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Pfarrer Wendelin Bucheli: Er darf bleiben. Bild: KEYSTONE

Lesbensegner Wendelin Bucheli darf zwar Pfarrer in Bürglen bleiben – aber nie mehr Homo-Paare segnen

Mit der Segnung eines lesbischen Paares hat Pfarrer Wendelin Bucheli für Aufruhr in der katholischen Kirche gesorgt. Jetzt hat sich Bucheli mit dem Bischof Vitus Huonder geeinigt: Wenn er keine homosexuellen Paare mehr segnet, darf er bleiben. 

28.04.15, 14:50 28.04.15, 15:59

Einigung im Fall Bürglen: Wie die katholische Kirche und die Kirchgemeinde Bürglen am Dienstag bekannt gaben, darf der Lesbensegner Wendelin Bucheli Pfarrer in Bürglen bleiben. Bucheli hatte im Oktober 2014 in der Pfarrkirche ein lesbisches Paar gesegnet und sich den Unmut des Churer Bischofs Vitus Huonder zugezogen. 

Huonder verlangte danach zusammen mit dem Lausanner Bischof Charles Morerod, dass Bucheli sein Amt aufgebe und in das Westschweizer Bistum zurückkehre, wo er geweiht worden war. Der Pfarrer und die Kirchgemeinde widersetzten sich dieser Aufforderung. Schützenhilfe erhielt Bucheli aus der Bevölkerung – das ganze Dorf stellte sich hinter den Pfarrer, weit über die Dorfgrenzen hinaus unterschrieben Menschen die Petition «Wendelin Bucheli muss in Bürglen bleiben!».

Keine «heimlichen» Segnungen mehr

Nun ist die bischöfliche Forderung vom Tisch. In Übereinstimmung mit der Erklärung der Schweizer Bischofskonferenz vom Oktober 2002 über deren Haltung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erkläre Pfarrer Bucheli, dass er «zukünftig weder öffentlich noch heimlich die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paars durchführen» werde. 

Aufgrund dieses Versprechens hält der Churer Bischof laut Mitteilung «nicht länger an seiner Bitte an Pfarrer Bucheli fest, die Demission als Pfarrer von Bürglen einzureichen». In der Mitteilung wird betont, dass Bucheli «der Kirche sowie dem ihn sendenden Bischof gegenüber loyal ist und sich an die kirchliche Lehre hält».

«Christliche Konfliktbewältigung»

Bischof Huonder hatte Generalvikar Martin Grichting beauftragt, im Fall der Tellgemeinde Bürglen nach einer Lösung zu suchen. Grichting teilte nach der Einigung mit, er freue sich über dieses positive Zeichen. Man könne zur Versöhnung finden, «wenn alle gemeinsam auf dem Boden der katholischen Glaubenslehre stehen». 

Freude herrschte am Dienstag in der katholischen Kirchgemeinde von Bürglen, wo Bucheli seit gut zehn Jahren als Pfarrer tätig ist. Bucheli selber sei sehr froh über die Einigung, sagte Kirchenrat Peter Vorwerk auf Anfrage. Der Fall zeige – so Vorwerk – wie christliche Konfliktbewältigung funktioniere, wenn man miteinander rede. (dwi/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • July 28.04.2015 22:06
    Highlight Ich habe diesen Pfarrer ziemlich gefeiert als er die Segnung gemacht hat und habe die Reaktion der Kirche ziemlich zurückgeblieben und diskriminierend gefunden. Deshalb habe ich meinen Paten gefragt, der Theologie studiert hat; er sagte, die Segnung sei an sich in Ordnunh gewesen, da hätte die Kirche nichts dagegen. Jedoch habe dieser Pfarrer das Paar im Sinne einer "Trauung" gesegnet. Das war der "Fehler" und geht gegen das kirchliche Gesetz (anscheinend ist das aber nicht nur für homosexuelle so, sondern auch für hetero Paare, die nicht rein biologisch Kinder bekommen können...)
    Ach, die Kirche ...



    1 0 Melden
  • Monachus 28.04.2015 19:59
    Highlight Wieso tritt der Pfarrer und/oder die Gemeinde nicht einfach der ref. Kirche bei? Da darf man alles und muss nicht mal an Gott glauben. Sind es die Kerzlein und der Weihrauch etc. welche ihm wichtig sind an einer Kirche? Wär zwar ein oberflächliches Motiv, dann gäb's aber dafür die Christkatholiken. Die haben sogar den Papst abgeschafft, also noch besser! Also nochmal: wieso verharrt er in der katholischen Kirche wenn er deren wesentliche Glaubensgrundsätze ablehnt? Es gibt ja Alternativen.
    2 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 19:04
    Highlight Das ist KEINE Konfliktbewältigung, sondern blinder, unkritischer Gehorsam. Ich bin sehr enttäuscht von dem Pfarrer in Bürglen. Ich dachte, er würde sich für die Sache einsetzen, aber das ist wohl im System der katholischen Kirche nicht möglich. Es gibt kaum Hoffnung auf wirkliche Entwicklung zu einer Kirche, die die Menschenrechte achtet.
    5 0 Melden
  • Valar Dohaeris 28.04.2015 16:08
    Highlight Ehrlichgesagt bin ich enttäuscht. Die Akzeptanz, nie mehr gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, kommt einem Geständniss gleich, dass dies ein Fehler war.

    Ja - Die Christliche Lehre sagt, dass Homosexualität eine Sünde ist. Jedoch erlaubt sie auch Sklaverei und verbietet den Verzehr von Shrimps. Hält man sich heute daran? Nein.

    Ein vereinter Einsatz würde diese Hasslehre schnell in die Knie zwingen.
    8 4 Melden
  • Robert K. 28.04.2015 15:56
    Highlight In einer liberalen Gesellschaft gehen starre Ideologien unter.
    7 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 15:19
    Highlight Zum glueck gibts auch denkende pfaffen, menschenrechte waren der katholischen kirche schon immer ein graeuel.

    Er muesste nun vielleicht dazu uebergehen, nicht mehr paare sondern mehr jeden einzeln bzw. in gruppen, die gemeinde als ganzes zu segnen.

    Ach, ".....wie christliche Konfliktbewältigung funktioniere" der katholischen kirche im speziellen, unter den teppich damit, wie mit allem anderen auch und ruhe ist.




    mein beitrag koennte zynische, ironische und/oder satirische randbemerkungen beinhalten
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