Schweiz

Was bedeutet Heimat? Dafür haben Schweizer verschiedene Antworten. Bild: EPA/KEYSTONE

Die Schweiz bedeutet älteren Menschen mehr als jüngeren

Das Stapferhaus Lenzburg lüftet den Schleier über den Befragungen zum Thema «Heimat». Sie wurden im Vorfeld zur kommenden Ausstellung «Heimat. Eine Grenzerfahrung» durchgeführt.

13.02.17, 02:11 13.02.17, 06:07

Ruth Steiner / Aargauer Zeitung

Vom Lenzburger Jugendfest über die St.Galler Olma zur Basler Herbstmesse bis zum Marché de Noël in Montreux – an zwölf Chilbis in der ganzen Schweiz hat das Stapferhaus die Schweiz getroffen und auf dem Riesenrad zum Gespräch geladen: Einheimische und Fremde, Alteingesessene und Weltenbummler, Traditionsbewusste und Kosmopolitinnen, Patriotinnen und Schweiz-Kritiker.

Im Hinblick auf die am 11. März im Zeughaus startende Ausstellung zum Thema «Heimat. Eine Grenzerfahrung» hat das Stapferhaus 1000 Menschen befragt und gibt nun erste Einblicke in die statistischen Auswertungen.

Haben die Ergebnisse der Umfrage die Stapferhaus-Verantwortlichen überrascht? «Es ist beeindruckend, wie breit gefasst der Begriff Heimat verstanden wird», sagt Damian Griffel, Medienbeauftragter beim Stapferhaus.

Menschen, Berge und Traditionen

Die finale Auswertung weist tatsächlich auf ein sehr unterschiedliches Heimatverständnis hin. Für die meisten Menschen ist Heimat nicht so sehr mit einem Ort oder einer Nation verbunden, wie man allgemein annehmen könnte. Für 95 Prozent der Befragten bedeuten nämlich Menschen Heimat – insbesondere die Familie.

Bei 94 Prozent lösen Landschaften Heimatgefühle aus, meistens sind es Berge. In den Traditionen finden 91 Prozent der Befragten eine Heimat. Im Vordergrund stehen dabei die individuellen Rituale in der eigenen Familie.

Überraschende Ergebnisse

Etwas überrascht ist man beim Stapferhaus darüber, dass die Heimatverbundenheit mit einem Ort auf der Landkarte erst an vierter Stelle kommt: 67 Prozent machten diese Angabe, die Hälfte verbindet den Begriff Heimat mit der Schweiz.

Dabei gibt der Blick auf die Altersskala einen weiteren interessanten Aufschluss. Bei den über 55-Jährigen hat die Schweiz einen deutlich höheren Stellenwert als bei den unter 18-Jährigen.

Die Frage, ob sie ihre Heimat bedroht sehen, haben 32 Prozent der Jungen bejaht, bei den über 55-Jährigen sind es sogar 62 Prozent. Als grösste Gefahr gelten die Naturzerstörung und die Überbauung der Landschaft, gefolgt von Terrorismus, von fremden Kulturen und von Krieg.

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    Alle Leser-Kommentare
  • sheshe 13.02.2017 15:31
    Highlight "Als grösste Gefahr gelten die Naturzerstörung und die Überbauung der Landschaft, gefolgt von Terrorismus, von fremden Kulturen und von Krieg."
    Schon krass, wie weit es die Angstmacherei bereits gebracht hat. In einem der sichersten Länder der Welt hat man auf Platz 3 Angst vor Terrorismus, gefolgt von fremden Kulturen und Krieg.
    PS: Home is where the anchor drops!
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  • Steven86 13.02.2017 10:07
    Highlight Ich lernte das Wort Heimat erst richtig kennen als ich begann die Welt zu bereisen. Obwohl ich viele schöne Orte und Kulturen kennen gelernt habe. Ist und bleibt mein zu Hause die Schweiz mit den schönen Bergen, Seen, die Vielfalt und die verträumten Landschaften.
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  • Homes8 13.02.2017 09:04
    Highlight Wie heissts so schön "home is where the heart is"
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  • Pius C. Bünzli 13.02.2017 08:24
    Highlight Wie Dodo einst sagte : Heimat isch es Gfühl und kein Ort
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  • lilie 13.02.2017 07:01
    Highlight Schöne Umfrage. Man muss sich einfach bewusst bleiben, dass sie nicht repräsentativ ist.

    Die Ergebnisse erstaunen mich allerdings gar nicht. Natürlich fühlen sich Jugendliche weniger der "Schweiz"verbunden - das ist ein abstraktes politisches Gebilde. In diesem Alter hat man davon noch kein richtiges Verständnis, die Familie, Kollegen, Hobbies etc. sind viel wichtiger.

    Erst mit der Zeit entwickelt man eine Vorstellung von der Schweiz als Ganzes und kann sich damit identifizieren.
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    • Schnurri 13.02.2017 09:13
      Highlight So wie ich das Erlebe bzw im Militär erlebt habe ist der Heimatstolz und die Verbundenheit mit der Schweiz extrem gestiegen. Siehe nur schon den Zuschauer-Auflauf am eidg. Schwingfest.
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    • lilie 13.02.2017 12:05
      Highlight @Schnurri: Ins Militär geht man aber nicht als Unter-18-Jähriger. ;)
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    • Schnurri 13.02.2017 12:16
      Highlight Nun für mich ist ein 20jähriger aber immer noch Jung...
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    • lilie 13.02.2017 12:25
      Highlight @Schnurri: Lies nochmals. Da steht eindeuti "unter 18". ;)
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    • Schnurri 13.02.2017 18:14
      Highlight Und ich spreche von jungen allgemein...
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Zahnarzt muss gegen den Willen der Bürgergemeinde eingebürgert werden

Er spricht Deutsch, hat hier studiert und seine Kinder gehen in Vereine. Er hat aber auch Sozialhilfeschulden, äussert sich unklar zur Rolle der Scharia, und seine Frau ist nicht integriert. Die Bürgergemeinde wollte den libyschen Zahnarzt nicht einbürgern. Das Verwaltungsgericht schon.

Wilhelm Tell kannte er nicht. Und auf mehr als 300'000 Franken Sozialhilfeschulden sitzt der libysche Zahnarzt auch. Trotzdem muss der mehrfache Familienvater jetzt mit seinen Kindern eingebürgert werden. Das hat das Solothurner Verwaltungsgericht entschieden – gegen den Willen einer Bürgergemeinde im unteren Kantonsteil. Sie hatte dem Mann, der seit 19 Jahren in der Schweiz lebt, die Einbürgerung verweigert – zum zweiten Mal. Der 46-Jährige wollte sich schon 2011 einbürgern lassen.

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