Schweiz
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Jugendschiff Salomon

Das Jugendschiff Salomon wird von der Stiftung Jugendschiffe geführt und gilt als privates Kinder- und Ferienheim. Bild: zvg

Ahoi!

Die Jugendschiff-Kapitäne glauben noch lange nicht an ein Ende

Die Debatte um das Jugendschiff geht in die nächste Runde: Nachdem es diese Woche hiess, das Kantonale Jugendamt Bern werde der Institution keine Bewilligung mehr erteilen, sagen die Betreiber jetzt: «Das stimmt gar nicht.»

«Behörden wollen Jugendschiff aus dem Verkehr ziehen», «Amt lässt Jugendschiff auf Grund laufen», «Salomon muss die Segel streichen»: So titelten «Neue Zürcher Zeitung», «Tages-Anzeiger» und «20 Minuten» diese Woche. Obwohl die Berner Behörden dem Jugendschiff erst gerade eine Heimbewilligung bis 2016 erteilt hatten, schliesse die Vorsteherin des Kantonalen Jugendamtes Bern eine Verlängerung der Bewilligung aus, schrieb die NZZ am Mittwoch.

Tatsächlich legt die Betriebsbewilligung für private Kinder- und Ferienheime beispielsweise fest, dass Schlafräume mindestens 12 Quadratmeter gross und Rückzugsmöglichkeiten für die Jugendlichen vorhanden sein müssen, die «durch räumliche und gestalterische Elemente zu fördern sind». Alles Punkte, die die Salomon nicht erfüllt. Ausserdem kann der Kanton Bern die Aufsichtspflicht, die mit der Bewilligung einhergeht, nur schwer erfüllen – bei einem Heim, das als Schiff die Weltmeere umsegelt. 

Trotzdem: Die Berner Behörde segnete die Institution ab und liess das Schiff in See stechen.

Vorhänge und Time-Outs

Dass das Kantonale Jugendamt die Salomon gerade erst gutgeheissen hat, ist mit ein Grund, weshalb die Salomon-Kapitäne noch lange nicht daran denken, die Segel zu streichen. Ausserdem wissen die Geschäftsführer des Jugendschiffs nichts davon, dass das Jugendamt – wie in der NZZ zitiert – eine Verlängerung der Bewilligung ausschliesst.

«Dass im August 2016 mit Sicherheit keine neue Bewilligung erteilt wird, stimmt nicht», sagt Jonathan Reist, Co-Geschäftsleiter der Stiftung Jugendschiffe gegenüber watson. Mitte 2015 will die Stiftung ein neues Konzept einreichen. «Wenn dieses den Gesetzen entspricht, hat das Kantonale Jugendamt keinen Grund, es nicht zu bewilligen», so Reist. 

Eine der Anpassungen wird die Zeitspanne der Aufenthalte sein: Statt neunmonatigen Placierungen wolle die Stiftung künftig vorausichtlich sechsmonatige Time-Outs anbieten, so der Co-Geschäftsleiter. Und als Sofortmassnahme für die Rückzugsmöglichkeiten würden in den Kojen die Better mit Vorhängen voneinander getrennt.

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Co-Geschäftsleiter Mario Schmidli. bild: zvg

Wenn Bern nicht bewilligt, werden andere Kantone angefragt

Klar ist: Auflagen, wie die Mindestanzahl Quadratmeter pro Kind, wird die Salomon nie erfüllen können. «Ob diese einzelnen Gesetzesparagraphen sinnvoll sind, sei dahingestellt», sagt Reist dazu. Die «Auswirkungen auf die Privatsphäre» werde man mit dem Jugendamt aushandeln müssen. Auch, wie der Kanton die Aufsichtspflicht erfüllen soll, ist noch unklar. Die Behörde hat aber gegenüber den Geschäftsleitern Gesprächsbereitschaft signalisiert. Am Montag werden die beiden Parteien gemeinsam die Öffentlichkeit informieren. Die Behörde war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

So oder so: Schmidli und Reist sind zuversichtlich, dass die Salomon weiterhin in See stechen wird. Die Erfahrungen würden für das Jugendschiff sprechen, sagen beide. Und solange die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Jugendliche auf dem Schiff placieren würde, sei dessen Existenz nicht in Gefahr. Ausserdem: «Wenn das Jugendamt die Bewilligung nicht erteilt, können wir theoretisch immer noch in anderen Kantonen ein Gesuch einreichen», sagt Reist. «Aber ich denke nicht, dass das nötig sein wird.» 

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Yannick S. hat als 14-Jähriger ein Jahr auf dem Schiff verbracht. Warum die Salomon seine Rettung gewesen ist, erzählt er hier bild: zvg



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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 04.10.2014 20:52
    Highlight Highlight EINSICHT ODER EIFERSUCHT?

    Mir scheint, dass die Berner Behörden gemerkt haben, dass die Erfoglsquote des Jugendschiffs Salomon höher ist als die Ihrige. Wenn man die Kosten pro Tag anssieht, dann hat das Jugendschiff Salomon noch einmal die Nase vorn!

    Warum etwas verbieten das prima läuft und schon lange Erfolg vorweisen kann?

    Bern sollte besser in die Jugendliche Investieren, als in den schwerfälligen Verwaltungsapparat der Berner Institutionsanstalten!

    Diese kosten nämlich pro Insasse ca. 800 oder mehr SFr "pro Tag", wohlverstanden! ut (dp)
  • northdog 04.10.2014 02:48
    Highlight Highlight offenbar ist unser staat mehr intressiert in gefängnisse zu investieren als in die jugend leider das heisst für mich das der staat den staat bezahlt und nichts anders dass würde ich dann abzocke nennen das schiff ist mein anker immer noch im herzen und in meinen entscheidungen Jeden tag präsent gebe das was du von andern erwartest denn das bringt dich im leben weiter und das schiff hat mich aus dem sumpf geholt als ich keinen ausweg mehr sah die mitarbeiter sind bestens geschult im umgang mit jugendlichen ich und viele andere sind überzeugt das es weiter geht egal was da in den medien geschrieben wird.
  • Androider 04.10.2014 01:46
    Highlight Highlight Wer einen unverfälschten Bericht zur "Salomon" sehen möchte, dem empfehle ich folgendes Video:

    Das Jugendschiff - ganzer Film (2013):
    Play Icon
  • northdog 03.10.2014 18:32
    Highlight Highlight wir machen uns stark fürs schiff eine hand fürs schiff eine für dich. nun gilt das moto diesmal umgekehrt
    das schiff hat uns geholfen also sind wir es dem schiff schuldig das es weiter geht und noch vielen weiteren Jungs geholfen wird

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