Schweiz

Der Sittenpolizist ist 2013 im Zuge der Ermittlungen im Fall Chilli's aufgeflogen. Bild: KEYSTONE

Gratissex, Nacktbilder, Geschenke: Zürcher Ex-Sittenpolizist vor Gericht

09.02.17, 07:46 09.02.17, 10:16

Ein ehemaliges Mitglied der Fachgruppe Milieu- und Sexualdelikte der Stadtpolizei Zürich soll von einer brasilianischen Sexarbeiterin Geschenke und kostenlosen Sex angenommen haben. Der Sittenpolizist soll von ihr auch Nacktbilder gefordert haben. Er ist 2013 im Zuge der Ermittlungen im Fall Chilli's aufgeflogen. In zwei Wochen steht er vor dem Bezirksgericht Zürich.

Der Beschuldigte und sein Kollege in der Fachgruppe Milieu- und Sexualdelikte (MSD), die beide im Jahr 2016 entlassen wurden, haben die Frau regelmässig kontrolliert. Sie arbeitete als Prostituierte in mehreren Salons im Revier der beiden Sittenpolizisten der Stadtpolizei. Sie führte auch einen Erotik-Club und einen Massage-Salon, welche die Beamten zur Kontrolle besuchten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er und sein Kollege hätten sich «in ihrer Amtsführung günstig stimmen lassen» durch Geschenke und kostenlosen Sex. Der Kollege des Beschuldigten erwartet seinen eigenen Prozess. Weil der Beschuldigte von den Verfehlungen seines Kollegen gewusst und sie gebilligt haben soll, sind sie auch Gegenstand der Verhandlung gegen ihn.

Für die mehrfache Vorteilsnahme beantragt der Staatsanwalt eine bedingte Geldstrafe von 12'000 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Kleider, Uhren, Sex

Von 2010 bis 2013 liessen sich die Sittenpolizisten gemäss Anklage von der brasilianischen Sexarbeiterin bestechen. Die Männer nahmen demnach Kleider, Uhren, Elektronikartikel und Flugtickets entgegen. Ausserdem hätten sie wiederholt mit der Frau Sex gehabt.

Der Beschuldigte soll etwa mit ihr und seinem Kollegen für einen mehrtägigen Städtetrip nach Lissabon gereist sein. Die Frau hätte ihnen versprochen, für Flug und Hotel zu bezahlen. Ausserdem habe sie ihnen kostenlosen Sex in Aussicht gestellt. Am Ende sollen die Polizisten die Zimmer jedoch selbst bezahlt haben.

Wenige Monate später traf sich laut Anklage der Beschuldigte mit der Frau in einem Hotel im Thurgau. Dort hätten sie wieder Sex gehabt. Kurz darauf hätte sie beiden Polizisten je ein Parfüm geschenkt und je 2500 Franken für einen Laptop gegeben.

Shoppen im Sihlcity

Aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft geht hervor, dass die Männer nun regelmässig mit der Frau shoppen gegangen seien. Die Polizisten hätten sich Markenkleider und Uhren ausgesucht, die Frau hätte bezahlt. Es geschah offenbar nicht gerade heimlich: Das Trio kaufte laut Anklageschrift in den Einkaufszentren Sihlcity und Glatt ein, shoppte in Läden an der Löwen- und der Bahnhofstrasse.

Die Sittenpolizisten sollen weiterhin mit der Prostituierten Einkaufsreisen ins Ausland unternommen haben. Es wird ihnen vorgeworfen von der Frau verlangt zu haben, ihnen teure Smartphones und Tablet-Computer zu schenken. Als letztes Vergehen soll der Kollege des Beschuldigten verlangt haben, dass die Frau ihm aus den Ferien Bilder per E-Mail schicke: nackt am Strand in Spanien.

Chefin versetzt

Im November 2013 waren bei einer Razzia im Nachtclub Chilli's in der Nähe der Zürcher Langstrasse neun Personen verhaftet worden. Fünf davon waren Polizisten der Fachgruppe Milieu- und Sexualdelikte.

Die Staatsanwaltschaft I führte gegen Mitglieder der MSD Strafverfahren. Vorwiegend endeten diese bislang mit Geldstrafen. Die Chefin der Fachgruppe wurde polizeiintern versetzt. (whr/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • flausch 09.02.2017 10:06
    Highlight Eigentlich ein ausgewachsener Skandal und dies schon seit jahren. Doch die Justiz macht es sich selbst schwer, wie auch bei diversen anderen Fällen in denen sie oder ausführende Organe beteiligt sind.
    Es war lange ein offenes Geheimniss das die "Sitte" äusserst Korrupt ist und es war ein logischer Schritt als damals 2/3 der "Sitte" suspendiert wurden. Und doch: Die Geschichte zeigt aufs neue wie Fälle getrennt werden um grössere Zusammenhänge zu verschweigen. Ich weiss es ist schwierig Informationen dazu zu kriegen doch ist jeder Bericht bereits ein Gewinn der Öffentlichkeit.
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