Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Toter Mann im Zürcher Seefeld: Geflüchteter Häftling unter Verdacht

02.07.16, 16:30 02.07.16, 19:09

Nach dem Tötungsdelikt an einem Mann im Zürcher Seefeld sucht die Kantonspolizei nach einem aus der Strafanstalt Pöschwies geflohenen Häftling. Der 23-Jährige wird verdächtigt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Ein bereits am Donnerstag verhafteter Mann befindet sich in Untersuchungshaft.

Geflohener Häftling auf einem Fahndungsbild der Polizei. Bild: kapo zh

Der Verdächtige war nach einem Hafturlaub nicht mehr in die zürcherische Strafanstalt zurückgekehrt, wie die Staatsanwaltschaft und die Zürcher Kantonspolizei am Samstag mitteilten. Der Schweizer sass dort wegen verschiedener Gewaltdelikte. Der Geflüchtete sei als gewaltbereit einzustufen und dürfte bewaffnet sein, heisst es.

Der Schweizer sass wegen Freiheitsberaubung, versuchten Raubes, versuchter Nötigung und anderer Delikte im Gefängnis, wie das Zürcher Amt für Justizvollzug mitteilte. Er war im September 2015 vom Zürcher Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren und einer ambulanten Massnahme verurteilt worden. Die Strafe verbüsste er bereits seit Februar 2014.

Im Hafturlaub abgehauen

«Ende 2017 wäre der Mann bei guter Führung freigekommen», sagte Thomas Manhart, Chef des Amtes für Justizvollzug, auf Anfrage der sda. Bis zum Zeitpunkt des Hafturlaubs habe er sich im Strafvollzug wohl verhalten. «Nach unserer Risikoeinschätzung gingen wir davon aus, dass der Häftling zurückkehren wird.»

Der Häftling war am 23. Juni nicht wie vereinbart aus dem Hafturlaub zurückgekehrt. Es war sein erster alleiniger Urlaub, wie Manhart sagte. «Zuvor hatte er bereits mehrere begleitete Hafturlaube.» Der Mann wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Ob diese öffentlich gemacht werde, entscheide die Polizei, sagte Manhart.

Gegen den 23-Jährigen besteht der dringende Verdacht, dass er am Tötungsdelikt im Zürcher Seefeld vom vergangenen Donnerstag beteiligt war, wie die Zürcher Kantonspolizei mitteilte. Ermittlungen am Tatort hätten diesen Verdacht ergeben, sagte ein Polizeisprecher.

Ein 42-jähriger Zürcher war in der Nähe des Bahnhofs Tiefenbrunnen von einer Passantin schwer verletzt angetroffen worden. Kurz darauf brach er zusammen und starb. Der Mann wies mehrere Stichwunden am ganzen Körper auf

Zweiter Tatverdächtiger in U-Haft

Bereits am Donnerstag war ein Mann verhaftet worden, der kurz nach der Tat in der Nähe des Tatorts über die Gleise davongerannt war. Gegen diesen besteht ebenfalls dringender Tatverdacht. Er befindet sich auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft.

Aus ermittlungstaktischen Gründen macht die Kantonspolizei keine Angaben zu dessen Identität. Hintergrund der Tat, Tatablauf und Motiv sind nach wie vor unklar. Das Amt für Justizvollzug werde den Fall nun analysieren, heisst es in der Mitteilung. Am kommenden Montag will auch die Direktion der Justiz und des Innern Stellung dazu nehmen.

Für den geflüchteten Häftling gelte zum jetzigen Zeitpunkt die Unschuldsvermutung, schreibt das Amt für Justizvollzug. «Wir wissen noch nicht, ob er an der Tat beteiligt war», sagte Manhart. Erste Priorität habe nun aber die Fahndung und Ergreifung des Flüchtigen. (sda/meg)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Piwi 02.07.2016 16:52
    Highlight Kann mir jemand erklären, was der Sinn von Hafturlaub ist?
    Ich könnte mir einige wenige Situationen vorstellen, wo das als Sozialisierungsmassnahme denkbar wäre (z.B. für einen Familienvater, der wegen Nicht-Gewaltdelikten einsitzt, im Sinne seiner Familie).
    Wenn ein Hafturlaub aber generell gewährt wird, und man so sogar gewaltbereite Verbrecher unbegleitet in die Gesellschaft hinauslässt, halte ich das für grob fahrlässig und auch sinnfrei.
    74 9 Melden
    • Madison Pierce 02.07.2016 19:35
      Highlight Sehe ich auch so. Wusste bis jetzt nicht, dass Gewaltverbrecher in den Genuss unbegleiteter (!) Hafturlaube kommen. Ging davon aus, dass solche Urlaube nur begleitet und nur aus wichtigen Gründen (zB. Beerdigung eines Familienmitglieds) gewährt werden.
      23 4 Melden
    • Soulrider 02.07.2016 19:36
      Highlight Vor allem wenn der 5 1/2 Jahre Knast bekommen hat. Nach 2 Jahren schon mehrere begleitete Urlaube und jetzt den ersten ohne Begleitung. Das ist doch ein sehr schlechter Witz. Gegen Ende der Strafe könnte man es ja noch verstehen.
      26 2 Melden
    • der Mann 02.07.2016 21:18
      Highlight Im Gefängnis machen die Gewalttäter und Mörder und alle die lange Haftstrafen haben, nicht wirklich den grossen Teil der Masse aus, es hat viele, welche wegen Finanzbetrug, Drohung, einfache Körperverletzung usw. sitzen.
      Diesen den Hafturlaub zu entziehen wäre nicht förderlich und nur diesen Urlaub zu gewähren, würde zweifelsohne zu Konflikten innerhalb des Gefängnisses führen.
      Und wenn man die Anzahl Hafturlaube, welche reibungslos verlaufen zählt und dann die (erneuten) Verbrechen von entlassenen Straftätern, ist die Zahl der "Urlaubstaten" verschwindend klein.
      19 18 Melden
    • Peter Lustig 03.07.2016 11:48
      Highlight Berichtigen Sie mich bitte, wenn ich falsch liege. Aber meines Wissens werden in die JVA Pöschwies nur Männer eingewiesen, die eine Freiheitsstrafe von mind. 1 Jahr, stat. Massnahme oder Verwahrung haben. Bei einer Drohung, einf. Körperverletzung etc. erhält man als Strafe in der Regel eine Geldstrafe und nicht mind. 1 Jahr Gefängnis. Falls jemand doch eine Strafe von mind. 1 Jahr für Drohung, einf. Körperverletzung erhalten würde, würde es sich ja sicher um einen (wiederholten) Gewalttäter handeln.
      3 1 Melden
    • der Mann 03.07.2016 15:56
      Highlight Ich darf Ihnen da recht geben, und es gilt, sobald ein rechtskräftiges Urteil gesprochen ist und mindestens 1/6tel der Haftstrafe abgesessen wurde, wird Urlaub gewährt. Ob dies erst nach einem Jahr gilt, weiss ich leider nicht.
      Sie haben Recht, dass einfache Körperverletzung und Drohung meist mit Geldstrafen geahndet werden oder dann die Täter nicht in der Pöschwies landen...
      4 0 Melden
    • der Mann 03.07.2016 15:56
      Highlight Ich versuche jeweils ein wenig das gängige Bild der Gefängnisse zu relativieren. Die Filme oder Amerika zeigen nicht die schweizer Realität auf
      Und die Pöschwies ist eine der wenigen Haftanstalten für Schwerverbrecher ind der Schweiz.
      Ein Grossteil der Bevölkerung, oder zumindest die, welche nie einen Angehörigen inhaftiert hatten, denken halt bei Gefängnissen nur an brutale Killer...und das stimmt halt einfach nicht.
      5 0 Melden

Gute KESB, böse KESB: Wie zwei Kindsmorde die Beistands-Debatte radikal veränderten

In Bonstetten waren die Laien schuld, in Flaach die Profis. In beiden Fällen töteten Eltern ihre Kindern – und brachten damit das Vormundschaftssystem ins Wanken. Nun will eine Initiative die KESB zurückbinden.

Weniger Macht den Kindes- und Erwachsenenschutz-Behörden! Mit dieser Forderung trat diese Woche ein Komitee um SVP-Nationalrat Pirmin Schwander vor die Medien. Im Gepäck: Eine Volksinitiative, die die Kompetenzen der KESB stark beschneiden will. Künftig sollen automatisch Verwandte einspringen, wenn eine Person urteilsunfähig wird oder die Eltern das Wohl ihrer Kinder gefährden.

Auslöser für die Initiative war der Fall Flaach: 2015 erstickte in der Zürcher Gemeinde eine junge Mutter ihre …

Artikel lesen