eurer «Wilder»-Erinnerung heraus, damit ihr in diesem Quiz nicht abstinkt. Und wehe ihr bescheisst, das ist ein Ehrenquiz!

>>Diejenigen unter euch, welche die zweite Folge nicht gesehen haben, müssen jetzt schleunigst hier verschwinden, denn es wird gespoilert! Ihr könnt die Folge aber auf dem SRF-Player nachschauen.

(rof)

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