Schweiz

Staatsrat Pierre Maudet. Bild: KEYSTONE

Genfer Staatsrat Pierre Maudet steigt ins Rennen um Burkhalter-Nachfolge

04.08.17, 12:28 07.08.17, 10:28

Der erst 39-jährige Genfer FDP-Staatsrat Pierre Maudet will Nachfolger von Bundesrat Didier Burkhalter werden. Sein Parteikollege Christian Lüscher hatte am Vortag den Weg für Maudets Bundesratskandidatur freigemacht.

Die FDP Genf zeigte sich am Freitag erfreut darüber, dass sich Maudet entschieden hat, ins Rennen um den Bundesratssitz von Burkhalter zu steigen. Sie schlägt der Delegiertenversammlung vom 8. August mit «Enthusiasmus» vor, die alleinige Kandidatur Maudets zu unterstützen.

Pierre Maudet Bild: KEYSTONE

Der Genfer FDP-Staatsrat Pierre Maudet eilte in seiner Polit-Karriere von Wahlerfolg zu Wahlerfolg. Der 39-Jährige beginnt sich auch auf nationaler Bühne einen Namen zu machen. Sein Kurs bewegt sich zwischen Recht und Ordnung auf der einen Seite und Öffnung auf der anderen.

Früher als Pierre Maudet kann man gar nicht in die Politik einsteigen. Bereits im Alter von elf Jahren schreibt er der Stadt Genf einen Brief für einen Skater-Park. Und mit 15 Jahren gründet er das Jugendparlament der Stadt Genf.

Bereits mit 21 Jahren zieht der FDP-Politiker in das Stadtparlament ein und schafft 2007 als 29-Jähriger den Einzug in die Stadtregierung. Vier Jahre später wird er im Amt bestätigt, doch 2012 nimmt er Kurs auf die Kantonsregierung.Pierre Maudet, in Genf unterdessen unter dem Übernahmen «Meister Proper» bekannt, wird bei einer Ersatzwahl gewählt und übernimmt das Sicherheitsdepartement. Ein Jahr später wird er wieder gewählt und erweitert seinen Einflussbereich: Neu führt er das Departement für Wirtschaft und Sicherheit.

Der Genfer Senkrechtstarter erlitt in seiner Karriere nur wenige Wahlniederlagen: Bei den Nationalratswahlen 2003 ging er leer aus. An der Universität Freiburg schloss er einen Master in Rechtswissenschaften mit Zusatz Europarecht ab, sein Berufsleben begann er in der Politik, der er bis heute treu geblieben ist.

Von Pascal Couchepin gefördert

In der Armee diente Maudet, der auch der deutschen Sprache mächtig ist, als Hauptmann der Rettungstruppen. Bei seinem Werdegang stand Bundesrat Pascal Couchepin Pate. Der Freisinnige hatte Maudet 2005 an die Spitze der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen berufen. Maudet war bis 2015 deren Präsident.

Bundespräsidenten der letzten 20 Jahre

Seit 2016 präsidiert er die Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren der Kantone der lateinischen Schweiz. Der umtriebige Genfer Staatsrat machte bereits auf nationaler Politbühne auf sich aufmerksam.

Er kritisierte 2011 Bundesrat Ueli Maurer - damals Vorsteher des Verteidigungsdepartements - für dessen Sicherheitspolitik und forderte eine Professionalisierung der Armee. Auch bei der Verstärkung der Nachrichtendienste und der Bekämpfung von Terrorismus und Radikalisierung bringt sich Maudet regelmässig auf nationaler Ebene ein.

Sans-Papiers und GefängnisseAuf wirtschaftlicher Ebene setzte er sich für die Einführung von Leitplanken für die Personenfreizügigkeit ein und befürwortet eine Kontrolle des Arbeitsmarktes. Von sich Reden machte er sich auch mit dem Programm Papyrus für die Regularisierung der Sans-Papiers, das auch von linker Seite befürwortet wurde.

Viel Kritik gibt es hingegen für den strikten Kurs beim Asylwesen und der Bekämpfung der Kriminalität. Nicht zuletzt seinetwegen sind die Gefängnisse in Genf randvoll. Er regiert in Genf mit einer stets bis ins Detail durchgeplanten Kommunikationsstrategie.

Bei der Einführung von Video-Kameras im Genfer Pâquis-Quartier sprach Maudet von «Vidéoprotection» (Videoschutz) statt von Videoüberwachung. Der Vater dreier Kinder ist am unteren Genfersee-Ufer seit langem für seine Ambitionen bekannt. Deshalb wurde er sehr rasch für die Nachfolge von Didier Burkhalter genannt.

Die Kantonalparteien haben noch bis am nächsten Freitag Zeit, bei der FDP Schweiz Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge Burkhalters vorzuschlagen. Die Bundesversammlung wird das neue Mitglied der Landesregierung am 20. September wählen. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Digichr 04.08.2017 12:34
    Highlight Ich finde das eine Farce gegenüber dem Tessin. Für mich ist es klar Sadis oder Cassis, das sind wir dem Tessin schuldig.

    9 18 Melden
    • Beckham 04.08.2017 15:32
      Highlight Es braucht die geeignetste und kompetenteste Person. Egal woher die kommt..
      13 6 Melden
    • AlteSchachtel 04.08.2017 16:29
      Highlight Nein, gemäss Verfassung müssen die Sprachregionen angemessen vertreten sein.

      Wenn jetzt schon die SVP und SP BRs aus der Romandie haben, dann ist es reiner Grössenwahn noch ein welsches - noch dazu männliches (wo alles nach der Frauenquote schreit) - Exemplar der FDP aufzustellen (nicht angemessen).

      Zuerst kommt jetzt aber mal die italienische Schweiz zum Zug.
      8 9 Melden
    • Beckham 04.08.2017 16:53
      Highlight Unter "Rücksicht nehmen" verstehe ich kein Müssen. Es geht mir auch gar nicht darum, das Tessin aussen vor zu lassen. Es darf einfach nicht das Killer-Kriterium sein..
      11 0 Melden

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