Schweiz
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So einfach war Spenden noch nie: ein Knopfdruck, und die Spende ist getätigt. Bild: shutterstock

Eine App, um die Welt zu verbessern

Chatten, surfen, spenden: Die App-Entwickler entdecken den Gutmenschen

Der Einzahlungsschein hat zwar beim Spenden noch lange nicht ausgedient, per SMS oder online zu spenden geht aber schneller und ist bequemer. Spenden-Apps nutzen diese Vorteile. Jetzt sollen sie den Spender-Willen der Jungen ankurbeln.

27.11.14, 17:43 28.11.14, 13:16

Schweizer zeigen sich in der Vorweihnachtszeit von der grosszügigen Seite. Nicht nur für ihre Verwandten und Bekannten geben sie bereitwillig Geld aus, sondern auch für Menschen in Not. Die Spendenhöhe erreicht in der Schweiz um Weihnachten ihren Zenith. 

Knapp 1,7 Milliarden Franken haben Privathaushalte in der Schweiz 2013 gespendet, wie die Stiftung Zewo in einer jüngst publizierten Studie schreibt. 

Spendenvolumen Schweiz 2003-2013

Das Spendenvolumen in der Schweiz steigt gemäss einer Studie der Stiftung Zewo seit Jahren kontinuierlich. 2005 kletterten die Spendeneinnahmen auf ein Rekordhoch, vor allem wegen den verheerenden Tsunamis im Indischen Ozean im Dezember 2004. quelle: zewo

Wer spendet in der Schweiz?

68 Prozent der Schweizer haben gemäss einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts gfs.zh im Jahr 2013 eine gemeinnützige Organisation finanziell unterstützt. Alter, Wohnort, Ausbildungsstand und Einkommen sind Faktoren, die die Höhe der Spenden beeinflussen. So spenden Deutschschweizer durchschnittlich mehr als Romands, Personen mit hohem Bildungsniveau mehr als Personen mit tiefem Ausbildungsstand und Besserverdienende mehr als Personen mit tiefem Einkommen. 

Und: Je älter eine Person – so die Detailstudie der Haushaltserhebung des Bundes – desto grosszügiger zeigt sie sich bei Spenden. 

Spendensumme pro Monat nach Alterskategorie 

Je älter eine Person, desto grosszügiger: Personen unter 34 Jahren spenden im Schnitt etwas mehr als ein Prozent ihres gesamten Haushaltsbudgets, Personen über 75 Jahren fast drei mal soviel – 2,8 Prozent. Bild: watson; quelle: bfs

Das macht den Fundraisern zwar grundsätzlich Freude, es stellt sie aber auch vor Herausforderungen. Wie Zewo-Geschäftsleiterein Martina Ziegerer gegenüber watson sagt, gilt es, die zahlreichen älteren Spender sukzessive durch jüngere zu ersetzen. Und was bietet sich für diese Zielgruppe mehr an, als neue Technologien wie SMS, Websites oder Apps über die sich Spenden rasch und direkt tätigen lassen? 



Die digitalen Möglichkeiten stellen laut Ziegerer eine gute Ergänzung zum klassischen Spenden dar – den Durchbruch haben sie allerdings noch nicht geschafft. «Die herkömmlichen Spendenmöglichkeiten – Überweisungen per Bank- oder Postkonto – werden auch in Zukunft den Löwenanteil ausmachen», ist Ziegerer überzeugt.

Spenden nach Spendenkanal 2013

Lesebeispiel: 2013 wurden 92,8 Prozent – oder 718,2 Millionen Franken – der Spenden per Post- oder Banküberweisung getätigt, SMS-Spenden hingegen machten nur 100'000 Franken aus. Die Zahlen beziehen sich nur auf Einnahmen von zewo-zertifizierten Hilfswerken. quelle: zewo

Spenden per Kurznachrichten

Mit dem steigenden Alter ihrer Spender haben auch die Sozialwerke Pfarrer Sieber (SWS) zu kämpfen: Hansueli Gujer, Fundraising-Beauftragter der SWS, weist darauf hin, dass es mehrheitlich Leute über 50 sind, die die SWS finanziell unterstützen. «Diese Leute sind mit Pfarrer Sieber gross geworden.» Jetzt wo das Aushängeschild aus Altersgründen nicht mehr wie früher in Erscheinung treten kann, gelte es, ein neues Publikum anzusprechen, so Gujer.

Eine Möglichkeit sind SMS-Spenden. Nina Privitera, Leiterin Web Office des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), glaubt, dass den Spenden per Kurznachricht eine immer grössere Bedeutung zukommt. So zeigen die Statistiken des SRK eine klare Zunahme der SMS-Spenden. Das Ausmass der SMS-Spenden nach der Überschwemmungskatastrophe im Balkan im vergangenen Frühjahr zeige die zunehmende Wichtigkeit des neuen Spendenkanals, so Privitera.

Grösstmögliche Transparenz

In dieses Segment vorstossen will auch die App «Gutes Tun». Die Initiative FairGive hat in Zusammenarbeit mit dem Internet-Unternehmen Getunik und der Fundraising-Plattform RaiseNow eine App entwickelt, die es ermöglicht, auf eine neue Art zu spenden. 

Partnerschaften

watson unterhält eine Partnerschaft mit der Internetagentur Getunik, die die App Gutes Tun mitentwickelt hat.

Getunik-Geschäftsführer Marco Zaugg ist überzeugt, dass «Gutes Tun» eine Lücke im Spendenmarkt schliesst. «Gutes Tun» gehe einen Schritt weiter als herkömmliche Spendenplattformen: «Die Leute wollen nicht nur wissen, wo ihre Spenden ankommen, sie wollen konkret entscheiden, was mit ihrem Geld passiert.» Gutes Tun ermögliche grösstmögliche Transparenz. 

So funktioniert die «Gutes Tun»-App

youtube/swissfundraisingtv

Mit der PostFinance konnte Gutes Tun nicht nur den grössten Schweizer E-Finance-Anbieter als Partner gewinnen, sondern gleichzeitig ein alternatives Zahlungsmodell zur SMS-Spende entwickeln. PostFinance-Mobile-Kunden können auf diesem Weg spenden. Der Wermutstropfen: Allen anderen bleibt nur die SMS-Spende. 

Mit diesen beiden Zahlungsmethoden kann der App-Nutzer seine Spende einer von 36 Hilfsorganisation zukommen lassen. Zudem kann man eine bestimmte Region (etwa den Nahen Osten) oder ein spezifisches Themenfeld (etwa Arbeitslosigkeit) auswählen. Eine Partnerschaft mit der Crowdfunding-Plattform 100-days.net und mit Ronorp rundet die App ab. 

Die Stiftung Glückskette, die mit der Swiss-Solidarity-App ebenfalls neue Wege im Bereich Fundraising beschritten hat, weist auf die Notwendigkeit der Internet-Technologie beim Fundraising hin. «Ganz klar, die junge und jung gebliebene Generation ist heute mit mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets unterwegs», sagt Daniela Toupane. Es versteht sich von selbst, dass diese Leute nicht auf konventionellen Wegen spenden, so die Kommunikationsbeauftragte der Glückskette. «Die Gutes-Tun-App bietet diese Möglichkeiten an.»

Pfarrer Sieber hofft auf Gutes Tun

Auch für die Sozialwerke Sieber, eine der 36 in der App aufgeführten Organisationen, war dieses Argument ausschlaggebend, um die Anfrage von Gutes Tun positiv zu beantworten. Und ein weiterer Aspekt stand für die SWS im Vordergrund: «Die Jungen sind heute nicht nur medienaffiner, sondern auch kritischer. Eine App wie Gutes Tun, die Transparenz in den Vordergrund stellt, kann hier Wunder wirken», sagt Hanspeter Gujer. (wst)

Gutes Tun – ein Selbsttest

Die Versprechen der Gutes-Tun-Gründer klingen gut. Doch wie schlägt sich die App im Test? Im App Store oder bei Google Play ist das Programm kostenlos erhältlich. In Ermangelung eines PostFinance-Kontos entscheide ich mich für eine SMS-Spende. Unter der Rubrik Themen klicke ich auf «Humanitäre Hilfe» – die Bilder der Syrien-Katastrophe im Kopf. Aus der Liste an verfügbaren Organisationen springt mir das Schweizerische Rote Kreuz ins Auge: ein Beweis dafür, dass der Bekanntheitsgrad und die Reputation von Hilfswerken entscheidend sind. Nachdem ich die Höhe des Betrags – auf einer Skala von 1 bis 99 Franken – eingegeben habe, werde ich gefragt, ob ich eine Spendenbestätigung erhalten will. Im Sinne der Transparenz entscheide ich mich für eine Bestätigung. Dafür muss ich meine Kontaktdaten hinterlassen. Nach einem automatisch generierten SMS, das ich beantworten muss, ist die Spende getätigt, das Rote Kreuz hat fünf Franken mehr für humanitäre Projekte zur Verfügung und ich habe ein gutes Gewissen. Einfacher und schneller spenden konnte man noch nie. (wst)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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