Schweiz

Nach Millionenverlust: Bauern können künftig auch ihre Obstkulturen gegen Frost versichern

Die Schweizer Hagel Versicherung reagiert auf die schweren Frostschäden im Frühling: Ab dem 1. Januar 2018 bietet sie auch eine Frostzusatzversicherungen für Obst und Beerenkulturen an. Bisher gab es das nur für Reben.

26.11.17, 20:01

In einer Mitteilung vom Sonntag bezifferte die Schweizer Hagel Versicherung die Ernteausfälle bei Obst, Beeren und Reben durch die Frostnächte Ende April auf «deutlich über 50 Millionen Franken». Der Schweizer Obstverband hatte im Mai die Schäden allein für die Obstbauern auf über 100 Millionen geschätzt.

Dass die Ausfälle in diesem Jahr ein historisches Ausmass erreichten, darüber sind sich die beiden Organisationen einig: Man müsse bis in die Siebziger- und Achtzigerjahre zurückblicken, «um solch extreme und flächendeckende Frühglingsfröste zu beobachten», schrieb die Versicherung.

Und durch die Klimaerwärmung nehme das Risiko in Zukunft noch zu: Denn wenn sich die Vegetation im Frühling früher entwickle, steige auch die Frostempflindlichkeit.

Deshalb habe man in Absprache mit den Bauern entschieden, eine Frostversicherung für Obst- und Beerenkulturen einzuführen. Sie garantiere den versicherten Produzenten bei Frostschäden im Frühling einen Ertrag von mindestens 55 Prozent.

Unterstützung durch Bund und Kantone

Nach den Ernteverlusten durch die Frostnächte im Frühling entschieden Bund, Kantone und landwirtschaftliche Organisationen, die betroffenen Landwirte mit Betriebshilfen und Investitionskrediten zu unterstützen.

Auch die Stiftung fondssuisse griff den in Notlage geratenen Bauern finanziell unter die Arme. Der Fonds leistet Beiträge an Schäden, die durch nicht vorhersehbare Naturereignisse verursacht werden und für die keine Versicherung abgeschlossen werden kann.

Bisher versicherte die Schweizer Hagel lediglich Rebkulturen gegen Frost – wenn die Besitzer die Versicherung abschliessen. Aber nur etwa fünf Prozent der Weinbauern machten in der Vergangenheit davon Gebrauch. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chnebeler 27.11.2017 05:44
    Highlight Entscheidend ist doch der letzte Satz nur 5% machten bisher davon gebrauch. Solange der Staat im Schadensfall hilft, wird keiner eine zusätzliche Versicherung abschliessen. Ist halt bequemer später zu jammern als etwas Geld für eine Versicherung zu bezahlen.

    Bitte nicht falsch verstehen ich habe nichts gegen die Bauern ich bin selbst auf einem kleinen Hof im Emmental aufgewachsen.

    Ich habe nur mühe damit, dass die Bauern ihr Unternehmerisches Risiko immer versuchen auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Oder wenn sie einen schlichtweg unrentablen Betrieb haben immer nur nach mehr Geld schreien.
    16 9 Melden
    • Skip Bo 27.11.2017 08:58
      Highlight Es gibt ein Schlechtwetter Entschädugungsgesetz. Davon profitiert vor allem das Baugewerbe. Hast du kein Problem damit, dass dort das wetterbedingte unternehmerische Risikien abgewälzt werden?
      Der Frost 2017 war eine Ausnahmeerscheinung der bei einzelnen Betrieben existenzgefährdende Situationen bewirkt hat. In solchen Ausnahmsituationen darf geholfen werden.
      Es ist aber richtig, dass in Zukunft solche Ereignisse über eine Branchenversicherung gedeckt sind.
      8 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.11.2017 09:41
      Highlight @Skip Bo: Ist nicht die Ausnahmeerscheinung der Sinn und Zweck einer Versicherung?

      Ich glaube unsere Bauern sind mittlerweile so verwöhnt, dass sie denken wenn nicht jede Ernte im Maximum ausfällt jemand für diesen "Schaden" aufkommen muss. Unternehmerisches Risiko? Aber nicht für unsere Bauern.... Denen wird der Zucker ja mittlerweile in den Hintern geblasen...
      8 12 Melden
    • dan2016 27.11.2017 12:23
      Highlight @Skip Bo. Ich denke auch, dass Versicherungen für Ausnahmefälle zuständig sind. Und ja, es stört mich auch bei der Baubranche. Letztendlich werden damit oft die relativ ineffizienten Branchen gestärkt. Branchen, die sich statt um die Wettbewerbsfähigkeit lieber (und erfolgreich) um politische Lobbyarbeit kümmern. Vor 10-15 Jahren hätten die Bauern (verbände) die Möglichkeiten gehabt (und hätten diese teilweise immer noch), globale Nischen erfolgreich zu entwickeln.
      2 2 Melden
    • Skip Bo 27.11.2017 12:42
      Highlight Dan&Co, bisher wurde keine Versicherung für Obst und Beeren angeboten, daher fand ich die Hilfe für existenziell Gefährdete für richtig. Mit der Möglichkeit, diese Risiken zu versichern, entfallen diesbezüglich Ansprüche an die Allgemeinheit.
      Die Winzer welche bisher nicht versichert haben, sind nicht zu entschädigen.
      3 1 Melden

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