Schweiz

Bilanz nach einem Jahr Strichplatz: Der Betrieb ist fast doppelt so teuer als gedacht und die Prostituierten beklagen sich über schlechteren Verdienst.  Bild: KEYSTONE

Bilanz auf dem Strichplatz

Ein Jahr Sexboxen: Aufwendiger Betrieb und weniger Einnahmen für Prostituierte

Nach dem ersten Betriebsjahr des Strichplatzes in Zürich-Altstetten zieht die Stadt Zürich eine positive Bilanz – trotz massiv höherer Betriebskosten und Klagen der Sexworkerinnen über gesunkene Einnahmen. 

26.08.14, 08:56 26.08.14, 09:38

Am 26. August 2013 wurde der Strassenstrich am Zürcher Sihlquai geschlossen und der schweizweit erste Strichplatz mit Sexboxen am Depotweg eröffnet. Zum Geburtstag legt die Stadt ihre mittlerweile dritte Bilanz vor. Auch diese fällt positiv aus. 

Die angestrebten Ziele seien erreicht worden, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag. Der Strassenstrich sei stadtverträglich und die Arbeitsbedingungen für die Sexworkerinnen menschenwürdig. Es zeigten sich weder Nachwehen am Sihlquai noch Verlagerungen in andere Strassenstrichzonen. 

Bessere Arbeitsbedingungen dafür weniger Verdienst

Die Auswirkungen des Strassenstrichs auf die Bevölkerung hätten verringert und die Arbeitsbedingungen für die Sexworkerinnen verbessert werden können. Letztere verdienten jedoch weniger als am Sihlquai, heisst es weiter. 

Der geringere Verdienst erkläre sich aus der Trennung von Strassenstrich und Ausgangsszene. Gerade diese Vermischung hatte am Sihlquai, der sich in der Nähe der Langstrasse befindet, jedoch zu unhaltbaren Zuständen geführt. 

Am Sihlquai arbeiteten durchschnittlich 32 Prostituierte, auf dem Strichplatz sind es durchschnittlich 15. Die Freier werden nicht gezählt, und es wird keine Statistik über den Freierverkehr geführt. 

Keine Laufkundschaft in Zürich-Altstetten. Bild: KEYSTONE

Folgekosten um über 50 Prozent höher 

In der Abstimmungszeitung vom März 2012 ging die Stadt von jährlichen Folgekosten von rund 550'000 Franken aus. Der aktuelle Betriebsaufwand liegt nun jedoch um gut 280'000 Franken höher, verursacht durch höhere Sicherheitskosten. 

Um die notwendige Sicherheit auf dem Platz für die dort arbeitenden Frauen sowie für das Quartier zu gewährleisten, werde die vom Sozialdepartement betriebene Einrichtung – entgegen der ursprünglichen Annahmen – durchgängig betreut, heisst es in der Mitteilung. Sobald eine durchgängige Betreuung nicht mehr notwendig sein sollte, würden entsprechende Anpassungen vorgenommen. 

Der Strichplatz ist lediglich ein Bestandteil eines Massnahmenpakets im Zusammenhang mit der Prostitution in der Stadt Zürich. Die Strassenprostitution macht weniger als zehn Prozent des Sexgewerbes aus. (rar/sda) 

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sewi 26.08.2014 16:31
    Highlight Jetzt sollten doch die Befürworter der Sexboxen auch für den Umsatz sorgen
    2 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 26.08.2014 11:31
    Highlight Der Erfolg ist die Kostenüberschreitung, denn damit hat man eine Umverteilung geschafft von Steuergeldern zu Sozialarbeitern und deren Existenz gesichert. Willkommen im Sozialismus.

    5 7 Melden
    • susannbo 26.08.2014 12:51
      Highlight Das ist leider so. Obwohl es vorteilhaft ist, dass das Ganze vom Sihlquai weg gekommen ist.
      1 2 Melden

«Ihr habt nicht begriffen, wie das Internet funktioniert!» – ein Student zeigt, wie leicht wir im Netz überwacht werden

Mit ein paar Suchanfragen im Internet zum Terrorverdächtigen: Der Computerlinguistik-Student und Mitbegründer des Chaos-Computer-Clubs-Zürich, Hernani Marques, hat in seiner Masterarbeit untersucht, wie die Überwachung der Geheimdienste im Netz funktioniert und wie leicht man selber ins Visier der Agenten geraten kann.

Dazu überwachte der 30-Jährige zehn Tage lang sein eigenes Surfverhalten und das seiner Freundin. Marques wollte herausfinden, ob man als normaler Internet-User und …

Artikel lesen