Schweiz
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Auch wenn es nicht allen passt: Jetzt sollen Flüchtlinge schneller arbeiten dürfen 

Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge findet in der Schweiz Arbeit. Bundesrat und Parlament wollen Gegensteuer geben und treiben eine Ausbildungsoffensive voran.

17.06.16, 08:09 17.06.16, 08:42

Jonas Schmid / Nordwestschweiz



Sie sind jung, motiviert und verfügen zumeist über eine Ausbildung oder Berufserfahrung aus ihrer Heimat. Und doch haben viele anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene grosse Mühe, im Schweizer Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.

Auch zehn Jahre nach ihrer Einreise ist die Hälfte von ihnen auf Sozialhilfe angewiesen. Das ist teuer und paradox, denn gleichzeitig klagen Branchenvertreter über einen Fachkräftemangel. Sie holen Zehntausende von ausländischen Arbeitskräften ins Land – was dem Verfassungsziel widerspricht, das eine Reduktion der Zuwanderung verlangt.

Die Fluechtlinge Abdil Iatah Mohamed, links, und Seid Abdirahman, rechts, bei der Arbeit, fotografiert anlaesslich einer Medienkonferenz zum Thema: Fluechtlinge als Arbeitskraefte in der Landwirtschaft, am Mittwoch, 20. Mai 2015, auf dem Hofgut von Eschbach in Fluellinsdorf Basellandschaft. (KEYSTONE/Patrick Straub)

In der Landwirtschaft werden Flüchtlinge bereits eingesetzt. 
Bild: KEYSTONE

Das Potenzial besser nutzen 

Nun will das Parlament das brachliegende Potenzial von Flüchtlingen besser nutzen. Nach dem Nationalrat hat gestern auch der Ständerat gegen den Widerstand der SVP eine entsprechende Motion von der Schaffhauser SP-Nationalrätin Martina Munz angenommen und an den Bundesrat überwiesen. Der Entscheid fiel mit 29:9 Stimmen bei drei Enthaltungen.

Beim Bundesrat rennt das Parlament damit offene Türen ein. Justizministerin Simonetta Sommaruga stellte an die Adresse der SVP klar: Auch für vorläufig Aufgenommene, die häufig längere Zeit in der Schweiz bleiben würden, sei eine schnellere Integration in den Arbeitsmarkt erwünscht. Die SP-Magistratin setzt auf eine Integrationsvorlehre. Anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sollen rasch Sprachkenntnisse erwerben, fachlich geschult und mittels Praktika in die Schweizer Arbeitsrealität eingeführt werden. 1000 Flüchtlinge pro Jahr sollen so für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Kostenpunkt für das vierjährige Pilotprogramm ab 2018: 54 Millionen Franken.

ZUR HALBZEIT DER 49. LEGISLATUR HABEN WIR DIE NEUEN PARLAMENTARIER PORTRAITIERT UND STELLEN IHNEN HEUTE FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Die SP Nationalraetin Martina Munz posiert am Montag, 2. Dezember 2013 im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Martina Munz.
Bild: KEYSTONE

Eine solche Ausbildungsoffensive ist einmalig. Sie orientiert sich an Initiativen, die in geringerem Ausmass bereits ergriffen wurden. So der sogenannte «Riesco-Lehrgang», welcher auf alt Bundesrat Christoph Blocher zurückgeht. Ein einjähriger, praxisorientierter Lehrgang ermöglicht Flüchtlingen den Eintritt in den Schweizer Arbeitsmarkt. Nach einem erfolgreichen Pilotversuch in der Gastronomie in den Jahren 2006 und 2007 wurde das Angebot zwischenzeitlich auf die Bereiche Gebäude- und Automobiltechnik ausgeweitet.

Erich Meier, Rektor der Technische Fachschule Winterthur, zieht eine positive Bilanz: «Bis jetzt konnten wir immer für alle zwölf Kursteilnehmer pro Jahr zwei Praktikumsplätze finden», sagt Erich Meier. «Nach den ersten drei Lehrgängen fanden 80 Prozent eine Stelle im Arbeitsmarkt.» Er rät aber zur Besonnenheit: Einheimische Schulabgänger dürften nicht durch Flüchtlinge verdrängt werden. Die Zahl von 1000 Flüchtlinge pro Jahr ist für ihn aber realistisch. «Durch die abnehmende Zahl an ausbildungswilligen Schulabgängern nimmt die Nachfrage an Lehrstellen ab», sagt er.

Kultur als Hindernis 

Die grösste Integrations-Hürde ortet Meier in der Anpassung der Flüchtlinge an die hiesigen Gepflogenheiten: «An unsere Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit müssen sie sich zuerst gewöhnen.» Ein weiteres Element sei die Fachsprache und die Eignung für die Branche: «Nicht jeder eignet sich für eine Lehre als Automechaniker.» Eine gute Vorselektion sei zentral. Auch erfolgt die Ausbildung nicht zum Nulltarif. 25'000 Franken kostet die einjährige Ausbildung. Zuerst muss also kräftig investiert werden.«Die Integration braucht mindestens ein Jahr», betont Max Züst, Direktor von Hotel und Gastro Formation, der Ausbildungsinstitution für Hotellerie und Gastgewerbe. Viele Flüchtlinge trügen eine schwere Geschichte mit sich. 

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Brikne, 20.7.2017
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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 18.06.2016 01:55
    Highlight Wurde auch langsam zeit, dass Flüchtlinge arbeiten können statt nur die zeit totzuschlagen.
    Stell dir vor, du hast keine aufgabe, keine funktion, keine Verantwortung. Musst zuhause hocken und warten, bis der tag vorbei ist.
    Oder schon mal wirklich entspannte und glückliche arbeitslose gesehen??
    4 0 Melden
  • Thomas Bollinger (1) 17.06.2016 22:46
    Highlight "Jetzt sollen Flüchtlinge schneller arbeiten dürfen". Als wer? Als wir Berner?
    0 4 Melden
  • cherezo 17.06.2016 13:02
    Highlight Die "Flüchtlinge " sollen also die Jobs machen, die aufgrund der industriellen Revolution wegfallen?
    8 5 Melden
  • cherezo 17.06.2016 11:17
    Highlight Asyl bedeutet Aufnahme für einen gewissen Zeitraum und Rückführung in das befriedete Land. Alles andere ist ein weiterer Schritt einer unkontrollierbaren Masseneinwanderung, die die Sp und ihre Anhänger doch nicht befürworten können? Schließlich entsteht immer mehr Druck auf die normalen Leute, die sie ja scheinbar vertreten wollen.
    18 16 Melden
    • Fabio74 17.06.2016 18:51
      Highlight dann sorg doch mal für befriedetes Land im Nahen Osten.
      4 2 Melden
  • tzhkuda7 17.06.2016 10:12
    Highlight Recht so. Wer nichts zu tun hat, hat Zeit auf Dumme Gedanken zu kommen.
    16 6 Melden
  • demokrit 17.06.2016 10:12
    Highlight "Sie sind jung, motiviert und verfügen zumeist über eine Ausbildung oder Berufserfahrung aus ihrer Heimat." - Das Erste stimmt meist, das zweite gemäss m.E. höchstens bei 30% und das dritte für die Schweiz hinfällig, weil von den Anforderungen nicht übertragbar. Der "Riesco-Lehrgang" wurde übrigens leider wieder eingedampft (es gibt 2 gute Dokfilme vom SRF darüber).
    16 9 Melden
    • seventhinkingsteps 17.06.2016 10:55
      Highlight Gemäss deiner Erfahrung? Denkst du nicht, dass echte Statistiken ein wenig zuverlässiger sind als deine Erfahrung?
      8 9 Melden
    • demokrit 17.06.2016 12:05
      Highlight Gegenfrage: Wie willst du Motivation wissenschaftlich messen? Statistisch steht ja oben im Artikel, dass "[a]uch zehn Jahre nach ihrer Einreise ist die Hälfte von ihnen auf Sozialhilfe angewiesen" sind. Das Asylzentrum fasst 48 Leute und es kommen oft neue an, auf die Durchmischung wird auch geachtet. Motivation gemäss meinem persönlichen Menschenverstand. So ganz daneben liegt diese Einschätzung wohl nicht.
      3 0 Melden
    • seventhinkingsteps 17.06.2016 13:08
      Highlight Ich dachte du meintest mit den 30% die Berufserfahrung und die Ausbildung. Motivation ist natürlich praktisch unmöglich zuverlässig zu messen. Sozialhilfequote finde ich da auch kein guter Indikator.
      1 4 Melden
    • demokrit 17.06.2016 14:21
      Highlight Das stimmt, obwohl man nach 10 Jahren wohl schon sagen muss, dass es bei unseren Arbeitslosenraten auch etwas mit der Motivation zu tun hat. Ausbildungstechnisch dürfte es noch prekärer aussehen: Das bedeutet meist Mitarbeit (On-the-Jobtraining). Mit unserer Lehre kann man das nicht vergleichen. Und die Arbeitszeiten liegen in diesen Herkunftsländern auch weit unter unseren 8.5h-Tagen. Die müssen auf jeden Fall erst eine Schweizer (An-)Lehre machen, nach 1-2 Jahren Deutschkurs. Es ist nicht leicht.
      4 2 Melden
  • Wilhelm Dingo 17.06.2016 10:02
    Highlight Flüchtlinge sollen nicht arbeiten DÜRFEN sondern MÜSSEN!
    6 19 Melden
    • no-use-for-a-name 17.06.2016 10:28
      Highlight Und was?
      12 2 Melden
    • Fabio74 17.06.2016 11:14
      Highlight und was denn?
      4 2 Melden
    • Wilhelm Dingo 17.06.2016 11:30
      Highlight @Wisegoat: normaler Arbeitsmarkt oder staatlich Arbeitsprogramme. Gemüse ernten, Wald putzen, bei mir zuhause rasenmähen, Plastikteile aus Biomüll entfernen, es gibt genug was erledigt werden muss...nach dem Motto wer etwas sinnvolles tut bekommt Geld statt Sozialhilfe, wer nichts tut bekommt fast nichts.
      14 8 Melden
    • elk 17.06.2016 12:24
      Highlight Ich finde auch, dass anerkannte Flüchtlinge arbeiten sollten. Menschen mit Aussicht auf Langzeit-Niederlassung kann man aber nicht mit gelegentlich Rasenmähen und Forstaushilfe beschäftigen. Sie sollen eine Lehre machen und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Gerade wenn sie noch jung sind.
      4 6 Melden
    • Wilhelm Dingo 17.06.2016 15:56
      Highlight @elk: absolut einverstanden.
      0 0 Melden
  • Swissclimber 17.06.2016 09:50
    Highlight Es hat sich ja bereits bei der Personenfreizügigkeit gezeigt, wie wirkungsvoll die flankierenden Massnahmen sind, welche versprochen wurden. Heute gibt es nicht eine Baustelle, auf der nicht Lohndumping durch irgendeinen ausländischen Anbieter betrieben wird.
    26 5 Melden
    • Fabio74 17.06.2016 11:15
      Highlight welche flankierenden Massnahmen? werden alle von rechts torpediert, weil ja sonst zu viel Papierkram und die böse Gewerkschaft etc
      9 8 Melden
    • Yolo 17.06.2016 11:24
      Highlight ihre Aussage stimmt so nicht, auf wenigen Baustellen - vornehmlich Großbaustellen - besteht das Risiko von Lohndumping. Ich arbeite als Bauherrenvertretung und Projektleiter und überprüfe dies bei meinen Projekten genau. Dies geschieht schon in der Ausschreibungsphase und bezieht sich auf die Unterarkotenten. Wer die Zitrone auf den letzten Tropfen auspresst, muss sich nicht wundern, wenn an allen Ecken und Enden beschissen und getrickst wird.
      12 0 Melden
  • Bobo B. 17.06.2016 09:47
    Highlight Den Erfahrungen aus unseren Nachbarländern folgend und auch aus Berichten von "Leuten an der Front", wird damit ganz sicher kein Fachkräftemangel gelöst. Aber vielleicht bringt es ja trotzdem etwas. Aber die Erwartungen würde ich mal nicht zu hoch ansetzen.
    15 2 Melden
  • Normi 17.06.2016 09:41
    Highlight Solange mit Asylbewerbern nicht die Löhne von Menschen mit tieferen Ausbildungen gedrückt werden ist es voll ok
    19 6 Melden
  • MeineMeinung 17.06.2016 09:10
    Highlight Logik von gewissen Schweizern:
    Asylbewerber dürfen nicht arbeiten gehen, da sie so uns unsere Jobs wegnehmen!
    Und dann im nächsten Moment: die faulen Asylbewerber sitzen den ganzen Tag nur rum und machen nichts!
    Ein typisches Beispiel dafür, dass manche Leute nicht weiter als bis zum rigenen Nasenspitz denken....
    52 18 Melden
  • Cloudpanther 17.06.2016 08:57
    Highlight Das die SVP mal wider degegen war ist ja typisch. Motz motz motz, die Flüchtlinge kosten SOOOOO viel Geld, die Leben alle vom Sozialstaat. Motz motz motz, es hat zu viele Personen die studieren und keine Berufsausbildung machen und es gibt daher ein Mangel.

    Wenn man dann aber mit einem Schlag probiert dagegen vorzugehen dann motzen die auch wider.

    Typisch Popolismus halt, man muss ein Thema bewirtschaften können, man will es nicht lösen, sonst kann man seine Wählerschaft durch motzen ja nicht mehr gewinnen. Hoffe die schweizer Bevölkerung begreift das endlich.
    26 26 Melden
    • TaZe 17.06.2016 09:59
      Highlight "wider" = dagegen
      "wieder" = erneut

      "Es ist mir zu wider, die Wohnung zu putzen" = Ich mag die Wohnung nicht putzen.

      "Ich putze die Wohnung wieder" = Ich putze erneut.

      Dein Bericht löst ja Augenschmerzen aus :)
      11 6 Melden
    • Fabio74 17.06.2016 11:16
      Highlight @geshitstormt: Arbeitswillige Einheimische für welche Jobs? zu was für Konditionen?
      1 5 Melden
    • Fabio74 17.06.2016 13:11
      Highlight @Geshitstormt: Hör auf anderen das Qort im Mund umzudrehen. Die niedrigsten Jobs macht nun mal kein Einheimischer.
      3 4 Melden
  • no-use-for-a-name 17.06.2016 08:47
    Highlight Da wünsche ich den Traumtänzern allerseits viel Glück und gutes Gelingen.
    25 12 Melden

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