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Festivalgänger bei einem Konzert am Festival in Frauenfeld. Festivals gehören zu den wenigen Orten, an denen Tabakwerbung im Umfeld von jungen Menschen noch erlaubt ist. Bild: KEYSTONE

Lobbying für Tabakwerbeverbot an Festivals

Open-Air-Veranstalter sind verärgert wegen Tabakumfrage der Lungenliga

Einzelne Festivals erhalten bis zu mehreren hunderttausend Franken von Zigarettenherstellern. Gesundheitsorganisationen machen jetzt mit unkonventionellen Methoden Druck für ein Verbot.

09.09.14, 06:32 09.09.14, 08:38

Lorenz Honegger / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

Ob Partyzelte, Verkaufsstände oder Gewinnspiele: Schweizer Open-Air-Festivals gehören zu den letzten Orten, an denen Tabakkonzerne bei einem jungen Publikum im grossen Stil Werbung betreiben können. Nur schon für das Recht, die konzerneigenen Zigarettenmarken vor Ort zu verkaufen, zahlen sie je nach Grösse des Anlasses zwischen 20'000 und 80'000 Franken. Für grössere Sponsoring-Auftritte können es gemäss Branchenkreisen zwischen 200'000 und 300'000 Franken sein. Die Tabakmultis wollten sich gestern auf Anfrage der «Nordwestschweiz» nicht zu diesen Zahlen äussern.

Fakt ist: Die Schweizer Zigarettenbranche befindet sich in einer heiklen Phase. In wenigen Tagen geht die Anhörung des Bundesrates zum neuen Tabakproduktegesetz zu Ende. SP-Innenminister Alain Berset will darin zwar gewisse Werbeformen verbieten, den Herstellern von Marlboro, Parisienne und Co. im internationalen Vergleich aber sehr viel Spielraum lassen. 

Partyzelte an Open Airs etwa würden gemäss dem ersten Gesetzesentwurf trotz des tiefen Alters der Besucher auch in Zukunft legal bleiben. Einzige Auflage ist, dass die Anlässe keinen internationalen Charakter haben. Eine Bedingung, die ausnahmslos alle Festivals erfüllen.

Zwei Franken mehr fürs Ticket? 

Gesundheitsorganisationen machen jetzt mit offensivem Lobbying Druck für ein komplettes Sponsoring-Verbot. Die Lungenliga Schweiz liess diesen Sommer im Umfeld des Paléo Festivals in Nyon im Kanton Waadt und am Open Air Gampel im Kanton Wallis je 800 Besucher befragen, ob sie bereit wären, mehr für das Eintrittsticket zu bezahlen, wenn die Veranstalter dafür auf Tabak-Gelder verzichten.

Ob sie mehr für ein Festivalticket bezahlen würden, wenn Zigarettenwerbung verboten wäre, liess die Lungenliga unter anderem beim Open Air in Gampel fragen. Aus Sicht der Lungenliga waren die Antworten positiv. Bild: KEYSTONE

Obwohl die teils noch unveröffentlichten Umfrageresultate nicht repräsentativ sind, zieht die Lungenliga eine positive Bilanz: In der Westschweiz würden gemäss ihren Erhebungen 71 Prozent der Befragten zwei Franken mehr für ein Festival ohne Zigarettenwerbung ausgeben, im Wallis bei leicht abweichender Fragestellung 57,5 Prozent. Ein Drittel der Befragten am Gampel wäre sogar bereit, zehn Franken mehr hinzulegen.

Kritik von den Veranstaltern

Die Open-Air-Verantwortlichen haben keine Freude am Vorgehen der Organisation. «Eine Mehrheit der Festivalmacher ist nicht einverstanden mit den Erhebungen auf ihrem Gelände und den Schlüssen, die daraus gezogen werden», sagt Mike Schälchli, OK-Mitglied des Open Airs Gampel. Für ihn seien die Umfrageergebnisse «kein Bekenntnis gegen Tabaksponsoring» oder den Verkauf von Zigaretten vor Ort. Schälchli ist neben dem Gampel auch für das Greenfield Festival in Interlaken, das Touch the Air im aargauischen Wohlen und das Open Air Val Lumnezia im Kanton Graubünden tätig.

Die Situation für die Festivals sei schon heute schwierig, sagt er. Die Veranstalter kämpften mit immer höheren Gagenforderungen, erhielten vom Staat aber nicht die gleiche Unterstützung wie etwa Schauspiel- oder Opernhäuser. «Sehr viele Festivals mussten diesen Sommer von ihren Reserven zehren. Vor allem neuere Anlässe hatten wegen der Fussballweltmeisterschaften und Regenphasen Mühe.» Er befürchte, dass es vom Sponsoring-Verbot für Tabakprodukte bis zum Verbot für Bier- und Spirituosen-Werbung nicht mehr weit sei.

Die Lungenliga Schweiz bleibt derweil vom Gegenteil überzeugt. Sie sieht es in einer Mitteilung als erwiesen an, dass die Festivals «auch ohne Gelder der Tabakindustrie» existieren können und im Fall eines Ausstiegs «auf die grosszügige Unterstützung des Publikums» zählen können.

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    Alle Leser-Kommentare
  • joe 09.09.2014 10:34
    Highlight Wer rauchen will tut dies, ob nun ein Tabakfirma vor Ort ist oder nicht. Für ein OpenAir können die Werbeeinnahmen aber grossen Einfluss haben. Denn andere grosse Sponsoren haben sich auch schon zurück gezogen. Beim Gurtenfestival z.B. hat sich neben der Postfinance auch die Swisscom zurück gezogen (ich glaube Schweizweit). Migros ist auch nicht mehr so present. Ein Festival ist aber auf mehrere grosse Sponsoren angewiesen, sonst wird das Ticket dann nicht nur CHF 2.- teurer! Als Ex-Raucher (rauchfrei seit 2006) stören mich die Raucher nicht. Die wenigen die es gibt fallen nicht auf...!
    3 0 Melden
  • Kastigator 09.09.2014 09:40
    Highlight gestern stand überall zu lesen, dass die Luftverschmutzung mindestens so starke Auswirkungen habe auf die Gesundheit wie Passivrauchen. Wo bleiben die entsprechenden Kampagnen der Lungenliga gegen den Verkehr? Ist man da einfach zu feig dafür? Kann es daran liegen, dass z.B. in LU auch die Lungenliga unlängst noch mit Diesel-Dreckschleudern ohne Partikelfilter und Katalysator unterwegs war? Das ist doch reine Heuchelei.
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