Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Abstimmungsforschung: Der traditionelle Röstigraben verliert immer mehr an Bedeutung. Bild: KEYSTONE

Der Röstigraben: Ein Schweizer Abstimmungs-Phänomen scheint zu verschwinden



Bei nationalen Abstimmungen ist der Röstigraben seit bald zehn Jahren immer weniger auszumachen, wie eine Studie der ETH Lausanne (EPFL) aufzeigt. Grund ist die Annäherung zwischen den grossen Schweizer Städten. Vor allem in der Deutschschweiz öffnet sich aber ein Graben zwischen Stadt und Land.

Für die Studie wertete Urbanistik-Forscher und Architekt Shin Alexandre Koseki der EPFL die Resultate der nationalen Abstimmungen der vergangenen 30 Jahre aus. Seine Analyse befasst sich mit dem Zeitraum zwischen 1981 und 2014. Über 300 Urnengänge nahm der Forscher unter die Lupe.

Dabei stellte sich heraus, dass die 1980er-Jahre noch oft von Gräben zwischen den Sprachregionen in der Schweiz geprägt waren. Die Stimmberechtigten in Genf und Zürich verfolgten klar andere Interessen, hielt der aus Kanada stammende Doktorand fest.

«Der Faktor Sprache neigt zu verschwinden.»

Alexandre Koseki, Urbanistik-Forscher an der EPFL

In den 1990er-Jahren änderte die Politlandschaft, als sich die grossen Deutschschweizer Städte politisch annäherten. Das gleiche Phänomen zeigte sich mit der Romandie, Städte und Land inbegriffen.

Seit dem Jahr 2000 glichen sich schliesslich die Deutschschweizer Städte und die gesamte Westschweiz an. «Der Faktor Sprache neigt zu verschwinden», sagte der Forscher, der daraus auf einen weniger tiefen Röstigraben schliesst.

Hier verläuft die imaginäre Grenze des Röstigrabens: Die Saane in Fribourg. 

Stadt-Land-Graben in der Deutschschweiz

Neu stehen die Westschweiz, die grossen Städte der Deutschschweiz, das Tessin und ein Teil von Graubünden der Deutschschweizer Agglomeration und der Landbevölkerung gegenüber. Der Forscher stellte dies in neuartigen Karten für Abstimmungsresultate dar.

So zeigte sich von 2003 bis 2014 ein grünes Band der Zustimmung von Genf bis St.Gallen. Für Koseki ist das Ausdruck eines neuen sozialen und politischen Kontextes: «Es gibt mehr Mobilität und Vernetzung. Man tauscht mehr und mehr aus, was zu einer Übereinstimmung der kulturellen und politischen Präferenzen führt.»

Die Achse zwischen Genf und St.Gallen werde mehr und mehr zu einem einzigen helvetischen Stadtgebiet. Ein gemeinsamer urbaner Raum zeichne sich ab, in dem es unzählige Verbindungen zwischen den Einwohnern gebe.

Stadt gegen Agglomeration und Land

Diese Vereinheitlichung zeige sich auch in anderen Gebieten in Westeuropa oder Nordamerika. «Das hat auch mit dem heutigen Globalisierungsprozess zu tun», fügt der Forscher an.

Die Schweiz unterscheide sich vor allem zwischen Stadt und Land. Vor allem in der Deutschschweiz würden sich die grossen Städte massiv von der Agglomeration, der Landbevölkerung und den Berggebieten unterscheiden.

Für Shin Alexandre Koseki stellen diese Resultate auch das System mit Volksmehr und Ständemehr bei nationalen Abstimmungen in Frage. Das effektive Gewicht der urbanen Zentren werde bei diesem System nicht abgebildet, hält der Forscher fest.

In seinen Augen müssten die Erkenntnisse dazu führen, dass die Städte mehr gemeinsame Projekte anpacken müssten, um ihre Interessen besser verteidigen zu können. (cma/sda)

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • JoJodeli 08.11.2016 09:13
    Highlight Highlight Off topic:
    Das Ding auf dem Bild sind mir einfach nicht aus wie eine gute schweizer Rösti 🤔
  • meine senf 08.11.2016 07:51
    Highlight Highlight Ich behaupte, der Stadt-Land-Graben ist nur ein Symptom, in Wirklichkeit ist es ein Bildungsgraben:
    Wer mehr Bildungsprivilegien genoss (Gymnasium inkl. Staatskunde und Geschichte) und dadurch weniger für Populismen und Politik-Marketing anfälligt ist, zieht wegen den Unis früher oder später in die Städte, während der Rest auf dem Land übrig bleibt und diese beiden Umfelder kaum noch Kontakt haben.

    Ausserdem wird dieser Effekt durch die Aufwertungen und Gentrifizierungen in den Städten noch verstärkt: Die "frustrierten Abgehängten" können sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten.
    • bokl 08.11.2016 08:52
      Highlight Highlight Einbildung ist auch eine Bildung ...
    • meine senf 08.11.2016 09:27
      Highlight Highlight bokl: Warum hat es dann z.B. in einer JUSO fast nur Studenten während Lehrlinge eher zu SVP tendieren? (Natürlich nur tendenziell, zum Glück gibt es auf beiden Seiten noch Ausnahmen).
    • meine senf 08.11.2016 12:50
      Highlight Highlight AL:BM: Was soll denn an meiner Ansicht arrogant sein?

      Bitte nicht falsch verstehen: Weniger Bildungsprivilegien genossen heisst nicht, dass man dumm ist! Sondern oftmals nur, dass man in der "falschen" Familie aufwuchs. Ich war selber auch Lehrling und (leider) nicht Student!

      Ich sagte auch nicht, ob jetzt SVP oder JUSO besser sei.

      Ich meinte nur, dass es offenbar diese Unterschiede gibt.
      Vielleicht ist der Grund ja ein anderer? Wenn ich nicht recht habe, was denken Sie denn, was die Ursachen sind?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luca Brasi 08.11.2016 07:21
    Highlight Highlight Gibt es eigentlich einen Grund, warum Stadt und Land in der Deutschschweiz politisch auseinanderdriften, während das in der Westschweiz weit weniger der Fall ist?
    • meine senf 08.11.2016 08:07
      Highlight Highlight Nur eine Vermutung: In der Westschweiz gibt es weniger reine "Landkantone" wie z.B. Appenzell, praktisch alle Westschweizer Kantone haben eine grössere Stadt.
      Und mit Ausnahme des Wallis gibt es aus topographischen Gründen weniger stark abgelegene Gegenden, so dass die gefühlte Distanz zwischen Land und Stadt vielleicht geringer ist.
    • Warumdennnicht? 08.11.2016 08:19
      Highlight Highlight Ich denke mal, dass Städte eher Links sind. Da die Westschweiz aber allgemein "linker" ist als die Deutschschweiz ist der Unterschied nicht so gross.

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

Mitglieder der Revolutionären Jugend Bern schreiben auf Facebook, sie hätten sich in Paris ein Bild der Bewegung machen können, das «sehr positiv und motivierend» ausfalle. Darunter publizieren sie ein Foto eines brennenden Autos. 

Auch die Zürcher Sektion der Bewegung berichtet von …

Artikel lesen
Link to Article