Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bundesgericht sagt: Ignaz Walker wurde zu Unrecht in Mord-Prozess freigesprochen

28.04.17, 12:00 28.04.17, 15:45


Kein Ende im Fall Walker. Bild: KEYSTONE

Das Obergericht des Kantons Uri muss sich zum dritten Mal mit dem Mordvorwurf an den Erstfelder Barbetreiber auseinandersetzen. Dies hat das Bundesgericht entschieden. Rechtskräftig ist hingegen die Verurteilung des Mannes wegen Gefährdung des Lebens im Zusammenhang mit einem Vorfall im Januar 2010.

Gemäss Anklage soll der Barbetreiber die Ermordung seiner früheren Ehefrau in Auftrag gegeben haben. Diese wurde im November 2010 durch drei Schüsse lebensgefährlich verletzt. Der Auftragsmörder wurde für diese Tat rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt.

Der Barbetreiber wurde im ersten Anlauf des Urner Obergerichts im September 2013 wegen versuchten Mordes an seiner Frau und versuchter vorsätzlicher Tötung eines Mannes im Januar 2010 zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt.

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde des Verurteilten im Dezember 2014 teilweise gut und verlangte eine Neubeurteilung des Falles. Im zweiten Anlauf sprach das Urner Obergericht den Erstfelder für den Vorfall vom Januar 2010 der Gefährdung des Lebens schuldig.

Dafür und wegen weiterer Delikte verurteilte es ihn zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten und zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen sowie zu einer Busse. Vom Vorwurf des Mordes sprach das Obergericht den Barbetreiber frei.

Dieser Freispruch hält gemäss dem aktuellen Urteil des Bundesgerichts vor Bundesrecht nicht stand. Das Gericht führt aus, dass die Würdigung der einzelnen Beweise durch die Vorinstanz in verschiedener Hinsicht ungenügend begründet worden sei. Zudem sei sie nicht nachvollziehbar und zum Teil offensichtlich unhaltbar. Die sich daraus ergebende Gesamtwürdigung sei nicht rechtsgenügend.

Zu hohe Anwaltsrechnung

Nochmals über die Bücher muss das Urner Obergericht auch bei der Entschädigung für den amtlichen Verteidiger des Erstfelder Barbetreibers für das zweite Berufungsverfahren. Der Anwalt hatte rund 110'000 Franken in Rechnung gestellt. Für die erste Berufungsverfahren waren es 40'000 Franken.

Das Obergericht nahm die Kostennote ohne weitere Prüfung an, wie aus dem Urteil des Bundesgerichts hervorgeht. Dieses hält nun fest, dass in der Rechnung zahlreiche Positionen aufgeführt seien, die nicht zu vergüten seien. (Urteile 6B_824/2016, 6B_844/2016, 6B_946/2016 und 6B_960/2016 vom 10.04.2017) (sda)

Fall Ignaz Walker

Urteil im Fall Walker kommt frühestens Mitte Dezember

Fall Walker: Oberstaatsanwalt erhebt erneut schwere Anschuldigungen: «Das ist für die ‹Rundschau› mehr als peinlich»

Der Fall «Ignaz Walker» – Auftragsmord oder Komplott? Übersicht über einen der spektakulärsten Kriminalfälle der Schweiz

«Vollkommener Quatsch» – «Akten sind vergiftet» – «Sofortiger vollumfänglicher Freispruch»: Walkers Verteidiger Linus Jaeggi spricht Klartext

«Obwohl ich mich ausgebrannt und gebrochen fühle, werde ich immer wieder aufstehen»: Die besten Aussagen von Ignaz Walker zum Schluss des Verfahrens

Warum wollte die Urner Staatsanwaltschaft den Holländer als Zeugen verleugnen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Fall Walker

Reaktionen im Fall Walker auf Erklärung von Oberstaatsanwalt Imholz: «Verhalten verstösst gegen den Grundsatz von Treu und Glauben»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 28.04.2017 13:06
    Highlight Die armen Urner Richter. Die wissen ja gar nicht mehr, was sie jetzt machen sollen 😂
    21 1 Melden

Praxis gestoppt – Gefängnis Thun nimmt keine unter 15-Jährige mehr in Ausschaffungshaft 

Minderjährige unter 15 Jahren mit abgewiesenem Asylgesuch werden in Thun nicht mehr in Ausschaffungshaft genommen. Das Regionalgefängnis hat das Projekt nach Kritik aus dem Nationalrat gestoppt.

Er habe die Ausschaffungshaft für Mütter mit Kindern unter 15 Jahren gestoppt, sagte Gefängnisdirektor Ulrich Kräuchi am Mittwochabend in der Sendung «10vor10» von Fernsehen SRF.

Damit reagiert Kräuchi auf Kritik der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Nationalrats. Sie hatte Ende Juni grosse …

Artikel lesen